Was für ein Optimismus

Stand: 06.05.2009, 20:02 Uhr

Weniger schlecht ausgefallene Quartalszahlen und erste Hoffnungsschimmer auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt haben heute an den Märkten für weiteren Auftrieb gesorgt. Doch die Marke von 4.900 Zählern konnte der Dax dann doch nicht halten.

Der Leitindex beendet den Abendhandel mit einem Zugewinn von gut 42 Punkten oder rund 0,9 Prozent auf 4.897 Zähler. Am Nachmittag hatte der Dax zeitweilig mehr als 90 Punkte auf 4.943 zugelegt. Angefeuert wurde der Markt von den Nachrichten zum amerikanischen Arbeitsmarkt. Statt einem erwarteten Abbau von mindestens 650.000 Stellen errechnete der private Dienstleister ADP für den April einen Stellenverlust von 491.000. Das genügte, um die Märkte weltweit ins Plus zu hieven.

Am Abend sorgten dann erneut Meldungen aus Amerika für Zuversicht. Besonders die Papiere der Citigroup schossen um mehr als 12 Prozent in die Höhe, weil die Bank statt der erwarteten zehn Milliarden "nur" fünf Milliarden Dollar zusätzliches Kapital benötigt. Auch die Aktien von Morgan Stanley und JP Morgan notierten deutlich höher. Dabei werden die endgültigen Ergebnisse des Stresstests der US-Banken erst morgen Abend veröffentlicht. Davon wird auch abhängen, ob die gute Stimmung an den Märkten anhält.

Für wenig Bewegung sorgt dagegen die am Abend bekannt gewordene Nachricht einer angestrebten Fusion zwischen VW und Porsche.

Porsche und VW wollen fusionieren
Volkswagen und Porsche sollen unter einem Dach vereint werden - die genaue Struktur ist aber noch unklar. Die Familiengesellschafter der Porsche-Holding haben sich für die Schaffung eines integrierten Autokonzerns ausgesprochen. Die insgesamt zehn Marken - also auch der Sportwagenbauer Porsche - sollen eigenständig bleiben. Damit peilen Volkswagen und Porsche letztlich eine Fusion an. Bisher hatte Porsche versucht, VW zu übernehmen, hatte sich jedoch bei der Finanzierung übernommen.

Porsche-Aktien sind im späten Frankfurter Handel um 1,14 Prozent auf 57,50 (Xetra-Schluss: 56,95) Euro gestiegen, wohingegen Volkswagen minimale 0,06 Prozent auf 232,55 (Xetra-Schluss: 232,69 Euro abgegeben haben.

Grünes Licht für die Commerzbank?
In den Verhandlungen zwischen Brüssel und Berlin um staatliche Beihilfen für die Commerzbank könnte es am morgigen Donnerstag zu einer Einigung kommen. Es werde «vielleicht Neuigkeiten geben», hieß es am Nachmittag in Brüssel. Beide Seiten signalisieren bereits seit längerem, dass sie sich in den wichtigsten Streitpunkten geeinigt haben. Nach Angaben von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sind «alle wesentlichen Fragen geklärt». Die Commerzbank-Aktie legt um mehr als fünf Prozent zu.

Q-Cells mit frischem Kapital
Der Solarzellenhersteller Q-Cells hat sich mit einem Beteiligungsverkauf finanziell Luft verschafft. Der Konzern trennte sich für 530 Millionen Euro von seinem 17,2-prozentigen Anteil an dem norwegischen Wafer- und Siliziumproduzenten Renewable Energy (REC), wie Q-Cells am Abend mitteilte. Die 85 Millionen Aktien, die Banken institutionellen Investoren angeboten hatten, seien komplett verkauft worden. Die Aktie gewinnt mehr als acht Prozent.

HRE springen an
Rund 45 Prozent der Anteile des Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate sind inzwischen an den Bund verkauft worden. Endgültige Zahlen werden morgen erwartet. Damit dürfte es dem Staat gelingen, auf der Hauptversammlung am 2. Juni eine Kapitalerhöhung durchzusetzen und 90 Prozent der Anteile zu erwerben. Eine Enteignung der Aktionäre könnte dann vermieden werden. Eine höhere Abfindung als die bisher gebotenen 1,39 Euro will der Bund nicht zahlen. Trotzdem spekulieren einige Anleger auf mehr. Die HRE-Aktie steigt zeitweise um mehr als 50 Prozent, muss einen Großteil ihrer Gewinne am Ende dann doch wieder abgeben.

GM brechen ein
Aktien von General Motors (GM) sind am Nachmittag in New York um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Der existenzbedrohte Autobauer will für seine zur Rettung geplante Verstaatlichung bis zu 60 Milliarden neuen Aktien ausgeben. Für die Anteile sollen die US-Regierung, die Gewerkschaft und die Gläubiger dem Opel-Mutterkonzern Schulden in Milliardenhöhe erlassen. Die bisherigen Aktionäre würden am Ende mit leeren Händen dastehen. Unterdessen wird zur Vorlage der Quartalszahlen von GM am Abend erneut ein enormer Verlust von rund sieben Milliarden Dollar erwartet. Es wäre der achte Quartalsverlust in Folge.

Metro führt den Dax
Mit einem Plus von 8,5 Prozent haben die Metro-Aktien ihre Spitzenstellung im Dax am Nachmittag weiter ausgebaut. Nach übereinstimmender Meinung von Händlern und Beobachtern profitieren die Metro-Papiere von einer guten Bilanz des niederländischen Konkurrenten Ahold. Der Erlös des Einzelhandelskonzerns stieg um 15,2 Prozent auf 8,65 Milliarden Euro, teilte Ahold am Morgen mit. Ahold bezeichnete die Entwicklung in Europa und USA als weiter stabil.

Post und Henkel: Zahlen schwach, Aktie rauf
Zwei weitere Bilanzen aus dem Dax spiegeln die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Unternehmen wider. Die Post bilanzierte im ersten Quartal einen Umsatzrückgang um 12,9 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro, das Ebit schrumpfte um mehr als 40 Prozent auf 312 Millionen Euro. 2009 will der Konzern, vor allem wegen des Postbankverkaufs an die Deutsche Bank, unter dem Strich mit einem Nettogewinn abschließen.

Beim Konsumgüterkonzern Henkel ging der Nettogewinn im ersten Quartal um fast die Hälfte auf 117 Millionen Euro zurück. Der Umsatz erhöhte sich allerdings auf 3,26 Milliarden Euro. Henkel erwartet für das zweite Quartal eine leichte Verbesserung, vor allem das Klebstoffgeschäft soll dann wieder besser laufen. Eine konkrete Prognose gab Henkel für 2009 nicht ab. Trotzdem legt die Aktie kräftig zu.

MüRü wagt keine Prognose
Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück wagt nach einem Gewinneinbruch im ersten Quartal weiterhin keine Prognose für das laufende Jahr. Die Unwägbarkeiten aus der Wirtschaftskrise ließen eine seriöse Gewinnprognose nicht zu, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Die Firma hat im ersten Quartal mit 746 Millionen Euro deutlich weniger verdient als vor einem Jahr. Trotzdem steigt die Aktie überdurchschnittlich.

Bernotat tritt 2010 ab
Eon-Chef Wulf Bernotat will nach der Hauptversammlung im Mai 2010 sein Amt aufgeben. Er wolle sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen und habe bereits "sehr konkrete Vorstellungen", sagte Bernotat. Ein Nachfolger steht nach Angaben von Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann noch nicht fest. Als Favorit für die Nachfolge des 61-Jährigen wird dessen bisheriger Stellvertreter Johannes Teyssen gehandelt.

Rational verhalten optimistisch
Trotz Wirtschaftskrise rechnet der Küchenausrüster Rational für das laufende Jahr nur mit einem moderaten Umsatzminus. Bei den Erlösen sei ein Rückgang im einstelligen Prozentbereich zu erwarten, sagte Vorstandschef Günter Blaschke der Nachrichtenagentur Reuters, wollte aber keine konkrete Prognose abgeben. Das erste Quartal, in dem der Umsatz um acht Prozent gesunken ist, sei besser ausgefallen als erwartet. Das Ebit schrumpfte um ein Fünftel auf 15,2 Millionen Euro. Die Aktie notiert leicht schwächer.

Balda wieder in der Gewinnzone
Der Handyzulieferer Balda ist im ersten Quartal in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Einschließlich der aufgegebenen Geschäftsbereiche hat die Firma einen Nettogewinn von fünf Millionen Euro verbucht, nach einem Verlust von 0,5 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die zum Penny-Stock abgerutschte Aktie zieht um gut 20 Prozent an.

Loewe setzt auf HDTV
Der Fernseherhersteller Loewe zeigt sich trotz eines Gewinneinbruchs zuversichtlich für das Gesamtjahr. Der Überschuss ging im Auftaktquartal zwar wegen zögerlicher Bestellungen um 95 Prozent auf 0,2 Millionen Euro zurück. Wegen der geplanten Einführung von hochauflösendem Fernsehen (HDTV) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erwarte das Unternehmen aber einen Nachfrageboom, sagte Unternehmenschef Frieder Löhrer.

Rücker von Auto-Krise gebremst
Die Krise in der Auto- und Zulieferindustrie lässt beim Wiesbadener Ingenieurdienstleister Rücker AG Umsatz und Ergebnis einbrechen. Der Umsatz rutschte im ersten Quartal 2009 um 19,2 Prozent auf 34,8 Millionen Euro und das Nettoergebnis auf bescheidene 25 000 Euro. Die Aktie verliert gut ein Prozent.

Dyckerhoff tiefrot
Der Baustoffhersteller Dyckerhoff ist im ersten Quartal 2009 in die Verlustzone gerutscht. Der Konzern wies ein Minus von 26 Millionen Euro aus, nach einem Plus von 40 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 1,6 (Vorjahr: 1,97) Milliarden Euro. Das Ergebnis werde schlechter ausfallen als im Vorjahr. 2008 hatte Dyckerhoff 273,6 Millionen Euro Gewinn verbucht. Der Umsatz war im ersten Quartal 2009 um 36 Prozent eingebrochen. Die Aktie des SDax-Konzerns gibt nach.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat