Marktbericht 20:02 Uhr

Dax nach US-Zahlen wieder unter Druck Was für eine holprige Börsenwoche

Stand: 09.01.2015, 20:02 Uhr

Wer am Donnerstag gehofft hatte, die Börse habe nun endlich ihre Richtung gefunden, wird schon einen Tag später eines Besseren belehrt. Die Furcht vor einer Zinswende in den USA und daraufhin sinkende Kurse an der Wall Street haben den Dax erneut in die Tiefe gerissen - und die Wochenbilanz verhagelt.

Zwar hatten die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktzahlen vom Dezember zunächst für eine freudige Reaktion gesorgt - kurzzeitig war der Dax am Freitagnachmittag sogar ins Plus gedreht - doch schon bald wendete sich das Blatt und der Dax rauschte in die Tiefe.

Dabei sinkt der Dax bis auf 9.601 Zähler, mehr als 200 Punkte unter seinem Eröffnungskurs am Morgen bei 9.813. Am Ende geht der Leitindex bei 9.648 Punkten aus dem Handel, 1,92 Prozent oder 189 Punkte weniger als am Donnerstag. Damit steht auf Wochensicht ein Minus von 1,19 Prozent zu Buche.

Auch an der Wall Street haben die Arbeitsmarktzahlen vom Dezember die Kurse auf Talfahrt geschickt. Zwar wurden in den USA mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als erwartet (252.000 statt 240.000) und auch die Arbeitslosenquote (5,6 Prozent) fiel besser aus als Bankvolkswirte prognostiziert hatten, doch bringen die robusten Zahlen vielen Anlegern zufolge eine Zinswende immer näher.

Geldpolitik iund Anschläge verunsichern

Den "taubenhaften" Fed-Vertretern dürfte es nun schwerer fallen, einem Stillhalten in der Zinspolitik das Wort zu Reden, meint Ralf Umlauf, Volkswirt bei der Helaba. Einzelne Händler wollten nicht ausschließen, dass auch die barabarischen Anschläge in Paris, erst gegen Charlie Hebdo, dann am Freitag gegen ein jüdisches Lebensmittelgeschäft, die Stimmung an den Märkten gedämpft hat.

Auch an der Wall Street kommt es am Freitag zu Kursverlusten. Der Dow Jones-Index eröffnet schwächer und weitet im Handelsverlauf seine Verluste aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow bei 17.751 Punkten, 0,87 Prozent tiefer als am Vortag.

Bereits am Vormittag war der Dax 0,7 Prozent ins Minus gerutscht, nachdem eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg über die Höhe und Ausgestaltung des erwarteten Kaufprogramms für Staatsanleihen durch die EZB für Enttäuschung gesorgt hatte. Insidern zufolge prüft die Notenbank ein Kaufprogramm im Volumen von 500 Milliarden Euro. Dieses Volumen wurde von einigen Händlern als enttäuschend eingestuft.

Euro leicht erholt

Achterbahnfahrt auch für den Euro. Nachdem die zunächst mit Freude aufgenommenen US-Arbeitsmarktzahlen den Euro unter die Marke von 1,18 Dollar gedrückt hatten, kann die Gemeinschaftswährung im weiteren Verlauf diese Marke wieder überpringen und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,1831 Dollar. Am Donnerstag war ein Mehrjahrestief von 1,1753 Dollar erreicht worden. Auch die Ölpreise verharren auf niedrigem Niveau. So kostet ein Barrel der US-Sorte WTI immer noch weniger als 50 Dollar.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,69
Differenz relativ
+0,41%

Merck auf Rekordhoch

Von den 30 im dax notierten Titel können nur die beiden "defensiven" Werte Merck und Henkel ein kleines Plus retten. Die Credit Suisse hatte am Morgen das Papier von Merck auf "Outperform" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 88 von 81 Euro erhöht. Die Aktie erklimmt daraufhin ein neues Rekordhoch.

Analysten drücken Versorger

Alle anderen Dax-Papiere verzeichnen Verluste. Angeführt wird die Liste der Verlierer von den beiden Versorgern Eon und RWE. Grund sind negative Studien von Analysten. So hat das Analysehaus Kepler Cheuvreux das Kursziel für RWE von 24 auf 20 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Reduce" belassen. Das Umfeld trübe sich für den Energiekonzern weiter ein, schrieb Analyst Ingo Becker in einer Studie vom Freitag. Eon leidet unter Herabstufung durch die UBS. Die Schweizer Bank hat ihr Kursziel für Eon auf 14,20 Euro gesenkt, das Rating auf "Neutral" belassen.

Bei BMW, Daimler und VW purzeln die Rekorde

Auch Autoaktien müssen ihren gestrigen Gewinne wieder abgeben. Dabei haben die deutschen Autobauer Mercedes-Benz, Audi, BMW und VW 2014 so viele Autos verkauft wie nie zuvor. BMW setzte nach eigenen Angaben rund 1,8 Millionen Fahrzeuge ab, Mercedes 1,6 Millionen, Audi 1,7 Millionen und VW 6,1 Millionen, wie die Konzerne am Freitag mitteilten. Alle Unternehmen hatten in den Jahren zuvor bereits Rekorde aufgestellt, VW sogar zum zehnten Mal in Folge.

Bankenbranche schaut auf Santander

Überdurchschnittliche Kursverluste verzeichnen auch die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank. Derweil hat die spanische Branchengröße Santander am Donnerstag eine Kapitalerhöhung in Höhe von 7,5 Milliarden Euro angekündigt. Laut Chefin Ana Botin soll damit aber keine große Übernahme finanziert werden. Der Ausgabepreis für neue Aktien lag mit 6,18 Euro am unteren Ende der Angebotsspanne. Die Santander-Aktie verliert am Freitag rund zehn Prozent.

United Internet auf Rekordstand

Die Aktie des TecDax-Schwergewichts United Internet markiert mit rund 39 Euro ein neues Allzeithoch. Papiere des Internet- und Telekom-Konzerns sprangen am Morgen nach oben, nachdem die US-Investmentbank Goldman Sachs sie auf ihre "conviction buy"-Liste gesetzt hat.

Aixtron auf neuem Tiefstand

Dagegen sind die ebenfalls im TecDax notierten Aktien des Spezialmaschinenbauers Aixtron auf den tiefsten Stand seit Dezember 2012 gefallen. Sie verlieren zuletzt 6,6 Prozent und sind damit die scchwächsten Werte in den Index. Wegen der anhaltend roten Zahlen hatte Aixtron am Abend den Abbau von 60 der 800 Stellen bekannt gegeben.

Hella lässt es brummen

Die Ambitionen auf einen MDax-Aufstieg sind nicht aus der Luft gegriffen: Der Börsenneuling Hella wartete am Morgen mit guten Halbjahreszahlen auf. Der Umsatz des Autozulieferers stieg in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres um sechs Prozent auf 2,83 Milliarden Euro. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente das Unternehmen mit 221 Millionen Euro 29 Prozent mehr.

Tesla braucht mehr Saft in Deutschland

Der Elektroauto-Hersteller Tesla hat seine Absatzziele auf dem deutschen Automarkt nicht erreicht. Laut dem "Manager Magazin" sind 2014 nur 817 der Luxus-Stromfahrzeuge verkauft worden. Tesla hatte sich 1.000 verkaufte Stück pro Monat zum Ziel gesetzt.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr