Wall Street wendet das Blatt

von Detlev Landmesser

Stand: 29.08.2007, 20:31 Uhr

Das ist Börse: Zuletzt war die Skepis wieder so groß geworden, dass die Kurse eigentlich nur steigen konnten - allerdings musste die Wall Street das dem deutschen Aktienmarkt erst wieder vormachen.

Nach dem Ausverkauf am Dienstag stiegen die Kurse in New York bis zum Abend auf breiter Front. Der L-Dax schloss 0,14 Prozent höher bei 7.439,88 Punkten.

Auch die Ankündigung der Altria Group, ihre internationale Tabaksparte Philip Morris abzuspalten, hob die Stimmung in New York.

Daimler kauft sich selbst

Der Dax wurde aber auch von Schwergewicht Daimler gestützt. Um 14:00 Uhr veröffentlichte der Autoriese seine endgültigen Zahlen zum zweiten Quartal. Die Börsianer reagierten zunächst enttäuscht, weil sie eine Aussage zur Verwendung der Barmittel erwartet hatten. Nach deren Ausbleiben wurde die Daimler-Aktie ins Minus geschickt.

Doch der Autobauer legte eine gute Stunde später nach und kündigte an, knapp zehn Prozent seiner Aktien über die Börse für bis zu 7,5 Milliarden Euro zurückzukaufen. Die Aktien sollten eingezogen werden. Prompt schoss der Dax-Titel wieder nach oben und legte um bis zu 2,8 Prozent zu. Allerdings gilt ein Aktienrückkauf für Aktionäre gegenüber einer direkten Ausschüttung als zweitbeste Lösung.

Lufthansa-Aktie im Glück
Bester Dax-Titel war die Aktie der Lufthansa. Dahinter standen Gerüchte, die arabische Fluggesellschaft Emirates sei am Einstieg interessiert. Dazu kam ein charttechnisches Kaufsignal nach dem Überwinden der Marke von 21,10 Euro. Entsprechend verpuffte auch das Dementi von Emirates: "Das ist nicht wahr, wir haben kein Angebot für Lufthansa-Aktien abgegeben", sagte ein Emirates-Sprecher.

Merck erleidet Rückschlag
Die Merck-Aktie verlor rund ein Prozent. Ein Rückschlag bei der Entwicklung eines Krebsmedikaments Matuzumab erschreckte die Börsianer. Die Studie II zeigte nicht die erhoffte Wirksamkeit, deshalb will der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern auch die Weiterentwicklung des Medikaments überdenken.

Post buhlt um Mega-Auftrag
Die Aktie der Deutschen Post schnitt etwas besser als der Dax ab. Der Logistikbranche winkt laut dem "Handelsblatt" einer der größten Aufträge seit Gründung der Bundesrepublik. Der Zeitung zufolge prüft die Bundeswehr, große Teile ihrer Logistik an Unternehmen auszulagern. Um die Aufträge ringen vor allem die Deutsche Post und die Deutsche Bahn

Nokia greift Apple an
Handy-Primus Nokia will mit einem neuen Internet-Musikladen und einem neuen Multimedia-Handy dem Apple-Konzern Konkurrenz machen. Der Nokia Music Store solle noch vor Ende des Jahres starten und dem beliebten iTunes-Online-Shop von Apple die Kunden streitig machen, kündigte Nokia am Mittwoch an. Nächstes Jahr will Nokia zudem ein Handy mit berührungsempfindlichem Bildschirm auf den Markt bringen, das ähnlich wie Apples iPhone konzipiert sein soll.

Die Anleger waren aber besonders von der Prognose der Finnen angetan, in diesem Jahr deutlich mehr Smartphones zu verkaufen. Die Zahl der verkauften Geräte solle von 80 Millionen im vergangenen Jahr auf 120 Millionen steigen, kündigte Nokia an.

QSC gefragt
Im TecDax gewann die Aktie von QSC über fünf Prozent. Der Telekommunikationsdienstleister steigerte auch nach den endgültigen Zahlen seinen Umsatz und das Ergebnis im zweiten Quartal deutlich. Die Anleger zeigten sich erleichtert, nachdem der Wettbewerber Versatel die Anleger gestern mit einer Gewinnwarnung geschockt und auch QSC mit in die Tiefe gezogen hatte.

Neue Aufträge für Singulus
Auch die Singulus-Aktie war gefragt. Das Unternehmen meldete zwei neue Auftragseingänge für Blu-ray Produktionsanlagen. Diese Bestellungen kommen von Kunden in Europa und Asien. Die beiden Orders haben ein Volumen von insgesamt 2,8 Millionen Euro. "Das ist ein weiterer Mosaikstein für die Hoffnung auf Blu-ray als Sieger im Formatwettbewerb mit HD DVD", meinte ein Händler.

Ersol sonnt sich in Solon-Aufträgen
Solon hat bei Ersol Solarzellen bestellt - im Volumen von rund einer Milliarde Euro. Ab 2009 soll Ersol über einen Zeitraum von elf Jahren Solarzellen liefern. Die Aktien der beiden Anbieter drehten nach anfänglichen Kursrücksetzern ins Plus.

Die Nordex-Aktie schaffte ebenfalls eine erfreuliche Kurswende. Von minus sieben Prozent ging es deutlich ins Plus und an die TecDax-Spitze. Hier gab es eine negative Studie der Unicredit. Die Analysten hatten den Titel des Windkraftanlagenbauers von "Buy" auf "Hold" gesenkt. Die Aktie habe nach ihrem Kursanstieg der letzten Zeit, der durch Übernahmespekulationen ausgelöst wurde, nun ihr Kursziel erreicht, hieß es zur Begründung.

Air Berlin fährt Achterbahn
Einen ähnlich kuriosen Kursverlauf legte auch Air Berlin aufs Parkett. Erst wurde der SDax-Titel nach den Geschäftszahlen zum zweiten Quartal niedergeprügelt. "Das zweite Quartal hat zu einer unerwartet großen Delle geführt", erklärte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Anleger ärgerten sich nicht nur über den Ergebniseinbruch, sondern auch über den vorsichtigeren Jahresausblick. Hatte die Fluggesellschaft bislang noch von einem Ergebniswachstum (Ebit) von sechs bis sieben Prozent Plus gesprochen, redet sie jetzt nur noch von einer Ergebnissteigerung. Dann aber dreihte das Papier urplötzlich kräftig ins Plus. Händler sprachen von Deckungskäufen von Leerverkäufern. Die Spekulationen um die Lufthansa dürften auch eine Rolle gespielt haben.

Primacom tiefer in Rot
Der umworbene Kabelnetzbetreiber Primacom ist in den ersten sechs Monaten tiefer in die roten Zahlen gerutscht als im Vorjahreszeitraum. Der Konzernverlust stieg nach Angaben des Unternehmens im Vergleich von 5,96 Millionen Euro auf 10,30 Millionen Euro. Als Grund nannte Primacom gestiegene Finanzierungsaufwendungen und außerordentliche Sondererträge im Vorjahreszeitraum genannt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich von 23,1 Millionen Euro auf 23,6 Millionen Euro. Der Umsatz stieg geringfügig um 0,3 Prozent auf 58,08 Millionen Euro.

10Tacle wächst kräftig
Die Aktie von 10Tacle konnte von den Halbjahreszahlen des Videospieleherstellers nicht profitieren. Dabei stieg der Halbjahresumsatz von 12,71 auf 19,4 Millionen Euro. Das Ebit kletterte um 45 Prozent auf 3,37 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr stellte 10Tacle einen Umsatz von rund 52 Millionen Euro und ein Ebit von etwa 9,3 Millionen Euro in Aussicht.

Was ist los bei Envitec?
Börsenneuling Envitec Biogas hat mit einem Gewinnrückgang seinen Aktienkurs auf Talfahrt geschickt. Das Betriebsergebnis schrumpfte im zweiten Quartal trotz höherer Umsätze um ein Fünftel auf 5,3 Millionen Euro, wie der Hersteller von Biogasanlagen bekanntgab. Anleger reagierten mit massiven Verkäufen, die Envitec-Aktie verlor über 20 Prozent an Wert.

Telegate spart sich ins Plus
Telegate hat die Werbeausgaben drastisch gedrosselt und damit trotz stagnierender Umsätze schwarze Zahlen geschrieben. Nach den ersten sechs Monaten des Jahres stünden 15,6 Millionen Euro Gewinn zu Buche, teilte Deutschlands zweitgrößte Telefonauskunft mit. Vor Jahresfrist war noch ein Verlust von 9,4 Millionen Euro angefallen. Der Umsatz lag mit 87,5 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

CompuGroup gibt im Ringen um iSoft auf
Der Gesundheitssoftwareanbieter CompuGroup hat das Ringen um den britischen Konkurrenten iSoft vorerst aufgegeben. Das Koblenzer Unternehmen teilte mit, es werde sein Übernahmeangebot über 66 Pence je iSoft-Aktie nicht aufstocken. Die australische IBA Health hatte die CompuGroup mit einem Angebot über je 69 Pence umgerechnet insgesamt 245 Millionen Euro - übertrumpft.

Teles nur optisch im Minus
Die Aktie von Teles lag nur optisch im Minus. Am Tag nach der Hauptversammlung wurden die Dividende sowie eine Sonderdividende von je 1,00 Euro abgeschlagen, womit sich die Aktie des Internet-Dienstleisters in Wirklichkeit deutlich stieg.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr