Weber hilft Dax auf die Sprünge

Stand: 25.11.2010, 20:00 Uhr

An der Wall Street blieb der Börsenhandel geschlossen, deshalb verlief der Handelstag zunächst impulslos - der Dax rührte sich kaum von der Stelle. Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel Weber brachten den orientierungslosen Märkten am Nachmittag dann den erhofften Auftrieb.

Ein Feiertag in den USA ist meistens auch ein Ruhetag an den europäischen Börsen: Die Amerikaner begingen das Erntedankfest "Thanksgiving" und die deutschen Investoren lehnten sich ebenfalls gelassen zurück. "Viele Europäer nutzen die Abwesenheit der amerikanischen Investoren zur Analyse der jüngsten Ereignisse", sagte ein Händler.
Dass die Investoren mit den Gedanken nur halb bei der Sache waren, ließ sich auch an den Umsätzen erkennen, die deutlich niedriger waren als an den anderen Wochentagen.

Recht spät weckte Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Axel Weber die Investoren auf: Die aktuellen Milliarden-Rettungspakete für Euro-Länder können aus Sicht von Weber im äußersten Notfall auch aufgestockt werden.

Er halte einen solchen Extremfall aber für absolut unwahrscheinlich, sagte Weber, der den europäischen Rettungsschirm ferner als ausreichend bezeichnete. Weber hat mit diesen Aussagen, die wegen der Schuldenkrise verunsicherten Märkte etwas beruhigt", sagte ein Marktteilnehmer.

Thomas Körfgen, Geschäftsführer von SEB Asset Management, verwies darauf, dass Anleger auf eine Jahresendrally und eine gute Entwicklung im Januar hofften und sich daher bereits frühzeitig positionieren würden.

Stahlwerte wie ThyssenKrupp glänzten

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,87
Differenz relativ
+1,73%

Mit einem Aufschlag von mehr als vier Prozent richteten sich die Aktien von ThyssenKrupp an der Spitze ein. Die Schweizer Großbank UBS hatte das Kursziel für den Konzern vor Jahreszahlen von 28,00 auf 33,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" bestätigt. Die zuletzt bessere Kursentwicklung der Aktien dürfte sich wahrscheinlich fortsetzen, schrieb Analyst Andrew Snowdowne, und erhöhte seine Gewinnerwartungen um 19 bis 35 Prozent. Die im MDax gelisteten Aktien von Klöckner & Co verteuerten sich dank einer optimistischen Analyse der Goldman-Sachs-Fachleute um mehr als sieben Prozent und führten den Index der mittelschweren Werte an. Salzgitter rückten im Schlepptau um mehr als drei Prozent vor.

Übernahmeziel SAP?

Leicht überdurchschnittlich legten Aktien von SAP zu: Spekulationen, wonach der Softwarekonzern nach der Verurteilung zur Zahlung eines Milliarden-Bußgeldes an Oracle ins Visier von möglichen Kaufinteressenten geraten sein soll, machten das Papier attraktiv. Als Käufer werden IBM oder Hewlett-Packard gehandelt.

Metro schließt auf Platz vier

Positive Analystenkommentare hoben Metro-Papiere auf das höchste Kursniveau seit März 2008. Die Analysten der UBS hatten sich positiv zum Einzelhandelskonzern geäußert. Metro legten auf Sicht von drei Monaten fast 40 Prozent zu, der Dax hingegen nur 15 Prozent. Zudem bekräftigte DZ-Bank-Analyst Herbert Sturm eine Kaufempfehlung: Es gebe klare Anzeichen für ein herausragendes Weihnachtsgeschäft, so der Experte. Die bisherigen Gewinnschätzungen für das vierte Quartal seien vermutlich zu konservativ.

Gelbe Aktien auf Talfahrt

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
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-0,35%

Schlusslicht im Dax waren erneut die Aktien der Post mit einem Abschlag von 1,8 Prozent. Die Aktien des Logistikers sind seit Veröffentlichung eines mit Enttäuschung aufgenommenen Ausblicks am Dienstag auf Talfahrt. Seit Jahresanfang büßten die Titel mehr als drei Prozent ein, während der Dax im gleichen Zeitraum mehr als 15 Prozent zulegten. Die Papiere der Tochter Postbank, die der Bonner Konzern an die Deutsche Bank verkaufen will, gerieten im MDax nach Auslaufen des Angebots der Frankfurter für die freien Aktionäre unter Druck. Die Titel verloren mehr als drei Prozent und waren zweitschwächster Index-Wert.

Centrotherm ist Anlegers Liebling

Ganz anders verlief der Tag für Centrotherm: Die Aktien des Solarunternehmens schlossen an der TecDax-Spitze. Sie profitierten von einer Kaufempfehlung der Credit Suisse und stiegen um mehr als sechs Prozent. Die verbesserte Qualität des Auftragsbestands sei positiv, stellten die Analysten fest, die ihre Anlageempfehlung auf "Outperform" von "Neutral" anhoben. Sie erhöhten ihre Gewinnschätzungen je Aktie für 2010 und 2011 um 28 beziehungsweise elf Prozent. Die Aktie sei niedrig bewertet, lautete ihre Einschätzung.

Neuer Finanzchef bei Sky

Der angeschlagene PayTV-Sender Sky will seine Lage mit einem neuen Finanzchef stabilisieren. Der neue Mann, Steve Tomsic, komme vom Sky-Haupteigner News Corp, teilte Sky am Donnerstag mit. Tomsic werde ab dann zunächst für zwei Monate an der Seite des bisherigen Finanzvorstands Pietro Maranzana arbeiten und seinen neuen Posten ab Februar allein ausüben. Den Anlegern gefiel der plötzliche Personalwechsel nicht: Die im MDax gelistete Sky-Aktie verlor über fünf Prozent.

Indus-Aktie auf Jahreshoch

Gefragt waren die im SDax notierten Aktien der Industrieholding Indus, die zeitweise den höchsten Stand des laufenden Jahres erreichten. Die Beteiligungsfirma wird in diesem Jahr voraussichtlich ihren Rekordumsatz aus Vorkrisenzeiten von rund 920 Millionen Euro übertreffen. Das Unternehmen erwartet zudem eine Ebit-Rendite von zehn Prozent. Ende September erreichten die Erlöse 710 Millionen. Auch 2011 soll das Wachstum weitergehen.

Pfleiderer-Aktie gewinnt zweistellig

Die Aktien des Holzverarbeiters schossen um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Dabei wechselten binnen der ersten Handelsstunde bereits fast so viele Papiere des Holzverarbeiters den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Dennoch bleibt das Gesamtbild im November trübe: Trotz der rasanten Rally der vergangenen drei Tage, die Pfleiderer ein Kursplus von satten 40 Prozent brachte, liegt der Kurs immer noch rund 35 Prozent unter dem Niveau von Ende Oktober.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr