Marktbericht 20:02 Uhr

ZEW schiebt Dax an Was für ein Lichtblick im grauen November

Stand: 18.11.2014, 20:02 Uhr

So schnell kann man sich irren. Kaum haben die Ökonomen ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert, überrascht der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Konjunkturindikator mit einem kräftigen Anstieg - und befeuert den Dax.

Der überraschende Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen im November auf plus 11,5 Zähler hat dem Dax einen kräftigen Schub verpasst und ihn bis zum Handelsende um 1,61 Prozent oder 150 Punkte angehoben, auf 9.456 Zähler - so hoch wie seit Ende September nicht mehr.

Befeuert wird der Dax aber auch von der Hoffnung auf neuerliche Geldspritzen durch die Europäische Zentralbank. Deren Chef, Mario Draghi, hat für den Fall weiterer Turbulenzen in der Eurozone Stützungskäufe angekündigt. Zu diesen "unkonventionellen Maßnahmen" gehört auch der Ankauf von Staatsanleihen.

Kursgewinne auch an der Wall Street

Zugewinne verbuchen auch die Börsen in New York, wenn auch deutlich weniger als hierzulande. Nach den jüngsten Kursgewinnen seien die Investoren vorsichtig geworden, hieß es. Zugleich wollten sie mangels anderer Anlagemöglichkeiten ihr Geld aber auch nicht abziehen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,31 Prozent höher bei 17.701 Zählern. Kurz erklomm der Dow auf ein neues Rekordhoch auf 17.708 Punkte. Der S&P-500-Index stieg bereits am Nachmittag um 0,42 Prozent auf 2.049,98 Punkte und notierte damit so hoch wie noch nie.

Die Stimmung am Immobilienmarkt hatte sich im November überraschend stark aufgehellt, wie sich am NAHB-Hausmarktindex ablesen lässt. Der Wert liegt nur knapp unter dem vom September, als der höchste Stand seit November 2005 erreicht wurde. Der NAHB-Index ist ein Stimmungsbarometer der nationalen Organisation der Wohnungsbauunternehmen.

Experten warnen jedoch vor allzu großer Euphorie. An der Wall Street sei eine Korrktur überfällig und der Dax könne wieder in Richtung 9.000 Punkte drehen, falls den Spekulation auf weitere Liquidität durch die EZB keine Taten folgten, glaubt Jens Klatt von DailyFX.

Nach Ansicht von UBS-Stratege Nick Nelson dürfte die Bedeutung des billigen Geldes für Europas Aktienmärkte demnächst allerdings abnehmen. Zum ersten Mal seit vier Jahren deute sich an, dass in den kommenden Monaten die Unternehmensgewinne die Kurse antreiben dürften. Als Haupttriebfeder für die Aktienmärkte sieht Nelson den schwachen Euro, der angesichts der Stärke der US-Wirtschaft Ende 2015 bis auf 1,20 Dollar oder gar noch tiefer fallen könnte.

Euro wieder über 1,25 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1407
Differenz relativ
+0,09%

Die Aussicht auf eine bessere Konjunktur in Deutschland hat nicht nur den Dax sondern auch den Euro beflügelt. Zeitweise stieg die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2540 Dollar. Bei Börsenschluss notierte der Euro wieder etwas schwächer bei 1,2525 Dollar. Das ist etwa ein halber Cent höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2514 (Montag: 1,2496) Dollar fest.

Home Depot Schlusslicht im Dow

Die weltgrößte Baumarktkette Home Depot stellt sich nach überraschend starken Quartalszahlen auf weitere Belastungen durch den jüngsten Hackerangriff ein. Das Management bekräftigte am Dienstag zwar die Geschäftsprognosen für das laufende Jahr. Es betonte aber, zusätzliche Kosten zur Bewältigung des Datenklaus könnten erhebliche Auswirkungen auf die Ergebnisse im laufenden und in künftigen Quartalen haben. Kein Wunder, dass die Aktie mit einem Minus von gut 1,5 Prozent das Schlusslicht im Dow Jones-Index bildet.

K+S ziehen an Dax-Spitze

Bei den Einzelwerten haben sich bis zum Börsenschluss die Papiere von K+S an die Dax-Spitze gekämpft. Ausgelöst wurde die Rally von der Nachricht über Probleme in einem Bergwerk des Wettbewerbers Uralkali. Dort soll Salzlake ausgetreten sein, woraufhin die Abbauarbeiten eingestellt worden seien. Nun spekulieren die Anleger auf steigende Kalipriese, sagte ein Händler. Auch Aktien des kanadischen Branchenkollegen Potash ziehen kräftig an.

BASF und Siemens holen auf

Bei den Einzelwerten im Dax kämpft sich bis zum Börsenschluss die BASF-Aktie auf den zweitbesten Platz. Das Papier war in den letzten Wochen stark unter Druck geraten und profitiert heute von den überraschend guten ZEW-Daten. Zu den Gewinnern einer besseren Konjunktur gehört auch der Siemens-Konzern, dessen Papiere heute erstmals seit anfang Oktober wieder über die Schwelle von 90 Euro klettern

Autowerte geben Gas

Zu den stärksten Gewinnern im Dax gehören auch die Autowerte, allen voran Volkswagen. Der europäische PKW-Markt ist im Oktober kräftig gewachsen. Die Zahl der Neuzulassungen in der EU legte um 6,5 Prozent auf 1,07 Millionen zu. Damit war der Oktober der vierzehnte Wachstumsmonat in Folge, wie der Branchenverband Acea mitteilte. BMW verkaufte 9,4 Prozent mehr Fahrzeuge, VW 6,9 Prozent und Daimler 2,2 Prozent.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,06
Differenz relativ
-0,91%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,12
Differenz relativ
-0,25%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
46,20
Differenz relativ
-1,13%

Deutsche Bank beschafft sich erneut Geld

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,75
Differenz relativ
+0,52%

Selbst die in diesem Jahr bereits arg gebeutelte Aktie der Deutschen Bank legt zu. Dabei muss sich der heimische Branchenmprimus erneut mehr Eigenkapital besorgen. Die Deutsche Bank will jedenfall weitere Anleihen ausgeben, die als Eigenkapital anerkannt werden. Die Wertpapiere sollen auf US-Dollar lauten. Bereits im Mai hatte die Deutsche Bank mit neuartigen eigenkapitalähnlichen Anleihen rund 3,5 Milliarden Euro eingesammelt. An der Börse kommt die Maßnahme gut an, die Aktie legt zu.

Daumen runter für Airbus

Im MDax ist die Airbus-Aktie in Ungnade gefallen. Grund ist eine Herabstufung durch die Credit Suisse. Sie hält die Aktie für einen "Underperformer" nennt ein Kursziel von 42 Euro. Das kräftige Produktionswachstum in der zivilen Luftfahrt sei bereits in den durchschnittlichen Analystenprognose bereits enthalten.

United Internet etwas besser

um knapp zwei Prozent legen die Papiere des im TecDax notierten Unternehmens United Internet zu. Die Firma hat ihren Umsatz im dritten Quartal um knapp zehn Prozent auf 737 Millionen Euro verbessert. Durch die gute Entwicklung der Beteiligung Rocket Internet an der Börse konnte der Gewinn mit 152 Millionen Euro mehr als verdreifacht werden.

Visa beflügelt Wirecard

Neuen Schwung über die Marke von 30 Euro verzeichnet dagegen die Aktie von Wirecard. Der Zahlungsabwickler arbeitet jetzt stärker mit dem Kreditkartenanbieter Visa zusammen, um in Lateinamerika und Asien zu expandieren.

Sixt startet durch

Um mehr als acht Prozent nach oben geht es mit der Sixt-Aktie. Sie ist damit der stärkste Wert im SDax. Deutschlands größter Autovermieter hat nach einem guten Geschäftsverlauf in den ersten neun Monaten 2014 seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben.

Zooplus holt sich Geld von Aktionären

Schwächster Wert im SDax mit einem Minus von über neun Prozent ist dagegen die Aktie von Zooplus. Der Tierbedarfanbieter hat eine Kapitalerhöhung angekündigt. Das SDax-Mitglied will bis zu 610.039 neue Inhaberaktien - das wären rund zehn Prozent des Grundkapitals - in einer Privatplatzierung an institutionelle Investoren verkaufen. Der Ausgabepreis soll bereits am Dienstag bekanntgegeben werden. Der Vorstand erhöhte zudem seine mittelfristige Wachstumsprognose.

Easyjet gut in Form

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet hat im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr erneut einen Rekordgewinn verbucht - zum vierten Mal hintereinander. Der Gewinn vor Steuern wuchs um mehr als ein Fünftel auf 581 Millionen Pfund. Der Umsatz kletterte um gut sechs Prozent auf 4,53 Milliarden Pfund.

lg

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr