Wall Street bremst Dax aus

Notker Blechner

Stand: 21.09.2010, 20:19 Uhr

Die schwächeren US-Börsen und die Warnung der Deutschen Bank vor einem Verlust im dritten Quartal haben den Gipfelsturm des Dax gestoppt. Anleger hielten sich spürbar zurück. Sie blickten gespannt auf die Fed am Abend.

Die US-Notenbank erklärte sich am Abend nach ihrem Zinsentscheid zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, falls es einer Stütze bedürfe. Nach Ansicht der Fed hat sich das Tempo der Erholung in den vergangenen Monaten verlangsamnt. Die wirtschaftliche Entwicklung erfordere noch für geraume Zeit außerordentlich niedrige Zinsen. Das sorgte für etwas Erleichterung am Aktienmarkt. Nach den Ankündigungen der Fed drehte die Wall Street leicht ins Plus. Der Dow stieg um 0,4 Prozent, der S& P 500 um 0,15 Prozent.

Im Vorfeld der Zinsentscheidung der Fed hatten sich die Anleger nicht aus der Deckung gewagt. Der Dax schloss 0,3 Prozent tiefer bei knapp 6.276 Punkten. Im späten Parketthandel tat sich kaum etwas. Der L-Dax schloss bei 6.272 Zählern. Der Fed-Zinsentscheid und -Bericht kam erst nach Börsenschluss in Deutschland.

Irland und US-Immobiliendaten beruhigen

Bis zum frühen Nachmittag hatte das deutsche Börsenbarometer noch klar im Plus gelegen. Die erfolgreiche Auktion irischer Staatsanleihen und ein neuerlicher Lichtblick vom US-Immobilienmarkt hatten für Entspannung am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Selbst das Jahreshoch von 5.352 Punkten lag in Sichtweite. Die Zahl der Wohnbaubeginne zog im August stark an und kletterte auf 598.000 Einheiten. Experten hatten lediglich mit 550.000 Einheiten gerechnet.

Der Euro kletterte deutlich auf über 1,31 US-Dollar. Nach dem Fed-Zinsentscheid schnellte die Währung gar auf 1,3250 Dollar nach oben. Die erfolgreiche Kreditaufnahme Irlands minderte die Nervosität an den Märkten. Die vier- und achtjährigen Staatsanleihen stießen auf starke Nachfrage. In der vergangenen Woche hatten Sorgen um Irlands Kapitalstärke die Stimmung der Investoren gedrückt. Der Ölpreis fiel deutlich. Ein Barrel der US-Sorte WTI verbilligte sich am Abend auf 73,40 US-Dollar. Das sind knapp 1,50 Dollar weniger als am Vortag.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Deutsche Bank warnt
Für viel Gesprächsstoff auf dem Parkett sorgte die Deutsche Bank. Am Morgen gab der Branchenprimus das Übernahmeangebot für die Postbank bekannt. 25 Euro je Aktie will die Deutsche Bank den freien Postbank-Aktionären zahlen. Dies entspreche dem Dreimonatsdurchschnittskurs. Der Deal kommt die Deutsche Bank teuer zu stehen. Weil die Anteile an der Postbank neu bewertet werden müssen, fallen im dritten Quartal Abschreibungen von 2,3 Milliarden Euro an. Deswegen drohe ein Nettoverlust, warnte die Deutsche Bank in ihrem Wertpapierprospekt für die Kapitalerhöhung. Die Deutsche-Bank-Aktie drehte daraufhin ins Minus und schloss 4,5 Prozent tiefer bei 44,75 Euro.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Lufthansa fliegt nach vorn
Größter Dax-Gewinner war die Lufthansa mit einem Plus von über zwei Prozent. Der Konzern profitierte von den sich aufhellenden Aussichten für die Fluggesellschaften. Der internationale Luftfahrtverband IATA verdreifachte am Mittag seine Gewinnprognose für das laufende Jahr. Nicht 2,5 Milliarden, sondern 8,9 Milliarden Dollar werden die Fluggesellschaften 2010 erwirtschaften, prophezeit der Verband, der 230 Airlines vertritt. "Der Aufschwung hat sich sehr viel schneller entwickelt als erwartet", sagte IATA-Präsident Giovanni Bisignani. Allerdings: die Fluggesellschaften in Europa dürften erst 2011 die Gewinnschwelle erreichen, 2010 droht ihnen ein Verlust von 1,3 Milliarden Dollar, glaubt Bisignani. Am Mittwoch steht zudem der Machtwechsel bei der Lufthansa an. Der Aufsichtsrat wird voraussichtlich Passagier-Chef Christoph Franz zum Nachfolger des nach sieben Jahren ausscheidenden Wolfgang Mayrhuber bestimmen. Franz gilt als erfolgreicher Sanierer, der bereits die Swiss fit trimmte.

WTO-Prognose schiebt Post-Aktie an
Die Aktien der Deutschen Post legten ebenfalls überdurchschnittlich um über ein Prozent zu. Händler verwiesen auf die gestrige Prognose der Welthandelsorganisation WTO. Sie erwartet für 2010 ein Wachstum des Welthandels von 13,5 Prozent. Als großer weltweiter Logistik-Konzern profitiert die Post von einem anziehenden Welthandel.

Infineon hebt erneut Prognose an
Beim Chip-Konzern Infineon läuft es auch glänzend. Kurz vor Xetra-Schluss hob das Unternehmen zum vierten Mal in Folge seine Jahresprognose an. Demnach soll der Umsatz um 50 Prozent steigen, die operative Marge soll bei 13 bis 14 Prozent liegen. Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2009/10, das am 30. September endet, stellte der Halbleiterhersteller 15 Prozent mehr Umsatz und eine Marge von 18 bis 20 Prozent in Aussicht. Vor allem die Handychipsparte bescherte Infineon kräftige Zuwächse. Künftig müssen das Wachstum aber anderswo herkommen: Die Handychipsparte wird an Intel verkauft. Die Prognose-Anhebung gab Infineon zunächst kräftig Aufwind. Am Ende fiel die Aktie aber doch wieder ins Minus und schloss 0,8 Prozent niedriger.

Nutzfahrzeugindustrie kommt wieder in Schwung
Aufbruchstimmung verbreiten die Lastwagen-Bauer im Vorfeld der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. MAN hat am Dienstag seine Gewinnprognose angehoben. Der Umsatz dürfte bis zu 15 Milliarden Euro in diesem Jahr erreichen, bei den Auslieferungen wird ein Rekord von bis zu 120.000 Lkw angestrebt. Die MAN-Aktie zog zeitweise um zwei Prozent an, büßte dann aber wieder die Gewinne ein und schloss leicht im Minus.

Auch bei Daimler und VW gaben sich die Manager optimistisch. Der Absatz von Lkw sei von Januar bis August um insgesamt 18,1 Prozent gestiegen, teilte VW mit. Damit sei "die Krise der Nutzfahrzeugmärkte" überstanden, sagte der VW-Nutzfahrzeuge-Chef Wolfgang Schreiber. Daimler berichtete am Morgen über ein Plus beim Auftragseingang in diesem Jahr von bisher 65 Prozent, der Absatz legte bis August um ein Drittel zu.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
Differenz relativ
-1,45%

Gewinnmitnahmen bei Bayer nach FDA-Entscheidung
Zu den größten Dax-Verlierern zählte Bayer. Während konjunkturoptimistischer Börsenzeiten seien defensive Titel nicht gefragt, hieß es am Parkett. Außerdem hat sich die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA für die Zulassung eines neuen Thrombosemittels des Bayer-Konkurrenten Boehringer Ingelheim entschieden. Das war zwar am Markt erwartet worden, einige Anleger nutzten aber die Nachricht, um Kasse zu machen. In den letzten sieben Wochen hat der Titel fast 20 Prozent zugelegt.

Deutz im Höhenrausch
Im SDax setzte Deutz seinen jüngsten Höhenflug fort. Die Aktien des Dieselmotorenherstellers kletterten um fast drei Prozent auf 5,37 Euro und erreichten den höchsten Stand seit Mitte 2008. Kursrelevante Nachrichten gab es keine.

Nordex gibt keine Prognose
Im TecDax rauschten vor allem Solarwerte nach unten, allen vortan Phoenix Solar mit einem Minus von über drei Prozent. Auch die Nordex-Aktie büßte fast zwei Prozent ein. Der Windkraftanlagenbauer hat zwar seine Ziele für das laufende Jahr bestätigt, verweigert aber eine Prognose für 2011. Vielleicht gibt es neue Impulse für Nordex auf der weltgrößten Windmesse in Husum, die am Dienstag begann. Dass der Klatten-Ventus-Fonds seinen Anteil am Windkrafthersteller Nordex weiter aufstocken darf, konnte der Aktie nicht helfen. Das Bundeskartellamt gab am Morgen grünes Licht für eine Anteilsaufstockung auf mehr als 25 Prozent.

Nanostart hat ein gutes Händchen
Die Beteiligungsgesellschaft Nanostart ihre Bilanz für das erste Halbjahr 2010 veröffentlicht und nach eigenen Angaben das "beste erste Halbjahr der Unternehmensgeschichte" erzielt. Der Überschuss sei auf 923.000 Euro gestiegen, teilte die Gesellschaft mit, die sich an lukrativen Nanofirmen beteiligt. Der Nettoinventarwert stieg auf 144 Millionen Euro. In der Bilanz ist der Verkauf der Beteiligung BioMicro an Roche Diagnostics noch nicht enthalten. Nanostart kündigte an, in diesem Jahr noch weitere Beteiligungen, vor allem in Singapur, zu erwerben. Die Aktie schoss um zehn Prozent nach oben.

Kromi wieder in den schwarzen Zahlen
Zahlen gab's auch von Kromi: Der Logistikkonzern hat im vergangenen Geschäftsjahr wieder die Gewinnzone erreicht. Das Ebit lag bei 175.000 Euro - nach einem Verlust von 85.000 Euro im Jahr zuvor. Der Jahresumsatz schrumpfte allerdings um zehn Prozent. Kromi will erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Dividende ausschütten, 0,15 Euro je Aktie sind angedacht. Die Kromi-Aktien zogen um fast vier Prozent an.

Hydrotec sorgt für sauberes Wasser bei Olympia
Einen Großauftrag meldete das Wassertechnik-Unternehmen Hydrotec. Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London werden die Oberfranken aus Rehau für die komplette Wasseraufbereitung im Olympic Park zuständig sein. Der Auftrag hat ein Volumen von 3,3 Millionen Euro.

Libyen stürzt Unicredit in Führungskrise
Bei Italiens größter Bank ging es am Dienstagabend heiß her. Wegen der umstrittenen Anteilsaufstockung von Libyen an der Unicredit droht Vorstandschef Alessandro Profumo der Rücktritt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Ansa reichte er am Abend seinen Rücktritt ein. Wenig später meldete Sky 24 News unter Berufung auf Kreise, dass der Verwaltungsrat uneinig sei und Profumo doch nicht zurückgetreten sei. Als möglicher Nachfolger des Unicredit-Regenten wird Dieter Rampl, Ecx-Chef der Hypovereinsbank gehandelt. Die Aktie gab zwei Prozent nach.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"