Marktbericht 15:00 Uhr

Daiwa sprintet, Sharp taucht ab Wachstumssorgen bremsen Börse in Tokio

Stand: 01.05.2013, 15:01 Uhr

Die Börse ruht nicht überall am Tag der Arbeit. Die Broker an der Wall Street werden heute arbeiten. Und auch in Asien waren einige Handelsplätze geöffnet, in Japan zum Beispiel. Die Rally dort machte zur Abwechslung mal Pause – mit Ausnahmen.

Die Verluste halten sich aber in Grenzen. Belastet von einem wieder etwas stärkeren Yen und enttäuschenden Quartalsbilanzen schloss der 225 Aktien umfassende Nikkei 0,4 Prozent tiefer bei 13.799 Punkten. Zudem schürten Konjunkturdaten aus China Wachstumssorgen. So hatte sich die Stimmung in den Führungsetagen chinesischer Industrieunternehmen im April etwas abgekühlt.

Wie der der Einkaufs- und Logistikverband (CFLP) nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch in Peking berichtete, fiel der Einkaufsmanagerindex im April von 50,9 auf 50,6 Punkte – erwartet worden war ein Stand von 51. Der leichte Rückgang deutet auf ein langsameres Wachstum des Produktionssektors und der Wirtschaft insgesamt hin. Wie ein Marktteilnehmer kommentierte, sei das Risiko, dass das weltweite Wirtschaftswachstum 2013 eher schwach ausfalle, nach wie vor hoch. Allerdings liegt der chinesische Index nun schon sieben Monate in Folge über der Schwelle von 50, ab der die Wirtschaft zu wachsen beginnt.

Auch andere asiatische Börsen notierten leichter. Der Stoxx Asia/Pacific 600, der die 600 größten Werte der Börsen in Australien, Hongkong, Japan, Neuseeland und Singapur enthält, verlor ein halbes Prozent auf 141,22 Punkte. In Australien ging der ASX 200 mit einem ähnlichen Tagesverlust bei 5.166,18 Punkten aus dem Handel. Die Börsen in China, Hongkong, Indien, Südkorea, Taiwan, Singapur, Malaysia, Thailand, Vietnam und den Philippinen sind wegen wegen des Maifeiertags so wie in Deutschland geschlossen.

Die beeindruckende Rally des Nikkei

Dass der Nikkei heute leichte Verluste verbuchte, verblasst angesichts der Rally der vergangenen Monate. Seit November 2012 hat der japanische Leitindex rund 60 Prozent an Wert gewonnen: von damals 9.000 Punkten arbeitete er sich nahe an 14.000 Punkte heran. Allein im April ging es 12 Prozent aufwärts. Da sind zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen, die die Aktienkurse drücken, normal. Und auch  auf kurze Sicht empfehlenswert, sagte Shun Maruyama von der Bank BNP Paribas. Bis zum Jahresende dürfte der Nikkei aber die Marke von 15.000 Punkten erreicht haben.

Stärkere Verluste bei Sharp

Besonders deutlich fiel am Mittwoch das Kurs-Minus beim LCD-Hersteller Sharp aus: minus vier Prozent. Das Unternehmen, das auch am deutschen Fernsehgerätehersteller Loewe beteiligt ist, dürfte tiefer in den roten Zahlen stecken als bislang angenommen. Der Verlust habe sich im vorigen Geschäftsjahr auf 500 Milliarden Yen (umgerechnet 3,86 Milliarden Euro) summiert, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Sharp sprach bislang von einem Minus von 450 Milliarden Yen.

Negativ auf die Sharp-Bilanz wirkt den Insidern zufolge die schwächere Nachfrage von Apple. Sharp beliefert den iPhone- und iPad-Hersteller mit Bildschirmen. Weil Apple zuletzt aber erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt einen Gewinnrückgang hinnehmen musste, schwächeln mittlerweile auch viele Zulieferer.

Japan Airlines auf Sinkflug

Für Aktien der Fluggesellschaft Japan Airlines ging es knapp vier Prozent abwärts. Das Unternehmen enttäuschte Investoren mit seinem Gewinnausblick. So wirken sich der schwächere Yen und die Probleme mit dem Langstreckenflieger Boeing 787 Dreamliner negativ aus.

Daiwa hebt ab

Doch es gibt auch Gewinner heute auf dem Parkett in Japan: Daiwa Securities. Die extrem lockere Geldpolitik in Japan hat dem zweitgrößten Wertpapier-Broker des Landes Gewinne satt beschert. In den Monaten Januar bis März verdiente der Rivale des japanischen Marktführers Nomura 379 Millionen Euro. Das ist der höchste Quartalsgewinn seit sieben Jahren und es ist das Vierfache des Gewinns von vor einem Jahr.

Wall Street macht es spannend

Für die Wall Street zeichnet sich heute nach den ADP-Daten ein uneinheitlicher Auftakt ab. Während der Terminkontrakt auf den Leitindex Dow Jones zuletzt 0,1 Prozent schwächer tendierte, gewann der Future auf den Technologieindex Nasdaq 100 rund 0,1 Prozent hinzu.

Zu wenig neue Jobs in den USA?

US-Firmen halten sich bei Neueinstellungen zurück, wie die neueste Statistik des privaten Arbeitsvermittler ADP zeigt. Im April schufen sie lediglich 119.000 neue Arbeitsplätze. Das war weniger, als Volkswirte erwartet hatten. Der Durchschnitt der Schätzungen lag bei 150.000 neuen Stellen. Zudem revidierte die ADP die Zahlen für März nach unten. Es waren nur 131.000 neue Jobs - zunächst war von 158.000 Arbeitsplätzen die Rede.

Was macht die Fed?

Angesichts der unerwartet schwachen Zahlen schauen Marktteilnehmer umso gespannter auf die Zinssitzung der US-Notenbank Fed an diesem Abend. Experten gehen aber davon aus, dass sie an ihrer ultralockeren Strategie festhalten wird, da die US-Wirtschaft im Frühjahr an Fahrt verloren hat. Daher dürfte sie weder ihr Anleihekaufprogramm verringern, noch den Leitzinskorridor von null bis 0,25 Prozent verändern.

Dennoch gebe es nach wie vor genug Spielraum für den Markt, um nach Anzeichen für eine Wende in dieser Politik zu suchen, kommentierte Händlerin Anita Paluch von Gekko Markets.

Merck & Co senkt Prognose

Auf Unternehmensseite fielen unter anderem die Aktien von Merck & Co mit einem vorbörslichen Kursverlust von mehr als vier Prozent auf, nachdem der US-Pharmakonzern seine Prognose gesenkt hatte.

Anteilsscheine von Dreamworks dagegen sprangen vorbörslich um mehr als neun Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, im ersten Quartal einen Gewinn erzielt zu haben.

bs

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr