Wall Street hängt Dax ab

von Detlev Landmesser

Stand: 17.03.2009, 20:29 Uhr

Ein Lichtblick vom darniederliegenden US-Immobilienmarkt verlieh der Wall Street am Dienstag neuen Schub. Dass der Dax nicht folgen konnte, lag vor allem an der Bayer-Aktie.

Immerhin schaffte es der L-Dax am Abend mit 4.003,57 Punkten wieder knapp über die runde Marke. Sein Tagestief hatte der deutsche Leitindex bei 3.947 Punkten markiert, was einem Minus von 2,4 Prozent entsprach.

Die US-Börsen setzten ihre "Bärenmarkt-Rally" dank überraschend positiver Daten vom Immobilienmarkt fort. Im Februar sei die Zahl der Wohnbaubeginne aufs Jahr hochgerechnet um 22,2 Prozent auf 583.000 gestiegen, teilte das US-Handelsministerium mit. Das ist der größte Anstieg seit Januar 1990. Volkswirte hatten eigentlich mit einem Rückgang auf 450.000 gerechnet. Auch die Zahl der Baugenehmigungen lag mit 547.000 deutlich über den Erwartungen.

Nach den verheerend niedrigen Daten der Vormonate lässt dies wenigstens auf eine Bodenbildung bei der Bautätigkeit in den USA hoffen. Experten warnten jedoch vor Euphorie. Die überraschend guten Daten als Beginn einer nachhaltigen Erholung anzusehen, sei voreilig, meinten etwa die Volkswirte der Postbank. Dazu müssten sich erst einmal die Immobilienpreise stabilisieren.

ZEW-Index verringert Minus

In Deutschland keimten ebenfalls neue Konjunkturhoffnungen auf. Der aktuelle ZEW-Index fiel erneut besser aus als erwartet. Schon zum fünften Mal in Folge stieg das Konjunkturbarometer, auf einen Wert von minus 3,5 Punkten von minus 5,2 Zählern im Februar. Die recht optimistische Wirtschaftsprognose speise sich aus der Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der EZB und fallende Rohstoffpreise, erklärte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Bayer-Aktie hält Dax unten
Die Bayer-Aktie büßte 10,3 Prozent ein und kostete den Dax mit 32 Indexpunkten mehr als die Hälfte seines Tagesverlusts. Der Leverkusener Pharmakonzern kann wohl nicht auf eine schnelle Zulassung seines Hoffnungsträgers Xarelto in den USA setzen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA erklärte am Dienstag, sie benötige Langzeitdaten, um das Risiko von Leberschäden durch das Thrombose-Mittel zu beurteilen. Der Bayer-Gerinnungshemmer verursache auch mehr Blutungen als andere Behandlungen, erklärte die FDA weiter. Xarelto ist für Bayer neben dem Krebsmittel Nexavar das wichtigste neue Medikament.

Deutsche Bank verdoppelt Vorstand
Ein Jahr vor dem geplanten Ausscheiden von Vorstandschef Josef Ackermann baut die Deutsche Bank ihre Führungsspitze um. Der bislang vierköpfige Vorstand solle auf acht Mitglieder aufgestockt werden, teilte die größte deutsche Bank mit. In das Gremium sollen die Investmentbanker Anshu Jain und Michael Cohrs sowie Privatkundenchef Rainer Neske und Deutschlandchef Jürgen Fitschen aufrücken. Der Umbau soll bis zum 1. April über die Bühne gehen.

Klöckner-Werke belasten Salzgitter
Die Salzgitter-Aktie tendierte etwas schwächer als der Dax. Der zum Konzern gehörende Maschinenbauer Klöckner-Werke kündigte nach einem Verlust im vergangenen Jahr eine Durststrecke an. Der Konzern gehe von einem im Vergleich zu 2008 "wesentlich schwächeren Jahr 2009" aus, teilte das Duisburger Unternehmen mit. Salzgitter hält mehr als 95 Prozent an den Klöckner-Werken.

Kürzt SGL seine Prognose?
Einen Kursverlust von 7,6 Prozent verzeichnete der im MDax gelistete Grafitspezialist SGL. Die "Financial Times Deutschland" hatte gemeldet, dass SGL wegen der Nachfrageschwäche in der Stahl-, Chemie- und Aluminiumindustrie seine Umsatzprognose korrigieren müsse. SGL dürfte 2009 weniger Umsatz als 2008 erzielen, zitierte die Zeitung unternehmensnahe Kreise. Am Mittwoch legt der Konzern seine Jahreszahlen vor.

Tui und Air Berlin rücken zusammen
Die Fluggesellschaft Air Berlin und der Ferienflieger Tuifly treiben die Konsolidierung im deutschen Ferienflugmarkt voran. Wie Air Berlin bekannt gab, planen die beiden Firmen eine Überkreuzbeteiligung von jeweils bis zu 20 Prozent. Die Beteiligung an Air Berlin soll von der britischen Tui-Tochter Tui Travel erworben werden. An der Börse kam die Nachricht nur vorübergehend gut an: Zum Handelsschluss notierten sowohl die Tui-Aktie als auch das Papier von Air Berlin im Minus.

HeidelCement streicht Dividende zusammen
HeidelbergCement kürzt seine Dividende drastisch. Für 2008 will der hoch verschuldete Baustoffkonzern nur 0,12 Euro pro Aktie an die Aktionäre ausschütten. Für das Jahr 2007 hatte es noch 1,30 Euro gegeben.

...IVG streicht sie ganz
MDax-Kollege IVG strich die Ausschüttung an die Aktionäre ganz. Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich angesichts des hohen Verlusts im vergangenen Jahr darauf verständigt, teilte der Immobilienkonzern mit. Für 2007 hatten die Aktionäre noch 70 Cent pro Aktie erhalten.

Smartrac guter Dinge
Der Funkchip-Spezialist Smartrac hat 2008 seinen Umsatz um 16 Prozent gesteigert. Wie das TecDax-Unternehmen mitteilte, kletterten die Erlöse auf 112,3 Millionen Euro. Das Ebitda ging zugleich von 25,5 Millionen Euro auf 21,0 Millionen Euro zurück. Dennoch gab sich Smartrac optimistisch: 2009 will das Unternehmen weiter organisch wachsen, der Funkchip-Markt soll nach Erwartungen von Smartrac um 25 Prozent wachsen. Die Aktie gewann zeitweise fast zehn Prozent, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten.

DBAG verliert neun Millionen
Der Beteiligungskonzern DBAG meldete für das erste Quartal einen Fehlbetrag von 9,0 Millionen Euro. Allerdings hatte die Firma vor einem Jahr noch einen Verlust von 21,7 Millionen Euro gemacht. Für das laufende Geschäftsjahr veröffentlichte das SDax-Unternehmen keine Prognose. Es gab jedoch zu bedenken, dass die Homag-Beteiligung das Ergebnis im zweiten Quartal mit acht Millionen Euro belasten könne, falls sich der Aktienkurs nicht erhole.

Escada in Nöten
Die Escada-Aktie brach um 12,6 Prozent ein. Die Modefirma beschloss das Geschäftsjahr mit deutlich weniger Umsatz und erheblich mehr Verlust. Die Modefirma erwartet zudem weiter fallende Erlöse. Außerdem will die SDax-Gesellschaft wegen des Verlustes das Grundkapital auf knapp 49 Millionen Euro halbieren. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres im Oktober brauche Escada 30 Millionen Euro zusätzlich, sagte Finanzchef Markus Schürholz.

Colonia holt Luft
Zu den SDax-Gewinnern zählten dagegen die Immobilientitel, auch Colonia Real Estate. Der defizitäre Immobilienkonzern hat sich mit einer Umschuldung Luft verschafft. Im Rahmen des neuen Darlehensvertrages über 34 Millionen Euro mit einer regionalen Förderbank sei das Hypothekendarlehen einer amerikanischen Bank abgelöst worden, teilte die Kölner Firma mit. Diese Bank verzichte gegen Einräumung eines Besserungsscheins auf eine Kreditsumme von 8,4 Millionen Euro. Der positive Effekt aus dem Darlehensverzicht werde im ersten Quartal 2009 wirksam.

Paion hat noch Luft
Der Biotech-Titel Paion konnte von den Jahresergebnissen des Unternehmens nicht profitieren. Der Konzernumsatz verringerte sich aufgrund niedrigerer Entwicklungskostenerstattungen von 4,8 auf 3,2 Millionen Euro, teilte Paion mit. Dabei habe sich der Jahresverlust von 10,5 auf 12,6 Millionen Euro ausgeweitet. Dennoch sei 2008 dank der Entwicklungsfortschritte ein erfolgreiches Jahr gewesen, beteuerte Paion. Der Finanzmittelbestand von 36,1 Millionen Euro böte ein Finanzierungspolster bis Ende 2010.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr