Wechselbad am Abend

Detlev Landmesser

Stand: 11.03.2009, 20:26 Uhr

Im Verlauf ging es an der Weltleitbörse New York dann doch wieder aufwärts. Im Mittelpunkt des Geschehens standen die Banken, deren Aktien zwischen Hoffnung und Sorge schwankten.

Als der Chef von JP Morgan am Abend erklärte, seine Bank sei in den ersten beiden Monaten profitabel gewesen, und damit der entsprechenden Auskunft der Citigroup vom Dienstag folgte, begannen die Indizes in New York wieder zu steigen, nachdem sie zwischenzeitlich ins Minus gedriftet waren.

Der L-Dax ging 0,6 Prozent höher bei 3.889,76 Punkten aus dem Handel. Am Nachmittag hatte der deutsche Leitindex noch mit bis zu 2,8 Prozent Plus an der 4.000er-Marke angeklopft.

An der Wall Street dominierte zunächst die Hoffnung, dass die US-Regierung die Banken bald von ihren toxischen Wertpapieren befreien werde. US-Finanzminister Timothy Geithner hatte angekündigt, bald die Details für den öffentlich-privaten Fonds zu nennen, der den krisengeschüttelten Instituten ihre Schrott-Wertpapiere abkaufen soll.

US-Haushaltsloch wird immer größer

Wie zu erwarten war, hat sich das US-Haushaltsdefizit im Februar weiter deutlich erhöht. Im amerikanischen Etat habe im vergangenen Monat ein Loch von 192,8 Milliarden Dollar geklafft, nach 175,6 Milliarden Dollar im entsprechenden Vorjahresmonat, teilte das US-Finanzministerium mit. Damit wurde für den Monat Februar ein neuer Rekordwert erreicht. Volkswirte hatten allerdings ein noch höheres Defizit von 205,7 Milliarden Dollar erwartet.

Commerzbank dreht ins Minus
Am deutschen Markt konnte die Deutsche Bank ein stattliches Tagesplus von acht Prozent aus dem Handel retten. Dagegen wurde die Commerzbank-Aktie im Verlauf ans Dax-Ende durchgereicht. Die Bank stellt sich auf sinkende Erträge im Privatkundengeschäft ein. "Für das Privatkundengeschäft werden die Zeiten härter werden", sagte Vorstandsmitglied Achim Kassow. In den kommenden zwei Jahren werde es bei der Commerzbank daher kein signifikantes Wachstum mehr geben, zumal die Fusion mit der Dresdner Bank "sehr anspruchsvoll sei", so Kassow weiter.

Deutsche Auftragseingänge heftig eingebrochen
Wie so oft, scherten sich die Anleger nicht lange um die verheerende Verfassung der deutschen Wirtschaft. Wegen des wegbrechenden Auslandsgeschäfts mussten die Firmen im Januar das größte Auftragsminus seit der Wiedervereinigung hinnehmen. Sie sammelten saisonbereinigt 35,2 Prozent weniger Bestellungen ein als vor Jahresfrist. Auch zum Dezember war das Minus mit acht Prozent deutlich stärker als erwartet. Der Euro machte sich am Abend dennoch über die Widerstandszone um 1,2830 Dollar auf.

UBS schiebt Milliardenverlust nach
Aus der Schweiz kam noch ein unerfreuliches Detail: Die UBS revidierte ihren Jahresverlust um 1,2 Milliarden Franken nach oben. Die Großbank gab nun einen Fehlbetrag von 20,89 Milliarden Franken an. Grund für die Richtigstellung war nach Angaben der UBS eine Strafzahlung an die USA wegen des schwelenden Steuerstreits sowie Abschreibungen auf Wertpapiere.

Autoaktien gefragt
Die Autotitel BMW und Daimler waren ebenfalls gut aufgelegt. Händler berichteten von Umschichtungen vom Versorger- in den Autosektor. Außerdem gab es Gerüchte, dass die französischen Autohersteller Peugeot und Renault Fusionsgespräche führen.

Lufthansa erleidet Gewinneinbruch
Die Lufthansa-Aktie lag gleichauf mit dem Dax. Die größte deutsche Fluggesellschaft hat 2008 mit 24,87 Milliarden Euro elf Prozent mehr umgesetzt als im Jahr zuvor. Beim Gewinn verzeichnete der Konzern allerdings nur noch 599 Millionen Euro, zwei Drittel weniger als 2007. Der Ausblick für 2009 ist eher düster: Der Umsatz werde durch einige geplante Übernahmen zwar steigen, dies werde sich aber nicht auf den Gewinn auswirken.

Frachteinbruch bei Fraport
Wie schon gestern die Lufthansa, meldete der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport einen erheblichen Rückgang bei den Passagier- und Frachtzahlen. Die Passagierzahlen gingen im Februar um 13,3 Prozent im Jahresvergleich zurück, das Frachtvolumen brach sogar um 25,4 Prozent ein. Rechnet man allerdings den Schaltjahreffekt heraus, habe sich der Abwärtstrend nicht beschleunigt.

Hannover Rück blickt nach vorn
An der MDax-Spitze rangierte die Aktie von Hannover Rück. Der bald im Dax notierte Rückversicherer hat für 2009 einen Gewinn pro Aktie von 4,75 bis 5,25 Euro angekündigt. Im vergangenen Jahr allerdings belasteten Verluste im Wertpapierhandel die Bilanz, 127 Millionen Euro Miese machte die Hannover Rück netto, das Ebit ging von 928 Millionen auf 148 Millionen Euro zurück.

Springer will weiter zukaufen
Die Aktie von Axel Springer legte um 1,6 Prozent zu. Der Medienkonzern hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 571,1 Millionen Euro erzielt, nach einem Verlust von 288,4 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz wuchs um 5,8 Prozent auf 2,73 Milliarden Euro. 2009 sei ein "extrem schwieriges" Anzeigengeschäft zu erwarten, teilte der Berliner Konzern mit. Dennoch sei man überzeugt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und Marktanteile zu gewinnen.

Biotest wird kürzer treten
Das ist Börse: Mit seinen Jahreszahlen rechtfertigte Biotest nachträglich den Höhenflug im vergangenen Jahr - dennoch setzte der SDax-Titel am Mittwoch seinen danach angetretenen scharfen Abwärtstrend fort. Wie Biotest mitteilte, stiegen die Erlöse im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf 423 Millionen Euro, das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 44 Prozent auf 55,6 Millionen Euro. 2009 will Biotest den Umsatz nur noch um zehn Prozent steigern, beim Ebit erwartet die Firma gar keine Verbesserung mehr.

FJA und COR wollen fusionieren
Die beiden Finanzsoftwarefirmen FJA und COR wollen sich zusammenschließen, teilten beide Unternehmen am Nachmittag mit. Beide Firmen stellen Software für Banken und Versicherungen her, und wollen ihre Kräfte bündeln. Für die geplante "COR&FJA AG" sollen insgesamt 1.000 Mitarbeiter arbeiten, die voraussichtlich einen Umsatz von 130 Millionen Euro erwirtschaften. Die Transaktion soll im zweiten Halbjahr 2009 abgeschlossen sein. Besonders die FJA-Aktie profitierte von den Plänen.

Kampa geht das Geld aus
Der Fertighausbauer Kampa ist zahlungsunfähig. Der Vorstand werde unverzüglich Insolvenzantrag stellen, teilte das ehemalige SDax-Unternehmen aus Minden am Vormittag mit. Zur aktuellen Lage erklärte eine Sprecherin, Kampa verfüge über einen "sehr ordentlichen" Auftragsbestand. Hohe Verluste hätten die Firma aber in Finanznot gebracht. Erst vergangene Woche hatte der Aufsichtsrat zwei Vorstände entlassen.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr