Wall Street stoppt Aufwärtstrend

Stand: 28.12.2011, 20:02 Uhr

Nach drei Tagen in Folge mit Kursgewinnen schlägt der Dax wieder den Rückwärtsgang ein. Zunächst hatte es nach einer erfolgreich verlaufenen Italienauktion ausgesehen, als werde der Handel entspannt ausklingen. Dann funkte die US-Börse dazwischen. Auch der Euro gab deutlich nach.

Der Dax ging mit einem Abschlag von rund 2 Prozent bei 5.771,27 Punkten aus dem Handel. Den Tageshöchststand erreichte der deutsche Leitindex bei 5.901, 35 Zählern. Der Late Dax büßte 1,6 Prozent auf 5.796,77 Punkte ein. Auftrieb hatte der Markt am Vormittag von der Auktion kurzläufiger italienischer Anleihen am Vormittag erhalten. Italien nahm über sechsmonatige Papiere neun Milliarden Euro auf und musste dafür eine durchschnittliche Rendite von 3,25 Prozent bieten. Im November hatte die Verzinsung noch bei 6,50 Prozent gelegen.

Der Aktienmarkt reagierte positiv und schaffte zeitweise wieder den Sprung in die Gewinnzone. "Die hohe Nachfrage und die gesunkene Rendite haben stabilisierend gewirkt", sagte ein Marktteilnehmer.

Dünne Umsätze - große Wirkung
Die Stabilität war allerdings nicht von Dauer, denn die US-Investoren reagierten weniger beglückt als ihre europäischen Kollegen. Als der Dow Jones nach Handelsstart schließlich ins Minus fiel, folgte ihm der deutsche Leitindex nach. Fundamentale Gründe, die einen derart heftigen Rückschlag erklären könnten, lagen nicht vor.

Wie in den vergangenen Tagen waren die Handelsumsätze jedoch sehr dünn, weshalb bereits kleinere Verkaufsorder zu größeren Ausschlägen führen. "Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die meisten Akteure eine neue Positionierung Ihrer Portfolios zeitlich auf das nächste Jahr verschieben", kommentierte Tobias Reichert von IG Markets. Die Umsätze betrugen mit mehr als 72 Millionen Stück deutlich weniger als die Hälfte des Schnitts während den vergangenen 90 Tagen.

Der Eurokurs gibt nach
Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank verwies auf den kräftigen Umsatzrückgang am Aktienmarkt zwischen Weihnachten und Neujahr im Vergleich zu den Umsätzen Ende der 90er Jahre. "Wir sehen inzwischen nur noch maximal ein Drittel der Volumina wie vor zehn bis 15 Jahren." Das Hauptgeschäft laufe längst über den Derivatemarkt, erklärte der Fachmann.

Der Euro sackte im Nachmittagshandel deutlich unter die Marke von 1,30 US-Dollar und hielt sich zeitweise nur knapp oberhalb der Marke von 1,29 Dollar. So tief hatte die Gemeinschaftswährung zuletzt Anfang Januar dieses Jahres notiert. "Angeblich sei eine größere Kauforder ausgelaufen und danach kam der Euro ins Rutschen", kommentierte ein Händler. Ein Kollege wies auf die wie an den Aktienmärkten geringen Umsätze hin.

Der EuroStoxx 50 schloss 1,5 Prozent schwächer. In Paris gab der CAC 40 ebenfalls nach, während der Londoner FTSE 100 nur knapp in der Verlustzone schloss. Der Dow Jones lag am Abend rund ein Prozent im Minus. Der S&P-500-Index fiel auf Jahressicht in den negativen Bereich.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,94
Differenz relativ
+5,61%

Merck rettet sich ins Plus
An der Dax-Spitze notierten die Titel des Pharmakonzerns Merck, die ein leichtes Plus verteidigten. Merck steht vor dem Ende eines sehr erfolgreichen Börsenjahrs: Der Aktienkurs legte um rund 27 Prozent zu, das Unternehmen dürfte mit der besten Jahresperformance im Dax abschließen. Das Schlusslicht bildeten die Titel von Daimler und der Commerzbank, die mehr als drei Prozent einbüßten.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,19
Differenz relativ
+0,76%

Telekom jagt Bundesligarechte ...
Gefragt waren zunächst die Papiere der Telekom. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) zufolge will der Telekomkonzern das TV-Angebot kräftig erweitern. Die Bonner erwägen zur Stärkung des neuen Satelliten-Fernsehens "Entertain Sat" den Erwerb der Rechte für die Übertragung der Fußball-Bundesliga. Die Aktie rauschte mitsamt dem Dax ins Minus, büßte jedoch unterdurchschnittlich ein.

... und lässt Sky schwach aussehen
Die Nachricht setzt das Papier von Sky Deutschland nach Einschätzung eines Marktteilnehmers weiter unter Druck. Die Aktie verlor deutlich mehr als ein Prozent. Am Dienstag hatte die Meldung, wonach der Film-Vertrag mit Paramount Pictures beendet wird, für Verkäufe gesorgt. Analyst Harald Heider von der DZ Bank jedoch sieht keinen wesentlichen Einfluss auf die künftige operative Entwicklung und rechnet auch nicht mit einem Bruch des positiven Trends in der Abonnentenentwicklung.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,80
Differenz relativ
+0,48%

ThyssenKrupp sucht Nähe zur Bahn
Deutlich leichter schlossen auch die Titel des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Der Konzern will laut "Handelsblatt" mit der Deutschen Bahn wieder ins Geschäft kommen und arbeitet deshalb die Vorwürfe von Preisabsprachen beim Schienenverkauf auf. ThyssenKrupp hat rund ein Dutzend Mitarbeiter bei der Tochter GFT Gleistechnik entlassen und in einem weiteren Schritt eingewilligt, Schadensersatz an die Deutsche Bahn zu leisten. Das hat die Zeitung aus Branchenkreisen erfahren.

Bei Thomas Cook wird gebucht
Dafür sieht der zweitgrößte europäische Reiseveranstalter Thomas Cook im Deutschlandgeschäft eine leichte Verbesserung. Die Buchungen für das Winterhalbjahr lägen beim Umsatz "leicht über dem Vorjahr", sagte Deutschlandchef Peter Fankhauser der "Frankfurter Rundschau". Gleichwohl verlor das Papier rund fünf Prozent. Die Aktie des deutschen Konkurrenten Tui belegte bei den mittelschweren Werten den letzten Platz und stürzte ebenfalls um rund fünf Prozent ab.

Schaltbau will zukaufen
Der Verkehrstechnikspezialist Schaltbau will auch im kommenden Jahr durch Zukäufe expandieren. "Wir werden im Jahr 2012 einige Vorleistungen erbringen für weiteres Wachstum", sagte Vorstandssprecher Jürgen Cammann der "Börsen-Zeitung". Dazu gehören auch Akquisitionen: "Wir sind auf der Pirsch", betonte der Manager. Das seit September im Kleinwerteindex SDax gelistete Unternehmen hatte erst vor kurzem den Eisenbahnrangier- und Signalspezialisten Tiefenbach für einen höheren einstelligen Millionenbetrag übernommen.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr