Warten auf Griechenland-Einigung

Stand: 23.01.2012, 20:00 Uhr

Die Hoffnung auf eine mögliche Lösung der Griechenland-Problematik hat den Dax am Montag auf dem höchsten Stand seit Anfang August schließen lassen. Auch der Euro klettert wieder über die Marke von 1,30 Dollar. Doch am Abend kommt Skepsis auf.

Im Späthandel muss der Dax seine Kursgewinne nahezu vollständig wieder abgeben und schließt nur noch zehn Punkte höher als am Freitag bei 6.422 Punkten. Im elektronischen Handel war der Leitindex noch um ein halbes Prozent auf 6.436 Punkte gestiegen. Die Anleger verlieren offenbar die Geduld, nachdem sie im Tagesverlauf noch zuversichtlich gestimmt waren.

Belastet wird die Stimmung in Frankfurt am Abend von der Wall Street. Dort sind die Anleger deutlich pessimistischer. Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte ist nach leichten Gewinnen zu Handelsbeginn ins Minus gerutscht und verzeichnet bei Börsenschluss in Frankfurt Verluste von 0,3 Prozent bei 12.683. Punkten. Die jüngsten soliden Geschäftsberichte sorgten für Beruhigung. Anleger warteten auf eine Einigung Griechenlands mit seinen privaten Gläubigern über einen freiwilligen Schuldenerlass.

Auch in Europa liegen die Nerven blank. Zum Auftakt des Treffens der Euro-Finanzminister sagte der Finanzminister Zyperns, Charilaos Stavrikis, sein Land sei stark von griechischen Banken abhängig und deshalb schon in Mitleidenschaft gezogen worden: "Wir sind hier, um Vorschläge zu machen. Wir können das nicht ewig offen lassen", mahnte er. Aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel besteht noch Zeit bis zum März. Dann muss das Land eine Staatsanleihe über 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen.

Die Hoffnung auf eine Einigung in den Gesprächen mit den privaten Gläubigern Griechenlands hilft derweil dem Euro, der auch am Abend noch leicht über der Schwelle von 1,30 Dollar notiert und damit fast ein Cent über dem Schlusskurs von Freitag.

Einigung bis Ende der Woche?
In den Gesprächen zwischen Griechenland und den Banken hoffen Politiker und Finanzprofis jetzt auf eine Einigung möglichst noch bis Ende dieser Woche. IWF-Chefin Christine Lagarde appellierte am Montag zudem an die Euro-Länder, ihre Anstrengungen zur Lösung der Schuldenkrise zu vergrößern. Dazu zählte sie auch eine Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms ESM. Eine Forderung, die von der Bundesregierung abgelehnt wird.

Bei einer Rede in Berlin sagte Lagarde, sie könne die Europäer zwar verstehen. Ebenso verstehe sie aber auch den "Frust" der restlichen Welt. "Gerade haben sie die Scherben der Krise 2008 aufgekehrt, da wird ihre Erholung schon wieder zerstört durch den Ärger in Europa. Sie warten auf eine Lösung der Krise, die offenbar niemals kommt - und dass, obwohl Europa in ihren Augen reich genug ist, um seine Probleme selbst zu lösen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Banken hui, Versorger pfui
Die Aktien der Coba führen auch heute den Dax an, nachdem die Bank am Donnerstag gesagt hatte, dass sie die erforderlichen Eigenmittel in Höhe von 5,3 Milliarden Euro aus eigener Kraft aufbringen kann. Auch die Titel der Deutschen Bank und der Allianz sind überdurchschnittlich gefragt und stehen ganz oben auf der Liste der Gewinner. Und im EuroStoxx 50 belegen Banken ebenfalls die ersten Plätze. Gerüchte, wonach Deutschland eine Aufweichung der Basel-III-Eigenkapitalrichtlinien fordert, wies Finanzminister Wolfgang Schäuble allerdings zurück.

Abgestoßen wurden heute dagegen die Titel der beiden Versorger Eon und RWE sowie andere defensive Werte wie Henkel und Beiersdorf.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa hat Rückenwind
Spekulationen auf ein milliardenschweres Sparpaket bei den Konzerntöchtern der Lufthansa hat den Aktien Rückenwind verschafft. Die Papiere verteuern sich um gut zwei Prozent. Der "Wirtschaftswoche" zufolge will Vorstandschef Christoph Franz die Eigenständigkeit der Töchter einschränken, um die Kosten jährlich um 1,5 Milliarden Euro zu senken.

Wincor Nixdorf steigt trotzdem
Größter Gewinner im MDax ist die Aktie von Wincor Nixdorf. Dabei hat das Unternehmen am Morgen eigentlich enttäuschende Zahlen vorgelegt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) ging um mehr als ein Fünftel zurück Analyst Thorsten Reigber von der DZ Bank sprach zwar von "wenig inspirierenden Zahlen bei einem anhaltend schweren Geschäftsumfeld". Offenbar hatten die Anleger mit noch schlechteren Zahlen gerechnet.

Baywa entfacht Hoffnungen>
Nachdem das Papier des Agrarhändlers zunächst zu den schwächsten Werten im MDax gehört hatte, ist es am Nachmittag ins Plus gedreht. Grund für die Schwäche war der eher zurückhaltende Ausblick zum operativen Ergebnis 2012. " DZ-Bank-Analyst Heinz Müller betonte dagegen, er rechne weiterhin für das laufende Jahr mit einem Gewinnanstieg. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und sieht sie bei 40 Euro fair bewertet.

Solon heiß begehrt
Die Aussicht auf eine Übernahme durch eine arabische Firma hat Solon beflügelt. Die Aktien der insolventen Solarfirma schießen in der Spitze um mehr als 80 Prozent nach oben und beenden Handel 55 Prozent höher. Allerdings deuten die Verlautbarungen auf einen so genannten "Asset Deal" hin, also keinen direkten Kauf von Solon-Aktien. Parallel dazu verteuerten sich die Titel des ebenfalls insolventen Mitbewerbers Solar Millennium um rund acht Prozent.

Charttechnik hilft Praktiker
Im SDax machen die Aktien von Praktiker einen Sprung von 15,5 Prozent. Einen unmittelbaren Auslöser für die aktuelle Rally konnten Börsianer nicht nennen und verwiesen auf charttechnische Faktoren. Die Titel überwanden nach mehreren erfolglosen Versuchen in der Vorwoche zur Eröffnung des Handels am Montag die Marke von zwei Euro. Nach dem knapp 83-prozentigen Kursrutsch im Jahr 2011, dem schwärzesten Börsenjahr der Unternehmensgeschichte, hat Praktiker nun zur Erholung angesetzt.

Halliburton verdient am Öl
Der US-Ölförder-Dienstleister Halliburton hat im vierten Quartal dank hoher Nachfrage in seinem Heimatmarkt einen Umsatz- und Gewinnschub verzeichnet. Wie der im texanischen Houston beheimatete Dienstleister für Öl- und Gasförderer am Montag mitteilte, erhöhte sich der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft vor Sonderposten im Vergleich zum Vorjahresquartal von 867 auf 921 Millionen Dollar. Unterm Strich legte der Gewinn von 605 auf 906 Millionen Dollar zu.

RIM hofft auf deutsche Sachkompetenz
Der kriselnde Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM), wird demnächst vom früheren Siemens-Manager Thorsten Heins geleitet. Investoren hatten einen Wechsel an der Spitze des Konzerns gefordert, denn das Unternehmen kämpft schon länger gegen die starke Konkurrenz wie dem iPhone von Apple und Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr