Warten auf Uncle Sam

Detlev Landmesser

Stand: 09.12.2008, 20:31 Uhr

Wann kommt es denn nun, das Rettungspaket für die taumelnden US-Autobauer? Das Warten darauf nahm einen Großteil des Handelstages in Anspruch - mit positivem Ausgang für den Dax.

Am Abend dauerten die Verhandlungen zwischen den Demokraten im US-Kongress und dem Weißen Haus über eine Gesetzesvorlage für den Rettungsplan an. Dieser sieht 15 Milliarden Dollar an Notkrediten an die Autobauer vor. Zeitweise war der Dax schon um 2,85 Prozent vorgerückt, fiel aber wieder zurück, als das US-Präsidialamt eine Einigung noch am Dienstag als unwahrscheinlich bezeichnete.

Der L-Dax ging mit 4.747,14 Punkten aus dem Handel. An der Wall Street konnten sich die Indizes bis zum Abend allerdings nicht im Plus halten. Eine baldige Einigung über die dringend benötigten staatlichen Gelder könnte das Blatt aber nochmals wenden.

Am Vormittag war der Dax von der neuesten Konjunkturumfrage des ZEW unterstützt worden. Während die Einschätzung der aktuellen Lage immer noch sehr düster ist, gab der Erwartungsindex leichte Entwarnung. Die deutsche Wirtschaft rutsche immer tiefer in die Rezession, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Vormittag mit. Der Lageindex fiel von minus 50,4 Punkten im November auf nun minus 64,5 Zähler. Dagegen gab der Erwartungsindex Anlass zur Hoffnung. Er verbesserte sich von minus 53,5 auf minus 45,2 Punkte.

Autos gefragt

Wieder gehörten die Autoaktien zu den gefragtesten Dax-Titeln. Die Fantasie um das US-Autobranchenrettungspaket half erneut, zudem hat JP Morgan in einer Erstbewertung den deutschen Autoherstellern annehmbare Bewertungen ausgestellt. BMW-Aktien gewannen 5,6 Prozent, Daimler über vier Prozent.

Lufthansa senkt Kerosinzuschläge
Die Verkehrszahlen der Lufthansa für den November wurden verhalten positiv aufgenommen. Mit 5,46 Millionen flogen im November 2,3 Prozent weniger Passagiere mit der Kranichlinie und ihrer Tochter Swiss als im Vorjahr. Die Auslastung der angebotenen Plätze sank um 2,2 Prozentpunkte auf 76 Prozent. An Fracht transportierte die Lufthansa im November 163 000 Tonnen und damit 8,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Dax-Konzern kündigte zudem an, seine Treibstoffzuschläge zum zweiten Mal nach dem Oktober zu senken. Auf der Kostenseite verschafft der dramatische Absturz der Öl- und Kerosinpreise den Fluggesellschaften deutliche Entlastungen.

SAP kommt Kunden entgegen
SAP hat die angekündigten teureren Wartungsverträge in Deutschland und Österreich zurückgenommen. Angesichts starken Widerstands bietet der Unternehmenssoftware-Hersteller den Kunden wieder die Verträge an, die die Walldorfer im Sommer gekündigt hatten. "Die Vertragskündigungen wurden von Kunden sehr emotional entgegengenommen", berichtete SAP-Deutschlandchef Volker Merk. Daher bieten die Walldorfer ihren Kunden die Wahl zwischen der bisherigen Standard-Wartung und der teureren Enterprise-Wartung.

Deutsche Börse will "moderat" wachsen
Die Deutsche Börse rechnet für 2009 mit einem moderaten Umsatzwachstum. Das sei vor allem auf positive Effekte durch das Restrukturierungs- und Effizienzprogramm zurückzuführen, sagte Finanzvorstand Thomas Eichelmann. Angesichts der ungewissen Marktentwicklung sei eine exakte Prognose noch nicht möglich. Er ergänzte jedoch, dass eine von einem Analysten genannte Spanne von drei bis sieben Prozent Zuwachs durchaus als moderat interpretiert werden könne. Die Wachstumstrends der Börse seien nach wie vor intakt, betonte Eichelmann.

K+S kürzt Produktion weiter
Der Düngemittelkonzern K+S hat wegen der schwachen Nachfrage seine Produktionskürzungen ausgedehnt. An einigen Standorten werde Kurzarbeit und Zwangsurlaub eingeführt, teilte K+S mit. Die Düngemittel-Nachfrage liege weiterhin deutlich unter dem gewohnten Niveau, sie soll sich im zweiten Halbjahr 2009 aber erholen.

Infineon im Chip-Sog
Wieder war die Infineon-Aktie schwächster Dax-Titel. Die großen US-Halbleiterkonzerne Texas Instruments und National Semiconductor hatten am Montag ihre Geschäftsprognosen gesenkt. Beide Konzerne begründeten das vor allem mit der Schwäche auf dem Markt für Mobiltelefone.

Fuchs senkt Prognose erneut
Selten deutlich ging es mit der Aktie von Fuchs Petrolub nach unten. Der Schmierstoff-Konzern hatte erklärt, der Umsatz habe im November deutlich unter den Erwartungen gelegen, und senkte erneut seine Geschäftsprognosen für das Gesamtjahr.

Analystenstudie beflügelt NA
Stärkster MDax-Titel war die Norddeutsche Affinerie. Händler verwiesen auf einen positiven Analystenkommentar als Antrieb. Die Berenberg Bank beließ den Titel auf "Buy" mit einem Kursziel von 45 Euro. Auch wenn die Ergebnisse zum vierten Quartal gemischt ausfallen dürften, erwarten die Analysten einen starken Cash Flow.

Aixtron Glühlampen-Profiteur?
Mit Aixtron haben die Börsianer einen Profiteur der geplanten Abschaffung der Glühlampen in den EU-Mitgliedsstaaten ausgemacht. Aixtron baut Anlagen für die Herstellung von Verbindungshalbleitern. Verbindungshalbleiter werden zur Produktion von LEDs benötigt. "Für die Stimmung im Sektor ist diese Nachricht sicherlich positiv, da der Trend zu energieeffizienteren Leuchtmitteln geht", sagte UniCredit-Analyst Günther Hollfelder. Aixtron werde aber vom Glühlampenverbot nicht direkt profitieren, da die normalen Glühbirnen insbesondere durch Sparlampen ersetzt werden sollen.

Q-Cells schockt
Diesmal ging es mit den Solartiteln im TecDax wieder abwärts. Der Solarzellenprimus Q-Cells hatte am Morgen überraschend seine Gewinn- und Umsatzprognose für 2008 gesenkt. Der Jahresüberschuss werde, statt erwarteter 215 Millionen Euro, nur noch 185 Millionen Euro betragen. Beim Umsatz geht Q-Cells von 1,75 bis 2,25 Milliarden Euro nach bisher 2,25 Milliarden aus. Auch für 2009 senkte Q-Cells die Erwartungen. Der Konzern begründete die gesenkte Prognose mit den Belastungen der Finanzkrise. Die Aktie wurde dafür mit einem Abschlag von bis zu 34 Prozent bestraft.

Wegen der Schwäche im vierten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 muss sich Q-Cells weiteres Geld von den Banken leihen. Es seien zusätzliche Kredite über rund 100 Millionen Euro nötig, sagte Finanzvorstand Hartmut Schüning.

Morphosys stellt neue Antikörperbibliothek vor
Die Aktie von Morphosys war dagegen mit einem Plus von 4,1 Prozent gefragt. Der Biotechnologiekonzern hat eine neue, umfangreiche Antikörperbibliothek präsentiert. Die neue Bibliothek sei dreimal größer als ihre Vorgängerversion, teilte das TecDax-Unternehmen mit. Sie liefere eine "noch größere Bandbreite an vollständig menschlichen Antikörpern", hieß es.

Carl Zeiss Meditec schwächelt
Das Papier von Carl Zeiss Meditec verlor 3,1 Prozent. Der Medizintechnik-Konzern hat mit einem Ebit von 67,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007/08 weniger verdient als vor einem Jahr. Das Ergebnis sei um vier Prozent gefallen, teilte das Unternehmen mit. Damit blieb Carl Zeiss Meditec unter den Erwartungen. Auch der Umsatz enttäuschte. Er legte um 5,4 Prozent auf rund 600 Millionen Euro zu, Analysten hatten jedoch 606 Millionen erwartet. Das Unternehmen will dennoch die Dividende von 16 auf 18 Cent je Aktie anheben.

Payom erhöht Umsatzprognose
Anders als Q-Cells sprach der kleine Anlagenbauer Payom Solar von einem sehr erfolgreichen Geschäftsverlauf und hob die Prognose für 2008 erneut an.Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten erfreue sich Payom Solar einer "sehr positiven" Auftragslage. Den geplanten Umsatz von rund 30 Millionen Euro habe Payom bereits Ende November überschritten. "Der bisher milde Winter hat uns weitere Aufträge beschert. Nach einem Umsatz von 9,93 Millionen Euro im Jahr 2007 haben wir im aktuellen Geschäftsjahr unseren Wachstumskurs beeindruckend fortsetzen können", sagte Vorstand Jörg Truelsen.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"