Was für eine Berg- und Talfahrt

von Lothar Gries

Stand: 31.07.2008, 20:05 Uhr

Trotz rückläufiger Standardwerte in New York hat sich die Stimmung der Anleger am Frankfurter Aktienmarkt am Abend wieder aufgehellt. Doch die derzeitige Quartalssaison und sinkende Konjunkturerwartungen dürften weiter für volatile Kurse sorgen.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem Aufschlag von knapp 40 Punkten, das sind mehr als ein halbes Prozent bei 6477 Zählern. Der Tag war geprägt von einer beachtlichen Berg- und Talfahrt, die den Dax zunächst auf 6540 Punkte klettern ließ, dann auf 6428 einbrechen ließ, um schließlich den elektronischen Xetra-Handel bei 6479 Zählern zu beenden.

Grund für die Schwankungen waren zunächst die Quartalszahlen einer Reihe von Dax-Unternehmen, sowie am Nachmittag die schlechter als erwarteten Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt sowie zur Entwicklung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Sorge bereitete den Anlegern vor allem die mit 448 000 deutlich über den Prognosen liegende Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.

Gestützt wurde der Markt von der Entwicklung des Ölpreises. Zuletzt lag der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI knapp unter 125 Dollar und war damit rund zwei Dollar niedriger als im späten Vortagesgeschäft. Die in Europa führende Nordseesorte Brent kostete um 125 Dollar und damit ebenfalls rund zwei Dollar weniger. In Reaktion auf unerwartet schwache Arbeitsmarktdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft USA hatte der Ölpreis am Nachmittag vorübergehend angezogen.

Post enttäuscht die Anleger

Die Enttäuschung über die schwache Ergebnisentwicklung der Tochter Postbank und dem defizitären US-Expressgeschäft haben die Papiere der Deutschen Post heftig unter Druck gebracht. Die Aktie sinkt um 2,9 Prozent. Zuvor hatte der Konzern gemeldet, dass der Gewinn im zeitwen Quartal von 285 auf 254 Millionen Euro zurükgegangen ist. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach Sondereffekten ging von 703 auf 672 Millionen Euro zurück. Der Umsatz legte von 15,4 auf 16,2 Milliarden Euro zu. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Umsatz von 16,05 Milliarden Euro, ein Ebit nach Sondereffekten von 706 Millionen Euro und einen Gewinn von 312 Millionen Euro erwartet.

Wacker Construction senkt Prognose
Der Baumaschinenhersteller Wacker Construction korrigiert seine Prognose für das laufende Jahr nach unten. Wie der Konzern am Abend mitteilte, rechnet er nun mit einem Umsatz von mindestens 870 Millionen Euro und einer operativen Umsatzrendite (Ebitda-Marge) nach Kaufpreisallokation von mindestens elf Prozent. Die bisherige Erwartung lautete auf mehr als eine Milliarde Umsatz und eine Ebitda-Marge von mindestens 17 Prozent.

K+S bleibt optimistisch
Der Kasseler Düngemittel- und Salzspezialist K+S hat seine Ergebnisprognose für 2008 angehoben. Das Preisniveau auf den Weltdüngemittelmärkten habe sich spürbar erhöht, teilte K+S mit. K+S habe den Preis für Kaliumchlorid in Europa um weitere 40 auf 600 Euro angehoben. Ein "starkes zweites Quartal" zeichne sich ab. Daher schraube der Vorstand seine Prognose für das operative Ergebnis (Ebit I) auf 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro nach oben. Die Aktie gewinnt mehr als acht Prozent.

Deutsche Bank mit schwarzen Zahlen
Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal mächtig unter der Finanzkrise gelitten. Das Vorsteuerergebnis brach um drei Viertel auf 642 Millionen Euro ein. Unter dem Strich verdiente die Bank dank einer Steuergutschrift und Beteiligungsverkäufen mit 645 Millionen Euro sogar etwas mehr. Damit schrieb Deutschlands führendes Geldhaus wie versprochen wieder Gewinne, nachdem es im ersten Quartal in die Verlustzone gerutscht war. Eine Prognose bis zum Ende des Jahres wollte die Bank aber nicht abgeben. "Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte bleiben wir vorsichtig", erklärte Vorstandschef Josef Ackermann. Die Aktie steigt um 1,3 Prozent.

Conti punktet mit Zwischenbilanz
Der von der Schaeffler-Gruppe umworbene Autozulieferer Continental hat mit einer Bestätigung der Finanzziele bei seinen Investoren gepunktet. Nach Meinung von Branchenexperten wird die leicht über den Analystenschätzungen liegende Zwischenbilanz Aktionäre darin bestärken, ihre Papiere nicht den fränkischen Kaufinteressenten anzudienen. Der Autozulieferer hat im zweiten Quartal trotz eines Gewinneinbruchs die Analystenerwartungen übertroffen. Der Umsatz sprang auch wegen der Übernahme der früheren Siemens-Tochter VDO von 4,05 auf 6,62 Milliarden Euro. Der Ebit dank dagegen von 475 auf 456 Millionen Euro.

BASF auf Kurs
Der Chemiekonzern BASF hat im zweiten Quartal sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie vor Sonderposten um 19 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro verbessert. Analysten hatten nach einer Umfrage von Reuters im Schnitt mit 2,22 Milliarden Euro gerechnet. Der Umsatz konnte um elf Prozent auf 16,3 Milliarden Euro gesteigert werden.

Metro größter Dax-Verlierer
Deutschlands größter Handelskonzern Metro ist im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich lag das Minus bei 246 Millionen Euro. Grund waren Belastungen im Zusammenhang mit der Lebensmittelkette Real und den Modemärkten Adler. Das um solche Sondereffekte bereinigte betriebliche Ergebnis stieg von 303 auf 329 Millionen Euro und lag damit leicht über den Analystenschätzungen. Die Aktie verliert mehr als zwei Prozent.

Epcos springen nach Übernahme
Der Plan des japanischen Technologiekonzerns TDK, den Münchener Elektronikbauteile-Hersteller Epcos für rund 1,2 Milliarden Euro zu übernehmen, sorgt an der Börse für Furore. TDK bietet 17,85 Euro je Epcos-Aktie. Entsprechend springen die Aktien um mehr als 28 Prozent.

Wacker Chemie besser als erwartet
Der Spezialchemiekonzern Wacker hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um 17 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro nach oben geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 22 Prozent auf 318 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 1,09 Milliarden Euro und einem Ebitda von 293 Millionen Euro gerechnet.

Gea traut sich mehr zu
Der Anlagenbauer Gea hat seine Jahresprognose erhöht. Das Unternehmen rechnet nun mit einer noch höheren Steigerung der Ebit-Marge als bisher anvisiert. Grund hierfür ist auch die gute Entwicklung im zweiten Quartal. Das Ebit konnte von 95,6 auf 110,7 Millionen Euro verbessert werden. Der Umsatz wuchs von 1,25 auf 1,35 Milliarden Euro. Die Aktie ist am frühen Nachmittag nach anfänglichen Verlusten ins Plus gedreht, beendet den handel aber mit einem Verlust.

Gildemeister mit höherer Prognose
Der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister hat seine Prognose nach guten Halbjahreszahlen angehoben. Sowohl das Ergebnis vor Steuern als auch der Gewinn sollen um mehr als 50 Prozent wachsen. Der Auftragseingang soll auf mehr als zwei Milliarden Euro klettern. Bislang hatte das Unternehmen mehr als 1,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die Aktie legt überdurchschnittlich zu.

SGL mit positivem Ausblick
Der Kohlenstoffspezialist SGL hat im ersten Halbjahr sein Ebit um 24 Prozent auf 151 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 735 Millionen Euro. Wegen der guten Entwicklung rechnet SGL im Gesamtjahr mit einem Ebit-Anstieg um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Erwartung am oberen Ende der bisher in Aussicht gestellten Spanne eines Wachstums von 15 bis 20 Prozent.

Abfindungen belasten Hugo Boss
Den Modehersteller Hugo Boss haben in der ersten Jahreshälfte die Abfindungen für die im Streit mit dem Großaktionär Permira ausgeschiedenen Vorstände, höhere Finanzierungskosten und ein schwaches Marktumfeld belastet. Das Ebit ging um fünf Prozent auf 88 Millionen Euro zurück. Der Umsatz wuchs dagegen um fünf Prozent auf 831 Millionen Euro.

Solarworld hebt Prognose an
Der Solarkonzern Solarworld hat im zweiten Quartal seinen Gewinn um 96 Prozent auf 51,8 Millionen Euro fast verdoppelt. Der Umsatz stieg um 47 Prozent auf 259,6 Millionen Euro. Analysten hatten einen Umsatz von 229 Millionen Euro und einen Gewinn von 39 Millionen erwartet. Außerdem will das TecDax-Mitglied seine bisherige Jahresprognose eines Umsatz- und Gewinnwachstums von 25 bis 30 Prozent übertreffen.

Nordex mit neuem Großaktionär
Die Aktien des Windkraftanlagenbauers Nordex macht nach anfänglichen Zugewnnen von mehr als zehn Prozent am Ende nur einen bescheidenen Sprung von 3,7 Prozent. Grund ist der Einstieg der BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. Sie hält jetzt 20 Prozent des TecDax-Mitglieds.

BayWa auf strammen Wachstumskurs
Der Agrar- und Baustoffhändler Baywa hat im ersten Halbjahr sein operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 auf rund 80 Millionen Euro verdoppelt. Der Umsatz zog um 28,3 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro an.

Zahlenflut auch im Ausland
Bei einigen großen europäischen Aktien ist ebenfalls viel los. Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever habe nur auf dem ersten Blick den Markterwartungen entsprochen, sagten Händler. Negativ sei vielmehr der Volumenrückgang in den entwickelten Volkswirtschaften aufgefallen. Die Unilever-Aktie bricht ein. Ähnlich schlecht ergeht es den Papieren des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis. Die Quartalsergebnisse fielen schlechter als erwartet aus. Außerdem hatten viele Anleger schon einer Erhöhung der Ergebnisprognose im Gesamtjahr gerechnet.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr