Warten auf Uncle Sam

von Detlev Landmesser

Stand: 06.02.2009, 20:20 Uhr

Wenn es auch noch eine Weile dauert - der Staat wird weitere zig Milliarden Dollar in die amerikanische Wirtschaft und Finanzbranche pumpen. Das reichte am Freitag, um die Börsen zu befeuern.

Auf Xetra-Basis ergibt sich ein kräftiges Wochenplus von 7,1 Prozent für den Dax. Der L-Dax ging mit 4.658,50 Punkten ins Wochenende. Die US-Börsen bauten bis zum Abend ihre Tagesgewinne weiter aus.

Im amerikanischen Kongress wurde am Abend weiter um das Konjunkturpaket der neuen Regierung gerungen. Die Republikaner wollen das zunächst mehr als 900 Milliarden Dollar schwere Maßnahmenbündel eindampfen. Unterdessen will US-Finanzminister Timothy Geithner schon am Montag ein neues Programm zu Stabilisierung des Finanzsektors vorstellen. Dabei könnte die Schaffung einer staatlichen "Bad Bank" für den Aufkauf von Ramschpapieren eine zentrale Rolle spielen.

US-Arbeitsmarktdaten verheerend

Präsident Barack Obama warnte erneut vor "katastrophalen" Folgen weiterer Verzögerungen. Die aktuellen Daten vom US-Arbeitsmarkt schienen ihm Recht zu geben. 598.000 Stellen gingen im Januar außerhalb der Landwirtschaft verloren, der schärfste Einbruch seit 1974. Volkswirte waren im Schnitt von einem Stellenabbau von 525.000 Stellen ausgegangen. Auch die Arbeitslosenquote lag mit 7,6 Prozent um eine Stelle über den Erwartungen.

Dennoch scheinen die aktuellen Markterwartungen noch düsterer gewesen zu sein, denn die Aktienmärkte bauten nach einer kurzen Schrecksekunde ihre Tagesgewinne deutlich aus. Der Euro machte sich indessen in Richtung 1,30 Dollar auf.

BMW wird elf Prozent teurer
Einer der auffälligsten Titel im Dax war BMW mit einem Plus von 11,6 Prozent. Der Autobauer hat das Jahr 2008 wie erwartet mit einem "klaren Gewinn" abgeschlossen, nannte aber keine genauen Zahlen. Der Umsatz ging um fünf Prozent auf 53,2 Milliarden Euro zurück. Allerdings habe sich das Marktumfeld im vierten Quartal deutlich verschlechtert, teilte BMW mit. Im Januar sank der Autoabsatz um knapp ein Viertel auf rund 70.000 Stück.

Daimler startet mit Vollbremsung
Noch heftiger fiel bei Bremsung zu Jahresgewinn bei Daimler aus. Die Verkäufe der Mercedes Car Group lagen im Januar mit 62.200 Pkws um 31,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das hielt die Anleger am Freitag aber nicht vom Kauf des Dax-Schwergewichts ab - die Aktie legte um 8,5 Prozent zu. Offenbar setzen manche Investoren darauf, dass die Abwrackprämie.die Nachfrage in den kommenden Monaten nennenswert stützt.

Infineon besser als befürchtet
Die Infineon-Aktie gewann sogar 13,1 Prozent. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 schrumpfte der Verlust des Chipherstellers von 884 Millionen auf 404 Millionen Euro. Der Quartalsumsatz brach um 28 Prozent auf 830 Millionen Euro ein. Im laufenden Quartal soll der Erlös wegen "signifikant sinkender Nachfrage" um weitere zehn Prozent sinken. Analysten hatten bei nahezu allen Kennzahlen wesentlich schlechtere Werte erwartet.

Grünes Licht für Hapag-Lloyd-Verkauf
Die Tui-Aktie gewann 3,1 Prozent. Das Hamburger Konsortium darf wie beantragt zwei Drittel an der Reederei Hapag-Lloyd von Tui übernehmen, teilte die EU-Kommission mit. Ein Drittel der Anteile bleibt bei Tui. Der MDax-Konzern hatte den Verkauf zu 4,45 Milliarden Euro im vergangenen Oktober beschlossen.

Conti-Reifen an Erzrivalen Pirelli?
Über sieben Prozent gewann die Aktie von Continental. Ein Pressebericht aus Italien hatte die Spekulation angefacht, dass Pirelli möglicherweise die Conti-Reifensparte kaufen könnte.

Leichte Zuwächse bei Bechtle
Im TecDax gewann die Aktie des IT-Dienstleisters Bechtle 2,1 Prozent. Der Konzernumsatz stieg von 1,38 auf 1,43 Milliarden Euro, das Vorsteuerergebnis legte leicht auf 60 Millionen Euro zu, was etwas über den Erwartungen lag. Bechtle gab keinen Ausblick. Die endgültigen Zahlen will das Unternehmen am 19. März vorlegen.

Medion erreicht Ergebnisziel
Der Elektronikhändler Medion hat das vergangene Jahr vor allem wegen eines schwachen Weihnachtsgeschäftes mit einem leichten Umsatzrückgang beendet. Die Erlöse fielen auf 1,61 Milliarden Euro, teilte das SDax-Unternehmen mit. Medion verfehlte damit seine eigene Prognose von 1,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg auf 34,4 Millionen Euro und erreichte damit die Erwartungen. Auch im ersten Halbjahr erwartet Medion rückläufige Umsätze. Offenbar hatten die Marktteilnehmer aber noch Schlimmeres erwartet - die Aktie stieg um 10,5 Prozent.

Weniger Orders bei der Comdirect
Auch das Geschäft des Onlinebrokers Comdirect wurde zu Jahresbeginn von der Börsenkrise - und wohl auch der Abgeltungssteuer - gebremst. Die Orderzahl ging im Januar um 30 Prozent gegenüber Dezember zurück. Das betreute Kundenvermögen sank um 3,4 Prozent auf 19,64 Milliarden Euro, obwohl die Zahl der Kunden um rund 20.000 auf 1,37 Millionen stieg. Bei dem wesentlich kleineren Onlinebroker Sino schrumpfte die Zahl der Wertpapierorders im Januar mit knapp 89.000 nur um 2,9 Prozent gegenüber Dezember.

Toyota senkt nochmals Prognose
Am Morgen senkte Toyota zum dritten Mal seine Jahresprognose. Der mittlerweile weltgrößte Autokonzern erwartet einen weltweiten Absatz von 7,32 Millionen Autos, 200.000 weniger als zuvor prognostiziert. Außerdem bilanzierte Toyota in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2008/09 einen Gewinnreinbruch von 88,2 Prozent und rechnet im Gesamtjahr mit einem Betriebsverlust.

Anonymer Brief versetzt Julius Bär in Aufruhr
Bemerkenswert waren die Vorgänge rund um die Präsentation des Jahresabschlusses von Julius Bär. Am Morgen wurden Anschuldigungen gegen die Schweizer Vermögensverwaltungsbank in einem anonymen Brief bekannt, welche die Aktie um bis zu 41 Prozent abstürzen ließen. Nach einem energischen Dementi von Bär-Chef Johannes de Gier erholte sich das Papier deutlich. In dem Brief an die Schweizer Bankenaufsicht FINMA wird behauptet, Angestellte der Bank hätten Verluste versteckt. Julius Bär teilte später mit, wegen eines Händlerfehlers sei im vergangenen Jahr ein unrealisierter Verlust von fünf Millionen Franken entstanden. Der Jahresgewinn ging 2008 um 25 Prozent auf 852,3 Millionen Franken (570 Millionen Euro) zurück.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr