Warten auf den US-Arbeitsmarkt

Stand: 31.03.2011, 20:02 Uhr

Der hohe Kapitalbedarf der irischen Banken sorgt bei den Anlegern am Abend für leichte Verunsicherung. Nach dem Kursschub gestern schließt der Dax heute mit leichten Verlusten. Doch die Quartalsbilanz fällt positiv aus.

In den ersten drei Monaten legte der deutsche Leitindex 1,8 Prozent zu. Selbst die Abschläge seit der Erdbeben-Katastrophe in Japan am 11. März hat der Dax nahezu wieder ausgeglichen und liegt nur noch 22 Punkte unter seinem Schlussstand vom 10. März. Am Abend geht das Börsenbarometer mit einem leichten Minus von 11 Punkten bei 7058 Zählern aus dem Handel.

Insgesamt zeigten sich Händler aber von der relativen Stärke des Dax beeindruckt. "Wir haben trotz der enormen Häufung von negativen Nachrichten aus aller Welt einen erstaunlich stabilen Dax", fasste ein Händler zusammen.

Auch an der Wall Street pendelt der Dow Jones-Index um seinen Vortageswert. Börsianern zufolge halten sich die Anleger mehrheitlich zurück vor dem am morgigen Freitag anstehenden monatlichen Arbeitsmarktbericht. Das Handelsvolumen in dieser Woche lag so niedrig wie selten zuvor in diesem Jahr.

Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der amerikanische Leitindex leicht im Plus bei 12.353, drei Punkte mehr als gestern. Die am Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA zeigen erneut wie schleppend der Aufschwung in dem Land verläuft. Während sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Region Chicago im März nicht ganz so stark wie erwartet eingetrübt hat, sind die Auftragseingänge der Industrie im Februar leicht gesunken. Am Markt war ein moderater Anstieg erwartet worden. Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind weniger stark gesunken als erwartet, auf 388.000 statt 380.000.

Inflation hilft Euro
Eine unerwartet hohe Teuerungsrate in der Eurozone von 2,6 Prozent im März hat dem Euro zeitweise starken Auftrieb verliehen. In Erwartung steigender Zinsen, womöglich bereits anlässlich der nächsten EZB-Ratssitzung in der kommenden Woche, kletterte die Gemeinschaftswährung auf ein Tageshoch von 1,4233 Dollar. Bis zum Börsenschluss fällt der Euro aber wieder unter die Marke von 1,42 Dollar.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,16
Differenz relativ
-4,14%

MüRü und BASF holen auf
Zu den stärksten Werten im Dax gehören die Aktien der Münchener Rück und von BASF. "Versicherer wie die Münchener Rück haben nach dem Beben in Japan besonders gelitten - diese Verluste werden jetzt teilweise wieder ausgeglichen", erklärt ein Händler das Kursplus. Die Papiere von BASF profitieren vom positiven Ausblick der Tochter Wintershall.

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
29,28
Differenz relativ
-2,40%

Aareal hat große Pläne
Zu den Favoriten im MDax gehören die Aktien der Aareal Bank. Der Immobilienfinanzierer will seine Eigenkapitalrendite bis 2012 fast verdoppeln. Der Aufschwung und die Schwäche von Rivalen wie Eurohypo oder Westimmo, die kaum noch Neugeschäft zeichnen, machen Vorstandschef Wolf Schumacher Mut: Die Margen würden besser, die Risiken der Kredite geringer, weil die Kunden mehr Eigenkapital mitbrächten. "Diese Opportunitäten wollen wir nutzen", sagte er. Deshalb könnte das Neugeschäft in diesem Jahr auch über die 6,7 Milliarden Euro des vergangenen Jahres hinaus wachsen.

Tui ist zufrieden
Leichter notiert dagegen die ebenfalls im MDax notierte Aktie von Tui. Dabei ist der Reiseveranstalter trotz Belastungen durch die Unruhen in Tunesien und Ägypten zufrieden mit der Buchungslage. Vor allem im wichtigen deutschen Markt gebe es zweistellige Zuwachsraten, berichtete die Pauschalreisetochter des Tui-Konzerns am Donnerstag in London. "Wir sind derzeit sehr zufrieden mit unserem Sommergeschäft", sagte Tui Travel-Chef Peter Long Mittag in London.

Vossloh trotz Rekordgewinn im Minus
Gewinnmitnahmen belasten auch die Aktie des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh. Dabei hat die im Mdax notierte Firma 2010 einen Rekordgewinn verbucht. Operativ sei das Ergebnis (Ebit) um 10,3 Prozent auf 152,2 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Netto verdiente der Konzern 97,5 Millionen Euro, ein Plus von knapp elf Prozent. Die Zahlen boten Experten zufolge aber keine Überraschungen.

Cheuvreux mag Praktiker nicht
Zu den größten Verlierern im MDax gehört die Aktie der Baumarktkette Praktiker. Grund ist eine Studie der französischen Investmentbank Cheuvreux. Deren Analyst hat die Einstufung für Praktiker nach Zahlen auf "Underperform" mit einem Kursziel von 7,60 Euro belassen. 2011 sei ein Übergangsjahr für die Baumarktkette, schrieb Analyst Jürgen Kolb. Der Ausblick signalisiere stabile Umsätze und eine steigende operative Marge. Er bleibe jedoch vorsichtig, da sich die Neupositionierung des Unternehmens länger hinziehen dürfte als gedacht.

Solarworld setzt sich durch
Kräftig zulegen kann dagegen die Aktie von Solarworld. Das Unternehmen hat seinem chinesischen Erzrivalen Suntech einen Großauftrag für Siemens vor der Nase weggeschnappt. "Wir haben uns preislich durchgesetzt," sagte Firmenchef Frank Asbeck im Reuters-Interview. Für Solarworld sei das Rahmenabkommen zur Lieferung von Solarmodulen dennoch rentabel. "Wir hoffen in diesem Jahr auf einen Siemens-Auftrag im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich". Dabei gehe es um ein zweistelliges Megawatt-Volumen.

Singulus macht noch mehr Miese
Bergab geht es auch mit der Aktie von Singulus, obwohl sie ihre Verluste bis zum Börsenschluss deutlich verringern kann. Der Spezialmaschinenbauer hat im vergangenen Jahr seinen Vorsteuerverlust auf 80,2 Millionen Euro ausgeweitet, sieben Millionen mehr als im Vorjahr. Das stößt bei den Anlegern auf Skepsis.

Gigaset wird konkret
Noch steiler nach oben geht es mit der Aktie des ebenfalls im TecDax notierten Telefonherstellers Gigaset. Die Firma rechnet im laufenden Jahr wegen des Markterfolgs neuer Produkte mit einem Umsatz- und Ergebnisanstieg. Der Umsatz werde um gut sieben Prozent auf 540 Millionen Euro steigen und das Ebitda soll auf 57 Millionen Euro von zuletzt 51 Millionen Euro klettern. Gigaset Communications steht im Besitz der ehemaligen Beteiligungsfirma Arques, die sich auf Telekommunikationstechnik verlegt und in Gigaset AG umbenannt hat.

GfK zahlt mehr
Der im SDax notierte Marktforscher GfK zahlt seinen Aktionären für 2010 die höchste Dividende in der 76-jährigen Firmengeschichte. Nach einem Gewinnsprung wird die Ausschüttung auf 48 (Vorjahr: 30) Cent je Aktie angehoben. Der Überschuss summierte sich 2010 auf 84 Millionen Euro, 39 Prozent mehr als 2009. Ein Fünftel davon wird an die Eigentümer weitergereicht. Für 2011 haben sich die Franken ein Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent vorgenommen. Die Aktie legt um rund ein Prozent zu.

Homag auf gutem Weg
Der Maschinenbauer Homag will sich bald wieder dem Geschäftsvolumen aus den Rekordjahren vor der Wirtschaftskrise nähern. Der Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen aus dem Schwarzwald will den Gewinn im laufenden Jahr deutlich steigern. Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Auch beim Auftragseingang rechnet der Manager mit einem Plus. Und wie reagiert die Aktie? Sie ist einer der stärksten Werte im SDax.

CTS peilt Wachstum an
Um knapp drei Prozent nach oben geht es auch mit der Aktie von CTS Eventim. Der Ticketvermarkter peilt 2011 und 2012 weitere Umsatz- und Ergebnisverbesserungen an. Im vergangenen Jahr kletterte der Nettogewinn des Münchner Konzerns um fünf Prozent auf 41,8 Millionen Euro, der Umsatz aus dem Verkauf von Karten für Musik- und Sportveranstaltungen stieg um elf Prozent auf 520 Millionen. Die Aktionäre bekommen mit 87 Cent je Anteilsschein die höchste Dividende seit dem Börsengang vor elf Jahren.

H&M spürt Baumwollpreise
Höhere Baumwollpreise und eine starke heimische Währung haben die Bilanz der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz (H&M) stark belastet. Der Verzicht auf Preiserhöhungen bei den eigenen Produkten führte zu einem Gewinnrückgang im ersten Quartal (bis Ende Februar) auf 2,62 Milliarden Kronen (300 Millionen Euro) und damit fast ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Die Anleger zeigten sich enttäuscht. Die Aktie fällt.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat