Warten auf den EU-Gipfel

Stand: 10.02.2010, 20:02 Uhr

Die Griechenland-Krise beherrscht auch heute das Geschehen an den Märkten und sorgt bei den Anlegern für Verunsicherung. Der Dax muss bis zum Abend seine Tagesgewinne weitgehend wieder abgeben. Zu der Talfahrt hat auch Fed-Chef Ben Bernanke beigetragen.

Der amerikanische Notenbankpräsident sagte, die Federal Reserve könnte ihre beispiellose Konjunktur-Stimulation zunächst durch ein Abschöpfen von Liquidität und anschließend mit Zinserhöhungen beenden. Damit schickte Bernanke die Märkte weltweit auf Talfahrt, obwohl er gleichzeitig betonte, dass die amerikanische Wirtschaft die derzeitige Nullzins-Politik noch eine ganze Weile benötige. Damit schürte Bernanke gleichzeitig die Sorge um die Erholung der Konjunktur.

An der Wall Street gingen die Kurse zunächst auf Talfahrt, bevor sie sich bei Handelsschluss in Deutschland wieder erholen und auf Vortagesniveau einpendeln. Der Dow Jones Index notiert unverändert bei 10.062.

Auch in Frankfurt büßte der Dax seine Tagesgewinne wieder ein. Am Abend notiert der Leitindex gut sechs Zähler niedriger als gestern bei 5.541.

Was bringt der EU-Gipfel?
Neben der Furcht vor steigenden Zinsen sorgt auch die Unsicherheit über den Kurs gegenüber Griechenland für Nervosität. Denn noch immer scheint die Berliner Regierungskoalition als Vertreter des finanzstärksten EU-Mitglieds mit einer Unterstützung für das hochverschuldete Mittelmeerland zu zögern - auch auf die Gefahr hin, im Fall einer Pleite Griechenlands die gesamte Euro-Zone zu Fall zu bringen. Aver auch Analysten äußern sich skeptisch zu einem möglichen Rettungsplan. "Wie viele weitere Rettungsaktionen könnten EU oder der IWF unternehmen, wenn sich immer mehr Kandidaten melden?", urteilt die NordLB. "Eine Rettung Griechenlands birgt die Gefahr, eine unvernünftige Wirtschaftspolitik im Nachhinein zu legitimieren."

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,06
Differenz relativ
+1,86%

Deutsche Bank an Dax-Spitze
Beflügelt von der Hoffnung auf ein Rettungspaket für Griechenland, stehen heute erneut die Bankentitel in der Gunst der Anleger ganz oben. Deutsche Bank und Commerzbank legen überdurchschnittlich zu. Im MDax haussieren die Papiere der Aareal Bank um mehr als zehn Prozent. Auch an den anderen europäischen Börsen klettern die Bankaktien in die Höhe. Tatsächlich würde ein Zusammenbruch Griechenlands vor allem die Banken und Versicherungen treffen, weil sie zu den größten Anleihekäufern dieses Landes gehören.

Höhenflieger ProSieben
Im MDax sorgen die Geschäftszahlen des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 für gute Laune. Die Aktie springt um mehr als 16 Prozent. Einem Händler zufolge fiel das Zahlenwerk für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009 "durch die Bank besser als erwartet" aus. So habe der Umsatz positiv überrascht. Das Ebitda und der Reingewinn hätten sogar weit über den durchschnittlichen Marktschätzungen gelegen. Sogar der charttechnische und psychologische Widerstand von zehn Euro pro Aktie wurde durchbrochen.

Bilfinger Berger über Erwartungen
Zu den stärksten Werten im MDax gehört auch der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger. Der hat überraschend bereits heute Eckdaten zum vergangenen Geschäftsjahr vorgelegt. Trotz eines Gewinnrückgangs von 200 auf 140 Millionen Euro übertraf der Konzern die Analystenerwartungen deutlich. Mehr Details soll es morgen geben.

Drillisch überzeugen
Kräftig zulegen kann auch die Aktie des im TecDax notierten Mobilfunkanbieters Drillisch. Die Papiere profitieren von den überraschend guten Geschäftszahlen. 2009 stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 50,7 Millionen Euro (2008: 40,6 Mio. Euro). Das um Sondereinflüsse bereinigte Ebitda verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um rund drei Millionen Euro oder 7,3 Prozent auf 43,5 Millionen Euro. Damit übertrifft Drillisch selbst die im November auf 43 Millionen Euro angehobene Prognose.

Stada mit Kauffantasie
Den Anteilsscheinen von Stada helfen Berichte über einen möglichen Verkaufspreis von mehr als drei Milliarden Euro für den Konkurrenten Ratiopharm auf die Sprünge. Im Vergleich dazu sehe Stada günstig aus, hieß es am Markt.

Schlusslicht Gerresheimer
Ein enttäuschender Ausblick drückt die Aktie des Verpackungsherstellers Gerresheimer kräftig ins Minus. "Die vorgelegten Zahlen konnten die Erwartungen erfüllen, der Ausblick ist dagegen enttäuschend ausgefallen", stellte DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger fest. Das Unternehmen hatte am Vortag seinen Geschäftsbericht vorgelegt. Für das laufende Geschäftsjahr wird beim bereinigten Umsatz nur ein Anstieg um zwei bis vier Prozent angepeilt. Für Rückenwind sollen außerdem Zukäufe sorgen.

ArcelorMittal enttäuscht mit Ausblick
Die Aktie des weltgrößten Stahlherstellers muss heute heftige Verluste einstecken. Der Kurs sank zeitweise um mehr als fünf Prozent. Damit bildeten die Papiere das Schlusslicht im EuroStoxx 50. Der Ausblick auf das laufende Quartal und die Ergebnisse für das vierte Quartal 2009 enttäuschten die Anleger. Die Erholung der Weltwirtschaft verlaufe langsam, so Finanzchef Aditya Mittal. Eine Rückkehr auf Vorkrisenniveau in den Industrieländern erwartet der Konzern frühestens 2012.

Roth & Rau platzieren
Die von dem Solaranlagenbauer Roth & Rau beschlossene Kapitalerhöhung lässt die Aktie des TecDax-Mitglieds deutlich einbrechen. Das Unternehmen hat 1,4 Millionen neue Aktien zum Preis von 26 Euro im Rahmen einer Privatplatzierung ausgegeben. Damit hat das Unternehmen knapp 36 Millionen Euro erlöst. Mit dem frischen Geld will Roth & Rau die Übernahme des niederländischen Konkurrenten OTB Solar finanzieren.

OHB gibt sich optimistisch
Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB will nach einer Gewinnsteigerung im abgelaufenen Jahr auch 2010 mehr verdienen. Das Betriebsergebnis (Ebit) werde auf 22 bis 24 Millionen Euro zulegen, stellte das Unternehmen heute in Aussicht. Für 2009 rechnet das Unternehmen vorläufigen Zahlen zufolge mit einer Steigerung um rund sieben Prozent auf 20 bis 21 Millionen Euro. Die Aktie legt zu.

Air France-KLM tief rot
Der französisch-niederländische Lufthansa-Rivale Air France-KLM ist im dritten Vierteljahr noch tiefer in die roten Zahlen geflogen als befürchtet. Der operative Verlust beläuft sich auf 245 Millionen Euro. Der Umsatz fiel im vierten Quartal um 16 Prozent auf knapp 5,2 Milliarden Euro gefallen. Analysten hatten mit einem operativen Verlust von 194 Millionen Euro und einem Umsatz von fast 5,4 Milliarden Euro gerechnet. Operativ soll der Konzern im Geschäftsjahr 2010/2011 wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren.

Sanofi-Aventis dämpft Erwartungen
Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis erwartet 2010 wegen der Konkurrenz von Generikaherstellern ein schwächeres Gewinnwachstum als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie soll zwischen zwei und fünf Prozent zulegen. Konzernvorstand Christopher Viehbacher will den Einnahmeausfall durch organisches Wachstum und Zukäufe wettmachen. Der Ausblick für 2010 liege im Rahmen der Erwartungen, schreibt Analyst Thomas Maul von der DZ Bank. Die Aktie reagiert kaum.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr