Warten auf Ei Bi Em

von von Peter Kochanski

Stand: 18.01.2007, 20:15 Uhr

Hält IBM, was sich Anleger versprechen? Die Messlatte liegt hoch. Nach Börsenschluss in New York wird es sich zeigen. Der Dow-Jones-Index tritt auf der Stelle. Der L-Dax in Frankfurt rutschte auf 6.697 Punkte ab.

Der US-Notenbankpräsident Ben Bernanke hatte den Zeigefinger gehoben. In einer Anhörung vor dem US-Senat warnte Bernanke, wenn nicht rechtzeitig sinnvolle Maßnahmen ergriffen würden, könne die US-Konjunktur ernsthaften Schaden nehmen. In den kommenden Jahren würde eine große Zahl von US-Bürgern das Rentenalter erreichen. Diese "große Welle von Pensionären" werde den US-Haushalt belasten und die konjunkturelle Entwicklung unter Druck setzen.

Beim Blick auf Apple kamen Anleger ins Grübeln. Der Technologie-Konzern hatte im ersten Quartal dank des beliebten MP3-Players iPod zwar glänzend verdient. Beim Ausblick auf das zweite Quartal blieb Apple jedoch hinter den Erwartungen der Experten zurück. Das setzte den Aktien des Technologie-Konzerns mächtig zu und ramponierte den Technologie-Index Nasdaq.

Entwarnung beim Öl

Trotz des Wintereinbruchs in den USA sind die Vorräte an Rohöl in der vergangenen Woche geklettert: um 6,8 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf 321,5 Millionen Barrel. So das US-Energieministerium. Der Ölpreis knickte daher ein.

"Kyrill" wirbelt Dax-Titel durcheinander
In Frankfurt hielten Anleger wegen des Orkantiefs "Kyrill" die Luft an. Die Deutsche Flugsicherung hatte wegen "Kyrill" am größten deutschen Flughafen in Frankfurt die Zahl der Flüge halbiert. "Die Warteschleifen sind voll. Es kommt zu massiven Verspätungen", sagte eine Sprecherin der Flugsicherung. Nach Angaben der Deutschen Lufthansa ist der gesamte europäische Luftverkehr stark beeinträchtigt. Die genaue Entwicklung sei noch nicht abschätzbar. Unklar ist bislang auch, wie hoch die Orkan-Schäden sein werden, die "Kyrill" anrichtet. An der Börse ging man auf Nummer sicher: Allianz und Münchener Rück knickten ein. "Die meisten Schäden an Häusern und Autos sind in der Regel versichert", erklärte die deutsche Versicherungsbranche am Donnerstag in Berlin.

Allianz will die Töchter ganz
Bei Allianz-Aktien schauten Anleger auch aus einem anderen Grund genau hin. Der Versicherungskonzern will seine französische Tochter AGF und die Allianz Lebensversicherungs-AG komplett übernehmen. Die Transaktionen hätten voraussichtlich ein Volumen von rund 10,5 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Die Zukäufe sollen mit internen Mitteln finanziert werden. An der Börse wurde der Schritt wohlwollend aufgenommen.

Dauerbrenner: Fusionsgerücht um MAN
MAN Aktien legten nach Absatzzahlen und Übernahmegerüchten zu. Der schwedische Scania-Großaktionär Investor steht offenbar einem Zusammenschluss von Scania und MAN trotz der Ablehnung der MAN-Übernahmeofferte weiterhin offen gegenüber. Der zweitgrößte Scania-Einzelaktionär wies jedoch den Führungsanspruch des deutschen MAN-Konzerns energisch zurück. Grundlage eines Zusammenschlusses könne nicht die inzwischen auch vom anderen Scania-Großaktionär Volkswagen abgelehnte MAN-Offerte sein. "Wenn eine Lösung gefunden wird, muss dies in einem nicht-feindlichen Rahmen erfolgen", hieß es.

Seit langem wird spekuliert, dass MAN und Scania "irgendwie" zusammengehen. Denn sie sind über Ecken ohnehin schon miteinander verbandelt. VW ist seit langem Großaktionär sowohl bei Scania als auch MAN, hält also die Fäden in der Hand.

Gallois steuert EADS nach unten
Nach Ansicht von EADS-Vorstandschef Louis Gallois müsste Airbus mehr Arbeiten nach außen vergeben und seine Werke in Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland besser abstimmen. "Wir können uns einen redundanten, auf vier Länder zersplitterten Industrieapparat nicht länger erlauben", bekräftigte Gallois in einem Zeitungs-Gespräch. Gallois' Selbstkritik ließ den Kurs der Airbus-Mutter abschmieren.

Bei Karstadt ist etwas "im Busch"
Im MDax bekam KarstadtQuelle die Krone aufgesetzt. Bereits den zweiten Tag in Folge sei die Karstadt-Aktie sehr gefragt, daher werde am Markt auf größere Zukäufe spekuliert, sagten Händler. Im Gespräch sei sowohl die Möglichkeit eines Private-Equity-Einstiegs als auch weitere Zukäufe von Großaktionärin Madeleine Schickedanz, bestätigte ein Marktteilnehmer. "Irgendetwas ist bei Karstadt im Busch, denn auch wenn die Analystenkonferenz bei Cheuvreux gut gelaufen ist, kann es dieses Kursplus nicht erklären", sagte der Börsianer.

Merck startet durch
Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern hat im vergangenen Jahr erstmals die Gewinnschwelle von einer Milliarde Euro überschritten. Händler zeigten sich besonders mit der starken Marge im LCD-Bereich zufrieden. "2007 wird so sein wie 2006 geendet hat", sagte Finanzchef Michael Becker am Nachmittag. Die Umsätze für die zusammengefassten Geschäfte würden im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen, das operative Ergebnis werde prozentual zweistellig steigen. Zudem bekräftigte der Konzern, die Überprüfung der Optionen für die Generika-Sparte würden im ersten Halbjahr abgeschlossen. Merck hatte zuvor für das Gesamtjahr 2006 einen Gewinnanstieg im operativen Geschäft von 25 Prozent auf 1,105 Milliarden Euro bekannt gegeben.

Nach Wasserschaden sucht Beate Uhse festen Partner
Das in Flensburg beheimatete Sex-Unternehmen sucht einen neuen Großaktionär, der das Wachstum vorantreibt. Hauptaktionär Ulrich Rotermund prüfe einen Verkauf seiner Beteiligung und habe die Münchner Großbank HVB damit beauftragt, einen Investor zu finden, teilte das Unternehmen mit. Ziel sei, einen Aktionär zu finden, der Beate Uhse nicht nur als Finanzbeteiligung betrachte, sondern die Expansion mitgestalten wolle. Ein Wasserschaden im Vertriebszentrum im niederländischen Walsoorden hatte Beate Uhse das wichtige Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr verdorben. Der Konzern konnte deshalb die selbst gesteckten Umsatzziele nicht erreichen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr