Wall Street zieht Dax ins Plus

Stand: 18.10.2011, 20:02 Uhr

Die schlechten Zahlen von Goldman Sachs und die drohende Herabstufung der Bonität Frankreichs können die Anleger am Abend nicht mehr schrecken - dank steigender Finanzwerte an der Wall Street.

Nach einem wechselvollen Tagesverlauf nimmt der Dax am Abend Fahrt auf und schließt 1,3 Prozent höher bei 5.910 Punkten und damit deutlich besser als im elektronischen Handel, der nur ein moderates Plus von 0,3 Prozent (18 Punkte) auf 5.877 Zähler schaffte. Der Euro notiert am Abend deutlich über der Schwelle von 1,37 Dollar.

Händler sprachen von einem insgesamt orientierungslosen Handel, weil viele Anleger ihr Pulver vor dem EU-Gipfel am Wochenende trocken halten wollten. Zudem seien die jüngsten Daten sowohl auf der Makro- als auch auf der Mikroebene uneinheitlich ausgefallen. Die ZEW-Konjunkturerwartungen hatten sich im Oktober stärker eingetrübt als erwartet, und in China hatte sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal abgeschwächt. Am Morgen war der Dax deshalb zunächst weiter abgerutscht auf 5.747 Punkte. Belastet wurde der Markt auch von wachsenden Zweifeln an der Kreditwürdigkeit Frankreichs, nachdem die Ratingagentur Moody's dem Land gedroht, seine Top-Bonität zu entziehen.

Die Lage bessert sich erst nachdem die Kurse an der Wall Street ins Plus drehen. Dank starker Finanztitel haben die US-Börsen im Handelsverlauf zugelegt. Angeführt von der Bank of America und ihrem überraschend guten Quartalsergebnis legten vor allem Werte aus der Bankenbranche zu. Auch schlechte Zahlen von Goldman Sachs konnten Anleger nicht abschrecken. Das Papier der Bank legte um zwei Prozent zu. Auch wenn die Ergebnisse nach historischen Maßstäben sehr sehr enttäuschend waren, waren sie doch nicht so schlecht wie die Pessimisten erwartet hatten", sagte Peter Kenny von Knight Capital in New Jersey. Dies dämpfte die Nervosität wegen der Konjunkturabkühlung in China und den zunehmenden Risiken für die Industrie in der europäischen Schuldenkrise. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,8 Prozent höher bei 11.491.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Goldman Sachs rutscht in die Miesen
Die größte US-Investmentbank Goldman Sachs ist im dritten Quartal zum zweiten Mal in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gerutscht. Milliardenverluste mit seinen Beteiligungen an anderen Banken und Unternehmen zogen den Branchenprimus im dritten Quartal mit 393 Millionen Dollar unerwartet tief in die Verlustzone. Allein die Anteile an der chinesischen Bank ICBC musste um 1,05 Milliarden Dollar abgewertet werden, weil deren Aktienkurs um 35 Prozent eingebrochen ist. Zudem ließ der Einbruch der Märkte die Erträge um 60 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 3,6 Milliarden Dollar einbrechen.

Die schlechten Zahlen von Goldman belasteten zeitweise auch die Aktie der Deutschen Bank, die drei Viertel ihrer Gewinne im Investmentbanking erzielt. Die Aktie des deutschen Branchenprimus rutschte vorübergehend ans Dax-Ende und verlor in der Spitze gut drei Prozent, kann ihre Verluste bis zum Ende des Xetra-Handels aber wieder deutlich eingrenzen.

Bank of America übertrifft Erwartungen
Dagegen hat die Bank of America im dritten Quartal einen überraschend hohen Nettogewinn von 6,2 Milliarden Dollar eingefahren. Grund sind Sondereffekte wie die Neubewertung der Verbindlichkeiten mit denen sich bereits die Citigroup schön gerechnet hatte. Die Aktie der Bank of America ist legt kräftig zu.

Coca-Cola profitiert von steigenden Preisen
Coca-Cola hat dank teurerer Limonaden im dritten Quartal mehr verdient als im Vorjahr. Mit Verweis auf die gestiegenen Rohstoffkosten hatte der Konzern seit Sommer die Preise für seine Produkte auf seinem Heimatmarkt erhöht. Dadurch konnte der Konzern seinen Überschuss von zwei auf 2,2 Milliarden Dollar steigern. Der Umsatz legte um 45 Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar zu. Dazu trugen neben Währungseffekten auch die Übernahme des Getränkeabfüllers CCE bei.

Schwächere Geschäfte auf dem Heimatmarkt haben dem US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson einen Gewinnrückgang eingebrockt. Der Konzern verdiente im dritten Quartal 3,2 Milliarden Dollar nach 3,42 Milliarden vor Jahresfrist. Mit seinen Zahlen übertraf das Unternehmen dennoch die Erwartungen der Analysten. Vor Sonderposten erzielte J&J je Aktie einen Überschuss von 1,24 Dollar. Experten hatten im Schnitt mit drei Cent weniger gerechnet. Bei Anlegern kommt dies gut an.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp leidet unter Konkurrenz
Schwächster Wert im Dax sind die Aktien von ThyssenKrupp. Händler verwiesen auf etwas schwächer als erwartet ausgefallene Gewinnzahlen von Steel Dynamics. Der Stahlkonzern habe für das dritte Quartal einen Gewinn von 19 US-Cent je Aktie mitgeteilt, nachdem von Analysten 20 Cent erwartet worden waren. Zudem erwarte das Unternehmen ein herausforderndes viertes Quartal.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler dementiert Gerüchte
Zu den größten Verlierern im Dax gehört die Aktie des Autobauers Daimler. Spekulationen zufolge bereite das Unternehmen eine Gewinnwarnung vor. Ein Unternehmenssprecher dementierte die Gerüchte. Es gebe keine Änderung der Ziele.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autozuliefer im Blick
Im MDax gehören die Aktien der Autozulieferer ElringKlinger und Continental zu den Favoriten. Sie profitieren einerseits von den guten Zahlen des Online-Reifenhändlers Delticom aus dem SDax, sowie von den jüngsten europäischen Zulassungszahlen für September.

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Software AG bestätigt Ausblick
Software AG aus dem TecDax hat im dritten Quartal einen Umsatz im Konzern von 275 (Vorjahr 275,3) Millionen Euro erreicht. Ein erneut starker Euro führte bei der Umrechnung der Fremdwährungsumsätze in Euro zu einem verringerten Umsatzausweis von rund sieben Millionen Euro. Durch verstärkte Fokussierung auf Profitabilität im Beratungsgeschäft hat der Geschäftsbereich IDS Scheer Consulting im 3. Quartal die Ergebniswende geschafft und wird im 2. Halbjahr einen deutlich positiven Ergebnisbeitrag abliefern. Der Konzern erreichte damit im 3. Quartal insgesamt ein operatives Ergebnis (Ebit) von 71 bis 73 (Vorjahr 69,1) Millionen Euro.

HSBC drückt Aixtron
Im TecDax brechen die Aktien von Aixtron mehr als sieben Prozent ein und halten damit die rote Laterne. Grund ist eine Herabstufung durch die HSBC. Die Bank hat ihr Kursziel für die Titel von 12,50 Euro auf 11,00 Euro gesenkt und das Votum auf "Neutral" belassen. HSBC-Analyst Christian Rath begründete die Zielsenkung mit schwach erwarteten Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Er erwartet im Vergleich zum Vorquartal einen Rückgang des Auftragseingangs um 80 Prozent. Beim Umsatz rechnet er mit einem Einbruch um gut die Hälfte des Vorjahreswertes.

Q-Cells im Aufwind
Die Aktie von Q-Cells führt dagegen den TecDax an. Nach einer Herabstufung durch die Analysten von Goldman Sachs war der Titel zunächst schwach in den Handel gestartet. Dann teilte Q-Cells mit, dass die Firma bevorzugter Partner des kalifornischen Energieversorgers Pacific Gas and Electric sei, der innerhalb von fünf Jahren Photovoltaik-Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 250 Megawatt bauen will. Q-Cells habe den Zuschlag für einen Teil der für 2012 geplanten Anlagen erhalten. Die Aktie drehte ins Plus.

Dürr macht in Zuversicht
Im SDax kann der Maschinenbauer Dürr punkten. Das Unternehmen erwartet jetzt einen Jahresumsatz von 1,90 Milliarden Euro, statt 1,75 Milliarden. Auch die Ebit-Marge soll statt der bisher erwarteten 4,0 bis 4,5 Prozent rund 5,0 Prozent erreichen. Das Nachsteuerergebnis dürfte ebenfalls überproportional zulegen. Grund ist die überraschend starke Entwicklung im dritten Quartal. Der Umsatz konnte in den Sommermonaten um 56 Prozent zulegen auf 524 Millionen Euro. Die Aktie steigt um gut zwei Prozent.

Air France-KLM im Sinkflug
Die Fluggesellschaft trennt sich von Konzernchef Pierre-Henri Gourgeon, übernehmen wird der Verwaltungsratsvorsitzende und frühere Vorstandschef Jean-Cyril Spinetta. Als Hintergrund des Führungswechsels gelten Meinungsverschiedenheiten zwischen Spinetta und dem 65 Jahre alten Gourgeon sowie die schwache Entwicklung der Fluggesellschaft. Ein Börsianer bezeichnete die Lage für Air France-KLM in einem sich verschlechternden konjunkturellen Umfeld als besonders schwierig, da die Franzosen von einer viel schwächeren Position als ihre Wettbewerber ausgingen. Die Aktie verliert gut vier Prozent.

Danone-Umsatz überzeugt
Der französische Lebensmittelkonzern Danone hat seinen Umsatz im dritten Quartal gesteigert und dabei erneut vom Wachstum in Schwellenländern profitiert. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Erlös um 5,9 Prozent auf 4,81 Milliarden Euro. Analysten hatten mit einem etwas geringeren Zuwachs gerechnet. Danone-Chef Franck Riboud bekräftigte die Jahresprognose 2011, wonach der bereinigte Umsatz um sechs bis acht Prozent zulegen soll.

Louis Vuitton bleibt begehrt
Der weltgrößte Luxusgüterkonzern LVMH trotzt mit ungebrochenem Wachstum der globalen Wirtschaftsschwäche. Für das dritte Quartal wies der französische Hersteller von Louis-Vuitton-Taschen, Mumm-Champagner und Hennessy-Cognac am Dienstag einen Umsatzanstieg binnen Jahresfrist um 15 Prozent auf gut sechs Milliarden Euro aus, mehr als von Experten erwartet.

IBM überzeugt nicht
Trotz starker Gewinn- und Umsatzzahlen kann der weltgrößte IT-Dienstleister IBM die Angst vor rückläufigen Technologie-Ausgaben nicht aus der Welt schaffen. Nach einem guten dritten Quartal hob der US-Konzern sein Gewinnziel fürs Gesamtjahr an. Trotzdem geht die in Frankfurt notierte Aktie auf Talfahrt. Nachbörslich stand an der Wall Street ein Minus von mehr als drei Prozent zu Buche. IBM könne an der Börse nur begeistern, wenn die Erwartungen überzeugend übertroffen würden, sagte ein Analyst.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr