War's das?

Stand: 27.07.2007, 20:10 Uhr

Am Ende eines turbulenten Tages schimmerte Hoffnung durch. Der L-Dax schloss mit 7.460 Punkten 0,2 Prozent höher. Auch der Dow Jones-Index schien bis dahin das Ärgste überstanden zu haben.

Zwar stand der Dow Jones zum Geschäftsschluss in Frankfurt immer noch 0,6 Prozent tiefer. Aber: zuvor hatte es an der Wall Street noch düsterer ausgesehen. In Frankfurt hatte der Dax den Xetra-Handel mit 7.452 Punkten 0,8 Prozent niedriger beendet.

Nach wie vor ist es die Angst vor den Folgen der US-Immobilienkrise, die Anleger rund um den Globus verunsichert. Ihretwegen hatte sich US-Finanzminister Henry Paulson mit beschwichtigenden Äußerungen zu Wort gemeldet. Die Risiken des zuletzt in Turbulenzen geratenen Markts für zweitklassige Hypothekenkredite seien weitgehend unter Kontrolle, sagte Paulson. Die Konjunktur bewege sich auf ein belastbares Wachstumstempo zu. Die Weltwirtschaft sei so solide wie zuletzt vor 32 Jahren.

Was Henry Paulson skizzierte, war keine Schönfärberei, sondern sehr fundiert gewesen. Die US-Wirtschaft lieferte selber den besten Beweis dafür, dass sie floriert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war nämlich im zweiten Quartal mit auf das Gesamtjahr gerechnet 3,4 Prozent stärker gestiegen als Volkswirte erwartet hatten. Sie hatten - nach einem schwachen ersten Quartal - ein Wachstum von 3,2 Prozent vorausgesagt.

Paulsons Beschwichtigungen blieben allerdings ohne Langzeitwirkung. Was sich beispielsweise an Chevron zeigte. Die Aktie des zweitgrößten US-Ölkonzerns profitierte nur vorübergehend von starken Quartszahlen. Zum Geschäftsschluss in Frankfurt lag die Chevron-Aktie jedoch ein Prozent im Minus.

Chevron hatte seinen Quartalsgewinn dank eines florierenden Raffineriegeschäfts gesteigert. Das Netto-Ergebnis im abgelaufenen Vierteljahr kletterte auf 5,38 Milliarden Dollar von 4,35 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Der Umsatz stieg auf rund 54 Milliarden Dollar von 52 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Marktführer Exxon Mobil hatte am Donnerstag einen Gewinnrückgang um ein Prozent auf 10,26 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Der Umsatz betrug mehr als 98 Milliarden Dollar. Es war gemeinhin erwartet worden, dass die Ölmultis den im Jahresvergleich rückläufigen Ölpreis mit höheren Margen im Raffineriegeschäft ausgleichen können.

Bei der Aktie des US-Technologiekonzerns QLogic Corp ging es deutlicher zur Sache. Sie musste einen Tag nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das erste Quartal zweistellige Kursabschläge hinnehmen. Der auf Netzwerktechnik und Speicherlösungen spezialisierte Konzern veröffentlichte am Donnerstag nach Börsenschluss für das Berichtsquartal einen Umsatzanstieg von 136,7 Mio. Dollar auf 139,8 Mio. Dollar. Beim Nettogewinn musste der Konzern hingegen einen Rückgang von 21,1 Mio. Dollar bzw. 13 Cents je Aktie auf 19,0 Mio. Dollar bzw. 12 Cents je Anteilsschein hinnehmen. Analysten hatten zuvor ein EPS von 23 Cents sowie einen Umsatz von 153 Mio. Dollar erwartet. Für das laufende Quartal liegen die Analystenschätzungen bei einem EPS von 27 Cents sowie einem Umsatz von 171 Mio. Dollar.

VW-Aktie als Fels in der Brandung

Mit einem Kursaufschlag von fast vier Prozent stellte die VW-Aktie alle anderen Dax-Papiere in den Schatten. Europas größter Autokonzern hatte mit seiner Halbjahresbilanz für Begeisterung gesorgt. Danach hat VW die eigenen Geschäftserwartungen im ersten Halbjahr 2007 übertroffen und deshalb seine Gewinnziele angehoben. VW geht nun davon aus, das bisher für 2008 angepeilte Ziel - ein Ergebnis vor Steuern von 5,1 Milliarden Euro - bereits in diesem Jahr einzufahren. Bei einem Umsatzanstieg von 5,7 Prozent auf 54,9 Milliarden Euro erreichte der Konzern in den ersten sechs Monaten 2007 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von 2,8 Milliarden Euro - ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 44,5 Prozent.

Porsche will mehr
Unterdessen bereitet sich Porsche auf die Erhöhung seines Anteils an VW vor. "Wir haben uns einige Optionen gesichert, um bei Bedarf unseren VW-Anteil weiter aufstocken zu können", sagte Finanzchef Holger Härter der "Financial Times Deutschland". "Damit sind wir auf alles vorbereitet." Porsche hält derzeit knapp 31 Prozent an VW. Porsche-Vorzüge waren mit einem Minus in den Freitagshandel gestartet, drehten sehr bald aber ins Plus und hatten sich am Ende um rund vier Prozent verteuert.

Deutsche Börse landet bei ISE
Die Aktionäre der International Securities Exchange (ISE) haben sich erwartungsgemäß für die Übernahme der US-Optionsbörse durch die Deutsche Börse entschieden. Der Aktie der Deutschen Börse brachte dieses Votum wenig: sie blieben bis zum Xetra-Schluss deutlich geschwächt. Die Deutsche Börse will die ISE für umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro in bar übernehmen.

Zustimmung der SEC erwartet
Nach der Zustimmung durch die ISE-Aktionäre steht nur noch die Genehmigung durch die US-Börsenaufsicht SEC aus. Beobachtger rechnen damit, dass die Übernahme im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein wird.

Turbulenzen um Siemens
Einem Händler zufolge hatte zunächst ein Bericht der "Börsen-Zeitung" das Papier des Münchner Elektrokonzerns in den Blick gerückt. Diesem Bericht zufolge soll der Verkauf der Siemens-Netzwerksparte beschleunigt vorangetrieben werden. Ein Verkauf stehe seit längerem auf der Agenda, hieß es. Jedoch sei es positiv, wenn dieser abgeschlossen wird.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte unterdessen berichtet, dass die Aufklärungsarbeit im Korruptionsskandal von mehreren Landesgesellschaften behindert wird. Der Vorstand um Konzernchef Peter Löscher sei von einer amerikanischen Anwaltskanzlei aufgefordert worden, rasch dagegen vorzugehen.

Am Nachmittag hatte schließlich ein Bericht die Börse verunsichert, wonach Siemens ein Übernahme-Angebot für den französischen IT-Dienstleister Atos Origin vorbereite. Das französische Magazin "Capital" hatte auf seiner Internetseite berichtet, Siemens biete 56 Euro je Atos-Aktie. Sollte sich der Bericht bewahrheiten, müsste Siemens für das Unternehmen gut 3,8 Milliarden Euro ausgeben. Siemens wies den Bericht später als falsch zurück. "Generell kommentieren wir keine Marktgerüchte, aber dieses ist so absurd, dass ich gerne ausnahmsweise offiziell dementiere", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser.

Infineon mit Schlingerkurs
Nach Vorlage der Zwischenbilanz fürs dritte Quartal war die Aktie des Chipherstellers Infineon zunächst gefallen, bäumte sich aber rasch wieder auf und hielt sich bis zum Geschäftsschluss knapp in der Gewinnzonee. Wegen der hohen Verluste seiner Tochter Qimonda war Infineon tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Später wies ein Händler auf Aussagen während einer Telefonkonferenz hin, wonach der Halbleiterhersteller einen Aktienrückkauf plane. Zudem habe sich bei den Marktteilnehmern die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Quartalszahlen nach der Bereinigung um den negativen Einfluss der Speicherchiptochter Qimonda doch besser als erwartet ausgefallen seien.

GPC Biotech brachen ein
Die Aktien von GPC Biotech setzten ihre seit einer Woche dauernde Talfahrt fort. Sie verloren zeitweise zweistellig an Wert und kosteten am Ende des Tages gut 9 Prozent weniger. Händler verwiesen zum einen auf den Verkauf von Aktienoptionen von Vorstandschef Bernd Seizinger am vergangenen Donnerstag - einem Tag vor der Bekanntgabe der Zweifel der FDA an Satraplatin. Der Preis habe im Schnitt bei 22,94 Euro gelegen. Es habe sich zwar um einen bereits lange zuvor festgelegten Verkaufsplan gehandelt und damit könnten Insidergeschäfte ausgeschlossen werden, so ein Börsianer. Für die Stimmung sei dies aber sehr schlecht.

Zudem wurde auf Medienberichte verwiesen, denen zufolge GPC in den USA verklagt wird. Ein Anleger werfe dem Biotech-Unternehmen vor, falsche Informationen zu den Fortschritten von Satraplatin verbreitet zu haben. Die Credit Suisse stufte das Papier zudem von "Outperform" auf "Neutral" ab.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.