Wachsam bleiben!

von Detlev Landmesser

Stand: 08.03.2007, 20:25 Uhr

Drei Gewinntage in Folge haben den Dax wieder über die Marke von 6.700 Punkten befördert. In Sicherheit sollte man sich deswegen aber nicht wiegen. Denn die Kurse werden nicht allein in Deutschland gemacht.

Angesichts der jüngsten Verwerfungen haben die Börsianer derzeit vor allem ein Auge auf die asiatischen Börsen - wo es heute ebenfalls Kursgewinne gab - und den Devisenmarkt, wo sich der Dollar gegenüber dem Yen erholte. Das deutet darauf hin, dass die Kapitalrückflüsse in den Yen zumindest abgenommen haben. Die US-Börsen waren jedenfalls bis zum Abend gut aufgelegt, wenn auch die Kurse im Verlauf etwas bröckelten. Der L-Dax ging mit 6.720,22 Punkten aus dem Handel.

Auch von der Europäischen Zentralbank kam zumindest kein Störfeuer. Wie erwartet, erhöhten die Währungshüter ihren Leitzins am Donnerstag zum siebten Mal in Folge auf nun 3,75 Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet stellte in der nachfolgenden Pressekonferenz "entschlossenes und rechtzeitiges" Handeln in Aussicht, was von den meisten Experten als Signal für zumindest eine weitere Zinserhöhung im laufenden Jahr gedeutet wurde.

VW-Aktie wieder dreistellig

Die Aktie von Volkswagen war erneut stark gefragt, und erreichte erstmals seit Juli 1998 wieder die Marke von (umgerechnet) 100 Euro. In den vergangenen Tagen war über einen Aufkäufer bei dem Autotitel spekuliert worden, vielleicht im Zusammenhang mit der geplanten Nutzfahrzeug-Allianz.

UBS mag Bayer
Noch einen Tick besser tendierte die Bayer-Aktie. Die Schweizer Großbank UBS hat eine Kaufempfehlung für das Papier ausgesprochen und das Kursziel von 45 auf 60 Euro erhöht.

Salzgitter stellt sich breiter auf
Der Stahlkonzern Salzgitter übernimmt 78 Prozent an den Klöckner-Werken für einen nicht genannten Preis von der in Insolvenz befindlichen WCM. Die Aktien aller Beteiligten profitierten. Die Klöckner-Werke gewannen zeitweise ein Drittel an Wert.

Angesichts der Transaktion rückten die Jahresergebnisse von Salzgitter etwas in den Hintergrund. Der Konzern hat 2006 seinen Umsatz von 7,15 auf 8,45 Milliarden Euro verbessern können. Der um Sonderfaktoren bereinigte Vorsteuergewinn kletterte von 803 auf 948 Millionen Euro.

Die Transaktion hatte einen kuriosen Nebeneffekt auf den im MDax notierten Stahlhändler Klöckner & Co. Das Papier wurde irrtümlich von der Deutschen Börse vom Handel ausgesetzt, und knüpfte nach der mehrstündigen Unterbrechung etwas verhaltener an seine Aufwärtstendenz wegen einer Empfehlung der UBS an. Außer der in gemeinsamen Wurzeln begründeten Namensgleichheit gibt es zwischen KlöCo und den Klöckner-Werken keine Verbindung mehr.

Stühlerücken bei der Deutschen Börse
Die Deutsche Börse machte aber vor allem mit der Ablösung von zwei Vorständen von sich reden. Finanzvorstand Mathias Hlubek hat nach wochenlangem Machtkampf sein Amt niedergelegt. Auch Vorstand Matthias Ganz ist mit sofortiger Wirkung ausgeschieden. Die Börsen-Aktie legte daraufhin überdurchschnittlich zu. Der Vorstandsumbau nährt die Spekulation, dass der Konzern sich eine neue Struktur geben könnte. Nach einem dpa-Bericht plant die Börse die Umstrukturierung in eine Holding mit mehreren separaten Tochterunternehmen und kommt damit der Forderung angelsächsischer Großaktionäre entgegen.

Lufthansa auf Wachstumskurs
Die Lufthansa-Aktie konnte von dem optimistischen Ausblick der Airline nicht profitieren. Dieses Jahr soll der Fluggesellschaft erneute Ergebnisverbesserungen bringen. Das operative Ergebnis soll das Vorjahresniveau von 845 Millionen übertreffen. Spätestens 2008 will die Lufthansa bei dieser Ergebnisgröße die Marke von einer Milliarde Euro knacken.

Tui-Fantasie gedämpft
Größter der nur drei Dax-Verlierer war die Tui-Aktie. Am Mittwoch habe der Markt zwar noch die Anteilskäufe des ägyptischen Investors Hamed El Chiaty gefeiert, sagte ein Händler. Doch dieser unterstütze die Strategie von Vorstandschef Frenzel, die keine Aufspaltung des Konzerns vorsehe - damit werde es nun immer schwieriger, das Unternehmen zu zerschlagen.

