VW verhindert Dax-Katastrophe

Stand: 27.10.2008, 20:05 Uhr

Die Kursexplosion der VW-Aktie hat den Dax nach vier verlustreichen Handelstagen ins Plus gehievt. Ohne Volkswagen war der Montag aber ein äußerst verlustreicher Handelstag, mit Gewinnwarnungen und Konjunktursorgen.

Die unfassbaren Kursgewinne der Volkswagen-Stammaktie ließ die Händler an der Frankfurter Börse sprachlos zurück. So etwas habe man noch nie erlebt, lautete die lahme Einschätzung, "unglaublich", "Wahnsinn".

Was war passiert? Die VW-Stammaktie legte im Tagesverlauf bis zu 200 Prozent zu. Zeitweise musste für eine VW-Aktie, die am Freitag 210 Euro kostete, 635 Euro bezahlt werden. Den Xetra-Handel beendete das Papier mit einem Aufschlag von 147 Prozent bei 520 Euro, im Parketthandel rutschte der Kurs dann auf 471 Euro.

Die extremen Zugewinne der VW-Aktie waren offenbar massiven Leerverkäufen zu verdanken. Am Wochenende hatte der Automobilkonzern Porsche mitgeteilt, dass er 42,6 Prozent der VW-Stammaktien besitze. Außerdem halte man weitere 35,1 Prozent über Optionen. Händler, die auf sinkende Kurse gesetzt und geliehene VW-Aktien verkauft hatten, kamen dadurch in Zugzwang. Denn weil nun nur noch wenige VW-Aktien im Streubesitz sind, wurden die Händler gezwungen, nahezu jeden Preis zu zahlen, um ihre Positionen zu decken.

Dax mit VW-Gewinn
Der Dax beschloss den Xetra-Handel dank VW mit einem kleinen Plus von 0,9 Prozent bei 4.335 Punkten. Der LDax rutschte wegen der Verluste der VW-Aktie auf dem Parkett auf 4.287 Punkte.

Die um VW bereinigte Kurstafel sah katastrophal aus. Ohne Volkswagen stände der Xetra-Dax 434 Punkte oder 10,0 Prozentpunkte tiefer bei 3.901 Punkten. Denn was sonst im Dax passierte, war die in den vergangenen Tagen und Wochen bereits häufig leidvoll ertragene Mischung aus Gewinnwarnungen und schlechten Bilanzen. Kein Wert außer VW schloss im Plus, 13 hingegen mit zweistelligen Verlusten bis zu 24 Prozent.

Ifo mies, Wall Street schwach
Der weiter gefallene ifo-Index trug seinen Teil zum miserablen Abschneiden der meisten Dax-Werte bei. Von 92,9 rutschte das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer auf 90,2 Punkte, den tiefsten Stand seit 2003.

Die Wall Street sorgte zunächst dafür, dass es am Nachmittag nicht noch schlimmer kam. Bis zu zwei Prozent notierte der Dow Jones im Plus, bis 20 Uhr waren allerdings auch diese Kursgewinne wieder Geschichte. Gegen Handelsende beschleunigte sich die Talfahrt in den USA, der Dow Jones schloss schließlich 2,4 Prozent schwächer bei 8.176 Punkten.

Die Ankündigung von EZB-Chef Jean-Claude Trichet, dass die EZB angesichts immer düster werdender wirtschaftlicher Aussichten in der kommenden Woche die Leitzinsen senken könnte, verhallte ungehört. Die Marktteilnehmer gehen inzwischen offenbar fest davon aus, dass die EZB die Zinsen senken wird.

Postbank mit erstem Quartalsverlust
Den ersten Quartalsverlust seit ihrem Börsengang, nämlich 449 Millionen Euro, bilanzierte die Postbank. Der Konzern begründete dies unter anderem mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Wegen der nun sehr dünn gewordenen Eigenkapitaldecke muss der Konzern sein Kapital um rund eine Milliarde Euro erhöhen. Die Postbank Mutter Deutsche Post erklärte sich bereit, die Kapitalerhöhung notfalls alleine zu zeichnen. Die Aktie der Deutschen Bank verlor 15 Prozent, der Konzern muss nach der Kapitalerhöhung etwa 300 Millionen Euro mehr für seinen Postbankanteil bezahlen als bisher vereinbart.

Post erwartet schwierige Zeiten
Die Aktie der Deutschen Post verlor 17 Prozent. Der Logistikkonzern verbuchte im dritten Quartal einen Gewinnrückgang. Außerdem senkte die Post ihren Jahresausblick, beim Ebit erwartet die Firma nun 500 Millionen Euro weniger. 2009 soll wegen der Wirtschaftsprobleme ebenfalls ein schwieriges Jahr werden, so die Post. Am Abend senkte die Ratingagentur S&P den Ausblick für die Deutsche Post auf "Negativ".

BMW und Daimler legen Produktion still
Der Stuttgarter Autokonzern Daimler will wegen des heftigen Nachfragerückgangs die Produktion im Werk in Sindelfingen gegen Ende des Jahres für fünf Wochen stilllegen. Daimler verhandelt jetzt auch mit den Betriebsräten in allen elf deutschen Werken über eine verlängerten Produktionspause über Weihnachten. BMW hat wie geplant seine Produktion in Leipzig für vier Tage unterbrochen. Damit werden 2.600 Autos weniger montiert. Daimler-Aktien verloren neun Prozent, BMW-Papiere schlossen 5,9 Prozent schwächer.

Merck senkt die Prognose
Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat im dritten Quartal mit einem Gewinnanstieg um sechs Prozent auf 309 Millionen Euro die Erwartungen getroffen. Der Konzern senkte aber die Jahresumsatzprognose und das Ziel für operative Marge leicht. Die Aktie verlor acht Prozent.

K+S verhalten optimistisch
Der Düngemittelkonzern K+S hält an seiner bereits mehrmals angehobenen Jahresprognose fest. Es gebe keinen Grund, daran zu rütteln, sagte Konzernchef Norbert Steiner in einem Zeitungsinterview. Allerdings habe die Nachfrage in den vergangenen Wochen nachgelassen, und die Krise greife auch auf die Großkunden in der Landwirtschaft über. Die Anleger gaben sich gelassen, K+S-Papiere verloren 1,4 Prozent.

Software AG wird empfohlen
Nach einem positiven Analystenkommentar schlossen die Aktien der Software AG 13,5 Prozent höher. "Wir beurteilen Software AG positiv, da die Stabilität der Sparte Enterprise Transaction Systems die Schwäche bei webMethods teilweise wettmachen wird", urteilten die Analysten von JP Morgan. Außerdem seien die Aktien des Darmstädter Unternehmens günstig bewertet. Am Freitag hatte die im TecDax notierte Software AG überraschend gute Geschäftszahlen vorgelegt.

Kontron bestätigt die Prognose
Der Minicomputerhersteller Kontron hat seine Gesamtjahresprognose anlässlich der Vorstellung seiner Quartalszahlen bestätigt. Die Bilanz selber fiel ebenfalls nach Plan aus. Das Ebit ging von 16,8 auf 12,6 Millionen Euro zurück. Der Umsatz stieg auf 123,8 Millionen Euro. Die Aktie verlor 2,4 Prozent.

Repower verdoppelt den Umsatz
Der Windanlagenhersteller Repower hat im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres seinen Umsatz auf 530 Millionen Euro verdoppelt. Das teilte das Unternehmen am Abend mit. Damit ist Repower auf gutem Weg, sein Ziel von einer Milliarde Euro Umsatz zu erreichen. Dennoch verlor die Aktie 31,2 Prozent. Der Großaktionär Suzlon verzichtet zunächst darauf, seine Beteiligung an Repower weiter auszubauen. Der Windkraftanlagen-Hersteller hatte zuvor bekannt gegeben, dass die Banken ihre Wachstumsfinanzierung vom Verzicht auf den geplanten Beherrschungsvertrag durch Suzlon abhängig machten.

Centrotherms Kapitalerhöhung
Das im TecDax notierte Solarunternehmen Centrotherm will seine neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung für je 20 Euro anbieten. Damit liege der Bezugspreis rund 38 Prozent unter dem Bezugspreis von je 32,50 Euro, den die Hartung Beteiligungs GmbH für die von ihr gegen Sacheinlage zu beziehenden neuen Aktien entrichten wird, teilte das Unternehmen mit.

SDax-Nachrichten
Der Agrar- und Baustoffhändler Baywa hat seine Geschäftsprognose für 2008 angehoben. Der Konzern rechnet nun mit einem Vorsteuergewinn von "deutlich" über 100 Millionen Euro. Bisher waren "90 Millionen plus X" angepeilt worden. Der Leasing-Anbieter Grenkeleasing hat im dritten Quartal einen Gewinnrückgang von 9,3 auf 8,6 Millionen Euro verbucht. Die Firma verwies auf steuerliche Sondereffekte. Die Kursverluste bei der Aktie halten sich aber in Grenzen.

Mensch & Maschine
Das Softwareunternehmen Mensch & Maschine hat in den ersten drei Quartalen seinen Umsatz um sieben Prozent auf 170,8 Millionen Euro verbessert. Der Gewinn kletterte um elf Prozent auf 4,62 Millionen Euro.

Ryanair ist optimistisch
Die Billigfluglinie Ryanair zeigt sich zuversichtlich, auch in schwierigen Zeiten schwarze Zahlen schreiben zu können. "Wenn der Ölpreis bei 70 Dollar bleibt, machen wir Gewinn", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Für 2009 stellte er einen Gewinn von 400 bis 500 Millionen Euro in Aussicht.

Verizon steigert Gewinn und Umsatz
Die zweitgrößte amerikanische Telekomkonzern Verizon hat mit seiner aktuellen Bilanz genau die Erwartungen getroffen. Der Gewinn stieg von 0,63 Dollar je Aktie auf 0,66 Dollar zu. Der Umsatz kletterte leicht auf 24,8 Milliarden Dollar. Die Aktie steigt um mehr als zwölf Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr