Marktbericht 20:04 Uhr

Dax im Abwärtssog VW-Skandal sorgt für Schockzustände

Stand: 22.09.2015, 20:04 Uhr

Die Krise bei VW hat den Dax deutlich unter die Marke von 10.000 Punkten gedrückt. Die VW-Aktie erlebte wie schon am Vortag ein Desaster und zog den gesamten Aktienmarkt kräftig in den Keller. Der Dax verlor fast 400 Punkte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.325,44
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-1,77%

Zum Handelsschluss stand für den deutschen Leitindex ein saftiger Tagesverlust von 3,8 Prozent oder 377 Punkten auf der Anzeigetafel. Der Dax beendete den Handel damit bei 9.570 Zählern in der Nähe seines Tagestiefs bei 9.558 Punkten. Dabei ging es den ganzen Tag über meist konstant bergab, es gab kaum nennenswerte Gegenwehr von Schnäppchenjägern. Im Späthandel ging es ganz leicht bergauf, der L/E-Dax schloss bei 9.602 Punkten.

Die Marke von 10.000 Punkten, die am Morgen beim Tageshoch von 9.974 Punkten noch in Reichweite schien, rückte immer mehr in weite Ferne. Damit verzeichnete der Index heute eine bemerkenswerte Tagesschwankung von 416 Punkten. Das gibt es wirklich nicht alle Tage, zeigt aber, wie nervös die Anleger derzeit sind.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Auch technisch hat sich die Situation mit dem anhaltenden Ausverkauf deutlich verschlechtert. Mit dem Rutsch unter das gestrige Tagestief (9.785) sendete der Dax ein weiteres Verkaufssignal. Nun deutet vieles auf einen Test des August-Tiefs hin. Bis zur Marke von 9.338 Punkten sind jedenfalls keine nennenswerten Unterstützungen auszumachen.

VW zieht den Dax nach unten

Die Sorge, wie stark der Volkswagen-Skandal seine Kreise ziehe und auch andere Werte "Made in Germany" belaste, setze dem deutschen Aktienmarkt zu, sagt Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Unter Führung des Wolfsburger Autobauers fielen auch die anderen Autoaktien zurück (inklusive der Zulieferer, die meistens im MDax notiert sind).

Die VW-Aktie setzte dabei ihren gestrigen Kurssturz ungebremst fort und verlor 19,82 Prozent, etwa so viel wie am Vortag. Seit Freitagabend wurden damit rund 27 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung vernichtet, etwa der Börsenwert der Münchener Rück. Die hohen Daimler-Verluste von 7,02 Prozent bescherten dem Index dabei mit 63 Punkten sogar mehr Verluste als das Desaster der VW-Vorzugsaktie, das den Dax bisher gut 44 Zähler kostete. Gewinner gab es keine, alle 30 Dax-Aktien schlossen im Minus.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,84
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-0,15%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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50,41
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-0,69%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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72,53
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Winterkorn will nicht zurücktreten

Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG auf der Hannover Messe 2015

VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Firmenchef Martin Winterkorn hat am Nachmittag in einer Video-Botschaft erklärt, er werde nicht zurücktreten. Er sprach vom Fehlverhalten einiger weniger, für die die übrigen 600.000 VW-Angestellten nicht verantwortlich gemacht werden könnten. Gerüchte, der VW-Chef werde zurücktreten, erwiesen sich damit als haltlos. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat, der unter anderem über die Verlängerung des Vertrages von Winterkorn entscheiden soll.

Gewinnwarnung bei der Porsche SE

Im Sog der VW-Krise muss auch der Hauptaktionär Porsche Holding Federn lassen. Das Gewinnziel werden wegen der hohen Rückstellungen belastet sein, erklärte die Holding. Sie hält die Mehrheit der VW-Stammaktien und wird von den Familien Porsche und Piech kontrolliert. Das Ergebnis müsse entsprechend dem VW-Kapitalanteil von 31,5 Prozent angepasst werden. Bisher wurde ein Konzernergebnis nach Steuern zwischen 2,8 und 3,8 Milliarden Euro erwartet. Die Aktie verlor mit dem VW-Papier ebenfalls deutlich.

Auch K+S kommt unter die Räder

Zwischen die schwachen Autoaktien schob sich am späten Nachmittag noch die K+S-Aktie, die mit einem Abschlag von 8,29 Prozent ebenfalls zu den schwächsten Dax-Werten gehörte. Grund für den Ausverkauf waren Äußerungen von Potash-Chef Jochen Tilk, der erklärte, man stehe derzeit nicht in Kontakt mit dem Kasseler Unternehmen.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,15
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-0,75%

Damit entweicht immer mehr die Übernahmefantasie aus der Aktie. Die kanadische Potash war am Kasseler Konkurrenten "dran", das Interesse scheint sich aber mittlerweile abgekühlt zu haben. Endgültig entschieden ist die Sache aber noch nicht. Wer jedenfalls auf ein feindliches Übernahmeangebot gesetzt hatte, ist bisher enttäuscht worden.

New York leichter, Euro schwächt sich ab

An der Wall Street stehen aktuell die Sorgen um die Weltwirtschaft auf der Agenda und drücken den Leitindex Dow Jones. Dieser verliert aktuell knapp 1,6 Prozent, auch die anderen Indizes tendieren leichter. Die Stimmung der Anleger sei momentan wegen der globalen Wachstumssorgen nicht gut, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Devisenhändler Oanda.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.493,08
Differenz relativ
-1,89%

Unter anderem lasten die Unsicherheiten wegen der vorerst verschobenen Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank (Fed) auf der Kauflaune. Das Fehlen richtungweisender Wirtschaftsdaten mache das Ganze nicht besser, weil die Anleger ein paar positive Impulse bräuchten, um wieder zuzugreifen, erklärte der Experte weiter.

Euro und Rohstoffe verlieren ebenfalls

Schwacher Tag auch für den Euro, der am Mittag nach unten abdrehte und unter die Marke von 1,12 Dollar fiel. Insgesamt tendierte der Handel ohne klare Impulse. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1155 nach 1,1250 US-Dollar am Vortag fest.

Fallende Öl- und Kupferpreise belasten die Rohstoffmärkte. Sie sind ebenfalls ausdruck der tiefen Verunsicherung des Marktes über die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. Kupfer verlor über 3,5 Prozent auf nur noch knapp über 5.000 Dollar je Tonne, auch Eisenerzpreise fielen zurück. China gilt als einer der weltgrößten Nachfrager für die Industriemetalle. An der Börse in London tendierten die Rohstoffaktien schwach und belasteten den Leitindex FTSE 100. Innerhalb des Index sind diese Aktien schwer gewichtet, ähnlich wie bei uns die Autoaktien.

FTSE 100: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
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7.064,92
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-0,77%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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70,56
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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60,21
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-0,15%

wenig los war auch am Ölmarkt, wo der Preis für die Nordseesorte Brent gut ein halbes Prozent fiel. Damit bleibt die Notierung weiter auf niedrigem Niveau unter der Marke von 50 Dollar je Barrell (159 Liter).

Versorger verlieren weiter

Fast schon unbemerkt setzte sich derweil auch der Ausverkauf bei den Versorgern dramatisch fort. RWE-Aktien schlossen am Tagestief bei 9,87 Euro und fallen damit auf ein 24-Jahres-Tief. Eon sackten bis auf 7,38 Euro ab. Der Markt sorgt sich, dass der gesetzlich festgeschriebene Rückbau der Atomkraftwerke die Unternehmen überfordern könnte. Existenzsorgen machen sich seitdem breit, anders können diese Kursverluste wohl nicht mehr interpretiert werden.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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18,44
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-0,70%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,69
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Neue Fantasie bei Lanxess

Der Spezialchemiekonzern hat mit dem saudischen Ölkonzern Saudi Aramco einen Joint-Venture-Partner für sein Kautschukgeschäft gefunden. Die Saudis zahlen für 50 Prozent der Geschäfte 1,2 Milliarden Euro in bar. Lanxess hält den Rest und übernimmt die operative Führung.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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54,42
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Lanxess ist Weltmarktführer im Kautschukgeschäft und bringt 20 Werke mit 3.700 Mitarbeitern ein. Konzernchef Matthias Zachert sprach von einer sehr starken Wettbewerbsposition für das Kautschukgeschäft, das immer noch schwächelt. Die Umbaupläne kommen gut an. Die seit gestern im MDax notierte Lanxess-Aktie, die lange Zeit gegen den Markt sogar im Plus war, verlor am Ende ein halbes Prozent.

Südzucker: Der Turnaround läuft

Im MDax schnellte die Südzucker-Aktie nach einer Erhöhung der Jahresprognose prozentual zweistellig nach oben. Aufgrund der positiven Entwicklung der Bioethanolerlöse erwartet Südzucker nunmehr für das Geschäftsjahr 2015/16 ein operatives Konzernergebnis von 180 bis 230 (Vorjahr: 181) Millionen Euro. Zuvor hatte auch die Tochter Cropenergies ihre Prognose erhöht.

Stahlaktien im Outokumpu-Sog

Ein pessimistischer Ausblick hat beim finnischen Stahlkonzern Outokumpu den größten Kurssturz seit eineinhalb Jahren ausgelöst. Die Aktie fällt in Helsinki auf ein Rekordtief. Im Sog von Outokumpu gerieten auch Anteilsscheine von Salzgitter, ThyssenKrupp und ArcelorMittal sowie Aktien des Stahlhändlers Klöckner & Co. unter Druck.

Mittelfrist-Ziele schieben VTG an

VTG

VTG: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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53,00
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Im SDax war die VTG-Aktie der mit Abstand größte Gewinner. Das Unternehmen hat am Morgen seine mittelfristigen Ziele bekannt gegeben. Der Vorstand hat sich bis 2018 das Ziel gesetzt, den Gewinn je Aktie (EPS) auf 2,50 Euro zu steigern, was fast einer Verdreifachung gegenüber dem 2014er Wert entspricht (0,93 Euro).

Hat TwinTec die Abgas-Lösung?

Kräftig gefragt waren die im Entry Standrard gehandelkten Aktien der Twintec AG. Denn das Unternehmen erklärte am Nachmittag, dass die selbst entworfene SCR-Technologie für genauere Messungen bei Diesel-Motoren eingesetzt werden kann. Nicht nur der VW-Skandal, auch die Einführung neuer Abgasnormen in Europa ab 2017 und 2018 könnte dem Unternehmen also in die Hände spielen. Die Aktie legte deutlich zu.

Xella wagt Sprung an die Börse

Der Duisburger Baustoffkonzern Xella will noch in diesem Jahr den Sprung an die Frankfurter Börse schaffen. Laut einem Insider streben die Duisburger bei ihrem Börsengang ein Emissionsvolumen von rund einer Milliarde Euro an, der Streubesitz soll rund 40 Prozent betragen.

rm

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr