Was für eine Berg- und Talfahrt

Stand: 16.05.2012, 20:02 Uhr

Bei den Anlegern liegen die Nerven blank. Die Ungewissheit über den Ausgang des griechischen Schuldendramas sorgt auch am Mittwoch für eine nervöse Berg- und Talfahrt der Aktienkurse.

Der Dax rutscht am Mittwoch mit einem Abschlag von 1,6 Prozent zeitweise auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Danach beruhigt sich die Lage etwas und der Leitindex dreht sogar ins Plus, steigt auf 6.442 Punkte. Doch dann sorgt eine Meldung aus der Europäischen Zentralbank erneut für einen Kursrutsch. "Der Dax geht schließlich mit leichten Verlusten von 0,3 Prozent bei 6.384 Punkten aus dem Handel.

Die Lage rund um Griechenland ist weiter kritisch. Wir wissen nicht, ob das Land unter einer neuen Regierung wieder auf die Beine kommt oder tatsächlich auf eine Pleite zusteuert", sagte ein Händler.

Am späten Nachmittag sorgt die Meldung für Verunsicherung, dass bei vier griechischen Banken das Kapital angeblich so stark aufgezehrt ist, dass sie mit negativem Eigenkapital arbeiten müssten. Nach ihren eigenen Statuten darf die EZB diese Häuser nun nicht mehr mit Liquidität versorgen. Demzufolge hat es bisher keine erfolgreiche Rekapitalisierung dieser Banken gegeben. Den betroffenen Instituten steht damit nur noch die Liquiditätshilfe der griechischen Zentralbank für ihre Refinanzierung zur Verfügung.

Anleger befürchten nun, dass bei den am 17. Juni anstehenden Neuwahlen in Griechenland die neue Regierung den Sanierungspakt mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufkündigt und das Land damit auf einen Austritt aus der Euro-Zone zusteuert - mit unabsehbaren Folgen für die Währungsunion. Denn sollte Griechenland den Euro verlassen, könnten auch andere in der Schuldenfalle sitzende Staaten wie Spanien oder Portugal den Währungsraum verlassen.

Euro über 1,27 Dollar
Der Euro kann sich dagegen leicht erholen und steigt wieder über 1,27 Dollar, nachdem er am Morgen noch unter diese Marke gerutscht war.

In New York reagieren die Anleger etwas entspannter. Nach zuletzt drei verlustreichen Tagen ist die Wall Street freundlich in den Handel gestartet. Positive Wirtschaftsdaten hätten die insgesamt weiterhin marktbeherrschenden Sorgen um die Schuldenkrise in Europa vorerst ein Stück weit in den Hintergrund gedrängt, hieß es. Der Dow Jones notiert gegen Ende der ersten Handelsstunde um 0,63 Prozent höher bei 12.711 Punkten, nachdem er zuletzt auf den tiefsten Stand seit Januar gefallen war. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist ein Großteil der Gewinne aber wieder abgeschmolzen und der Dow steht bei 12.645, nur noch 10 Punkte über dem Schlussniveau von gestern.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,75
Differenz relativ
-2,14%

ThyssenKrupp am Dax-Ende
Nachdem gestern Pläne zu einem Verkauf der verlustträchtigen Stahlwerke in den USA und Brasilien der Aktie trotz eines enttäuschenden Ausblicks ein Plus beschert hatten, geht es heute mit der ThyssenKrupp-Aktie wieder talwärts. Skeptische Experten wie der Kepler-Analyst Rochus Brauneiser haben ihr Kursziel gesenkt und drücken damit das Papier ans Dax-Ende.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
111,80
Differenz relativ
+0,04%

Deutsche Börse begehrt
Zu den Favoriten im Dax gehören dagegen die Papiere der Deutschen Börse. Händler konnten die sehr gute Entwicklung gegen den schwächeren Markt nicht nachhaltig erklären. Die Aktie habe sich schon in den vergangenen Tagen vergleichsweise gut gehalten. Womöglich kauften einige Anleger vor der hohen Dividendenausschüttung von 3,30 Euro je Aktie am morgigen Handelstag. Die Nachrichten von der Hauptversammlung werden von Börsianern als "wenig kursrelevant" eingeschätzt. Dass sich die Börse wieder auf Wachstum aus eigener Kraft fokussieren wolle, sei ja nun wirklich keine Neuigkeit.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,18
Differenz relativ
+0,10%

Telekom-Aktionäre vor das BGH
Wie von Experten von Prozessbeginn an vorhergesehen, haben die Privatanleger der Deutschen Telekom keinen Anspruch auf Schadenersatz aus dem dritten Börsengang des Unternehmens im Jahr 2000. Der Börsenprospekt enthalte keine Fehler, befand das Gericht. Die Kläger wollen nun vor den Bundesgerichtshof ziehen.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,22
Differenz relativ
+0,10%

Eon bestätigt Gasnetz-Verkauf
Verluste verzeichnet dagegen die Aktie von Eon. Dabei hat der größte deutsche Energiekonzern den Verkauf seines Gasnetzes an ein Konsortium um die australische Bank Macquarie für 3,2 Milliarden Euro bestätigt.

EADS hat Risse
Leicht voran geht es mit der im MDax notierten Aktie von EADS. Dabei konnte der europäische Flugzeugbauer im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten übertreffen und das operative Ergebnis (Ebit) auf 480 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Kosten für Haarrisse in den Flügeln des A380 kosteten EADS allerdings 158 Millionen Euro, so dass das bereinigte Ergebnis schwächer ausfiel.

Ströer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,30
Differenz relativ
-3,51%

Ströer auf dem Rückzug
Im SDax rauscht die Ströer-Aktie um gut 15 Prozent in die Tiefe. Der Spezialist für Außenwerbung hat im ersten Quartal weniger verdient und umgesetzt. Auch für das laufende zweite Quartal erwartet das Unternehmen Rückgänge.

GfK enttäuscht
Ins Plus dreht dagegen die ebenfalls im SDax notierte Aktie von GfK. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr eine Steigerung des Ergebnisses sowie ein Umsatzplus von neun Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Bis 2015 sollen es zwei Milliarden Euro sein. Im ersten Quartal dieses Jahres waren die Erlöse um gut elf Prozent auf 345,1 Millionen Euro gestiegen, das organische Wachstum betrug rund fünf Prozent. Der Gewinn ging vor allem wegen eines Zinseffekts im Vorjahresquartal um vier Prozent auf 14,4 Millionen Euro zurück.

OHB kann nicht begeistern
Auch die Aktie von OHB kann leicht zulegen. Dabei hat das Bremer Raumfahrt- und Satellitentechnikunternehmen das Ebit im ersten Quartal um 53 Prozent auf 8,9 Millionen Euro gesteigert. Auch für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand deutliche Zuwächse beim Umsatz und Ertrag.

Viele Aktien ex Dividende
Am Markt werden heute zudem die Aktien der MDax-Werte Rheinmetall (1,80 Euro), Lanxess (0,85 Euro), ProSiebenSat1 (1,17 Euro) und Symrise (0,62 Euro) ebenso ex Dividende gehandelt wie die Papiere von CTS Eventim (0,44 Euro) und Hamborner (0,40).

Chinesen lieben Richemont
Um fast acht Prozent verteuern sich dagegen die Aktien des Schweizer Luxusgüterherstellers Richemont. Der Hersteller von Cartier-Schmuck und Uhren der Marken IWC und Jaeger-LeCoultre steigerte seinen Reingewinn des im März beendeten Geschäftsjahres um 43 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Die Verkäufe in Asien legten um 46 Prozent zu und machen inzwischen 42 Prozent des gesamten Konzernumsatzes von 8,87 Milliarden Euro aus.

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,84
Differenz relativ
-0,19%

General Motors verzichtet auf Facebook
Facebook plant offenbar, die Anzahl der auszugebenden Aktien beim Börsengang von 340 auf 420 Millionen zu erhöhen. Unter Berücksichtigung der erhöhten Preisspanne könnten damit gut 15 Milliarden Dollar erlöst werden. Damit würde das soziale Netzwerk alle bisherigen Technologie-Börsengänge übertreffen.

Der Handel an der Nasdaq soll am Freitag beginnen, mit der Bekanntgabe des Ausgabepreises wird am Donnerstag gerechnet. Am Abend musste das Unternehmen allerdings einen Rückschlag hinnehmen: General Motors hat seine Werbeauftritte bei Facebook zurückgefahren.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat