Wall Street schiebt Abendhandel an

Stand: 31.01.2011, 20:02 Uhr

Die Krise in Ägypten hat den Ölpreis auf über 100 Dollar getrieben. Trotzdem schafft der Dax am Abend ein leichtes Plus. Grund sind Kursgewinne an den US-Börsen.

Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standartwerte notiert bei Börsenschluss in Deutschland gut 45 Zähler höher als am Freitag bei 11.869. Positiv wirken laut Händlern gute Zahlen des Ölkonzerns ExxonMobil sowie bekannt gegebene Übernahme- und Fusionsvorhaben. Auch gute US-Konjunkturdaten wirkten sich stützend aus. Zudem hegen die Investoren Hoffnungen dass die noch ausstehenden Quartalszahlen gut ausfallen werden.

Die Zuversicht in Amerika stützt auch die Kurse in Frankfurt. Der Dax beendet den Abendhandel leicht im Plus bei 7.093, das sind sieben Punkte mehr als am Freitag. Im elektronischen Handel hatte der Leitindex noch 25 Punkte (0,36 Prozent) tiefer geschlossen, bei 7.077.

Das Fatale an einer Krise wie derzeit in Nordafrika sei, dass man sie nicht genau einschätzen könne, im Gegensatz zu Unternehmenszahlen oder Konjunkturdaten, erklärte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Solche Unsicherheiten hasst die Börse." Viele fürchten zudem einen Flächenbrand in der arabischen Welt, die zu einer Verknappung beim Öl führen könnte.

Unter Druck bleiben die Autoaktien, allen voran Daimler und BMW. Auch die Papiere des im MDax notierten Autozulieferers Leoni müssen überdurchschnittlich abgeben. Die Anleger fürchteten, dass die Unruhen in Ägypten den globalen Welthandel in Mitleidenschaft ziehen könnten, sagte Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Ölpreis auf 100 Dollar
Der Euro ist nach einer Berg-und Talfahrt am Abend wieder unter die Schwelle von 1,37 Dollar gefallen. Derweil ist der Ölpreis wegen der Krise in Ägypten am Montag erstmals seit fast zweieinhalb Jahren wieder über die Marke von 100 Dollar pro Fass (159 Liter) gestiegen. Der Preis für den Rohstoff zum Liefertermin März kletterte in London am Nachmittag zeitweise bis auf 100,05 Dollar, 63 Cent mehr als am Vortag.

Intel korrigiert Prognose
Wegen einer Panne in seiner neuesten Chipgeneration erwartet der weltgrößte Chiphersteller im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres Umsatzeinbußen von rund 300 Millionen Dollar. Insgesamt dürfte der Umsatz bei rund 11,7 Milliarden Dollar liegen, teilte das Unternehmen mit. Die Kosten für Behebung der Probleme und den Austausch betroffener Halbleitermodule bezifferte Intel auf rund 700 Millionen Dollar. Die Aktie eröffnete nach einer kurzen Handelsaussetzung mit einem Abschlag von 1,5 Prozent. Dagegen legen die Papiere des Konkurrenten AMD um knapp fünf Prozent zu.

Renault mit sattem Plus
Der französische Autobauer Renault hat seinen Umsatz deutlich gesteigert. 2010 hätten die Erlöse um 15,6 Prozent auf knapp 39 Milliarden Euro zugelegt, teilte der Konzern am Abend mit. Schon vor einigen Tagen hatte Renault mitgeteilt, seinen Absatz 2010 auf den Rekordwert von 2,63 Millionen Autos gesteigert zu haben. Dabei profitierte das Unternehmen wie auch seine Konkurrenz von der starken Nachfrage in Schwellenländern wie China oder Brasilien. In Europa fiel das Plus mit 7,4 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge verhaltener aus.

ExxonMobil mit Traumgewinn
Leicht zulegen kann dagegen die Aktie des weltgrößten Ölkonzerns ExxonMobil. Er hat im vergangenen Jahr unterm Strich 30,5 Milliarden Dollar verdient. Allein im Schlussquartal behielt der Branchenriese 9,3 Milliarden Dollar übrig und damit mehr als anderthalb mal so viel wie im Vorjahreszeitraum und mehr als von Analysten erwartet. Exxon Mobil habe sowohl aus der Förderung von Öl und Gas als auch aus der Weiterverarbeitung in seinen Raffinerien mehr Profit schlagen können, sagte Konzernchef Rex Tillerson.

Chrysler schreibt weiter rot
Auch Ende des Jahres 2010 ist der US-Autokonzern Chrysler nicht aus den roten Zahlen herausgekommen. Im vierten Quartal schrieb das von Fiat kontrollierte Unternehmen einen Nettoverlust von 199 Millionen Dollar. Der Umsatz erreichte 10,8 Milliarden Dollar. Weltweit konnte Chrysler in den letzten drei Monaten 2010 rund 374.000 Fahrzeuge absetzen. Im laufenden Jahr will der Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben. Für die zweite Jahreshälfte strebt Chrysler den Börsengang an.

Fresenius an Dax-Spitze
Nach der Verschmelzung von Vorzugs- und Stammaktien sind die Titel von Fresenius heute die größten Gewinner im Dax. Die Stämme, die den Platz der Vorzüge einnehmen, steigen bei Börsenschluss um 1,6 Prozent auf 63 Euro. "Fresenius bleibt aber ein Leichtgewicht im deutschen Leitindex", betonten Börsianer. Ihren Schätzungen zufolge erhöht sich die Gewichtung von derzeit etwa 0,8 Prozent auf knapp über ein Prozent. Zum Vergleich: Spitzenreiter Siemens trägt aktuell 10,3 Prozent zur Dax-Berechnung bei.

Mordaschow stockt bei Tui auf
Über ein Fünftel des weltgrößten Reisekonzerns Tui sind jetzt in russischer Hand - mit der Aufstockung will Stahl- Milliardär Alexej Mordaschow vor allem das Geschäft im Heimatland ankurbeln. Seine S-Group Travel Holding erhöhte ihren Anteil auf insgesamt 20,45 Prozent. Grund für die Investition sei das strategische Interesse am Geschäft der Tui, erklärte Mordaschow. Wegen der Unruhen in Ägypten büßt die Tui-Aktie allerdings 1,9 Prozent ein.

Ryanair leidet unter Winterchaos
Europas größter Billigflieger Ryanair ist im dritten Geschäftsquartal wegen des heftigen Winters erneut in die Verlustzone geflogen. Schnee und Eis hatten im Dezember in ganz Europa zu Flugausfällen geführt. Die angehobenen Ticketpreise halfen Ryanair nur begrenzt: Von Oktober bis Dezember flog die Gesellschaft einen Verlust von 10,3 Millionen Euro ein nach 10,9 Millionen ein Jahr zuvor. Die Aktie kann dennoch zulegen, denn die Anleger hatten mit noch größeren Verlusten gerechnet.

Arques von Gigaset beflügelt
Ein Gewinnsprung bei der Tochter Gigaset hat Arques beflügelt. Die Papiere der Beteiligungsgesellschaft stiegen um bis zu zwölf Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 4,42 Euro. Den Angaben zufolge versiebenfachte sich das operative Ergebnis des für seine Schnurlos-Telefone bekannten Unternehmens. Damit habe die ehemalige Siemens-Sparte die eigenen Ziele übertroffen.

Solar und Jaxx
Deutlich zulegen kann auch die Aktie des Solarunternehmen Solar Millennium. Wegen eines verschobenen Finanzierungsschlusses für zwei geplante amerikanische Kraftwerksprojekte fiel das Ebit von 52,3 Millionen Euro zwar auf nur noch 0,7 Millionen Euro. Dies übertrifft aber leicht die von Solar Millennium im Oktober verringerte Prognose.

Zwei Prozent abgeben muss dagegen das Papier des Onlinewetten-Unternehmens Jaxx. Grund ist ein Verlust im vierten Quartal. Wegen Problemen auf dem spanischen Markt und höheren Marketingausgaben verbuchte Jaxx einen Ebit-Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro, der Umsatz erreichte 41 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr