Marktbericht 20:05 Uhr

Dax im Rückwärtsgang Warten auf neue Impulse aus Amerika

Stand: 08.04.2015, 20:05 Uhr

Aktien waren heute nicht gefragt, der Dax tendierte leichter. Die Anleger warteten auf Neuigkeiten von der US-Notenbank zur Zinswende.

Wenn in diesen Minuten das Sitzungsprotokoll des Zinsausausschusses der Fed vom 17. und 18. März veröffentlicht wird, heißt es für die Weltbörsen, achtsam zu sein. Denn es geht darum, einen Einblick in die Sichtweise der amerikanischen Notenbanker zu bekommen. Wie beurteilen sie die konjunkturelle Lage und ist Amerika reif für eine erste Zinserhöhung schon im Sommer?

Spätestens seit den überraschend schwachen Daten vom Arbeitsmarkt am vergangenen Freitag haben diejenigen Oberwasser bekommen, die auf einen eher späteren Termin im Jahresverlauf setzen. Zumal Notenbankchefin Janet Yellen bisher stets betont hat, mit dem Zinswechsel nicht in Eile zu sein. Sie gilt als Vertreterin einer datenabhängigen Zinsentscheidung, weniger von starren Terminplänen.

ARD-Börsenstudio: Samir Ibrahim
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Börse 18.00 Uhr

"Und damit würde auch die Fed der Linie aller großen Notenbanken treu bleiben, dem Markt auf absehbare Zeit keinen Grund zur Sorge zu bieten", urteilten die Analysten der Metzler Bank. Bisher erwartet die Börse, dass erste Zinsanhebungen ab Juni eingeleitet werden.

Dax verliert 0,7 Prozent

Vor diesem Hintergrund hielt sich der Appetit der Investoren auf Aktie heute in Grenzen, zumal die Kurse am Vortrag deutlich angezogen hatten. Da wurden auch Gewinne mitgenommen, etwa bei den zuletzt so erfolgsverwöhnten Autowerten. Am grundsätzlichen Szernario hat sich aber nichts geändert. Während in Amerika die Notenbank in Richtung Zinswende denkt und es "nur" um das Prozedere geht, bleiben in Europa die Geldschleusen der EZB bis auf Weiteres weit geöffnet.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax ging mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent bei 12.035 Punkten aus dem Handel. Im Tageshoch hatte es zwischenzeitlich deutlich besser ausgesehen. Bis auf 12.122 Zähler stieg das führende deutsche Börsenbarometer am Mittwoch, ehe Verkäufe einsetzten. Zudem enttäuschten am Vormittag auch die heimischen Industrieaufträge im Februar mit einem Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, Experten hatten mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gerechnet.

Wall Street in Lauerstellung

In New York tendieren die großen Aktienindizes vor den Fed-Protokollen gut behauptet. Während die beiden Standardwereteindizes Dow Jones und S&P500 aber nur leicht zulegen, geht es an der Nasdaq besser. Fed-Gouverneur Jerome Powell, ein eher moderater Notenbanker, der weder dem Tauben- noch dem Falkenlager zuzurechnen ist, hat eine Zinserhöhung bereits im Juni nicht ausgeschlossen, sich aber gleichzeitig für ein behutsames Vorgehen ausgesprochen.

"Wenn sich die Wirtschaft auf dem erwarteten Pfad weiterbewegt, wird es für eine Zeit angemessen sein, die Sätze ziemlich langsam zu erhöhen", sagte Powell am Mittwoch in New York laut Redetext. Aus makroökonomischer Sicht sei der präzise Zeitplan für den Beginn der Zinswende weniger wichtig als der Pfad der nachfolgenden weiteren Anhebungen.

Neben den Zinseinschätzungen der Notenbanker erwartet die Street aber auch noch die Eröffnung der Berichtssaison. Am Abend eröffnet der Aluminiumkonzern Alcoa traditionell den Zahlenreigen. Wegen der vielfältigen Verwendung von Aluminium in der Industrie gelten die Alcoa-Resultate als wichtiger Gradmesser für den Zustand der Wirtschaft. Experten befürchten, der strenge Winter, vor allem aber der starke Dollar dürfte den Profit der amerikanischen Konzerne ordentlich geschmälert haben.

Gold über 1.200 Dollar, Euro erholt sich

Die Zinsdiskussion hat nicht nur die Aktienmärkte voll im Griff. Am Devisenmarkt tendierte der Euro volatil, fällt dabei insgesamt aber gegenüber dem Dollar zurück. Aktuell liegt der Kurs bei 1,0824 Dollar, in der Spitze lag der Kurs schon um die Marke von 1,09 Dollar und im Tief unter 1,08 Dollar.

Auch am Goldmarkt dreht sich alles nur um das eine Thema. Der Preis für das gelbe Edelmetall hat sich über der Marke von 1.200 Dollar je Feinunze eingependelt. Schon nach der März-Sitzung habe Fed-Chefin Janet Yellen vor den negativen Folgen des starken Dollar für die Inflation und den Export der USA gewarnt. "Sollte dies heute Abend nochmals deutlich werden, könnte der US-Dollar abwerten und Gold entsprechend zulegen", hieß es aus Händlerkreisen. Öl tendiert hingegen leichter. Hier kursieren Studein, dass eine politische Einigung mit dem Iran den Preis um bis zu 15 Prozent weiter drücken könnte.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.227,07
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa auf Erholungskurs

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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+4,20%

Im Dax waren Lufthansa Tagessieger. Das Papier erholte sich damit etwas von den jüngsten Kursverlusten und stieg 1,8 Prozent auf 12,70 Euro. Seit dem Absturz eines Jets der Billigtochter Germanwings vor rund zwei Wochen hat der Titel bis zu zwölf Prozent an Wert verloren. Nun nutzen offenbar einige Investoren das erniedrigte Kursniveau zum Einstieg.

Daimler, BMW und Conti so gar nicht gefragt

Autoaktien waren hingegen nicht gefragt. Dies, obwohl Daimler am Vormittag über ein Absatzplus von 16,3 Prozent im März auf 195.451 Fahrzeuge und damit über den stärksten Absatzmonat der Unternehmensgeschichte berichtet hat. Doch Gewinnmitnahmen setzen die seit Monaten gut gelaufenen Aktien deutscher Autobauer derzeit unter Druck. Zu allem Übel hat auch noch das Analysehaus Kepler Cheuvreux BMW und Daimler heruntergestuft. Schon seit Mitte März konsolidiert der Auto-Sektor. Zu den größten Tagesverlierern gehörten darüber hinaus auch Beiersdorf und Telekom.

Allianz: Fonds-Tochter hat weiter zu kämpfen

Laut dem Analysehaus Morningstar haben Anleger im März 660 Millionen Dollar aus dem "Unconstrained Bond Fund" der Allianz-Fonds-Tochter Pimco abgezogen. Seit Jahresbeginn flossen damit 1,7 Milliarden Dollar ab, der Fonds verwaltete Ende März noch 9,8 Milliarden Dollar. Die Allianz-Aktie zeigte sich davon unbeeindruckt und tendierte nahezu unverändert.

Wincor-Aktie dick im Plus

Im MDax führte die Aktie des Herstellers von Geldautomaten mit großem Abstand das Feld an. Grund waren Gerüchte über einen möglichen Einstieg eines finanzstarken Investors. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur "Reuters" und berief sich auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Wincor hat sich bisher nicht geäußert, in der Vergangenheit eine Partnerschaft aber nicht ausgeschlossen. Dem Paderborner Konzern haben die Finanzkrise und zuletzt der Russland-Konflikt zugesetzt.

Wirecard: Mehr Geld für die Aktionäre

Der Online-Zahlungsdienstleister Wirecard erhöht seine Dividende. Die Ausschüttung an die Anteilseigner – darunter Vorstandschef Markus Braun als einer der Hauptaktionäre – soll um einen Cent auf 13 Cent je Aktie angehoben werden. Das entspricht einer Steigerung um acht Prozent. Der Nachsteuergewinn kletterte 2014 um 30 Prozent auf 108 Millionen Euro. Die Aktie fiel trotzdem zurück.

Zalando: Goldman Sachs klotzt

Im SDax gehörte die Zalando-Aktie zu den stärksten Werten. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat die Papiere des Online-Modehauses auf seine "Conviction Buy List" gesetzt. Das Zwei-Jahres-Ziel geben die Goldmänner mit 35 Euro an und geben sich damit gewohnt protzig: Im Vergleich zum gestrigen Schlusskurs würde dies einen Anstieg um 48 Prozent bedeuten.

Deutsche Fortfait meldet Etappenerfolg

Die Aktie des Forderungshändlers konnte ihre anfänglichen Kursgewinne nicht verteidigen und schloss unverändert. Dies, nachdem das Kölner Unternehmen über Fortschritte bei der Umsetzung der beschlossenen Restrukturierung berichtete. Diese kann nun wie auf der Gläubigerversammlung beschlossen beginnen, da gegen die Beschlüsse keine Anfechtungsklagen beim Landgericht Köln eingegangen sind. Die Frist war am 24. März abgelaufen. So soll unter anderem bis Ende April das Umtauschangebot der Unternehmensanleihe (ISIN DE000A1R1CC4) in Aktien der Deutsche Forfait im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung veröffentlicht werden. Das Unternehmen bemüht sich derzeit bei der Deutschen Börse, den Handel in der Anleihe wieder aufzunehmen.

Mega-Fusion in der Ölbranche

Der britische Ölmulti Royal Dutch Shell kauft den heimischen Gaskonzern BG für 47 Milliarden Pfund. Es ist die erste Großfusion dieser Art in der Branche seit mehr als zehn Jahren. Shell zahlt demnach 383 Pence je BG-Aktie in bar und 0,4454 eigene Aktien je BG-Anteilsschein. Dies ist ein Aufschlag von rund 52 Prozent auf den durchschnittlichen BG-Kurs der vergangenen 90 Handelstage. Der europäische Branchenindex legte zu.

Frankreich kauft mehr Renault-Aktien

Der französische Staat erhöht seinen Anteil an Renault von 15 auf fast 20 Prozent, um sich seine Kontrolle bei dem Autobauer zu sichern. Frankreich kauft dazu bis zu 14 Millionen Aktien für bis zu 1,23 Milliarden Euro. Ziel der Aufstockung ist es, bei der nächsten Renault-Hauptversammlung einen Antrag zu verhindern, der den staatlichen Einfluss verkleinern könnte.

Gebot für Bezahlsender Sky?

Der französische Medienkonzern Vivendi hat Insidern zufolge ein Auge auf den Bezahlsender Sky geworfen, zu dem auch Sky Deutschland gehört. Man prüfe eine Übernahme, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei allerdings nur eine von mehreren Optionen, um die Reichweite der eigenen Fernsehgruppe Canal Plus zu erhöhen.

Immofinanz zeigt CA Immobilien die kalte Schulter

Der auf Gewerbeimmobilien spezialisierte österreichische Konzern hat die CA-Immobilien-Offerte offiziell abgelehnt. Der zusammen mit dem russischen Großaktionär Boris Mints gebotene Preis von 2,80 Euro je Aktie sei "nicht angemessen". CA und Mints bieten noch bis zum 15. April rund 420 Millionen Euro für weitere 13,5 Prozent der Aktien. Immofinanz will sich mit einem 530 Millionen Euro schweren Gegenangebot wehren, braucht dafür aber die Zustimmung der Hauptversammlung. Dies könnten CA und Mints mit ihren Anteilen wiederum torpedieren, da die Präsenz auf der Aktionärsversammlung traditionell nur gering ist. Beide Immobilienaktien sind im Wiener Auswahlindex ATX enthalten.

Mylan wieder auf Einkaufstour

Neuer Milliardendeal in der Pharmabranche. Der US-Konzern Mylan bietet 205 Dollar je Aktie oder 29 Milliarden Dollar für den Konkurrenten Perrigo. Dieser gilt als führender Anbieter in Amerika beim Verkauf rezeptfreier Mittel und schon länger als Übernahmekandidat. Mylan wiederum ist bekannt für seine Wachstumsstrategie per Einkaufstour. So wurde vor acht Jahren das Generika-Geschäft der Darmstädter Merck gekauft. Erst kürzlich kaufte Mylan bei Abbots-Generika und der indischen Pharmafirma Fame Care zu. Die Börse ist aus dem Häuschen, die Perrogo-Aktie stieg in der Spitze um 30 Prozent auf 215 Dollar, auch das Mylan-Papier legt kräftig zu.

Procter will Marken abgeben

Der amerikanische Konsumgüterriese will sich nach Insiderinformationen von einigen seiner Kosmetikmarken sowie dem Parfümgeschäft trennen. Verkaufsunterlagen seien an mögliche Interessenten verschickt worden, darunter auch an Henkel, heißt es weiter. Zur Disposition steht unter anderem die Haarpflegemarke Wella, die P&G im Jahre 2003 erworben hat. Über einen Verkauf von Wella wird schon seit Längerem spekuliert.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr