Marktbericht 20:15 Uhr

Negativer Yellen-Effekt Wall Street geht auf Talfahrt

Stand: 19.03.2014, 20:15 Uhr

Die veränderte geldpolitische Strategie der neuen Fed-Präsidentin Janet Yellen hat die Wall Street ernüchtert. Der Dow weitete seine Verluste aus. Vor dem Yellen-Auftritt hatte am deutschen Aktienmarkt noch freundliche Stimmung geherrscht.

Die wohl mächtigste Frau der Welt hielt am Mittwochabend die Anleger weltweit in Atem. Im Laufe ihrer Rede gab der US-Leitindex Dow gut 100 Punkte nach. Eine knappe Stunde vor Handelsschluss notierte er ein Prozent tiefer. Einige Experten zeigten sich überrascht vom Ausmaß der geplanten Straffung der Geldpolitik. So will die Fed eine Zinserhöhung künftig nicht mehr von der Arbeitslosenquote abhängig machen. Als entscheidende Kriterien nannte Yellen die Zielwerte bei der Inflation und die Vollbeschäftigung.

Fed-Mehrheit rechnet mit kräftiger Zinserhöhung 2015

Die Mehrheit der US-Notenbanker rechnet mit der Zinswende ab 2015. Einige fordern aber eine kräftigere Anhebung der Leitzinsen als bisher angepeilt. Das hören die Anleger gar nicht gerne.

Das Tapering wird wie erwartet fortgesetzt. Die Notenbank drosselt ihre milliardenschweren Geldspritzen für die Wirtschaft weiter. Das monatliche Volumen der Ankäufe von Staatsanleihen und Hypotheken-Papieren wird um zehn auf 55 Milliarden Dollar verringert.

Dax steigt den vierten Tag in Folge

Im späten Handel schmolzen an der Frankfurter Börse die Kursgewinne dahin. Der L-Dax verabschiedete sich mit 9.268 Punkten in den Feierabend. Zum Xetra-Schluss hatte der Dax noch ein kleines Plus von 0,4 Prozent verzeichnet. Es war der vierte Gewinntag in Folge.

Krim-Krise rückt in den Hintergrund

Europaweit präsentierte sich der deutsche Aktienmarkt am robustesten. An den Börsen in Paris, London und Zürich traten die Kurse auf der Stelle. Grund für die Stärke des Dax ist die vorerst abgehakte Krim-Krise. Der deutsche Leitindex hatte stärker als die anderen europäischen Märkte unter dem Konflikt auf der ukrainischen Halbinsel gelitten. Seit Monatsbeginn hat der Dax vier Prozent eingebüßt, der EuroStoxx50 dagegen nur 2,5 Prozent.

Viele Börsianer halten aber die Krise für noch nicht ausgestanden. Die Spannungen zwischen dem Westen und Russland halten an, der russische Außenminister Sergej Lawrow kündigte Konsequenzen nach den von der EU, den USA und Japan verhängten Sanktionen gegen Russland an.

Euro rauscht in die Tiefe, Gold verliert an Glanz

Der Euro gab nach den Ankündigungen der Fed und ihrer Präsidentin Yellen kräftig nach. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Abend bei 1,3828 US-Dollar. Vor dem Zinsentscheid hatte der Euro noch über 1,39 Dollar gelegen. Der Goldpreis fiel weiter. Das gelbe Edelmetall verbilligte sich um fast zwei Prozent auf 1.330 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.224,78
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BMW auf Rekordhoch

Auf der Überholspur war am Mittwoch BMW. Die Aktie raste um sieben Prozent nach oben und führte die Siegerliste im Dax an. Mit 86,60 Euro schloss der Autotitel so hoch wie nie. Nach einem leichten Gewinnanstieg im vorigen Jahr soll das Konzernergebnis vor Steuern von zuletzt 7,9 Milliarden Euro in diesem Jahr "deutlich zulegen", kündigte BMW-Chef Norbert Reithofer an. Händler zeigten sich über den "sehr beeindruckenden Ausblick" begeistert.

Bald grünes Licht für CoCo-Bonds?

Zu den Favoriten im Dax zählten auch die Bankaktien. Nach Einschätzung des Bankenverbands steht dem Einsatz neuartiger Zwangswandelanleihen (CoCo-Bonds) in Deutschland nichts mehr im Wege. Das grüne Licht der Finanzverwaltung sei bald zu erwarten. Wie in Frankreich, Spanien und der Schweiz könnten die Banken die Zinszahlungen als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Auf diesen Beschluss warten Geldinstitute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Aareal Bank lange gewartet. Die Deutsche Bank will als erstes deutsches Instiutut Coco-Bonds bis Ende 2015 begeben.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,29
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,44
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Darüberhinaus gab es am Abend Medien-Spekulationen über weitere Stellenstreichungen bei der Deutschen Bank. Das Geldhaus will laut "Handelsblatt Live" rund 500 Jobs im Investmentbanking streichen, vor allem in London. Besonders das Geschäft mit Anleihen, Währungen, Rohstoffen und Derivaten sei betroffen.

Siemens-Chef dämpft hohe Erwartungen

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
117,72
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+0,48%

Dagegen schloss Siemens 0,6 Prozent im Minus. Vorstandschef Joe Kaesaer dämpfte die Hoffnungen auf eine radikale Neuausrichtung des Konzerns. "Erwarten Sie keine Dinge, die Welt bewegen", sagte er im Hinblick auf die Strategiepläne, die er am 8. Mai vorstellen wird. Es gehe ihm vor allem um mehr Kundennähe, weniger Bürokratie und die Ausrichtung auf zukunftsweisende rentable Technologien.

HeidelCement zu knauserig

Die rote Laterne im Dax ging an Heidelberg Cement. Die Aktie büßte fast zwei Prozent ein. Der Baustoffkonzern hat 2013 zwar seinen Überschuss um 79 Prozent auf 945 Millionen Euro gesteigert. Doch die Dividende soll nur von 47 auf 60 Cent erhöht werden. Experten hatten deutlich mehr erwartet.

Krones füllt Aktionäre gut ab

Spitzenreiter im MDax war Krones. Der Kurs stieg um fast vier Prozent und erreichte ein Rekordhoch von rund 69 Euro. Der Gewinn des Getränkeabfüllmaschinen-Herstellers ist 2013 auf gut 119 Millionen Euro geklettert. Krones will nun eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie zuzüglich einer Sonderausschüttung von 1,00 Euro je Papier zahlen. Im Vorjahr gab's eine Dividende von 75 Cent je Titel.

Brenntag im Übernahmefieber

Um knapp ein Prozent stieg die Aktie von Brenntag. Nachdem der starke Euro und rückläufige Geschäfte in Lateinamerika 2013 das Wachstumstempo drosselten, will der Chemikalienhändler wieder aufdrehen. Bei den Zukäufen soll das Tempo erhöht werden. In das neue Jahr ist Brenntag gut gestartet. Das Geschäft sei in den ersten beiden Monaten gewachsen, sagte Finanzchef Georg Müller.

Bundesregierung stoppt Rheinmetall

Schlechte Nachrichten gab's am Abend für Rheinmetall: Im Zuge der Krim-Krise stoppt Berlin ein Geschäft des Rüstungskonzerns vorerst mit der russischen Armee. Rheinmetall hat 2013 wegen schwacher Rüstungsgeschäfte und Sanierungskosten einen Gewinneinbruch erlitten. Deshalb werde die Dividende auf 40 Cent von 1,80 Euro je Aktie gekürzt. Der Konzern gelobte Besserung. 2014 erwartet Rheinmetall einen höheren Umsatz und eine deutliche Ergebnisverbesserung. Die Aktie legte zunächst kräftig zu, schloss dann aber 0,8 Prozent im Minus.

Spekulationen um Air Berlin

Top-Gewinner im SDax war Air Berlin. Die Aktie hob um fast 15 Prozent ab. Die Fluggesellschaft hat ihre für Donnerstag geplante Bilanz-Pressekonferenz wegen wichtiger Verhandlungen verschoben. Bei den laufenden Gesprächen gehe es um "Handlungsoptionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden", teilte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie mit. Um was genau es bei den Gesprächen geht, blieb offen.

Cewe will Dividende anheben

Zweitgrößter Gewinner im SDax war Cewe mit einem Plus von knapp fünf Prozent. Der Fotodienstleister will die Dividende um fünf Cent je Papier anheben. Cewe-Aktionären winken 1,50 Euro je Titel in Aussicht.

Indus kommt gut voran

Ebenfalls gefragt waren die Aktien von Indus im SDax. Die Beteiligungsgesellschaft hat im vergangenen Jahr ihren Umsatz auf 1,2 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis lag bei 114 Millionen Euro. Die Ebit-Marge erreichte mit 9,6 Prozent wieder den Vorjahreswert. Indus stellt deshalb eine Anhebung der Dividende in Aussicht.

Cancom will Ergebnis kräftig steigern

Im TecDax blickt Cancom optimistisch auf das laufende Jahr: Der Vorstand geht für 2014 von einer deutlichen Steigerung des Rohertrags und des Ebitda aus. Umsatz und Ergebnis hätten im Januar und Februar bereits über den Vorjahreswerten gelegen. Die Aktionäre sollen vom erfolgreichen Verlauf des Vorjahres profitieren: Cancom will die Dividende von 35 Cent im Vorjahr auf 40 Cent je Aktie anheben. Die Aktie schloss nahezu unverändert.

Zara zieht weniger an

Beim spanischen H&M-Konkurrenten Inditex stotterte der Wachstumsmotor 2013 vor allem bei der Ladenkette Zara, die rund zwei Drittel zum Erlös beisteuert. Zudem belasteten im vergangenen Jahr der starke Euro und die Kosten für Neueröffnungen von Filialen und dem Ausbau des Online-Handels. Der Umsatz zog um fünf Prozent auf 16,7 Milliarden Euro an. 2011 und 2012 konnte Inditex allerdings noch zweistellig zulegen.

Oracle geht die Puste aus

Dagegen vermeldete der SAP-Rivale Oracle ein wieder lebhafteres Geschäft - vor allem mit Cloud-Software. Der Umsatzanstieg blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Die Oracle-Aktie verliert bis zum Abend 1,3 Prozent und zählt zu den schwächsten Werten im marktbreiten S&P-500-Index.

Google dreht an der (Computer-)Uhr

Google weitet die dominierende Smartphone-Plattform Android auf das junge Geschäft mit tragbaren Geräten wie Computer-Uhren aus. Der Internet-Konzern stellte am Dienstag dafür das Projekt Android Wear vor.

Harter Winter bremst Fedex

Der Post-Rivale Fedex hat im abgelaufenen dritten Quartal, das von Dezember bis Februar dauerte, enttäuscht und die Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt. Wegen des strengen Winters in den USA stieg der Umsatz nur um drei Prozent, der Gewinn erhöhte sich um fünf Prozent. Fedex verärgerte zu Weihnachten viele Kunden, weil die bestellten Pakete nicht rechtzeitig zum Fest ausgeliefert wurden.

First Solar überrascht

Um zeitweise mehr als 14 Prozent zog die Aktie von First Solar an. Der Solarzellenhersteller hat einen starken Ausblick auf die nächsten beiden Jahre gegeben. Der Umsatz soll 2015 auf 4,3Milliarden Dollar, 2016 auf bis 4,5 Milliarden Dollar klettern. Beim Gewinn je Aktie werden im nächsten Jahr 4,50 bis 6,00 Dollar je Aktie angepeilt. Analysten hatten mit weniger gerechnet.

Milliardenstrafe für Toyota

Teuer zu stehen kommt Toyota seine große Rückrufaktion in den USA zwischen 2009 und 2011. Der japanische Autobauer muss eine Strafe von 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Darauf einigte sich Toyota mit dem US-Justizministerium. Mit der Vereinbarung vermeiden die Japaner eine Anklage. Wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten hatte Toyota mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr