Wall Street hilft Dax über 7.700 Punkte

Karsten Leckebusch

Stand: 04.09.2007, 20:10 Uhr

Die Entwicklung an den amerikanischen Börsen hat dem deutschen Aktienmarkt am Nachmittag einen eindeutigen Aufschlag beschert. Und das, obwohl die beiden heute veröffentlichten Wirtschaftsdaten die Erwartungen verfehlten.

Die amerikanischen Bauausgaben fielen im Juli im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent, erwartet hatten die Analysten einen unveränderten Wert. Allerdings revidierte das Wirtschaftsministerium die Junistatistik um ganze 0,4 Prozentpunkte nach oben.

Auch der viel beachtete ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe fiel mit 52,9 Punkten etwas schlechter aus als erwartet. Die leicht enttäuschenden Daten fachten aber offenbar die Zinssenkungsfantasien vieler Börsianer wieder an, Dow Jones und Nasdaq verzeichneten am Dienstag eindeutige Kursgewinne.

Dax meistert runde Marke
Der Dax beschloss den Handel, sehr stark unterstützt von den freundlichen Vorgaben aus den USA, bei 7.722 Zählern, einem Plus von einem Prozent. Im Leitindex gehörten die Banken zu den deutlichsten Gewinnern. Die Deutsche Bank verteuerte sich um fast drei Prozent. Am Morgen hatte die Deutsche Bank mitgeteilt, dass sie dem Risiko einer weiteren Verschlechterung bei Subprime-Hypotheken nicht ausgesetzt sei. Vorstandschef Josef Ackermann sagte, er sei zufrieden mit dem Geschäftsverlauf seiner Bank im Juli, die Hypothekenkrise hätte zwar auch die Deutsche Bank erfasst, sei aber für das Institut "kein Problem".

Die einigermaßen klaren Worte des Vorstandschefs beruhigten die Aktionäre, sie kauften auch bei anderen Bankaktien zu. Das Commerzbank-Papier stieg um 2,1 Prozent. Die Postbank-Aktie verbesserte sich um 2,4 Prozent.

Die Deutsche Börse hat operativ von der volatilen Börsenlage im August profitiert. Der Handelsumsatz auf Xetra stieg im Vergleich zum Vorjahr um 113 Prozent, die Terminbörse Eurex wickelte 64 Prozent mehr Kontrakte ab. Die Aktie kletterte um 0,8 Prozent.

Weniger Autos verkauft
Die deutschen Autowerte reagierten kaum auf schwache Absatzzahlen in Deutschland. Im August wurden in Deutschland 241.000 Autos verkauft, 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Volkswagen-Aktie verlor im Branchenvergleich mit 0,5 Prozent am meisten, allerdings hatte die Société Générale den Titel zuvor von "Hold" auf "Sell" gesenkt und auf die starken Kursgewinne der VW-Aktie verwiesen.

China- und Asiengeschäfte
Der Pharmakonzern Bayer erwartet für sein Asiengeschäft seiner Tochter Schering ein Plus von etwa 17 Prozent in diesem Jahr. "Das Geschäft läuft sehr gut", sagte Asienchef Chris Lee. Bayer gewann 1,2 Prozent. Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental will sein Chinageschäft verstärken und hat daher den Kühlerlüfterhersteller Fugang Heli gekauft. Die Conti-Aktie verbucht ein Tagesplus von 0,4 Prozent.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp erwartet von seinem Chinageschäft ebenfalls viel. Die Erlöse sollen in den kommenden drei bis fünf Jahren um jährlich zehn Prozent zulegen, sagte ThyssenKrupp-Chinarepräsentant Alfred Wewers. Im laufenden Geschäftsjahr will der Konzern in China mehr als eine Milliarde Euro umsetzen. Die Aktie gehörte zu den Verlierern, sie gab 0,4 Prozent ab.

AWD und MLP
Zwei Personalien beim Finanzdienstleister MLP schoben die Aktie um drei Prozent an. Zum einen hat MLP erneut seinen Vertriebschef ausgetauscht. Nach nur acht Monaten im Dienst wird Wulf Böttger durch Muhyddin Suleiman ersetzt. Suleiman ist seit 14 Jahren bei MLP im Vertrieb und anderen Positionen tätig. Des weiteren gab der ebenfalls im MDax notierte Konkurrent AWD bekannt, dass er den ehemaligen MLP-Finanzvorstand Nils Frowein einstellen werde, und zwar als Finanzchef und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Die AWD-Aktie stieg um 5,5 Prozent.

Leoni möchte Valeo-Sparte kaufen
Der auch im MDax notierte Autozulieferer Leoni verteuerte sich um fast 4,2 Prozent. Der Konzern will die Bordnetzsparte des französischen Konkurrenten Valeo kaufen und damit zum führenden europäischen Hersteller in diesem Bereich aufsteigen. Die Verhandlungen sollen im Laufe des Jahres abgeschlossen werden.

Solarwerte gefragt
Im Tec-Dax gingen die Solar- und Windwerte mit überdurchschnittlichen Kursgewinnen aus dem Handel. Die Branche erhielt Unterstützung durch einen Bericht im Handelsblatt, wonach der Solarzellenhersteller Q-Cells den Softwarekonzern SAP als profitabelstes deutsches Unternehmen abgehängt habe. Solon verteuerte sich sogar um mehr als neun Prozent. Händler führten dies auf vage Übernahmegerüchte und den erfreulichen Verlauf einer Photovoltaikausstellung in Mailand zurück.

DIS-Aktionäre rausgedrängt
Restaktionäre des Zeitarbeitsvermittlers DIS sollen nach der Übernahme durch den Schweizer Arbeitsverleiher Adecco aus dem Unternehmen gedrängt werden. Adecco hält inzwischen 98,4 Prozent der DIS-Aktien und will den restlichen Aktionäre per Zwangsabfindung 113 Euro je Aktie bezahlen.

Jerini hat Icatibant wieder
Der Berliner Biotechnologiekonzern Jerini hat die Vermarktungsrechte des Ödemmedikamentes Icatibant vom amerikanischen Pharmakonzern Abbott zurück erhalten. Abbott hatte im Dezember 2006 das Pharmaunternehmen Kos Pharmaceuticals erworben, mit dem Jerini eine Vertriebs- und Entwicklungsvereinbarung getroffen hatte. Abbott habe diese Vereinbarung jetzt aufgehoben, weil das Medikament nicht in das Produktportfolio passe, teilte Jerini mit. Die Firma will Abbott allerdings noch volle zwei Jahre nach der Markteinführung von Icatibant an den Umsätzen beteiligen.

Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu
Die Gläubiger des Bekleidungsunternehmens Garant Schuh und Mode haben dem Insolvenzplan des überschuldeten Konzern zugestimmt. Die Gläubiger machten damit den Weg frei für den Verkauf der Anteile an der NordFinanz, womit die Firma ihre Überschuldung beseitigen und das Eigenkapital wiederherstellen will. Allerdings sind noch einige Klagen anhängig wegen der auf der Hauptversammlung im März beschlossenen Kapitalmaßnahmen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr