Warten auf Athen

Stand: 19.09.2011, 20:05 Uhr

Die Euro-Krise und die mögliche Pleite Griechenlands hatten die Aktienmärkte zum Wochenbeginn wieder fest im Griff. Der Dax verlor drei Prozent, und auch der Euro kam wieder unter Druck.

Hatte sich die Gemeinschaftswährung Ende vergangener Woche noch in Richtung 1,40 Dollar gearbeitet, ging es zum Wochenbeginn wieder rückwärts. Kurszeitig fiel die Notierung des Euro unter die Marke von 1,36. Dagegen waren als sicher geltende Bundesanleihen am Montag wieder stark gefragt.

Wegen der Angst um eine abgebremste Konjunktur gaben die Ölpreise am Montag nach: Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete zu Wochenbeginn weniger als 110 Dollar und damit rund zwei Prozent weniger als am Freitag.

Troika bearbeitet griechischen Finanzminister

Das Misstrauen in die Währung und die Stabilität der Euro-Zone flammte am Montag wieder auf. Gespräche zwischen der "Troika" aus IWF, EZB und der EU-Kommission mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos sollen nun die Sparbemühungen Griechenlands festklopfen und damit weitere Hilfen der Gemeinschaft an den kriselnden Euro-Staat ermöglichen. Anderenfalls wäre das Land im Oktober zahlungsunfähig.

An den Aktienmärkten sorgte die Unsicherheit über das Schicksal Griechenlands für deutlich fallende Kurse. Der Dax verlor im Handelsverlauf bis zu vier Prozent, konnte sich aber im späten Handel auf einen Stand von minus drei Prozent, knapp oberhalb der 5.400-Punkte-Marke bewegen.

US-Börsen von Obama unbeeindruckt

Auch in den USA verloren die wichtigsten Indizes deutlich. Das Sparprogramm über drei Billionen Dollar, das US-Präsident Barack Obama am Abend deutscher Zeit vorstellte animierte die Investoren an der Wall Street nicht zu Käufen. Zu den Euro-Sorgen gesellten sich am Nachmittag noch schwache Daten zum US-Immobilienmarkt. Der NHAB-Hauspreisindex war für den Monat September überraschend gesunken.

Börse, Banken und Versicherungen schwach

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,27
Differenz relativ
+0,45%

Finanz- und Versicherungsaktien standen im Bann der Griechenland-Krise schwer unter Beschuss. Allianz, Deutsche Börse und Deutsche Bank gehörten mit Kursverlusten zwischen vier und sechs Prozent zu den größten Verlierern im Leitindex.

Verhebt sich VW mit Suzuki?

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
153,54
Differenz relativ
+1,61%

Unsicherheit ließ auch die VW-Aktie ans Dax-Ende sinken. Anleger sind offenbar gegenüber einer weiteren möglichen Übernahme des Konzerns. Ein Kauf des derzeitigen Kooperationspartners Suzuki sei eine Option, berichtet "Der Spiegel". Hintergrund ist der derzeitige Streit über die 19,9-Prozent-Beteiligung der Wolfsburger an den Japanern. Suzuki will den Vertrag über die Zusammenarbeit mit den Wolfsburgern kündigen, VW dagegen will daran festhalten - und womöglich die Japaner ganz schlucken.

Schwergewichte deutlich leichter

Auch die Dax-Schwergewichte wie die Versorger Eon und RWE sowie die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp verloren massiv Kursterrain. Bei Stahlaktien sorgte eine Branchenstudie für Verluste auch der Aktien von Salzgitter und KlöCo im MDax.

Großaktionär steht zu Metro-Chef

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,17
Differenz relativ
-5,46%

Die Unternehmerfamilie Haniel hat sich am Montag überraschend für eine Vertragsverlängerung von Metro-Chef Eckehard Cordes ausgesprochen. Dies sagte ein Haniel-Sprecher. Man wolle damit "die nötige Ruhe in das Unternehmen bringen", hieß es zur Begründung. Metro-Aktien, die am Montag zu den stärksten Dax-Werten gehörten, konnten davon im späten Handel nicht profitieren.

Neuer Großaktionär für EADS?

Im MDax konnte sich die Aktie der Airbus-Mutter EADS als einer der wenigen Titel im Plus behaupten. Einerseits wird dabei ein Gerücht vom Wochenende gespielt, wonach der Golfstaat Katar bei dem Unternehmen einsteigen will. Zum anderen dürften sich Anleger über eine optimistische Wachstumsprognose für den Luftverkehr freuen, die Airbus am Montag bekanntgegeben hat.

SMA: Aussichten verdunkelt

Verluste von rund zwölf Prozent standen am Ende des Handels für die Aktie des Wechselrichterherstellers zu Buche. SMA Solar hatte am Mittag seine Umsatz- und Gewinnprognosen für 2011 nach unten korrigiert. Danach sollen die Erlöse nun nur noch 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro erreichen, nach zuvor erhofften 1,5 bis 1,9 Milliarden Euro. Prompt senkten Experten von Nomura ihr Kursziel von zwölf auf sieben Euro und hoben ihre Kaufempfehlung auf.

Derby Cycle-Aktie außer Rand und Band

"Fortgeschrittene Verhandlungen" über einen Zusammenschluss mit einem strategischen Partner, der derzeit nicht Aktionär des Unternehmens ist, laufen derzeit bei Derby Cycle. Eine solche Vereinbarung würde laut Derby auch die Abgabe eines öffentlichen Übernahmeangebotes an alle Aktionäre der Derby Cycle AG vorsehen. Die Aktie ist erst seit Montag im SDax gelistet schloss zwölf Prozent höher.

Stühlerücken in der zweiten Reihe

Außer Derby Cycle sind jetzt auch die ehemaligen MDax-Unternehmen IVG und Praktiker seit Montag im Kleinwerte-Segment notiert. Dazu kommen das Immobilienunternehmen Prime Office Reit und der Verkehrstechnikkonzern Schaltbau. In den MDax aufgestiegen sind der Motorenhersteller Deutz, Roboter-Spezialist Kuka und GSW Immobilien. Das Online-Netzwerk Xing und der Softwarehersteller PSI gehören nun zum Technologieindex TecDax. Sie ersetzen Phoenix Solar und den vor der Übernahme stehenden Solar-Zulieferer Roth & Rau.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"