Warten auf neue Impulse

Stand: 08.11.2010, 20:02 Uhr

Viele Anleger rechnen noch für dieses Jahr mit einem Anstieg des Dax auf 7.000 Punkte. Die in dieser Woche erwarteten neuen Quartalszahlen dürften dem Leitindex weiter Auftrieb geben. Heute fehlt dafür aber die Kraft.

Der Dax tritt am Abend auf der Stelle. Er schließt 0,02 Prozent höher bei 6.756. Damit folgt das Börsenbarometer dem Handel auf der elektronischen Plattform Xetra. Dort verlor der Leitindex knapp vier Punkte und schloss bei 6.750. A

Auch an der Wall Street kommt es zu leichten Verluste. Vor allem Finanztitel haben die wichtigsten Indizes an der Wall Street ins Minus gezogen. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei weiter der Versuch der US-Notenbank Fed, die Konjunktur mit einer weiteren Geldspritze zu beleben. In der vergangenen Woche waren die Kurse noch auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen.

Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Dow-Jones-Index der Standardwerte 46 Punkte (0,4 Prozent) auf 11.398 Punkte.
Die Anleger warten offenbar auf neue Impulse. In Deutschland legen diese Woche mehrere Dax-Schwergewichte ihre Quartalszahlen vor, darunter die Allianz, die Munich Re und Siemens.

Mit Enttäuschung reagierte der Markt heute auf die Quartalszahlen der Commerzbank. Die Bank hat zwar auch in den Sommermonaten einen Gewinn erwirtschaftet, doch der fiel deutlich niedriger aus als im zweiten Quartal. Auch enttäuschte die zweitgrößte deutsche Bank mit der Perspektive auf eine deutliche Anhebung der Abschreibungen bei der krisenbelasteten Immobilientochter Eurohypo. Die Aktie des Bankhauses ist mit einem Minus von mehr als fünf Prozent der größte Verlierer im Dax.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,54
Differenz relativ
+2,54%

UBS schiebt Chiphersteller an
Die UBS hat die Aktie von Intel von "Halten" auf "Kaufen" heraufgestuft und der Aktie dadurch zu neuem Schub verholfen. Von der Kaufempfehlung profitiert auch der deutsche Chiphersteller Infineon dessen Aktie mit einem Plus von mehr als drei Prozent zum größten Dax-Gewinner aufsteigt.

Adidas will Nike überholen
Gefragt ist auch die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas. Der Konzern will seinen Umsatz in den nächsten Jahren deutlich steigern und zum weltweit führenden Anbieter seiner Branche aufsteigen. Adidas ist derzeit die Nummer zwei in der Welt hinter Nike, auf Platz drei folgt mit deutlichem Abstand Puma. Adidas-Chef Hainer geht davon aus, dass sein Unternehmen in den nächsten fünf Jahren schneller wächst als die Hauptmitbewerber. Analysten lobten die Pläne des Unternehmens.

Stahlaktien sehr fest
Stahlaktien wie ThyssenKrupp und Klöckner & Co (KlöCo) gehören ebenfalls zu den Favoriten am Markt. Laut Börsianern gab es zwar keine fundamentalen Neuigkeiten, die Stimmung für die Branche bleibe aber weiterhin gut. Zudem gebe es positive charttechnische Signale. Die jüngsten Aussagen des Stahlverbandes waren ebenfalls positiv. Für das laufende Jahr hob die Wirtschaftsvereinigung Stahl ihre Produktionsprognose erneut an, und auch für 2011 zeigte sie sich zuversichtlich. Auch die Experten von JPMorgan äußern sich zuversichtlich für die Nachfrage- sowie Preisentwicklung der Branche.

Gildemeisters Mut wird nicht belohnt
Der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister blickt nach einem guten dritten Quartal etwas optimistischer auf das Gesamtjahr. Beim Auftragseingang rechnet das im MDax notierte Unternehmen 2010 jetzt mit einem Wert von 1,35 (2009: 1,15) Milliarden Euro. Der Umsatz solle auf mehr als 1,3 Milliarden Euro steigen. Und wie reagiert die Aktie? Sie ist mit einem Abschlag von knapp drei Prozent der größte Verlierer im MDax.

Rückschlag für Hochtief
Der Baukonzern Hochtief hat im Übernahmekampf mit dem spanischen Konkurrenten ACS eine Schlappe erlitten. Die australische Übernahmekommission schmetterte einen Antrag Hochtiefs ab, mit dem man ACS zwingen wollte, auch für die Tochter Leighton zu bieten. Damit wäre ein Kauf des Essener Konzerns viel teurer geworden. ACS wolle sein Übernahmeangebot bis Ende Januar 2011 erfolgreich abschließen, bekräftigte das spanische Unternehmen am Montag.

Stada ganz stark
Die Stada-Aktie ist der stärkste Wert im MDax. Dabei dürfte der Generikaspezialist Analysten zufolge im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht sein. Im Schnitt rechnen die Experten für die Monate Juli bis September mit einem Verlust von 9,45 Millionen Euro nach einem Gewinn von 23,2 Millionen Euro vor Jahresfrist. Stada will an diesem Donnerstag über die Entwicklung im dritten Quartal 2010 berichten.

QSC rauf, Manz runter
Aus dem TecDax legten heute der Netzwerkausrüster QSC und der Solarkonzern Manz ihre Zahlen vor. QSC schloss das dritte Quartal mit einem leichten Umsatz- und Gewinnplus ab. Die Erlöse hätten sich um rund eine Million auf 105,6 Millionen Euro verbessert, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich leicht auf 203 Millionen Euro, die Aktie legt deutlich zu.

Nicht überzeugen kann dagegen die Bilanz von Manz Automation. Der Anlagenbauer verdreifachte zwar seinen Umsatz auf 53,8 Millionen Euro. Das Ebit der ersten neun Monate blieb mit 3,3 Millionen Euro allerdings negativ, was die Anleger offensichtlich verunsichert.

Nachrichten aus dem SDax
Der Immobilienkonzern TAG Immobilien hat angesichts guter Geschäfte im dritten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr aufgestockt und erwartet jetzt ein Ebit von20 Millionen Euro. 2011 sollen sogar 60 Millionen erreicht werden. Die Aktie gibt dennoch nach.

Das Papier von Air Berlin dreht bis zum Börsenschluss ins Plus. Die Airline hat auch im Oktober wieder mehr Passagiere befördert als im vergangenen Monat. Die Auslastung der Flugzeuge betrug nach Air-Berlin-Angaben 80,3 Prozent, was knapp über dem Wert des Vorjahres lag.

Der Holzverarbeiter Pfleiderer kämpft noch immer mit großen Problemen und will zwei weitere Werke in Deutschland schließen. Es gehe um den Spanplatten-Standort im thüringischen Ebersdorf und den Standort für mitteldichte Faserplatten im hessischen Nidda. Pfleiderer wird damit künftig noch fünf Produktionsstandorte in Deutschland haben. Pfleiderer-Aktien stürzen um mehr als sieben Prozent auf 3,45 Euro ab und waren größter Verlierer im Kleinwerte-Index SDax.

GFT und Greiffenberger
Leicht zulegen kann die Aktie des IT-Dienstleisters GFT Technologies. Die Firma hat in den ersten neun Monaten des Jahres das Ergebnis vor Steuern um mehr als Hälfte auf 8,76 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz verbesserte sich auf 178,74 Millionen Euro.

Auch die Industrieholding Greiffenberger berichtet über weiter steigende Umsätze. Die Neunmonatserlöse seien um ein Drittel auf 101,5 Millionen Euro gestiegen. Die Anleger nutzen die Bilanz allerdings, um Kasse zu machen, die Aktie fällt heute um über fünf Prozent.

Sino mit weniger Aufträgen
Die Auftragslage beim Onlinebroker Sino hat sich deutlich abgeschwächt. Im Oktober habe man knapp 112.000 Kauf- und Verkaufsaufträge ausgeführt, teilte die Firma mit. Dies waren 5,6 Prozent weniger als im September und 11,9 Prozent weniger als vor einem Jahr.

PNE Wind legt zu
Der Windparkprojektierer PNE Wind hat im dritten Quartal sein Wachstum fortgesetzt. Das Betriebsergebnis sei in den ersten neun Monaten des Jahres von 5,1 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 7,9 Millionen Euro gestiegen, teilte die Firma mit. Die operative Unternehmensentwicklung schreite planmäßig voran, sagte Vorstandschef Martin Billhardt. Die Aktie legt leicht zu.

Chrysler fährt langsam aus der Krise
Die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler, kommt langsam in die Spur. Im dritten Quartal konnte das vom italienischen Wettbewerber Fiat kontrollierte Unternehmen den Verlust auf unterm Strich 84 Millionen Dollar eindämmen. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Chrysler jeweils in den beiden vorangegangenen Quartalen verloren hatte. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um fünf Prozent auf elf Milliarden Dollar.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"