SAP: Mittelstands-Software kommt später
Die Aktie von SAP machte trotz einer schlechten Nachricht Boden gut. Der deutsche Software-Primus bringt sein neues Produkt für mittelständische Firmenkunden später als bislang angekündigt auf den Markt. Die neue Software soll nun frühestens im zweiten Quartal verfügbar sein. Noch Ende Januar hatte SAP angekündigt, die unter dem Arbeitstitel "A1S" laufende neue Software werde bis Ende März am Markt verfügbar sein. Mit signifikanten Umsatzzuwächsen durch A1S sei in diesem Jahr aber noch nicht zu rechnen.

SGL Carbon fühlt sich topfit
Der Grafitspezialist SGL Carbon hat den Jahresüberschuss 2006 um 46 Prozent auf 40,7 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz kletterte um elf Prozent auf 1,19 Milliarden Euro und lag damit ebenso wie der Jahresüberschuss über den Analystenerwartungen. Die SGL-Aktie profitierte auch vom starken Ausblick für 2007. SGL rechnet mit einem Ebit von mehr als 192 Millionen Euro und liegt damit über den bisherigen Analystenerwartungen von 176 Millionen Euro.

Tarifeinigung hilft Lanxess und Wacker
Nach dem ersten großen Tarifabschluss des Jahres in der chemischen Industrie bauten die beiden MDax-Chemiekonzerne Lanxess und Wacker ihre Kursgewinne aus. Die 550.000 Beschäftigten der Branche erhalten 3,6 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von 13 Monaten. Arbeitgeber wie Gewerkschaft äußerten sich zufrieden über den Abschluss.

Stada an Merck-Sparte interessiert?
Für die Merck KGaA wird es langsam spannend. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern rechnet laut der "Financial Times Deutschland" beim angestrebten Verkauf der Generikasparte mit einem Erlös von fünf Milliarden Euro. Grund seien die vielen Interessenten. Nach Informationen von Reuters ist auch der Generikahersteller Stada interessiert. Darüber hinaus dürften auch Finanzinvestoren ihren Hut in den Ring werfen.

Conergy zapft Institutionelle an
Die Conergy-Aktie rutschte im späten Parketthandel ins Minus. Der Solarmodulhersteller will sein Kapital unter Auschluss des Bezugsrechts um bis zu zehn Prozent erhöhen. "Der Erlös der Kapitalerhöhung dient der Finanzierung des weiteren Wachstums", teilte das TecDax-Unternehmen nach Xetra-Schluss mit. Der Platzierungspreis wird im beschleunigten Bookbuilding ermittelt. Die Platzierung der knapp drei Millionen Aktien richte sich ausschließlich an institutionelle Anleger.

Air Berlin steigt in der Kundengunst
Auch die Aktie von Air Berlin war gefragt. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat zusammen mit ihrer Tochter dba hat im Februar 12,3 Prozent mehr Fluggäste befördert. Insgesamt lag die Passagierzahl bei 1,3 Millionen. Die Auslastung konnte um 1,9 Prozentpunkte auf 68,6 Prozent verbessert werden.

Telegate mit schwachen Zahlen
Die zweitgrößte deutsche Telefonauskunft Telegate hat 2006 trotz eines Umsatzzuwachses von 19 Prozent auf 179 Millionen einen Gewinneinbruch erlitten. Der Profit sank von 27 auf nur noch sechs Millionen Euro. Das Unternehmen machte die Expansion nach Frankreich für die schwache Entwicklung verantwortlich.

Zapf erholt
Der angeschlagene Puppenhersteller Zapf Creation hat sich im vergangenen Jahr zumindest operativ, also unter Ausklammerung von Zinsen und Steuern, deutlich besser als 2005 geschlagen. Das Ebit konnte von minus 12,3 auf 0,8 Millionen Euro verbessert werden.

MVV gefragt
Über vier Prozent gewann die Aktie von MVV Energie. Händler verwiesen auf das anhaltende Interesse des Energieversorgers EnBW an einem Ausbau des aktuellen Anteils von 15 Prozent an dem Mannheimer Unternehmen. Ein Ausbau der Beteiligung wäre strategisch sinnvoll, teilte EnBW am Nachmittag mit. Am Mittwochabend hatte die Stadt Mannheim bestätigt, dass sie sich von Anteilen an MVV trennen will und auf der Suche nach einem strategischen Partner sei.

"Drillisch willisch"
Die Drillisch-Aktie legte über drei Prozent zu. Der Mobilfunkdienstleister hat einen neuen Großaktionär. Der britische Hedge-Fonds Montrica Investment Management hält mehr als sechs Prozent der Drillisch-Anteile.

10tacle obenauf
Gut zwei Prozent gewann die 10tacle-Aktie. Der Computerspiel-Produzent hat sich im vergangenen Jahr ganz hervorragend geschlagen. Der Umsatz stieg um 62 Prozent auf 29 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) konnte von 1,7 auf 4,7 Millionen Euro sogar mehr als verdoppelt werden.

Kromi doch noch glücklich gestartet
Nach der kurzfristigen Verschiebung des IPO hat es der Werkzeug-Logistiker Kromi am Donnerstag doch noch an die Börse geschafft. Nachdem das Unternehmen seine Aktien mit einem Festpreis von 20 Euro angeboten hatte, griffen die Anleger zu. Der erste Kurs lag bei 22 Euro, danach kletterte die Notierung weiter.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr