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Dax verharrt im Minus Warten auf Friedenssignale

Stand: 10.01.2019, 15:02 Uhr

An Europas Aktienmärkten kommen am Donnerstag die Kurse kaum vom Fleck. Nach der kleinen Jahresauftakt-Rally halten sich die Anleger zurück. Denn noch immer gibt es keine Ergebnisse zu den Handelsgesprächen zwischen den USA und China.

Was denn nun? Drei Tage lang haben die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt in Peking verhandelt und Hoffnungen auf eine Lösung im Handelskonflikt geschürt. Eigentlich sollten heute Morgen Ergebnisse vorgelegt werden. Trotz erster Fortschritte müssen beide Seiten offenbar immer noch große Differenzen überwinden. Aus China hieß es in einer Mitteilung, die Gespräche hätten "das gegenseitige Verständnis vergrößert und eine Grundlage geschaffen, um die Besorgnisse beider Seiten anzusprechen". "Ein Teil der positiven Stimmung rund um die Verhandlungen ist damit wieder verflogen", sagte Marktanalyst David Madden vom Broker CMC Markets.

"Enttäuschungspotenzial ist groß"

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10.931,24
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+0,36%

Die Hoffnungen auf ein Ende des Zollstreits seien inzwischen recht groß - und damit auch das Enttäuschungspotenzial, meinte Christian Henke vom Brokerhaus IG. Seit Freitag hat der Dax viereinhalb Prozent zugelegt. Am Donnerstag legt er eine Verschnaufpause ein und fällt um 0,2 Prozent. Zeitweise rutschte der deutsche Leitindex sogar unter 10.800 Punkte.

US-Börsen vor Verschnaufpause

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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24.089,52
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Von der Wall Street ist vorerst kein Rückenwind zu erwarten. Der Dow dürfte 0,3 Prozent tiefer eröffnen, nachdem er am Mittwoch noch um 0,4 Prozent zugelegt hatte. In der Machtprobe um den US-Haushalt und die von ihm geplante Grenzmauer macht US-Präsident Donald Trump weiter Druck: Er wollte heute an die Grenze zu Mexiko reisen, um mit einem Auftritt vor Ort für das umstrittene Projekt zu werben.

Trump pocht auf die Mauer

Am Mittwoch hatte er eine Sitzung mit Spitzenvertretern der oppositionellen Demokraten abrupt abgebrochen, weil diese ihm weiter die geforderte Milliardensumme für die Mauer verweigerten. Sein Treffen mit den Oppositionschefs in Repräsentantenhaus und Senat sei "totale Zeitverschwendung" gewesen, twitterte Trump. Er habe daraufhin "Auf Wiedersehen" gesagt. Der Demokrat Chuck Schumer sprach von einem "Wutanfall" Trumps.

Euro über 1,15 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1392
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Am Devisenmarkt sorgt vor allem die Fed für Gesprächsstoff. Nach den insgesamt vier Zinsanhebungen im vergangenen Jahr will es die US-Notenbank nun ruhiger angehen lassen. Viele Teilnehmer der Dezember-Sitzung sind laut den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der Ansicht, dass die Zentralbank bei der weiteren geldpolitischen Straffung "Geduld" aufbringen sollte. Die Fed-Protokolle fielen vorsichtiger aus als erwartet, stellten die Analysten der BayernLB fest. Der Dollar geriet daher unter Druck. Der Euro stieg in der Spitze um 0,3 Prozent auf 1,1570 Dollar, den höchsten Stand seit fast drei Monaten. Inzwischen notiert die Gemeinschaftswährung wieder bei 1,1530 Dollar.

Brexit-Debatte geht weiter

Im Fokus der Märkte bleibt auch die Brexit-Debatte, insbesondere die Konsequenzen eines Ausscheidens Großbritanniens aus der EU ohne eine Regelung. Derzeit debattiert das britische Parlament darüber, ob es den von der Regierung ausgehandelten Scheidungsvertrag mit der EU billigen soll oder nicht.

Aktuell zeichnet sich keine Mehrheit dafür ab, so dass ein chaotisches Ausstiegsszenario näher rückt. Am 15. Januar soll abgestimmt werden. Das britische Pfund, das sich zuletzt oberhalb von 1,27 Dollar stabilisiert hat, gibt am Mittag leicht nach. Seit April aber, als noch 1,43 Dollar bezahlt wurden, hat die britische Währung deutlich an Wert verloren, auch gegenüber dem Euro.

