Wacklige Börsen

Robert Minde

Stand: 22.11.2011, 19:57 Uhr

Aktien sind zur Zeit wenig gefragt bei den Anlegern. Auch heute hat sich daran nichts geändert, ein kurzer Erholungsversuch des Dax war schnell wieder vorbei. Zu groß bleiben die Sorgen um die europäische Staatsschuldenkrise.

Der Dax hat auch den siebten Handelstag in Folge mit Verlusten geschlossen. Zudem schloss das deutsche Aktienbarometer bei 5.537 Zählern am Tagestief, ein Minus von 1,2 Prozent. Der Index, der vorher schon scheibchenweise seine Vormittagsgewinne abgegeben hatte, rutschte vor allem im späten Geschäft ab, nachdem auch aus den USA enttäuschende Konjunkturzahlen den Abwärtstrend zusätzlich angetrieben hatten. Am Vormittag hatte der Index mit 5.681 Zählern seinen Höchststand erreicht. Nachbörslich hat sich der Index jedoch im Zuge einer Aufwärtsbewegung an der Wall Street etwas verbessert. Der L/E-Dax schließt bei 5.587 Punkten.

Damit bleibt die Stimmungslage an der Börse weiter extrem nervös. Denn neben dem beherrschenden Dauerthema der europäischen Schuldenkrise geraten zunehmend auch die USA ins Visir der Märkte, deren Probleme durch die Lage in Europa zuletzt in den Hintergrund gedrängt worden waren.

Aber eine deutliche Warnung der Ratingagentur Fitch an die Adresse der US-Politik macht den Ernst der Lage deutlich. Denn im Kongress konnten sich die Politiker beider Parteien zuvor nicht auf Einsparungen im Umfang von 1,2 Billionen Dollar für die nächsten zehn Jahre einigen. Hinzu kamen schwache Wirtschaftsdaten. So ist das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal nur noch um zwei Prozent gestiegen, wie das US-Handelsministerium mitteilte. Damit korrigierte das Ministerium eine frühere Schätzung nach unten, die von einem Wachstum von 2,5 Prozent ausgegangen war. An der Wall Street hat sich der Dow Jones Index am Mittag von seinem Tiefstand bei 11.433 Punkten erholt und steht aktuell in der Nähe des gestrigen Schlusskursniveaus von 11.547 Punkten.

Deutliche Warnzeichen
In Europa macht sich der Markt derweil zunehmend Sorgen, wie sich Banken und Staaten zukünftig Geld leihen können. Denn auch den Banken bleibt aktuell kaum noch ein anderer Weg, als zur EZB zu gehen. "Der Geldmarkt funktioniert derzeit überhaupt nicht", sagte ein Disponent. "Es ist im Grunde noch schlimmer als zur Zeit der Lehman-Pleite 2008, weil die Staaten nun ebenfalls handlungsunfähig sind. Das besorgt uns sehr."

Am europäischen Markt für Staatsanleihen hat sich die Lage heute ebenfalls weiter verschärft. So musste Spanien deutlich höhere Zinsen für Geldmarktpapiere zahlen und die Rendite für zehnjährige Papiere stieg auf 6,54 Prozent. Auch die Renditen italienischer und französischer Staatsanleihen legten weiter zu auf 6,72 beziehungsweise 3,53 Prozent.

In den Strudel gerät auch immer mehr das hochverschuldete Belgien, dessen zehnjährige Anleihen mit 0,19 Prozent auf 4,95 Prozent den größten Renditesprung machten. Zum Vergleich: Die als besonders sicher geltende deutsche Bundesanleihe rentiert mit gut 1,9 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesbankpräsident Jens Weidmann erteilten derweil Forderungen nach der Einführung von Eurobonds eine Absage. Gleichwohl nimmt die politische Diskussion, und damit der Druck auf Deutschland, um die Einführung dieser Papiere deutlich zu.

Unter den Einzelaktien im Dax ist die Commerzbank mit einem dicken Minus von 15 Prozent mit großem Abstand Tagesverlierer. Die Aktie leidet unter Gerüchten um eine bis zu fünf Milliarden Euro schwere Kapitallücke beim Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA. Umstritten ist allerdings, welche neuen Prüfkriterien die EBA dabei zugrunde legt. Ein Sprecher der Bank wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
191,14
Differenz relativ
-1,54%

Allianz gibt Gewinne ab
Die Aktie der Allianz, die lange Zeit ganz oben auf der Liste der Tagesgewinner stand, hat ihre Gewinne ebenfalls nicht halten können und ist ins Minus gedreht. Die Aktie schließt am Tagestief bei 68,36 Euro, ein Verlust von 1,7 Prozent. Morgan Stanley hatte zuvor das Kursziel für die Titel des Versicherers von 117,20 auf 118,30 Euro angehoben. Damit räumen die Analysten dem als "Key Overweight" bezeichneten Papier 70 Prozent Kurspotenzial ein. Die Allianz zeichnet sich laut Analyst John Hocking durch eine starke Bilanz sowie Krisenresistenz in vielen Schlüsselmärkten aus.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,02
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+4,00%

Eon macht Ernst: Stellenabbau kommt
Der Essener Energieriese konkretisiert seine Sparpläne, die das Unternehmen nach dem Atomausstieg vor drei Monaten angekündigt hatte. Eon bestätigt den Abbau von weltweit bis zu 11.000 Arbeitsplätzen. Nach Medieninformation sowie Befürchtungen des Betriebsrates sollen davon in Deutschland 6.500 Stellen wegfallen. Diese Zahl bestätigte das Unternehmen aber nicht ausdrücklich. Im Rahmen eines Effizienzsteigerungsprogramms will Eon die variablen Kosten deutlich drücken.

Im Kern bleiben zwar alle vier großen Verwaltungsstandorte in Düsseldorf, Essen, Hannover und München erhalten, werden aber deutlich verkleinert. Das Unternehmen hat heute auf Belegschaftsversammlungen die Mitarbeiter entsprechend informiert. Eon-Aktien verlieren 1,3 Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,76
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-0,71%

Deutsche Bank greift durch
Die Zukunft des Unternehmensbereiches Asset Management im Deutsche-Bank-Konzern wird neu geprüft. Wie der zuständige Manager Kevin Parker erklärte geht es darum, die beste strategische Option zu finden. Hintergrund sind die vergleichsweisen geringen Erträge, die die Sparte vor allem im Vergleich zum Investment Banking abwirft. Ausdrücklich nicht betroffen ist die auf den privaten Anleger abzielende Investmentgesellschaft DWS, die den Großteil der Erträge in der Sparte erwirtschaftet. Auch die private Vermögensverwaltung ist nicht betroffen.

Südzucker erhöht die Prognose
Ganz vorne im MDax steht Südzucker mit einem Plus von über acht Prozent. Beflügelt von hohen Volatilitäten der Weltmarktpreise hat das Mannheimer Unternehmen seine Prognose für Umsatz und Gewinn erhöht. So liegt das Umsatzziel in diesem Jahr nunmehr bei 6,8 Milliarden Euro nach bisher 6,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis soll auf Konzernebene nun von den bisher angepeilten 600 auf 750 Millionen Euro steigen.

Sixt sieht schwierige Zeiten kommen
Sixt bleibt auf Rekordfahrt, rüstet sich aber für ein schwieriges nächstes Jahr. Angesichts der Eintrübung der Weltwirtschaft, erwartet die Firma im kommenden Jahr ein niedrigeres Ergebnis als in diesem Jahr. Im dritten Quartal 2011 wuchs der Umsatz um knapp vier Prozent auf 422,3 Millionen Euro. Vor Steuern verbuchte der Konzern zwischen Juli und September einen Gewinn von 44,2 Millionen Euro, 16,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Aktie verliert.

DBAG wegen Homag im Verlust
Die im SDax notierte Deutsche Beteiligungs-AG steuert auf einen Verlust im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2010/2011 (per Ende Oktober) zu. Dies geht aus einer Investorenpräsentation im Internet hervor. Hauptgrund ist die Talfahrt der Homag-Aktie, die von August bis Oktober 43 Prozent an Wert verloren hat. Dies führte nach Angaben der DBAG zu einem Buchverlust von 17 Millionen Euro. Homag ist die größte der insgesamt 17 Beteiligungen. Diese müssen jedes Quartal neu bewertet werden, was zu großen Schwankungen führt. Die DBAG-Aktie baut im Handelsverlauf ihre Verluste aus und schließt mit einem Minus von 2,85 Prozent.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14,82
Differenz relativ
+0,61%

Tui bricht ein
Im MDax führt Tui die Verliererliste mit einem Minus von 12,7 Prozent an. Hintergrund ist eine Hiobsbotschaft des britischen Konkurrenten Thomas Cook, der gezwungen ist, mit den Banken wegen höherer Kredite zu verhandeln. Das Papier verliert an der Londoner Heimatbörse zwei Drittel seines Wertes. Vor allem die politischen Unruhen in Nordafrika machen dem Reiseveranstalter zu schaffen. Händler sprachen von "schlimmen Nachrichten".

Schweres Jahr für Lufthansa-Frachttochter
Im Sog der schwachen Reiseveranstalter-Titel fielen auch die Aktien der Lufthansa um über drei Prozent. Als zusätzliche Belastung erwiesen sich Medienberichte, wonach die Kapazitäten im Frachtverkehr für das erste Halbjahr 2012 um mindestens 20 Prozent gekappt worden seien. Andreas Otto, Produiktvorstand von Lufthansa Cargo,m hatte vor Journalisten gesagt, bei einem Konjunktureinbruch notfalls das Platzangebot drastisch um bis zu 25 Prozent zu reduzieren. Danach sehe es aber zurzeit nicht aus. "Wir erwarten keine Rezession", sagte er. 2012 werde ein schwieriges Jahr, Otto rechne aber immerhin mit einem Wachstum von drei Prozent in der Luftfahrtbranche. Das vorläufige Nachtflugverbot schadet der Lufthansa Cargo. Allein in diesem Jahr drohe dadurch ein Verlust von rund 15 Millionen Euro.

Hewlett-Packard enttäuscht
Der Computerriese Hewlett-Packard berichtete über ein enttäuschendes Quartal. Milliarden-Abschreibungen, die Überflutungen in Thailand und eine schwächere Nachfrage haben den Gewinn stark dezimiert. Zwar landeten unterm Strich noch 239 Millionen Dollar in den Kassen des weltgrößten PC-Herstellers - doch es waren gut 90 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Konzernumsatz sank um ein Prozent auf 32,12 Milliarden Dollar.

Was sonst noch wichtig war
Der Euro hat im heutigen Handelsverlauf um die Marke von 1,35 Dollar geschwankt. Aktuell steht die Gemeinschaftswährung bei 1,3520 Dollar.

Die Sanktionen gegen den Iran lassen derweil den Ölpreis ansteigen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg am Mittag um 91 Cents auf 107,79 Dollar. Die US-Sorte West-Texas Intermediate (WIT) verteuerte sich um 1,16 Dollar auf 98,08 Dollar. Von den beschlossenen Sanktionen gegen den Iran aufgrund seiner umstrittenen Atompolitik ist auch die Erdölindustrie betroffen. Da der Iran mit einer Produktion von 3,6 Millionen Barrel am Tag der zeitgrößte Ölproduzent innerhalb der Opec ist, erhöhe sich nach der Meinung der Commerzbank das Risiko von Angebotsengpässen.

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz