Marktbericht 11:50 Uhr

Marktbericht negativ

Nicht nur Lockdown-Ängste Warum der Dax heute besonders stark leidet

von Angela Göpfert

Stand: 26.10.2020, 11:50 Uhr

Zu Wochenbeginn stehen die Börsen in ganz Europa unter Druck. Doch kein Länderindex fällt so stark wie der Dax. Und das hat einen Grund.

Die SAP-Aktie ist im Dax besonders schwer gewichtet, keine Aktie bewegt den Dax so sehr wie die SAP-Aktie. 11,75 Prozent beträgt ihr Anteil am deutschen Leitindex. Mit anderen Worten: Steigt die SAP-Aktie um 1 Prozent und die restlichen Dax-Aktien tendieren exakt seitwärts, dann steigt der Dax um 0,12 Prozent.

Dabei ist die SAP-Aktie nicht die einzige Aktie, die maßgeblich den Dax bewegt. Auf den Rängen zwei bis fünf folgen die Papiere von Linde, Siemens, Allianz und Deutsche Telekom. Zusammen kommen sie auf eine Dax-Gewichtung von über 40 Prozent.

SAP – Kurssturz mit Folgen

Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, wie stark sich die gekappte Prognose der Walldorfer Softwareschmiede am Montag auf den Dax auswirkt: Die SAP-Aktie rauscht zu Wochenbeginn um bis zu 20,8 Prozent auf 98,88 Euro in die Tiefe. Der Dax fällt quasi im gleichen Atemzug bis auf 12.297 Zähler – ein Minus von 2,8 Prozent in der Spitze.

Bis zur Mittagszeit kann der Dax seine Verluste etwas begrenzen auf rund 2 Prozent – mehr ist aber angesichts der anhaltend schlechten Performance der SAP-Aktie nicht drin.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
12.177,18
Differenz relativ
-3,71%

Dax mit relativer Schwäche

Damit hält sich der Dax deutlich schlechter als die anderen europäischen Länderindizes: So fällt etwa der französische CAC40 nur um 0,6 Prozent, der britische FTSE 100 büßt 0,2 Prozent ein. Das zeigt: Die Ängste der Anleger vor einem neuen Lockdown sind nur bedingt für die Kursverluste im Dax zu Wochenbeginn verantwortlich.

FTSE 100: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
Kurs
5.791,17
Differenz relativ
-1,31%
Cac 40: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
Kurs
4.824,21
Differenz relativ
-2,02%

Derzeit sieht es für viele Ökonomen und Marktbeobachter danach aus, als ob die rasant steigenden Infektionszahlen nur mit einem Lockdown bekämpft werden können. Das sorgt für große Verunsicherung unter den Marktteilnehmern, hatte man doch gehofft, mit kleinen, lokalen Lockdowns durch die zweite Welle zu kommen.

Mini-Lockdown als Lösung?

Dabei wäre ein früher Lockdown aus Perspektive von Wirtschaft und Börse vielleicht gar nicht mal das Schlechteste. Der Virologe Christian Drosten und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach haben nun eine interessante Idee ins Spiel gebracht:

»England diskutiert über einen vorsorglichen, zeitlich befristeten Lockdown (#circuitbreaker/"Überlastschalter"), um die Zunahme von Neuinfektionen zu verzögern. Option wäre Herbst- und/oder Weihnachtsferien, um wirtschaftliche Auswirkungen zu begrenzen.«

Christian Drosten auf Twitter

Mit systematischen Kurz-Shutdowns könne die Unterbrechung eines exponentiellen Wachstums gelingen, bei gleichzeitiger Minimierung der ökonomischen und schulischen Kosten, kommentierte Lauterbach. Tatsächlich hätte ein solch früher Mini-Lockdown klare ökonomische Vorteile: Er wäre in erster Linie planbar und kürzer. Das würde wiederum die negativen Folgen für die Volkswirtschaft begrenzen.

Regierungen und Notenbanken haben es in der Hand

Doch ob das hilft, eine drohende zweite Verkaufswelle an den Börsen wie im März zu verhindern? Wichtig ist nun, dass wie schon im Frühjahr die Regierungen und Notenbanken rasch auf die neuen beunruhigenden Entwicklungen in der Corona-Pandemie reagieren. Die USA dürften spätestens nach dem 3. November ein neues Konjunkturpaket stemmen. Doch auch EZB und Fed sind gefragt.

Des Weiteren dürfte der kurz- bis mittelfristige Kurs der Börsen vom Verlauf der Berichtssaison bestimmt werden, die in dieser Woche so richtig an Fahrt aufnimmt mit Schwergewichten wie Apple, Amazon und Microsoft in den USA sowie Deutsche Bank, BASF und VW hierzulande.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,52
Differenz relativ
+0,51%
BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,20
Differenz relativ
-2,05%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
135,64
Differenz relativ
-2,46%

Wer hat an der Uhr gedreht?

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.590,45
Differenz relativ
-3,05%

Heute Abend legt der Google-Mutterkonzern Alphabet seine Zahlen zum dritten Quartal nach US-Börsenschluss vor, also nach 21 Uhr. Nach der Zeitumstellung hierzulande wird an der Wall Street nun von 14:30 bis 21 Uhr MEZ gehandelt. In den USA wird erst am 1. November auf Winterzeit umgestellt, sodass dann ab dem 2. November wieder zur gewohnten Zeit von 15:30 bis 22 Uhr MEZ in New York gehandelt wird.

Die US-Futures verheißen derweil für den heutigen Handelsstart in New York nichts Gutes. Der Future auf den Leitindex Dow Jones Industrial Average notiert aktuell 0,9 Prozent tiefer.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.690,46
Differenz relativ
-2,28%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.403,18
Differenz relativ
-1,80%

Rohstoffmärkte im Risk-off-Modus

An den Rohstoffmärkten ist zu Wochenbeginn Risk-off das Motto der Stunde. Die konjunktursensiblen Ölpreise fallen deutlich. Die Preise für die US-Sorte WTI und die Nordseesorte Brent fallen jeweils um rund zwei Prozent. "Der Anstieg der Corona-Infektionen und neue Restriktionen in Europa lasten auf der Stimmung", so die Analysten der ING Bank.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
40,49
Differenz relativ
-2,69%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,59
Differenz relativ
-2,70%

Die steigende Risikoaversion kommt dem Goldpreis zugute. Der Preis für das gelbe Edelmetall legt 0,5 Prozent zu auf 1.902 Dollar je Feinunze.

Auch der "sichere Hafen" US-Dollar ist gefragt. Im Gegenzug fällt der Euro um 0,2 Prozent auf 1,1816 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1818
Differenz relativ
+0,09%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.907,96
Differenz relativ
+0,28%

Der SAP-Schock

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,50
Differenz relativ
-21,94%

Die im Dax schwer gewichtete SAP-Aktie rauschte heute 21,8 Prozent in die Tiefe. Damit gingen von den 468 Dax-Punkten, die heute verloren gingen, 331 oder rund zwei Drittel auf das Konto von SAP. Rund 33 Milliarden Euro Börsenwert wurden vernichtet. Der Softwarekonzern hat wegen der Pandemie zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose für 2020 gekappt und kann nun auch seine mittelfristigen Ziele nicht mehr halten. SAP begründete dies am Sonntag damit, dass sich die Nachfrage im dritten und im laufenden Quartal nicht so gut wie gedacht entwickelt hat.  | mehr

Bayer wagt neue Milliardenübernahme

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
42,55
Differenz relativ
+0,31%

Über zwei Jahre nach der Mega-Übernahme von Monsanto stemmt Bayer einen neuen Milliardenkauf. Für bis zu vier Milliarden Dollar schlucken die Leverkusener das US-Biotechunternehmen Asklepios BioPharmaceutical und verstärken damit ihr Geschäft mit Gentherapien. Für den Zukauf zahlt Bayer zunächst zwei Milliarden Dollar, außerdem wurden erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen von bis zu zwei Milliarden Dollar vereinbart. Mit dem Zukauf unternimmt Bayer einen weiteren Schritt zur dringend benötigten Stärkung seiner Pharma-Pipeline. Dies ist nötig, da die Patente seiner Kassenschlager Xarelto und Eylea Mitte des Jahrzehnts auslaufen.  | mehr

VW-Nobeltochter Bentley bald bei Audi

Volkswagen unterstellt die Luxusauto-Marke Bentley einem Zeitungsbericht zufolge ab kommendem Jahr Audi. Das meldet die "Automobilwoche" unter Berufung auf Konzernkreise. Bisher lag die Verantwortung für Bentley im VW-Konzernvorstand bei Porsche-Chef Oliver Blume. Bentley solle nun enger mit Audi verzahnt werden. So könnte etwa das in Ingolstadt gerade gestartete "Artemis"-Projekt auch den Bausatz für eine geländegängige Limousine der dann neuen Audi-Tochter liefern.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
135,64
Differenz relativ
-2,46%
Audi: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.610,00
Differenz relativ
0,00%

Siemens vor Flender-Verkauf?

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,52
Differenz relativ
-1,95%

Die Siemens-Getriebetochter Flender wird Kreisen zufolge nicht an die Börse gebracht, sondern an einen Finanzinvestor verkauft. Die Grundsatzentscheidung sei gefallen, weil Siemens die Gebote für ausreichend hoch erachte, sagte ein Insider. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg steht der Investor Carlyle vor dem Zuschlag für rund zwei Milliarden Euro.

Vorstand versetzt Lufthansa in den Winterschlaf

Die Lufthansa will angesichts global verschärfter Reiserestriktionen unter anderem mit erneuten Flugzeugstilllegungen und einer kleineren Flotte die Kosten stärker drücken. "Nach einem Sommer, der uns allen Anlass zur Hoffnung gegeben hat, befinden wir uns jetzt wieder in einer Situation, die in ihren Auswirkungen einem Lockdown gleichkommt", schrieb der Konzernvorstand an die Mitarbeiter.  | mehr

AstraZenecas Corona-Impfstoff: Hoffnung für Ältere

AstraZeneca: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
89,35
Differenz relativ
+1,81%

Ein von der Universität Oxford in Zusammenarbeit mit dem britischen Pharmakonzern AstraZeneca entwickelter Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus könnte sich laut einem Pressebericht zu einem Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie entwickeln. Demnach habe der Impfstoff in einer frühen Testphase vor allem bei der besonders von einem schweren Krankheitsverlauf bedrohten Gruppe der älteren Menschen positive Resultate geliefert, berichtet die "Financial Times". Gerade diese gefährdete Gruppe habe eine robuste Immunantwort auf den Impfstoff gezeigt.  | mehr

Tagestermine am Dienstag, den 27. Oktober

Firmen:
HSBC Holdings: Q3-Zahlen, 05:00 Uhr
Banco Santander: Q3-Zahlen, 06:50 Uhr
Covestro: Q3-Zahlen (detailliert), 07:00 Uhr
Rational: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Capgemini: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
SKF: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
BP: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Vattenfall: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Washtec: 9-Monatszahlen, 08:00 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 11:00 Uhr
Merck & Co.: Q3-Zahlen, 11:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 11:30 Uhr
Pfizer: Q3-Zahlen, 11:45 Uhr
Raytheon Technologies: Q3-Zahlen, 11:55 Uhr
Microsoft: Q3-Zahlen, 21:01 Uhr
AMD: Q3-Zahlen, 21:15 Uhr
Valeo: Q3-Zahlen
Eli Lilly: Q3-Zahlen
Stanley Black & Decker: Q3-Zahlen
Corning: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen

Konjunktur:
EU: Geldmenge M3 09/20, 10:00 Uhr
USA: Auftragseingang langlebige Güter 09/20 (vorab), 13:30 Uhr
USA: FHFA-Index 08/20, 14:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 10/20, 15:00 Uhr
USA: API Ölbericht (Woche), 21:30 Uhr