Ölpreise fallen zurück

Die Ölpreise haben am Donnerstag den starken Anstieg der vergangenen Handelstage vorerst nicht weiter fortgesetzt. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fällt um über ein Prozent auf 51,73 Dollar. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet mit 60,86 Dollar ebenfalls rund ein Prozent weniger. Am Ölmarkt wurden die Erwartungen an ein schnelles Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China gedämpft. Außerdem wurden die Notierungen durch die Entwicklung der US-Ölreserven belastet. Diese waren in der vergangenen Woche nicht so stark wie erwartet gesunken. Der Goldpreis stagniert bei 1.292 Dollar je Feinunze.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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51,94
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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60,83
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.292,69
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Versorger gefragt, Conti abgestuft

Zu den Gewinnern des Tages gehören heute die beiden Versorgeraktien, gefolgt von Adidas. Im Gegenzug geben die Sieger des Vortages ihre Aufschläge wieder ab. Conti und FMC stehen am Dax-Ende. UBS hat die Aktien von Conti heruntergestuft von "Buy" auf "Neutral".

Volkswagen: Erster Rückgang in China seit 20 Jahren

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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144,90
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Die Volkswagen-Kernmarke VW Pkw hat wegen des kriselnden chinesischen Automarktes im vergangenen Jahr nur ein knappes Verkaufsplus erzielt. Insgesamt legten die Auslieferungen weltweit um 0,2 Prozent auf 6,24 Millionen Autos zu. Im Dezember gab es einen empfindlichen Rückgang um 9 Prozent, vor allem weil die Verkäufe in China spürbar einbrachen. Auch auf Jahressicht verkaufte VW mit seinen Partnern in China weniger Fahrzeuge.  | mehr

Ford zieht in Europa die Reißleine

Ford: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ford will sein tief in den Verlusten steckendes Europageschäft umbauen und tausende Arbeitsplätze streichen. Der US-Autobauer kündigte am Donnerstag ein Programm an, durch das die Kosten in diesem und im nächsten Jahr massiv gesenkt werden sollen. Zugleich will das Unternehmen in neue Modelle investieren und das Fahrzeugangebot elektrifizieren, um die schärferen EU-Klimavorgaben zu erfüllen. Unprofitable Fahrzeugmodelle sollen aus dem Angebot gestrichen werden.

Die Höhe des geplanten Personalabbaus nannte Armstrong nicht. Im Gespräch mit der nachrichtenagentur "Reuters" machte er jedoch klar, dass "tausende" Stellen wegfallen sollen. Ziel sei, in Europa eine langfristige operative Rendite von sechs Prozent zu erzielen. Im dritten Quartal 2018 hatte Ford in Europa einen Verlust von 245 Millionen Dollar eingefahren nach minus 192 Millionen vor Jahresfrist.

Südzucker: Das war ja abzusehen

Der Preisverfall bei Zucker und Bioethanol hat Südzucker im dritten Geschäftsquartal in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand in den drei Monaten bis Ende November ein Verlust von 31 Millionen Euro nach einem Gewinn von 32 Millionen ein Jahr zuvor, wie das im SDax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Mannheim mitteilte. Während der Umsatz um fünf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurückging, sackte auch das operative Ergebnis mit 23 Millionen Euro ins Minus.

An seiner bereits im September gesenkten Prognose bis Ende Februar hält das Management fest. So soll der Konzernumsatz 6,6 bis 6,9 Milliarden Euro erreichen. Das operative Ergebnis soll zwischen 25 bis 125 Millionen Euro liegen. Im Vorjahr hatte er noch 445 Millionen Euro erreicht.  | mehr

Rhön-Klinikum setzt auf das Smartphone

Rhön-Klinikum will künftig im großen Stil bei der Telemedizin mitmischen. Mit der Schweizer Medgate wurde die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens vereinbart. Das geplante Joint Venture Medgate Deutschland werde Arztkonsultationen per Video und Telefon anbieten. Die Telemedizin habe "das Potenzial, sich zu einem wichtigen zusätzlichen Geschäftsfeld für unser Unternehmen zu entwickeln", erklärte Rhön-Chef Stephan Holzinger. Die Rhön-Aktien steigen leicht.  | mehr

Bei Osram wird es finsterer

Beim Lichtkonzern Osram kommt beim Blick auf die Zahlen des abgelaufenen Jahresviertels keine Freude auf. "Die ersten Daten deuten darauf hin, dass das vergangene Quartal bei uns noch schwächer ausgefallen ist als dies manche Finanzexperten und wir noch vor einigen Monaten erwartet haben", sagte Firmenchef Olaf Berlien der "Augsburger Allgemeine". Wichtige Kunden für Osram sind die Auto- und Smartphone-Industrie. Berlien verwies unter anderem auf deutliche Rückgänge der Autoverkäufe in China.  | mehr

Takeaway.com schmeckt immer mehr Kunden

Bei der niederländischen Lieferando-Mutter haben im vierten Quartal deutlich mehr Kunden Essen bestellt. Die Zahl der Order stieg um 55 Prozent auf knapp 29,9 Millionen. Weitere Details will das Unternehmen am 13. Februar veröffentlichen.

Takeaway.com hatte sich mit seinem Berliner Wettbewerber Delivery Hero kurz vor Weihnachten darauf geeinigt, dessen deutsche Lieferdienste Foodora, Lieferheld und Pizza.de für rund 930 Millionen Euro zu übernehmen. Die Niederländer betreiben hier bereits das Portal Lieferando.de. Auf lange Sicht sollen Kunden nur noch dort bestellen. Die Unternehmen wollen den Deal in der ersten Jahreshälfte 2019 abschließen. Auch in Deutschland legte Takeaway.com im vergangenen Jahr deutlich zu.

Windeln.de beschließt Kapitalherabsetzung

Der defizitäre Online-Babyartikel-Händler ist vorerst gerettet. Die außerordentliche Hauptversammlung hat mit 99,8 Prozent der Stimmen die Herabsetzung des Grundkapitals im Verhältnis 1:10 beschlossen. Erforderlich war eine Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen. Unter Zugrundelegung der Kapitalherabsetzung ergibt sich auf Basis des Schlusskurses vom 9. Januar ein rechnerischer Aktienkurs von über 1,00 Euro, was der gesetzliche Mindestbetrag für die Ausgabe neuer Aktien im Zusammenhang mit Kapitalerhöhungen ist. Windeln.de hatte Ende November den für dieses Jahr geplanten operativen Turnaround auf 2020 verschoben. Die Aktie stürzte daraufhin ab.

Fintech N26 jetzt Milliarden wert

Die Berliner Smartphone-Bank N26 lässt sich ihre globale Expansion von ausländischen Investoren finanzieren. Der US-Risikokapitalgeber Insight Venture Partners sowie der Singapurer Investmentfonds GIC stellen zusammen mit anderen Investoren 300 Millionen Dollar zur Verfügung, wie das seit 2015 aktive Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Es handelt sich damit um eine der größten Private-Equity-Finanzierungsrunden, die ein europäisches Fintech gestemmt hat. Inzwischen hat N26 in vier Runden mehr als 500 Millionen Dollar eingesammelt, unter anderem bei Europas größtem Versicherungskonzern Allianz und dem chinesischen Internet-Riesen Tencent, dem deutsch-amerikanischen Investor Peter Thiel und bei Mitgliedern des Zalando-Managements.

N26 setzt auf eine Klientel, die ihre Bankgeschäfte über das Smartphone abwickeln will, schreibt aber noch rote Zahlen.  | mehr

Bitcoin auf Dreiwochen-Tief

Bitcoin-Investoren müssen starke Nerven haben. Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung ist heute wieder klar unter die Marke von 4.000 Dollar gestürzt und auf ein Dreiwochen-Tief gefallen. Auslöser war offensichtlich die Forderung der europäischen Bankaufsichtsbehörde EBA nach EU-weiten Vorschriften für Kryptowährungen. Während eine Regulierung an sich mehr Transparenz und damit bessere Investierbarkeit bedeutet, sorgen sich die Kryptoanleger kurzfristig um mögliche Verbote oder Handelseinschränkungen.

Tagestermine am Donnerstag, 17. Januar

Unternehmen:
Metro: Q1 Trading Update, 7:30 Uhr
Alstom: Q3-Umsatz, 7:30 Uhr
Beiersdorf: Umsatz 2018, 8:00 Uhr
Morgan Stanley: Q4-Zahlen, 13:00 Uhr
Netflix: Q4-Zahlen, 22:00 Uhr
American Express: Q4-Zahlen, 22:00 Uhr
Rio Tinto: Operation Report 2018, 22:30 Uhr
Schoeller-Bleckmann: Jahreszahlen
Symrise: Capital Markets Day

Konjunktur:
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe (Auftragsbestand), 11/18, 08:00 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, Januar - November, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 12/18, 11:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 01/19, 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen 12/18, 14:30 Uhr