Was für ein Kaufrausch

Stand: 03.08.2012, 20:01 Uhr

Getrieben von der Hoffnung auf neue Hilfsmaßnahmen der EZB zur Überwindung der Schuldenkrise und überraschend freundlicher Konjunkturdaten aus den USA haben die Aktienmärkte am Freitag zu einer neuen Kursrally verholfen.

Erstmals seit Ende April klettert der Dax wieder über die psychologisch wichtige Marke von 6.800 Punkten und geht mit einem Plus von 3,93 Prozent bei 6.865 Zählern aus dem Handel. Damit ist die Enttäuschung über den Verzicht der EZB auf sofortige Anleihe-Käufe zunächst wieder überwunden. Auf Wochensicht schüttelte der Dax dank der fulminanten Aufwärtsbewegung vom Freitag die zuvor aufgelaufenen Verluste mehr als ab und endete 2,63 Prozent höher. Gleichzeitig ist die Rendite für zehnjähirge spanische Anleihen unter die Schwelle von sieben Prozent gefallen auf 6,930 Prozent.

Auch an der Wall Street melden sich die Anleger zurück und katapultieren den Dow Jones-Index bis zum Börsenschluss in Frankfurt um 1,8 Prozent in die Höhe auf 13.107 Zähler.

Auch der EuroStoxx50 legte am Freitag bis zu vier Prozent auf 2.354 Zähler zu. Von der guten Stimmung profitierte auch der Euro. Er klettert bis zum Börsenschluss in Frankfurt auf 1,236 Dollar, 1,5 Cent mehr als zum New Yorker Vortagesschluss. Gleichzeitig sanken die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen unter die Schwelle von sieben Prozent auf 6,945 Prozent.

Gute Nachrichten kamen auch von der US-Wirtschaft. Dort sind im Juli außerhalb der Landwirtschaft 163.000 neue Stellen geschaffen worden, 63.000 mehr als erwartet. Auch die Stimmung im Dienstleistungssektor der USA hat sich im Juli überraschend aufgehellt. Der entsprechende Index sei von 52,1 Punkten im Vormonat auf 52,6 Zähler gestiegen, teilte das Institute for Supply Management (ISM) am Nachmittag mit. Im Vormonat hatte der Index noch den tiefsten Stand seit Januar 2010 erreicht.

Hoffnungsschimmer am US-Arbeitsmarkt
Warum das Pendel nach dem Kursrückgang am Donnerstag derart heftig zurückschlägt ist auch den meisten Experten nicht klar. Zwar habe sich die EZB klar zu weiteren Hilfsmaßnahmen bekannt, doch dürfte es erst im September zu konkreten Aktionen kommen. Marktteilnehmer sprachen von der Wiederaufnahme der "Draghi-Hoffnungsrally".

Heinrich Bayer von der Postbank sprach zudem von einem "Hoffnungsschimmer am US-Arbeitsmarkt". Allerdings ist die US-Arbeitslosenquote im Juli leicht von 8,2 auf 8,3 Prozent gestiegen. Sie verharrt damit seit mehr als zwei Jahren über der Marke von acht Prozent - das hat es seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren nicht mehr gegeben.

Derweil sorgten auch am Freitag zahlreiche Quartalszahlen für Bewegung.

Procter bekommt Krise zu spüren
Die Eurokrise und eine schwache Nachfrage auf dem Heimatmarkt haben den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble fest im Griff. Unter dem Strich sank der Überschuss in dem im Juni abgelaufenen Geschäftsjahr um neun Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Im Frühjahrsquartal ging es aber wieder aufwärts und der Gewinn stieg auf 3,63 Milliarden Dollar, nach 2,51 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Weil Procter auch eigene Aktien im Wert von vier Milliarden Dollar zurückzukaufen legt das Papier vorbörslich zu.

UniCredit unter Erwartungen
Deutlich schlechter als erwartet lief es dagegen bei der italienischen Großbank UniCredit, zu der auch die deutsche HVB gehört. Die Bank hat im zweiten Quartal nur noch 169 Millionen Euro verdient, während Analysten 305 Millionen erwartet hatten. Besonders bitter sind die auf 1,9 Milliarden Euro gestiegenen Rücklagen für faule Kredite. Die Aktie legt dennoch kräftig zu.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%

Bankaktien erholen sich
Im Dax wird die Liste der Gewinner heute von den gestrigen Verlierern angeführt: der Commerzbank und der Deutschen Bank. Sie gewinnen jeweils bis zu neun Prozent. Gestern waren sie nach den enttäuschenden Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi eingebrochen, können ihre Verluste heute aber wieder wettmachen. Bankaktien gehören trauen zu den volatilsten Werten am Aktienmarkt.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
110,24
Differenz relativ
+0,15%

Siemens entzückt
Entzückt sind die Anleger auch von der Ankündigung von Siemens, für drei Milliarden Euro Aktien zurückkaufen zu wollen und ein großes Paket der Anteilsscheine in den Reißwolf zu stopfen. Ergebnis dieser "Kurspflege": Durch die Verknappung der Aktienmenge verteilt sich der Börsenwert von gut 63 Milliarden Euro auf weniger Anteile, der Kurs steigt um 4,5 Prozent.

Allianz gefällt
Überzeugen kann auch die Quartalsbilanz der Allianz. Die Aktie ist einer der stärksten Werte im Dax. Dank des guten Ergebnisses im Asset Management kann der Rückgang im traditionell größten Schaden- und Unfallgeschäft mehr als ausgeglichen werden.

Auch Axa und AIG obenauf
Der französische Versicherungskonzern Axa kommt ebenfalls gut an. Im ersten Halbjahr stieg der Reingewinn um drei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, wozu vor allem Zuwächse im Schaden/Unfall-Geschäft beitrugen.

Auch der amerikanische Versicherer American International Group ist auf Wachstumskurs. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn dank Steuervergünstigungen und einem Wachstum im Kerngeschäft auf 2,33 Milliarden Dollar nach 1,84 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

Fresenius prüft Anhebung der Prognose
Etwas bescheidener voran geht es mit der Aktie von Fresenius. Dabei prüft der Gesundheitskonzern eine abermalige Erhöhung seiner Jahresprognose. Wegen Problemen des Konkurrenten Hospira bleibt Fresenius länger als bisher angenommen alleiniger Anbieter des Narkosemittels Propofol in den USA. "Es könnte sein, dass wir unsere Prognose bereits vor den nächsten Quartalszahlen anpassen, wenn wir ein genaueres Bild über die positiven Auswirkungen auf Fresenius Kabi haben", sagte ein Fresenius-Sprecher am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Symrise im mauen Dunst von Givaudan
Im MDax machen die Aktien von Symrise eine eher schlechte Figur. Sie sind zeitweise der einzige Verlierer in dem Index. Das liegt an den Quartalszahlen des Wettbewerbers Givaudan. Die Schweizer machten zwar einen ordentlichen Gewinnsprung, aber der Markt hatte mehr erwartet. Symrise legt am 9. August sein Zahlenwerk vor.

Elring hebt nicht an
MDax-Kollege ElringKlinger kann dagegen mit seinem Zahlenwerk überzeugen. Der Autozulieferer setzte im zweiten Quartal seinen Wachstumskurs fort und hat erneut mehr verdient. Weil das Unternehmen seine Jahresprognose aber nicht angehoben hat, fällt das Kursplus relativ bescheiden aus.

Singulus bricht ein
Im TecDax stürzt die Aktie von Singulus um fast acht Prozent ab. Grund ist ein überraschend hoher Betriebsverlust des Spezialmaschinenbauers von 12,4 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Auch Auftragseingang und Umsatz lassen zu wünschen übrig.

Süss Microtec dreht an der Prognose
Dagegen ist die Aktie von Süss Microtec an die Spitze des TecDax geklettert. Der Chipausrüster hat zwar seine Ebit-Prognose gesenkt, aber seine Umsatzziele wegen der guten Auftragslage angehoben.

Euronext: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,20
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+0,18%

Handelsflaute setzt NYSE zu
Die New York Stock Exchange (NYSE) leidet unter der Handelsflaute an den Börsen. Der Gewinn fiel im zweiten Quartal um ein Fünftel auf 128 Millionen Dollar, der Nettoumsatz um neun Prozent auf 602 Millionen Dollar.

Toyota in alter Stärke
Toyota hat im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni fuhr der Rivale von Volkswagen einen deutlich höheren Gewinn eingefahren, als von Experten erwartet. Der Konzernüberschuss erreichte 290,3 Milliarden Yen (rund 3 Milliarden Euro).

Sharp stürzt ab
Die Aktie des japanischen Elektronik-Spezialisten Sharp ist um gut 28 Prozent eingebrochen, nachdem das Unternehmen am Morgen für das Ende Juni abgeschlossene erste Geschäftsquartal tiefrote Zahlen verkündet hat. Danach ist in den drei Monaten ein Verlust von 138,4 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) entstanden. Sharp will jetzt 5.000 Arbeitsplätze abbauen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen