Warten auf neue US-Daten

Stand: 07.07.2011, 20:00 Uhr

Der Dax hat sich heute an die Wall Street angehängt und sich trotz Zinserhöhung behauptet. Hauptthema aber bleibt, ob Amerika die Konjunkturwende schafft. Vom morgigen Arbeitsmarktbericht für den Juni wird daher viel abhängen.

Wall Street tendiert freundlich
Zur Mittagszeit hat die New Yorker Börse ihre Gewinne leicht ausgebaut. Der Dow Jones-Index behauptet sich über der Marke von 12.700 Punkten und steigt aktuell 0,8 Prozent. Auch die anderen großen Indizes liegen im Plus. Der marktbreite S&P-500-Index gewinnt gut ein Prozent, die Technologiebörse Nasdaq legt sogar 1,4 Prozent zu.

Die US-Börsen reagieren damit ebenso wie schon die Märkte in Europa positiv auf die besser als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten der privaten Arbeitsmarktagentur ADP. Deren Daten gelten als Indikator für die offizielle Arbeitsmarktstatistik, die morgen mit Spannung erwartet wird. Unter den Einzelwerten steigen die Aktien des Börsenbetreibers NYSE nach dem positiven Votum der Aktionäre zur Fusion mit der Deutschen Börse um drei Prozent.

Dax im Aufwind
Der Dax hat seine Gewinne vom Nachmittag behauptet und schließt um gut ein halbes Prozent besser bei 7.471 Punkten. Zwischenzeitlich war der Index im Tageshoch sogar über die Marke von 7.500 auf 7.516 Punkte geklettert. Der L/E-Dax tendiert nach Xetra-Schluss besser und steht zum Handelsschluss bei 7.486 Punkten.

EZB-Zinserhöhung bewegt kaum
Der deutsche Leitindex hatte zuvor kaum auf die Zinsentscheidung der EZB reagiert. Die Notenbank hatte am Mittag wie erwartet ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent angehoben. Auf der anschließenden Pressekonferenz äußerte sich wie stets Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet. Er deutete dabei an, dass die EZB trotz Griechenland-Krise die Zinszügel weiter anziehen wird: "Wir werden weiterhin alle Entwicklungen sehr genau beobachten, die die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität betreffen."

Die Inflationsrate in der Eurozone lag im Mai bei 2,7 Prozent und damit deutlich über der von den Währungshütern akzeptierten Marke von zwei Prozent. Damit wäre noch Raum für weitere Zinsschritte. Das sieht auch Thomas Amend von HSBC Trinkjaus so: "Mit einem weiteren Zinsschritt ist im kommenden Monat nicht zu rechnen, für den weiteren Jahresverlauf aber schon."

Kritik an den Ratingagenturen
Trichet kritisierte deutlich die Rolle der Ratingagenturen. Er sagte, dass eine oligopolistische Struktur auf den Weltfinanzmärkten nicht wünschenswert sei. Zuvor hatte die Ratingagentur Moody's das Rating für Portugal auf Ramsch-Status zurückgestuft und sich damit den Unwillen der Politik zugezogen. Trichet erklärte, die EZB werde aber trotzdem weiter portugiesische Anleihen als Sicherheit für Geldgeschäfte akzeptieren.

Damit zeigt er den Agenturen die kalte Schulter. In den Verhandlungen um das zweite Rettungspaket für Griechenland warnte Trichet davor, durch die Beteiligung privater Gläubiger eine Pleite des Landes zu riskieren. Vor allem die griechischen Banken dürfen nicht überfordert werden, weshalb ein teilweiser Zahlungsausfall unbedingt vermieden werden soll.

Ölpreis legt zu
Der Ölpreis ist am Donnerstag deutlich gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August kostete gegen Abend 117,06 Dollar. Das waren 3,44 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,61 Dollar auf 98,26 Dollar.

Händler begründeten die starken Preissteigerungen mit einem schwachen Dollar, der die Nachfrage außerhalb des Dollar-Raumes beflügelt hat. Zudem profitierte das Öl von den guten Arbeitsmarktdaten sowie den rückläufigen wöchentlichen Lagerdaten in den USA.

Euro wieder erholt
Der Euro tendiert nach wechselhaftem Kursverlauf am späten Nachmittag freundlich und ist wieder deutlich über die Grenze von 1,43 Dollar gestiegen. Am Vormittag war die Gemeinschaftswährung noch von der europäischen Schuldenkrise belastet gewesen und im Tief bis auf 1,4219 Dollar gefallen.

Aktuell steht die Gemeinschaftswährung bei 1,4362 Dollar. Geholfen hat der EZB-Zinsentscheid sowie die Akzeptanz der Notenbank für portugiesische Anliehen trotz der jüngsten Rückstufung auf Ramsch-Status. "Die Maßnahme sorgt für etwas Beruhigung am Markt", sagte Devisenexpertin Jana Meier von HSBC Trinkaus.

Rentenmarkt dreht kräftig ins Minus
Nachdem der Rentenmarkt die EZB-Entscheidung zunächst gelassen hingenommen hat, ist er im weiteren Verlauf deutlich ins Minus gedreht. Der Bund-Future verliert 51 Ticks, bleibt aber mit 126,01 Prozent trotzdem auf einem insgesamt hohen Niveau.

SAP gut im Rennen
Eine positive Studie der UBS verhilft den Aktien von SAP an die Top-Position im Dax mit über zwei Prozent Kursgewinn. Analyst Michael Briest erneuerte seine Kaufempfehlung und betonte, dass sich der Softwarekonzern im zweiten Quartal sowohl in den USA als auch in Europa gut entwickelt habe, vor allem was Großaufträge angehe.

Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass die Verträge der beiden Co-Vorstandssprecher Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe um fünf Jahre bis 2017 verlängert werden. Auch der Vertrag von Vorstandsmitglied Gerhard Oswald wurde bis 2014 verlängert. Aufsichtsratschef und Großaktionär Hasso Plattner hatte den zu Hewlett-Packard abgewanderten, ehemaligen CEO Leo Apotheker durch McDermott und Snabe ersetzt und bescheinigte ihnen "außerordentliche Leistungen" vollbracht zu haben. SAP steht mit einem Zuwachs von über drei Prozent an der Spitze der Gewinnerliste im Dax.

S&P senkt Eon-Ausblick
Die Ratingagentur Standard and Poor's hat das Kreditrating für Eon mit A/A-1 bestätigt, den Ausblick aber auf "negativ" von zuvor "stabil" gesenkt. Die Agentur begründete dies mit dem unsicheren Marktumfeld. Die Aktie gibt einen Teil ihrer Gewinne ab, behauptet sich aber mit einem leichten Zugewinn von 0,2 Prozent weiterhin im Plus.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,14
Differenz relativ
+2,25%

Thyssen verkauft sich selbst
ThyssenKrupp hat seine Aktien selbst auf Talfahrt geschickt. Der Stahlkonzern hat heute ein größeres Paket eigener Aktien verkauft. Der Kurs gibt mehr als fünf Prozent nach. Wie ThyssenKrupp am Mittag bekannt gab, vereinnahmt das Unternehmen bei einem Verkaufspreis von 32,95 Euro je Aktie gut 1,6 Milliarden Euro. Nach dem Verkauf steigt der Streubesitz auf 74,4 Prozent. Das Geld will ThyssenKrupp zum Schuldenabbau und zur Stärkung des Eigenkapitals nutzen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,57
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Deutsche Bank: Neuer Chef gefunden?
Nach Medienberichten verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bank aktuell mit Hochdruck an einer Nachfolgeregelung für Konzernchef Josef Ackermann arbeitet. Im Gespräch ist eine Doppelspitze, in der neben dem Chef des Investmentbankings, dem Inder Anshu Jain, ein Co-Chef sitzen soll. Dies deshalb, weil Jain kein Deutsch spricht, was bisher immer wieder als Hindernis für dessen Berufung galt. Dem Bericht nach könnte eine Vorentscheidung bereits im Sommer fallen.

Derweil hat die Bank einen neuen Kaufinteressenten für die BHF-Bank gefunden. Man verhandelt exklusiv mit Kleinwort Benson, der Banktochter des Brüsseler Finanzinvestors RHJ International. RHJ wird vom früheren Credit-Suisse- und Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard ("Lenny") Fischer geführt, der mit der BHF wieder in den deutschen Markt einsteigen möchte.

Deutsche Börse nach NYSE-Votum besser
Aktien der Deutschen Börse gehören am Nachmittag zu den Gewinnern. Sie steigen um 2,5 Prozent, nachdem auf der außerordentlichen Hauptversammlung der New York Stock Exchange die Aktionäre mit großer Mehrheit dem Zusammenschluss zugestimmt haben.

Vossloh zieht Gewinnprognose zurück
Nach Börsenschluss hat Vossloh eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Die Aktie kommt im Xetra-Parketthandel stark unter die Räder und verliert gut acht Prozent.

SMS legt was drauf bei Elexis
Favorit im SDax sind die Titel von Elexis, mit rund vier Prozent Kursplus erobern sie sich den Platz an der Indexspitze. Der Anlagenbauer SMS hatte das Angebot für den Branchenkollegen auf 20,50 Euro pro Aktie erhöht.

SHW startet an der Börse
Schließlich feiert noch der Autozulieferer SHW AG sein Börsendebüt. Der Weg dorthin war holprig, der Börsengang war um eine Woche verschoben werden, trotzdem konnten nicht alle Aktien platziert werden. Die im Prime Standard notierten Aktien schließen bei 25,90 Euro, und damit knapp unter dem Ausgabepreis von 26 Euro.

Visa trotz Warnung besser
Der weltweit größten Kreditkartenanbieter Visa hat für das kommende Geschäftsjahr eine geringere Umsatzsteigerung angekündigt. Als Grund nannte das in San Francisco ansässige Unternehmen die strengere Regulierung der Branche in den USA.

Allerdings fallen die Beschränkungen nicht so hart aus wie befürchtet, so dass die Aktie zuletzt sprunghaft gestiegen war. Der Umsatz werde voraussichtlich "im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich" wachsen, teilet Visa mit. Auch heute steigt die Aktie in New York ungebrochen weiter um 2,5 Prozent auf knapp über 90 Dollar. Mitte Juni hatte das Papier noch 73 Dollar gekostet.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr