Was kommt nach Irland?

Stand: 29.11.2010, 20:01 Uhr

Im Eilverfahren segneten die EU-Finanzminister am Wochenende die Hilfe für Irland ab. Die Märkte hat es am Montag nicht beruhigt. Angesichts steigender Risikoaufschläge für andere Euro-Staaten steigt die Sorge vor neuen, notwendigen, Milliardenrettungen. Der Dax erreichte erst ein Jahreshoch und stürzte dann um zwei Prozent ab.

Es war ein seltsamer Tag an der Börse in Frankfurt. Zunächst hatte der am Wochenende beschlossene Milliardenkredit für Irland durchaus einen wünschenswerten Effekt. Die Kurse stiegen, der Dax erreichte mit 6.908 Punkten am Morgen einen neues Zweijahreshoch. Auch ein gut ausgefallener europäischer Geschäftsklimaindex schien den Anlegern in die Hände zu spielen.

Doch dann machte sich plötzlich Unruhe bemerkbar. Sie rührte her von den abermals steigenden Kosten für Risikoausfallversicherungen für Staatsanleihen der wackeligen Euroländer Italien, Spanien und Portugal. Auch die Risikoaufschläge für Belgien stiegen weiter und erreichten ein Rekordhoch. Dies drehte den Markt, und als dann die Wall Street mit ebenfalls großen Verlusten den Handelstag begann, sackte der Dax endgültig in den Keller. Er schloss mehr als 200 Punkte unter seinem Tageshöchstkurs, 2,2 Prozent schwächer bei 6.698 Punkten.

Im Dax schloss jede einzelne Aktie mit Verlusten. Am besten kamen noch die Aktionäre von Merck, der Telekom und Infineon weg, sie mussten nur kleinere Abschläge verkraften. Die zuletzt schon sehr stark gelaufene Infineon-Aktie profitierte von einer Analystenstudie. Die Société Générale gab ein neues Kursziel von 7,7 Euro heraus, sowie eine "Kauf"-Empfehlung.

Zykliker unter Druck
Tendenziell bevorzugten die Anleger am Montag die Aktien der konjunkturresistenten Unternehmen, Zykliker wurden stärker verkauft. Die Aktien der Automobilhersteller finden sich daher allesamt im unteren Dax-Drittel. BMW-Aktien waren speziell wegen der Kursverluste des chinesischen Partners Brilliance in Hong Kong unter Druck. Und MAN-Aktien litten unter Merrill Lynch. Die Investmentbankexperten hatten die Aktie von ihrer "Europe 1 Focus List" gestrichen. Die Aktie verlor 4,1 Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,17
Differenz relativ
-1,36%

52 Prozent für die Deutsche Bank
Die Deutsche Bank teilte Einzelheiten zu ihrer erfolgreichen Postbank-Übernahme mit. Knapp 52 Prozent der Anteile an der MDax-Bank habe man sich gesichert. Die Deutsche Post besitzt weitere 39,5 Prozent. Der Streubesitz bei der Postbank sinkt damit unter die Schwelle von zehn Prozent, weswegen die Aktie demnächst aus dem MDax fliegen dürfte. Diese Aussicht drückt den Postbank-Kurs heute deutlich.

Rettet die Bafin Hochtief?
Die kaum noch abwendbare Übernahme des deutschen Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Wettbewerber ACS könnte doch noch gestoppt werden. Die deutsche Börsenaufsicht BaFin hatte am Wochenende Bedenken gegen die Übernahme angemeldet und auf die finanziell angeschlagene Lage von ACS verwiesen. Hochtief-Aktien schlossen mehr als fünf Prozent schwächer, Anleger stellen sich schon auf eine gescheiterte Übernahme ein.

Der österreichische Baukonzern Strabag gab am Morgen seine Neunmonatsbilanz bekannt. Sowohl Ergebnis als auch Umsatz gingen leicht zurück, der Konzern bestätigte seine Jahresprognose. Im vergangenen Jahr hatte Strabag vor allem von staatlichen Konjunkturprogrammen profitiert.

Erhebliche Verluste: Solaraktien
Wer Anfang des Jahres zufällig auf Solaraktien setzte, musste bis heute erhebliche Verluste einstecken. Die Aktien bekamen nun einen neuen Tiefschlag. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, dass die Bundesregierung die Einspeisevergütung für Solarstrom im kommenden Jahr weiter senken könnte. Top-Verlierer bei den Solarwerten war heute die Solarworld-Aktie mit einem Abschlag von 6,2 Prozent, Q-Cells folgt dahinter mit 5,4 Prozent.

Wacker Chemie ist optimistisch
Das von der Solarindustrie dringend benötigte Polysilizium sorgt bei dem Spezialchemiekonzern Wacker Chemie für dicke Auftragsbücher. Das Geschäft mit dem Rohstoff laufe prächtig, sagte Vorstandschef Rudolf Staudigl dem "Euro am Sonntag". Für die beiden kommenden Jahre sei die Produktion praktisch ausgebucht, so Staudigl.

Kurssprünge durch Übernahmen
Zwei Aktien entzogen sich dem düsteren Montagstrend auf eindrucksvolle Weise. Im TecDax legte die Conergy-Aktie um 18,9 Prozent zu. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte gemeldet, dass Hedgefonds über den Kauf von Conergy-Krediten bei der Solarfirma eingestiegen seien. Diese Schulden seien in Conergy-Anteile umgetauscht worden. Die Aktie der SDax-Firma Teleplan verteuerte sich sogar um 25 Prozent. Der Grund für den Kurssprung: Der Fonds "Gilde" bietet 2,50 Euro je Aktie für den IT-Reparaturdienstleister.

Kleine SDax-Bilanzen
Zwei Unternehmen legten ihre Quartalszahlen vor. Der Ölfelddienstleister Catoil berichtete über ein auf 16,2 Millionen Euro verbessertes Neumonatsergebnis. Die Erlöse seien, so die SDax-Firma, allerdings leicht auf knapp 174 Millionen Euro gefallen. Freundliche Kursgewinne verzeichnete die Deutsche Wohnen-Aktie. Die Immobilienfirma machte im dritten Quartal einen Gewinn von 10,1 Millionen Euro, die wichtige Branchenkennzahl FFO (Funds from Operations) stieg um 35 Prozent auf 0,46 Euro je Aktie. Deutsche Wohnen profitierte auch von der Spekulation, dass die Firma die Postbank-Aktie im MDax ersetzen könnte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr