Marktbericht 20:02 Uhr

Dax dümpelt vor sich hin War's das schon?

Stand: 08.09.2014, 20:02 Uhr

Keine 300 Punkte trennen den Dax noch von seinem Allzeithoch. Doch nach der kräftigen Aufholjagd in der vergangenen Woche tritt der Leindex zu Beginn der neuen Woche erst einmal auf der Stelle. Auch an der Wall Street legen die Anleger eine Pause ein.

Der Dow Jones-Index eröffnete leicht im Minus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,33 Prozent tiefer bei 17.080 Punkten. Stillstand war am Montag auch in Frankfurt angesagt. Der Dax pendelt zwischen 9.721 und 9.773 Punkten hin und her. Am Ende geht er mit einem hauchdünnen Plus von 11 Punkten aus dem Handel bei 9.758 Zählern. Händler sprachen von fehlende Impulsen, sowohl von konjunktureller Seite als auch von den Unternehmen.

Als Belastung erwiesen sich dagegen die Drohung neuer Sanktionen gegen Russland, die mögliche Abspaltung Schottlands von Großbritannien, sowie die schwachen Wachstumsperspektiven im Euroraum. Die Stagnation in den Nachbarländern ist für Deutschlands Unternehmen besonders schlecht, weil diese Volkswirtschaften mehr als die Hälfte aller hiesigen Ausfuhren abnehmen. Auch hierzulande kommt die Wirtschaft kaum voran, wie der jüngste Rückgang des BIP im zweiten Quartal gezeigt hat.

Kein schwarzer Sepember in Sicht

Der Dax hat nach Ansicht von Jens Klatt von DailyFX einen Sättigungspunkt erreicht. Die Anleger suchten nach neuen Gründen für einen weiteren Versuch, den Leitindex nachhaltig über die Marke von 10.000 Punkten zu hieven. Das Problem dabei sei, dass es aus fundamentaler Sicht derzeit kaum welche gebe, die eine Fortsetzung der Rally rechtfertigen würden.

Einen Rückschlag wie im August sei aber nicht zu befürchten, urteilen die Analysten von Goldman Sachs. Sie haben nach den weiteren geldpolitischen Lockerungen der EZB ihr Urteil über Aktien für die nächsten drei Monate sogar von "Neutral" auf "Overweight" angehoben. Diese Einstufung entspreche nun auch seiner entsprechend positiven Zwölfmonatseinschätzung, schreibt Analyst Anders Nielsen in einer am Montag veröffentlichten Studie.

Euro kaum verändert, Pfund fällt

Der Eurokurs hat am Montag trotz robuster Konjunkturdaten aus Deutschland etwas schwächer tendiert. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,2940 US-Dollar gehandelt. Am Morgen hatte der Euro noch 1,2959 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,2947 (Freitag: 1,2948) Dollar festgesetztDas britische Pfund geriet unterdessen deutlich unter Druck, nachdem eine am Wochenende veröffentlichte Umfrage erstmals eine Mehrheit für eine Abspaltung Schottlands von Großbritannien ergeben hatte.

Brent unter 100 Dollar

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,97
Differenz relativ
+2,67%

Derweil ist der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent am Montag erstmals seit Juni 2013 unter die Marke von 100 Dollar gefallen. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) Brent zur Lieferung im Oktober 99,91 Dollar. Nach dem Fall der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar sei mit weiteren Verlusten zu rechnen. Die Stimmung könnte nach Einschätzung der Commerzbank jedoch drehen, sollte es angesichts geopolitischer Risiken zu Produktionsausfällen kommen.

Fresenius schiebt sich nach vorn

Bei den Einzelwerten schieben sich bis Handelsschluss die Aktien der Fresenius-Familie an die Dax-Spitze. Fundamentale Neuigkeiten liegen nicht vor. Die Aktie profitiert von einer einer Sektorkonferenz für Chemie und Life Science. Danach belässt die Commerzbank die Einstufung für Fresenius SE auf "Add" mit einem Kursziel von 41 Euro.

BASF schwächelt

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,95
Differenz relativ
+1,19%

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die BASF-Aktie. Der Konzern muss sich in den USA mit alten Asbestfällen beschäftigen. Wegen der damit verbundenen Drohung einer hohen Geldstrafe war die Aktie bereits in der letzten Woche unter Druck geraten.

Adidas abgestiegen

Schwach präsentiert sich auch die Adidas-Aktie. Anlegern schlägt ein Bericht des "Wall Street Journal" aufs Gemüt, demzufolge die Herzogenauracher in der Rangfolge der Sportartikelhersteller in den USA auf Rang drei hinter Nike und nun auch Under Armour zurückgefallen sind.

Dish klopft bei Telekom an

Nur moderate Kursgewinne kann die T-Aktie verbuchen. Der Chef des TV-Satellitenanbieters Dish soll die Telekom kontaktiert haben, um über einen möglichen Kauf von T-Mobile US zu sprechen. Überdies steht der Dax-Konzern kurz vor dem Einstieg in den milliardenschweren Glücksspielmarkt.

KlöCo auf MDax-Thron

Im MDax haussiert Klöckner & Co. an der Index-Spitze. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat den Titel gleich um zwei Stufen von "Reduce" auf "Buy" hochgestuft. Das Kursziel wurde von 10,50 auf 13,00 Euro angehoben. Klöckner dürfte mit Blick auf die Stahlpreise von einer möglichen Trendwende in Europa profitieren, hieß es zur Begründung. Auch Salzgitter ist für die Analysten ein Kauf. Den fairen Wert der ebenfalls im MDax notierten Aktie schätzen sie unverändert auf 35 Euro.

Fielmann ebenfalls hoch gelobt

Auch Fielmann gehört zu den stärksten Werten im MDax. Grund ist eine Hochstufung durch HSBC. Die Analysten hatten ihre Einstufung von "Underweight" auf "Neutral" angehoben und das Kursziel von 40,50 auf 53,00 Euro kräftig in die Höhe geschraubt.

Airbus: Dassault-Ausstieg nimmt konkrete Züge an

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,11
Differenz relativ
+2,42%

Auch Airbus macht auf sich aufmerksam. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern kommt beim geplanten Verkauf seiner Beteiligung an Dassault Aviation voran. In einem ersten Schritt soll die Industriellenfamilie Dassault bis zu zehn Prozent der Anteile selbst kaufen. Dabei dürften Airbus bis zu 1,2 Milliarden Euro zufließen.

Evotec, Geld ist weg

Zweistellig abwärts geht es mit der im TecDax notierten Aktie von Evotec. Dem Biotechunternehmen drohen wegen Unregelmäßigkeiten bei einerm US-Partnerunternehmen und offenen Forderungen Abschreibungen in Höhe von 12,1 Millionen Euro. Damit dürfte die Jahresprognose nicht zu halten sein.

Kion will weitere Aktien zurückkaufen

Keine Kauflaune kann der SDax-Konzern Kion wecken. Dabei kündigte der Gabelstaplerhersteller an, er werde vom 10. September bis zum 15. Oktober bis zu 51.000 Kion-Anteilsscheine erwerben. Zum aktuellen Börsenkurs wäre das ein Volumen von bis zu rund 1,6 Millionen Euro.

Electrolux nach Übernahme auf Rekordhoch

Die Übernahme der Hausgeräte-Sparte des US-Mischkonzerns General Electric für 3,3 Milliarden Dollar treibt die Electrolux-Aktie auf ein Rekordhoch. Papiere der schwedischen AEG-Mutter steigen in der Spitze um 9,3 Prozent auf 205 Kronen. Electrolux will mit der Übernahme seine Umsätze in Nordamerika verdoppeln. Der Kauf ist der größte, den Electrolux je getätigt hat.

Alibaba: Roadshow beginnt

Derweil will Alibaba heute in New York eine großangelegte Werbetour starten, um Investoren für den wohl größten Börsengang aller Zeiten zu begeistern. Ab dem 19. September können die Aktien des chinesischen Internet-Riesen an der Wall Street gelistet werden. Die Preisspanne für die angebotenen 320 Millionen Papiere wurde zunächst auf 60 bis 66 Dollar festgelegt. Ziel von Alibaba ist es, beim Sprung aufs Parkett mehr als 21 Milliarden Dollar einzusammeln.

RBS: US-Tochter soll an die Börse

In den USA steht der größte Börsengang einer Bank in diesem Jahr an. Die Royal Bank of Scotland schickt ihre US-Tochter Citizens Financial Group aufs Parkett und erhofft sich aus der Emission Erlöse von bis zu 3,5 Milliarden Dollar, wie das britische Geldhaus am Montag bekanntgab. RBS bietet 140 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 23 und 25 Dollar je Anteilsschein zum Kauf an. Am oberen Rand der Spanne wird Citizens insgesamt mit 14 Milliarden Dollar bewertet.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.