Marktbericht 20:02 Uhr

US-Zinserhöhung eher unwahrscheinlich Die Wall Street zieht den Dax nach oben

Stand: 15.09.2016, 20:02 Uhr

Eine ganze Fülle neuer Konjunkturdaten in Amerika fielen heute eher durchwachsen aus. Der Wall street ist das Recht, denn höhere Zinsen zeichenen sich sobald nicht ab. Und was die Wall Street freut, freut auch den Dax.

Denn es bedeutet, dass der deutsche Leitindex zum Handelsschluss am Donnerstag immerhin noch ein halbes Prozent auf 10.431 Punkte zulegen konnte. Wirklich dynamisch war das aber alles nicht an der Börse, erst die im Verlauf freundlichere Wall Street sorgte im späten Geschäft dafür, dass es überhaupt einen Indexgewinn gab.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dass es insgesamt ziemlich unmotiviert zuging zeigt auch die Tatsache, dass sich der deutsche Leitindex lange Zeit in einer überschaubaren Bandbreite bewegte, ehe es dann in der Spitze noch bis auf 10.446 Punkten aufwärts ging. Das Tagestief lag bei 10.337 Zählern.

Eine eher enttäuschende Entwicklung, denn die Erwartungen waren vor der Fülle der Konjunkturdaten, die heute aus Amerika kamen, hoch gewesen. Die Marktteilnehmer hatten sich konkretere Hinweise erhofft, wann die US-Notenbank Fed ihre bereits im Dezember des Vorjahres begonnene Zinswende fortsetzt. Dies vor allem deshalb, weil in der kommenden Woche die Fed zu ihrer Zinssitzung zusammenkommt und danach vor den Präsidentschaftswahlen am 8. November mit keiner Entscheidung der Notenbank mehr gerechnet wird.

Der letzte große Konjunkturtag vor der Wahl

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 17.00 Uhr

Es kann jetzt also frühestens im Dezember weiter bergauf gehen mit den Zinsen, die natürlich absolut betrachtet weiter extrem niedrig bleiben werden. Ausgehend von einem aktuellen Leitzinsniveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent kann von einer "Zinswende" streng genommen auch keine Rede sein. Von historischen Zinssätzen ganz zu schweigen - die könnte sich auch die Supermacht USA, mit rund 20 Billionen Dollar verschuldet, gar nicht leisten. Trotzdem, für die Börse ist und bleibt das Zauberwort "Zinsen" nach wie vor magisch.

Die heutigen Daten fielen insgesamt eher enttäuschend aus, was nicht für eine Zinserhöhung schon in der nächsten Woche spricht. Vor allem die wichtigen Einzelhandelsumsätze fielen mit minus 0,3 Prozent im August stärker zurück als erwartet. Auch die Industrieproduktion schwächelt. Sie sank zum Vormonat für den gleichen Zeitraum um 0,4 Prozent, erwartet worden war nur ein Rückgang von 0,2 Prozent. Im Vormonat war die Produktion noch um 0,6 Prozent gestiegen.

Prozentzeichen vor USA-Karte

Zinsentwicklung in den USA. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Der Arbeitsmarkt bleibt hingegen robust, die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen bei 260.000, das waren gerade Mal 1000 mehr als in der Vorwoche. Erwartet worden war ein Anstieg auf 265.000. Die Stimmungsindikatoren für die Regionen New York und Philadelphia, der "Empire-State-Index" und der "Phily-Fed-Index" lieferten ebenfalls kein klares Bild. Während New York hinter den Erwartungen blieb, ging es in Philadelphia deutlich besser.

"Die Zahlen tragen insgesamt nicht zu einer Belebung der US-Zinsfantasien bei. Besonders der rückläufige Einzelhandel enttäuscht, denn der Konsum stellt das Rückgrat der US-Wirtschaft dar", kommentierte Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen. Auch James Knightley von der Großbank ING geht nicht davon aus, dass die Federal Reserve (Fed) bei ihrer bevorstehenden Sitzung die Geldpolitik strafft. "Eine Mischung aus schwachen Konsumdaten und geringem Preisdruck dürfte die feste Erwartung schüren, dass die Fed ihren Kurs nächste Woche nicht ändert."

Dow Jones fängt sich

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die Wall Street reagiert mit Gewinnen auf die mauen Konjunkturdaten. "Sie sind genau richtig, um die US-Notenbank Fed an der Seitenauslinie und die Zinsen auf ihrem aktuellen Niveau zu halten", sagte Portfoliomanager Paul Nolte vom Vermögensverwalter Kingsview.Der Leitindex Dow Jones, der zunächst nur mäßig startete, baut derzeit seine Gewinne aus und notiert gut 1,0 Prozent höher.

An der Nasdaq geht es noch besser, der Composite-Index steigt rund 1,25 Prozent. Gestützt wird die Technologiebörse von der hochgewichteten Apple-Aktie, die fast drei Prozent zulegt. Das neue iPhone 7, das morgen in die Läden kommen soll, dürfte nämlich ein Verkaufsschlager werden. Zuletzt hatte die Telekom-Tochter T-Mobile US von den bisher besten Vorbestellungen bei einem iPhone-Modell berichtet, und auch die Mobilfunkanbieter AT&T und Sprint meldeten Zuwächse.

Gesprächsthema ist auch das bekannt gewordene Fehlverhalten der Großbank Wells Fargo. Die Bank hatte in der vergangenen Woche bei einem Vergleich mit US-Behörden eine Strafe von 185 Millionen Dollar akzeptiert, weil Mitarbeiter unter Verkaufsdruck in großem Stil unautorisierte Konten eröffnet hatten. Weitere fünf Millionen Dollar sollen geschädigte Kunden erhalten. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" (Donnerstag) ermittelt inzwischen auch die US-Justiz in dem Fall. Die Aktie fällt.

Euro poppt nur kurz auf

Die Gemeinschaftswährung reagierte nur kurz auf die erste Welle der US-Konjunkturdaten mit einem Anstieg auf das Tageshoch in Richtung 1,13 Dollar. Mittlerweile ist der Euro aber wieder zurückgefallen in seinen aktuellen Dornröschenschlaf und notiert bei 1,1237 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1254 (Mittwoch: 1,1218) Dollar fest.

BoE wie erwartet

Die britische Notenbank hat derweil am Mittag wie erwartet ihren Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent belassen, gleichzeitig aber ihre Bereitschaft signalisiert, diesen weiter zu senken. Dies aber nur, wenn sich die wirtschaftlichen Perspektiven wie prognostiziert eintrüben sollten. Derzeit herrscht Unsicherheit darüber, ob die britische Wirtschaft trotz des Brexit-Votums weiter vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten wird. Das Pfund gab nach, sowohl gegen den Euro als auch gegen den Dollar.

Siemens auf Kurs

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Unter den Einzelaktien war das Siemens-Papier Tagessieger im Dax mit einem Plus von 3,03 Prozent. Die Anleger griffen zu nach Aussagen von Firmenchef Joe Kaeser. Danach wird der Industriekonzern seine Ziele für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2015/16 erreichen oder sogar leicht übertreffen. Siemens sitzt auf einem hohen Auftragsbestand und hat seine Jahressziele bereits zwei Mal angehoben.

Deutsche Bank vor Verkauf in England

Die Bank steht nach Insiderinformationen kurz vor dem Verkauf ihrer britischen Versicherungstochter Abbey Life an den Finanzkonzern Phoenix Group. Das Geschäft könne bereits in einigen Wochen besiegelt werden. Über die Höhe eines möglichen Kaufpreises wurde nichts bekannt. Allerdings plane Phoenix die Aufnahme von etwa 800 Millionen Britische Pfund (940 Mio Euro) zur Finanzierung der Übernahme. Sowohl Deutsche Bank als auch Phoenix Group lehnten eine Stellungnahme ab. Der Wert des Lebensversicherers, der seit dem Jahr 2000 kein Neugeschäft mehr betreibt, wird auf rund eine Milliarde Pfund geschätzt. Die Deutsche Bank hatte Abbey Life 2007 von der britischen Bank Lloyds für knapp eine Milliarde Pfund übernommen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa droht der "Ramsch-Status"

Die rating-agentur S&P hat den ausblick für die Lufthansa von 'Stabil' auf 'Negativ' gesenkt. Das aktuelle Rating liegt bei 'BBB-'. Das ist die letzte Stufe innerhalb der Einstufung als Investment-Grade. Eine Abstufung würde also den Rutsch in den "Non-Investment-Grade" (BB+) bedeuten, umgangsprachlich 'Ramsch' genannt. Dadurch würden sich die Refinanzierungskosten für die Firma verteuern.

Acea: VW leidet weiter

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Vom europäischen Automarkt gab es heute positive Nachrichten. Im August konnten mit 819.126 Autos zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum zugelassen werden, wie der Branchenverband Acea am Donnerstag in Brüssel mit. Der Marktanteil des VW-Konzerns ging dabei allerdings von 26,6 auf 25,9 Prozent zurück.

Paul Singer steigt wieder bei DMG Mori ein

Singers Hedgefonds Elliott hält wieder 5,07 Prozent am ehemaligen Gildemeister-Konzern, der mittlerweile zu 75 Prozent der japanischen DMG Mori gehört. Dies wurde am Mittag bekannt. Erst im April hatte Singer sein Aktienpaket von 15,2 Prozent bis auf 0,8 Prozent runtergergefahren und dabei 450 Millionen Euro erlöst. Nun spekuliert Elliott offenbarauf eine Abfindung im Zuge der Übernahme.

Analystenschelte für Leoni

Im MDax waren Leoni-Aktien Tagesverlierer und schlossen über Tagestief 3,39 Prozent leichter. Kepler hat seinen Kursziel weiter um einen auf 21 Euro gesenkt. Der jüngst bekannt gewordene millionenschwere Betrugsfall koste den Konzern etwa 27 Prozent der Barmittel, die zum Ende des zweiten Quartals in der Kasse gewesen seien. Das sei eine schwere Last und erhöhe das Risiko, dass kurzfristig weitere Kreditlinien in Anspruch genommen werden müssten. Letztlich könnte sogar eine Kapitalerhöhung nötig werden.

Krones herabgestuft

Die Krones-Aktie folgte auf dem Fuß und gab 3,36 Prozent nach. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat den Wert von "Hold" auf "Reduce" abgestuft und das Kursziel von 95 auf 80 Euro gesenkt. Für den Hersteller von Getränkeabfüllanlagen dürfte das Potenzial, seine Margen zu steigern, mittlerweile nahezu aufgebraucht sein. Zudem sei die Aktie unattraktiv bewertet.

Xing hat große Pläne

Die Online-Karrierebörse Xing will auch in Zukunft stark wachsen. Sowohl der Umsatz als auch das Ebitda sollen bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden. Der Umsatz inklusive kleinerer Zukäufe soll 270 bis 300 Millionen Euro erreichen. Das Ebitda soll auf rund 100 Millionen Euro steigen. Helfen sollen mehr kostenpflichtige Angebote und mehr Mitglieder. Xing hielt heute einen Analystentag ab. Die Aktie bewegte sich aber kaum.

DBAG gibt neue Aktien aus

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat ihr Kapital im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens wie am Vortag angekündigt erhöht. Insgesamt wurden knapp 1,4 Millionen neue Aktien zu einem Kurs von 28,25 Euro ausgegeben. Das entspricht zehn Prozent des Grundkapitals. Dem Unternehmen aus dem SDax fließen damit brutto rund 38,6 Millionen Euro zu. Das Geld solle für Investitionen von DBAG-Fonds verwendet werden. Die Aktie gab zunächst bis zu vier Prozent nach, holte aber bemerkenswerterweise fast alle Verwässerungsverluste wieder auf und schloss nur 0,2 Prozent im Minus.

rm

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr