Warten auf die Quartalszahlen

Lothar Gries

Stand: 05.05.2008, 20:02 Uhr

Vor der Flut neuer Unternehmenszahlen morgen haben sich die Anleger eine Verschnaufpause gegönnt. Orientierungslos und bei niedrigen Umsätzen konnte der Dax nur minimal zulegen. Auch aus Amerika kam nach der geplatzten Übernahme von Yahoo wenig Unterstützung.

Der Leitindex kletterte im Abendhandel auf 7049 Zähler, 13 Punkte mehr als am Freitag. Händler nannten mangelnde Unternehmensnachrichten sowie fehlende Impulse aus den USA als die Hauptursache für den schleppenden Wochenauftakt. Zudem fehlten der Börse die Käufer aus London. Der größte europäische Finanzplatz blieb wegen eines Feiertags geschlossen.

Für einen kurzen Freudensprung sorgten um 16 Uhr neue Konjunkturzahlen aus den USA. Dort hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor im April überraschend aufgehellt. Der entsprechende Index sei von 49,6 Punkten im Vormonat auf 52,0 Zähler geklettert, teilte das Institute for Supply Management (ISM) mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 49,3 Punkte gerechnet.

Positive Unternehmensnachrichten kamen vor allem von der Deutschen Post. Sie verbreitete vor der morgigen Hauptversammlung Optimismus. Ohne genaue Zahlen zu nennen sprach das Unternehmen von einem "sehr zufriedenstellenden" ersten Quartal und katapulierte sich damit an diesem eher nachrichtenarmen Tag an die Spitze der Dax-Gewinner. Das operative Ergebnis vor Einmaleffekten habe sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert und liege im Rahmen der eigenen Prognosen, hieß es lediglich. Detaillierte Ergebnisse zum ersten Quartal sollen am 14. Mai veröffentlicht werden.

Im Mdax konnten die Papiere von Hugo Boss u mehr als acht Prozent zulegen. Händler vermuten, dass die Meldung einer Sonntagszeitung, das Unternehmen habe einen neuen Vorstandschef gefunden, zu der Hausse beigetragen hat.

Ölpreis erstmals über 120 Dollar
Der US-Ölpreis ist heute erstmals kurzzeitig über die Marke von 120 Dollar gestiegen. Am Nachmittag kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) auf bis zu 120,25 Dollar. Begründet wurde der Anstieg von Händlern mit geopolitischen Spannungen, so die anhaltenden Auseinandersetzungen der USA mit dem Iran und die Unruhen im Ölförderstaat Nigeria.Kurz darauf gab er jedoch wieder leicht nach und notierte bei 119,50 Dollar. Das waren 3,18 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag.

Steigt Investor bei MAN ein?
Die Aktie des Lastwagen- und Maschinenbauers MAN hat am Montag von Gerüchten um ein Übernahmegebot profitiert. "Es gibt Spekulationen, dass Investor AB für 25 Prozent und eine Aktie von MAN ein Übernahmeangebot abgegeben hat", sagte ein Händler. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft soll 105,75 Euro je MAN-Aktie bieten, sagten andere Börsianer. Die Papiere des Münchner Konzerns stiegen um zwei Prozent.

Studie setzt Solaraktien unter Druck
Deutliche Verluste von bis zu fünf Prozent und mehr müssen die Solaraktien verbuchen. Auslöser für den Verkaufsdruck ist eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes RWI, das eine deutliche Senkung der staatlichen Subventionen für die Branche um etwa 30 Prozent fordert. Dabei hält die deutsche Solarindustrie eine drastische Senkung der staatlichen Förderung für nicht verkraftbar. "Es gibt keine Spielräume für eine Kürzung von deutlich über sieben Prozent", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) Carsten Körnig am Mittag zu Reuters. Schon die im kommenden Jahr vorgesehene Reduzierung um bis zu 9,8 Prozent sei eine Herausforderung.

Anleger verschmähen Telekom wegen Kaufgerüchten
Aktien der Deutsche Telekom mussten heute 1,5 Prozent abgeben. Grund sind Spekulationen über das angebliche Interesse des Unternehmens am kauf des drittgrößten US-Mobilfunkanbieters Sprint Nextel. Eine solche Verbindung würde den Bonner Konzern an die Spitze des Weltmarktes katapultieren, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel". Die Übernahme würde aber auch Milliarden kosten, die die Deutsche Telekom womöglich über eine Kapitalerhöhung finanzieren könnte.

GE Real Estate sorgt für Phantasie
Der US-Immobilieninvestor GE Real Estate will in Deutschland Immobilienportfolios kaufen. Außerdem will die Immobiliensparte des Mischkonzerns General Electric auch Beteiligungen an unterbewerteten börsennotierten Immobilienfirmen prüfen, sagte GE Real Estate-Deutschland-Chef Rainer Thaler der Börsen-Zeitung. Für den Erwerb von Beteiligungen stehe eine Milliardensumme zur Verfügung, sagte Thaler weiter. Die Sparte will damit von der Finanzkrise profitieren. Die Aussage genügte, um den Aktien von IVG Immobilien, Gagfah und Deutsche Wohnen kräftige Kursgewinne zu bescheren.

Rheinmetall steigert Umsatz
Der im MDax notierte Rüstungskonzern Rheinmetall hat im ersten Quartal sowohl Gewinn als auch Umsatz erhöht und die Jahresziele bekräftigt. Im ersten Quartal stieg der Erlös um elf Prozent auf 922 Millionen Euro, das Ebit kletterte um zehn Prozent auf 49 Millionen Euro. In diesem Jahr will Rheinmetall einen Jahresgewinn von bis zu 290 Millionen Euro erwirtschaften. Analysten hatten beim Gewinn etwas mehr, beim Umsatz etwas weniger erwartet. Die Aktie legt leicht zu.

Großaufträge für Hochtief
Der Baukonzern Hochtief hat mehrere Großaufträge in der Wachstumsregion Asien-Pazifik an Land gezogen. Die Aufträge in Australien und Indonesien hätten ein Volumen von insgesamt 357 Millionen Euro, teilte Hochtief mit. Die MDax-Aktie steigt um gut zwei Prozent.

Altana will durch Zukäufe wachsen
Der Spezialchemiekonzern Altana will seinen Wachstumskurs mit weiteren Zukäufen fortsetzen und bei passender Gelegenheit einen fünften Geschäftsbereich eröffnen. Dies beinhalte organisches Wachstum sowie Akquisitionen, sagte die Firmenleitung auf der Hauptversammlung. Für den Fall neuer Geschäftsfelder suche Altana nach Unternehmen, die sich in Wachstumsmärkten mit einerGrößenordnung von 200 Millionen bis zwei Milliarden Euro bewegten. Die bislang größte Übernahme in der Firmengeschichte war der Kauf von Eckart für mehr als 600 Millionen Euro. Altana analysiere laufend Kaufobjekte auf dem weltweiten Marktsieht sich auf Kurs. Die Aktie steigt leicht an.

Vossloh bis 2009 ausgebucht
Der Verkehrstechnikkonzern Vossloh hat bis 2009 volle Auftragsbücher. "Unsere Aufträge reichen bis 2009 und bringen uns zu der Annahme, dass das Umfeld auf jeden Fall noch eine Weile stimmen wird", sagte Vorstandschef Werner Andree der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der schwache Dollar ist nach Aussagen von Andree sogar ein Gewinn für Vossloh, weil der Konzern seine Hauptkomponenten aus den USA beziehe. Vossloh-Aktien steigen um 1,5 Prozent.

Yahoo stürzen ab
Nach der gescheiterten Übernahme durch den US-Software-Konzern Microsoft sind die Aktien des Suchmaschinenbetreibers Yahoo abgestürzt. In Frankfurt fiel der Börsenkurs um 19,22 Prozent auf 14,63 Euro. Yahoo ist zwar nicht an der Börse in Frankfurt notiert, die Papiere können aber an mehreren Börsen weltweit gehandelt werden. An der New Yorker Wall Street rutschte das Papier am nachmittag um 15,84 Prozent auf 24,13 Dollar (rund 15,60 Euro) ab, während Microsoft um 2,33 Prozent auf 29,87 Dollar zulegte. Der Kurs falle nun auf das Niveau, das er vor dem Übernahmeangebot von Microsoft hatte, sagte Händler Kai Wagner von der Privatbank Julius Bär.

Indus Holding übertrifft Prognosen
Die im SDax notierte Beteiligungsgesellschaft Indus Holding hat im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn gesteigert. Die im SDax notierte Firma erhöhte ihren Umsatz um zehn Prozent auf 930 Millionen Euro und übertraf damit seine eigenen Prognosen. Das Ebit legte um 19 Prozent auf 102 Millionen Euro zu. In diesem Jahr erwartet Indus bei Umsatz und Ebit weiteres Wachstum. Die Aktie steigt um rund mehr als fünf Prozent.

Combots beendet Rückkaufprogramm
Die Beteiligungsgesellschaft Combots hat ihr laufendes Aktienrückkaufprogramm beendet. Zugleich gab die Firma, der 8,8 Prozent der Aktien des Internetkonzerns United Internet gehören, ein öffentliches Rückkaufangebot bekannt. Demzufolge will Combots bis zu 1.980.000 eigene Stück-Aktien zu 11,66 Euro je Aktie zurück kaufen. Die Angebotsfrist beginnt am Donnerstag und soll bis zum 20. Mai laufen. Die Combots-Aktie verliert 1,7 Prozent auf 11,57 Euro.

Telegate will Klicktel ganz
Die Telefon- und Internet-Auskunft Telegate bietet den verbliebenen Kleinaktionären des übernommenen Konkurrenten KlickTel ein Übernahmeangebot in Höhe von 7,80 Euro je Anteilsschein.. Das Münchener Unternehmen hatte Mitte Februar bereits 78,6 Prozent von KlickTel-Chef und -Gründer Boris Polenske für 25 Millionen Euro erworben und hält inzwischen 93,4 Prozent an der Firma. Die Kleinaktionäre haben bis 12. Juni Zeit, die Offerte anzunehmen. Die KlickTel-Aktien notierten allerdings zuletzt bereits bei 7,82 Euro.

Plambeck legt zu
Der Windenergiekonzern Plambeck hat im ersten Quartal Ergebnis und Umsatz deutlich erhöht. Das Betriebsergebnis verdreifachte sich dank der guten Entwicklung im Kerngeschäft, der Windpark-Projektierung, auf 1,2 Millionen Euro. Der Umsatz stieg ebenfalls sehr kräftig auf 28,5 Millionen Euro. Die Aktie verliert 1,6 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr