Wachsende Zuversicht

Lothar Gries

Stand: 07.04.2008, 20:01 Uhr

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kreditkrise haben am Montag an den Aktienmärkten für Auftrieb gesorgt. Besonders gefragt waren Finanzwerte. Unterstützung gab es auch aus Amerika.

Der deutsche Leitindex setzte am Abend seinen Erholungskurs fort und legte um 48 Punkte auf 6830 Zähler zu. Zwar belasteten Spekulationen über neue Abschreibungen bei der Dresdner Bank den Kurs des Mutterkonzerns Allianz. Doch sorgte die Einschätzung der Analysten der US-Bank Merrill Lynch, die schlimmsten Risiken der Finanzkrise seien vorüber, für neuen Optimismus, besonders bei den Finanzwerten. Die in den vergangenen Monaten heftig gebeutelte Aktie der Hypo Real Estate gehörte deshalb auch nach Tui und der Deutschen Börse zu den größten Kursgewinnern im Dax.

Unbeeindruckt zeigten sich die Anleger auch vom Auftakt des Schadensersatzprozesses gegen die Deutschen Telekom vor dem Frankfurter Oberlandesgericht.. Wie erwartet hat die Telekom einen von den Anwälten vorgeschlagenen Vergleich abgelehnt. Für Überraschung sorgte die niedrige Präsenz von Aktionären in der eigens zu diesem Zweck angemieteten Halle. Nur etwa 30 der insgesamt 16000 Kläger waren anwesend. Die Telekom Aktie legt knapp zwei Prozent zu.

US-Anleger fassen wieder Mut

Die wichtigsten US-Börsen sind zum Wochenauftakt freundlich in den Handel gestartet. Eine mögliche Kapitalspritze für Washington Mutual belebte ebenso die Stimmung wie neue Hoffnungen auf eine weitere Leitzinssenkung nach den schwachen Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag, sagten Börsianer. Außerdem habe die allgemeine Besorgnis über die Finanzkrise etwas nachgelassen, die Marktteilnehmer fassten wieder Mut.

Post bei Postbank noch in "Beratungsphase"
Die Deutsche Post hat Erwartungen auf einen baldigen Verkauf der Postbank gedämpft. Sie sieht sich bei einem Verkauf der Postbank nicht unter Zeitdruck und trennt sich möglicherweise auf absehbare Zeit nicht von dem Institut. "Es stimmt: wir brauchen Klarheit. Aber Klarheit kann auch bedeuten, auf absehbare Zeit nicht zu verkaufen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, in einem vorab veröffentlichten Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe) mit Blick auf die Postbank. Für einen Verkauf gebe es möglicherweise bessere Zeiten als eine Phase einer Finanzkrise.

Verwirrung um IKB
Die ums Überleben kämpfende Mittelstandsbank IKB hat ein weiteres Opfer gefordert. Zwar gibt es bei der Bank zunächst keinen weiteren Abschreibungsbedarf, doch erklärte KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Meyer am Nachmittag ihren Rücktritt .Die Staatsbank ist größte Aktionärin der IKB und muss für 2007 einen verlust von 6,2 Milliarden Euro ausweisen. Die im SDax notierte Aktie verlor zeitweise mehr als sieben Prozent.

Bietet WestLB für IKB?
Die WestLB will angeblich für eine halbe Milliarde Euro das Mittelstandsgeschäft der von der Finanzkrise schwer angeschlagenen Bank IKB übernehmen. Der WestLB-Aufsichtsrat habe nach der Auslagerung von risikobehafteten Krediten in Höhe von 23 Milliarden Euro grünes Licht für den IKB-Kauf gegeben, schreibt das Nachrichtenmagazin Focus. Die Sparkassen, Miteigentümer der WestLB, sprechen sich allerdings gegen einen Kauf der IKB aus. Neben der WestLB hat auch die BayernLB Interesse an der IKB bekundet.

Dresdner Bank mit neuen Milliardenabschreibungen?
Die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank muss angeblich mehr als eine Milliarde Euro im ersten Quartal abschreiben. Die Marktlage habe sich im März weiter verschlechtert, so dass die Prognosen der Allianz-Tochter von Ende Februar nicht mehr gültig seien, hieß es. Allianz-Finanzchef Helmut Perlet hatte am 21. Februar weitere Wertberichtigungen bei der Banktochter von bis zu 400 Millionen Euro prognostiziert. In einem Bericht des "Platow Brief" war Ende vergangener Woche von neuen Belastungen im ersten Quartal von einer Milliarde Euro die Rede. Sprecher der Bank und auch der Konzernmutter Allianz lehnten eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Die Allianz-Aktie notiert im freundlichen Marktumfeld etwa unverändert.

Steigt Apax bei QSC ein?
Die Aktien des Telekommunikationsunternehmens QSC klettern um mehr als 16 Prozent an die Spitze im TecDax. Händler erklärten den Kurssprung mit Gerüchten über einen bevorstehenden Einstieg des Finanzinvestors Apax. Entsprechende Spekulationen waren bereits Anfang März aufgekommen. Apax hatte die Marktgerüchte über einen Einstieg bei QSC seinerzeit zurückgewiesen. Der Finanzinvestor ist Großaktionär beim QSC-Konkurrenten Versatel.

Yahoo grundsätzlich zu Übernahme bereit
Der Internet-Konzern Yahoo hat sich erstmals grundsätzlich zu einer Übernahme durch den Softwareriesen Microsoft bereiterklärt. Allerdings sei das bisherige Angebot nach wie vor zu niedrig. Dies teilte die Yahoo-Spitze am Montag in einem offenen Brief an Microsoft mit. Der Software-Konzern hatte Yahoo am Wochenende ein Ultimatum gestellt und eine Einigung binnen drei Wochen gefordert. Andernfalls will Microsoft eine feindliche Übernahme anstreben. Aktien von Yahoo haben am Montag vorbörslichen US-Handel 1,97 Prozent auf 27,80 Dollar verloren

Hugo Boss an Mdax-Spitze
Hugo Boss-Aktien sind die größten Gewinner im Mdax. Der Mehrheitsaktionär des Modekonzerns, der Finanzinvestor Permira, will einem "WirtschaftsWoche"-Interview zufolge wenigstens "vier bis fünf Jahre an Bord bleiben" und in dieser Zeit "mehr investieren als je zuvor in der Unternehmensgeschichte".

Solon ziehen an
Der im TecDax notierte Solarkonzern Solon hat seine bekannte vorläufige Jahresbilanz bestätigt. Demnach erhöhte die Firma ihren Umsatz um 45 Prozent auf 503,1 Millionen Euro. Der Gewinn stieg um 47,9 Prozent auf 21,3 Millionen Euro. Solon bestätigte zudem die Prognosen für 2008 und 2009 und kündigte an, über 45 Millionen Euro in die Produktion zu investieren. Kapitalmaßnahmen seien deswegen nicht geplant, sagte Vorstandschef Thomas Krupke der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktie setzt sich mit einem Plus von mehr als sechs Prozent an die TecDax-Spitze.

Auch andere Solarwerte ziehen überdurchschnittlich stark an, die Papiere von Solarworld und Q-Cells verteuern sich um mehr als zwei Prozent. Die Aktien der ebenfalls im Solarbereich tätigen Firma Powerbags sorngen gar um bis zu 70 Prozent in die Höhe. Allerdings hat sich Powerbags in der Vergangenheit als Wertvernichter erwiesen. Der Kurs fiel von 17 Euro im April letzten Jahres auf zuletzt einen Euro.

Air Berlin größter Gewinner im S-Dax
Nach dem geplanten Einstieg des US-Milliardärs Leonard Blawatnik bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft macht die Aktie einen Satz nach oben. Vorstandschef Joachim Hunold sagte, er habe den Eindruck, dass es sich bei Blawatnik um "einen über jeden Zweifel erhabenen Investor handelt, der offensichtlich Interesse an einem langfristigen Engagement hat".

Pro7 will Sat.1 behalten
Ungeachtet des Interesses des Münchener Bezahlsenders Premiere am Konkurrenten Sat.1 bekräftigte das Mutterhaus Pro7 am Nachmittag, an Sat1 festhalten zu wollen. "Wir haben nicht die Absicht, zu verkaufen und führen auch keine Gespräche in diese Richtung", sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Montag auf Anfrage in München. Der Chef des Bezahlsenders Premiere Michael Börnicke, hatte in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" Interesse an Sat.1 signalisiert. "Wir sind daran interessiert, Sat.1 zu kaufen. Der Berliner Sender würde ideal zu uns passen", sagte er. Die ProSiebenSat.1-Aktie, im MDax notiert, legt überdurchschnittlich zu.

Arcandor bekräftigt Interesse an Kaufhof
Der im MDax notierte Handelskonzern Arcandor ist weiter an der Übernahme der Metro-Tochter Kaufhof interessiert. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sagte, es gebe ein großes Synergiepotenzial, wenn die bei beiden Warenhausunternehmen Karstadt und Kaufhof fusionieren würden. Middelhof bezifferte die möglichen Einsparungen auf rund 400 Millionen Euro. Derzeit gebe es zwar noch keine Verhandlungen über einen Zusammenschluss der beiden Warenhäuser, sagte Middelhof weiter. Arcandor habe aber bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben.

US-Investor stockt bei Pfleiderer auf
Der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) hat seine Beteiligung an dem
Holzverarbeiter Pfleiderer erhöht. Wie Pfleiderer am Nachmittag bekanntgab, hält OEP nun 20,4 Prozent an Pfleiderer. Der US-Investor war erst im Januar mit 15 Prozent bei dem Unternehmen aus Neumarkt in der Oberpfalz eingestiegen. OEP sieht sich als langfristiger Investor und plant früheren Angaben zufolge keine Übernahme des Herstellers von Spanplatten und Laminatböden. Pfleiderer-Chef Hans Overdiek zeigte sich erst am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz zufrieden mit seinem Großinvestor und fürchtet auch keine Übernahme.

Comdirect und Sino mit rückläufigen Orders
Die beiden Onlinebroker Comdirect und Sino haben ihre Orderzahlen für März veröffentlicht. Comdirect verzeichnete im März einen Rückgang der Handelszahlen von 3,9 Prozent im Monatsvergleich. Zugleich aber meldete Comdirect ein Kundenwachstum um 3,2 Prozent. Bei dem auf so genannte "Heavy Trader" spezialisierten Broker Sino fiel das Handelsminus mit 10,5 Prozent deutlich stärker aus. Um 0,3 Prozent steigt die Comdirect-Aktie, Sino-Papiere verlieren 0,4 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)