Marktbericht 20:02 Uhr

Dax zeitweise unter 9.300 Punkten Was für eine bärische Woche

Stand: 11.04.2014, 20:02 Uhr

Aufgeschreckt vom Einbruch amerikanischer Technologieaktien und dem angekündigten Ende der expansiven Geldpolitik in den USA haben die Anleger in dieser Woche Kasse gemacht. Dennoch ist kein Ende der Talfahrt zu erwarten.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,47 Prozent oder 139 Punkten bei 9.315,29 Zählern in den Feierabend. Damit summierte sich das Minus der vergangenen Tage auf 3,9 Prozent. Das ist der größte Wochenverlust seit Juni 2013. Unter dem Enindruck enttäuschender Quartalszahlen der amerikanischen Investmentbank JPMorgan rutschte der deutsche Leitindex am Freitag zweitweise bis auf 9.259 Zähler ab.

Dass der Dax bis zum Handelsende seine Verluste etwas eindämmen kann, verdankt er vor allem den Anlegern an der Wall Street. Zwar stehen die Ampeln auch an der Weltleitbörse auf rot, doch fallen die Verluste dort geringer aus als in Europa. Zum Ende des elektronischen Handels in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index nur 0,33 Prozent niedriger bei 16.117 Punkten.

Doch im weiteren Handelsverlauf weitet auch der Dow seine Verluste aus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend bereits 0,73 Prozent im Minus bei 16.051 Punkten. Viele Investoren schichten vor dem Wochenende in als sicher geltende Staatsanleihen um. Auch gewinnen die Schwellenländer wieder an Attraktivität, weil dort die Anhebung der Zinsen zum Stillstand gekommen ist.

Vorübergehende Verluste?

Klaus Wiener, Chef-Volkswirt von Generali Investments Europe, bezeichnete die aktuellen Verluste aber als vorübergehend. Schließlich gewinne die US-Konjunktur an Fahrt. Gleichzeitig blieben die Zinsen beiderseits des Atlantiks auf absehbare Zeit nahe null Prozent. "Der Renditehunger der Anleger wird sicherstellen, dass bei jedem Rücksetzer, die Nachfrage nach Aktien steigt", betonte er.

Für viele Analysten ist die Abwärtsbewegung der Aktienmärkte nicht überraschend. In den USA seien einige Technologieaktien übertrieben stark gestiegen. Insofern verwundert es nicht, dass einige Anleger nun Kasse machen, zumal der Börsenwert einiger Titel in keinem Verhältnis zu den tatsächlich erwirtschafteten Ergebnissen stehen.

Euro knapp unter 1,39 Dollar

Außerdem drückt das absehbare Ende der ultralockeren Geldpolitik der Fed bemerkbar. Der Sauerstoff, der den Märkten in Form billigen Geldes auf neue Höhen verholfen habe, werde nun entzogen, meinen Händler. Die Luft werde dünner und die zuvor stärksten Sektoren würden auch am deutlichsten abverkauft.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1681
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Der Euro kann sich am Freitag nicht über der Marke von 1,39 Dollar halten. Zeitweise fällt er bis auf 1,3866 Dollar zurück, notiert bei Börsenschluss in Frankfurt aber wieder etwas erholt bei 1,3896. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3867 (Mittwoch: 1,3794) Dollar festgesetzt.

JPMorgan belastet Deutsche Bank

Wegen einer kräftig gestiegenen Risikovorsorge für Kreditausfälle und einem schwachen Handel mit Anleihen hat die Wall-Street-Bank JPMorgan im ersten Quartal etwas weniger verdient als erwartet. Der im Vergleich mit hiesigen Banken immer noch gigantische Reingewinn von 5,3 Milliarden Dollar fiel 19 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Die Aktie stürzt zeitweise um mehr als vier Prozent ab und belastet im Schlepptau auch die Papiere der Deutschen Bank. Dagegen hat die in San Francisco ansässige Privatkundenbank Wells Fargo die Ziele übertroffen und pro Aktie 1,05 (plus 14 Prozent) verdient. Analysten hatten 0,96 Dollar erwartet.

Infineon im Tech-Taumel

Zu den schwächsten Werten im Dax mit Kursverlusten von bis zu vier Prozent gehören auch die Infineon-Aktien, trotz einer freundlichen Analyse der Deutschen Bank. Grund ist Händlern zufolge der Kursrutsch der amerikanischen Tech-Werte. Ebenfalls unter besonders starkem Verkaufsdruck stehen die Lufthansa- und Commerzbank-Titel. Ein Händler sieht bei der Lufthansa Gewinnmitnahmen als Grund.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,25
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Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ruft massiv zurück

Nur leicht im Minus notiert die BMW-Aktie. Dabei ruft das Unternehmen fast eine halbe Million Autos mit 6-Zylinder-Motoren in die Werkstätten. Bei den betroffenen Modellen könne eine Schraube brechen und in seltenen Fällen den Motor beschädigen, sagte ein Konzernsprecher am Freitag auf Nachfrage. In China und den USA hatten die Münchner die Rückrufe bereits öffentlich gemacht - dort sind mit knapp 390.000 Autos die meisten der betroffenen Modelle zugelassen. Weltweit betrifft die Maßnahme rund 489.000 Wagen, die zwischen September 2009 und November 2011 gefertigt wurden.

Salzgitter stemmt sich gegen den Trend

Salzgitter: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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41,17
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Die Citigroup hat die MDax-Titel Salzgitter zum Kauf empfohlen und die Anleger folgen. Zugleich wurde der europäische Stahlsektor aufgrund optimistisch stimmender Frühindikatoren auf "Overweight" hochgestuft. Die Nachfrage nach Stahl für die Bauwirtschaft könnte stärker anziehen als vom Markt erwartet, schrieb Analyst Michael Flitton. Salzgitter sollte davon besonders profitieren. Zudem scheine beim deutschen Stahlkonzern die Restrukturierung Fahrt aufzunehmen.

Heute mit Dividenenabschlag

Die im TecDax gelisteten Titel von Sartorius und der MDax-Wert Grenkeleasing werden am Freitag mit einem Dividendenabschlag von 1,02 beziehungsweise 1,00 Euro gehandelt.

VW bleibt bei Scania hart

Der Lkw-Hersteller Scania hat sich dank der wirtschaftlichen Erholung in Europa im ersten Quartal überraschend gut geschlagen. Das operative Ergebnis sei um 17 Prozent auf umgerechnet knapp 249 Millionen Euro gestiegen, teilte die schwedische Volkswagen-Tochter am Freitag mit. Damit wurden die Analystenerwartungen klar übertroffen. Der Umsatz kletterte um neun Prozent. Volkswagen will das Unternehmen komplett übernehmen und anschließend von der Börse nehmen. Ein verbessertes Übernahmeangebot, wie von einigen Scania-Aktionären gefordert, lehnen die Wolfsburger strikt ab.

Bauer macht Hoffnung auf Gewinne

Im TecDax ist Bauer der mit Abstand größte Verlierer. Nach dem Verlustjahr 2013 will der Tiefbauspezialist 2014 in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Der Gewinn nach Steuern werde etwa 20 bis 25 Millionen Euro betragen, kündigte Vorstandschef Thomas Bauer am Freitag an. Wie üblich gebe es im ersten Quartal, in dem in weiten Teilen der Welt der Winter Arbeiten am Bau behindert, rote Zahlen; dies werde dann übers Jahr ausgeglichen. 2013 hätten "eine Reihe von Einzelproblemen" zum ersten Verlust seit 14 Jahren geführt.

Givaudan überzeugt

Der Schweizer Aromenhersteller Givaudan hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres zu seinen Umsatz um 5,7 Prozent auf 1,087 Milliarden Franken gesteigert. Der weltgrößte Hersteller von Duft- und Aromenstoffen bekräftigte seine Mittelfristziele: Erwartet wird ein Umsatzwachstum aus eigener Kraft von 4,5 bis 5,5 Prozent im Jahr bei einem Marktwachstum von zwei bis drei Prozent. Analysten hatten den Umsatz auf 1,08 Milliarden Franken geschätzt.

Wer will Google Glass?

Google macht den nächsten Schritt zum Marktstart seiner Computerbrille Google Glass. Am kommenden Dienstag wird eine eingeschränkte Zahl der Geräte erstmals in den freien Verkauf in den USA kommen, wie der Internet-Konzern ankündigte. Nur Einwohner der USA können zuschlagen, der Preis liegt wie schon für die bisherigen Test-Nutzer bei 1500 Dollar (knapp 1.100 Euro) plus Steuern.

Alphabet C: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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993,58
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Deutsche Google-Aktionäre ärgern sich indessen weiter darüber, dass ihre Banken für die eingebuchten neuen C-Aktien Kapitalertragssteuer abgeführt haben - die Rechtslage in Deutschland harmoniert leider nicht mit der in Kalifornien.

Medisana kassiert Prognose

Der Verkäufer von Gesundheitsprodukten Medisana geht davon aus, dass sich der für das Geschäftsjahr 2013 erwartete Verlust trotz leicht gestiegener Umsätze auf 3,1 Millionen Euro erhöht, nach 2,4 Millionen im Vorjahr. Ursprünglich war eine Verlustverringerung geplant. Die stellt die Firma jetzt für dieses Jahr in Aussicht.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"