Marktbericht 20:02 Uhr

Maues Ende einer guten Aktienwoche Vorweihnachtliche Ruhe an den Börsen

Stand: 27.11.2015, 20:02 Uhr

In den USA hat am Freitag die Weihnachts-Shoppingsaison begonnen. Der große Kundenansturm blieb jedoch aus. Auch an den Börsen hielt sich die Kauflaune in Grenzen. Der Dax schloss leicht im Minus. Nun hoffen die Anleger auf "Weihnachtsmann" Mario Draghi.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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Die Vorfreude auf weitere Geldgeschenke des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) trieb in der abgelaufenen Woche Europas Börsen nach oben. Der EuroStoxx50 legte auf Wochensicht ein Prozent, der Dax gar 1,6 Prozent zu. Am kommenden Donnerstag wollen die Währungshüter voraussichtlich die monatlichen Anleihenkäufe ausweiten und die Strafzinsen auf Einlagen bei den Notenbanken anheben. "Die Bullen scharren schon mit den Hufen beim Gedanken an das erwartete zusätzliche Liquiditäts-Doping durch die Europäische Zentralbank", erklärte Analyst Andreas Paciorek von CMC Markets.

Chinas Börsen stürzen ab

Am Freitag stoppte der Kurssturz an den chinesischen Börsen den jüngsten Höhenflug von Dax & Co. Der deutsche Leitindex gab 0,2 Prozent nach und fiel unter die Marke von 11.300 Punkten. Ähnliche Verluste verzeichneten der EuroStoxx50 und der französische Cac40. Die Börsen in Shanghai und Shenzhen brachen um 5,5 Prozent ein. Es war der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen im August. Als Grund nannten Händler neue Schritte der chinesischen Börsenaufsicht im Kampf gegen Aktienspekulationen auf Pump. Zudem gingen die Gewinne der chinesischen Firme den fünften Monat in Folge zurück - um 4,6 Prozent im Oktober.

Selbstbewußte Bullen

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Angesichts der hohen Kursverluste in China habe sich der Dax gut behauptet, meinte Marktexperte Paciorek von CMC Markets. "Dies ist ein Zeichen des Selbstbewusstseins der Bullen, genährt durch die Aussicht auf eine spendierfreudige EZB am Donnerstag." Aus charttechnischer Sicht erscheint der Dax weiterhin in starker Verfassung: Die 200-Tage-Linie und Abwärtstrendlinie vom Allzeithoch wurde hinter sich gelassen.

Amerikaner shoppen lieber online

An der Wall Street kamen die Kurse zum Wochenschluss nicht voran. Der Dow schloss im verkürzten Handel nahezu unverändert bei 17.798 Zähler. Viele Anleger nutzten den "Brückentag" nach dem gestrigen "Thanksgiving"-Feiertag für einen verlängerten Urlaub. Im Blickpunkt standen Konsumaktien wegen des "Black Friday". Der große Ansturm auf die Geschäfte hielt sich in Grenzen. Analysten von Suntrost Robinson Humphrey sprachen gar von einer Riesen-Enttäuschung. Stattdessen kauften viele Amerikaner ihre Waren im Internet.Die meisten Einzelhandels-Aktien gaben nach.

Gutes Konsumklima in Deutschland

In Deutschland herrscht gedämpfte vorweihnachtliche Konsumfreude. Wie das GfK-Konsumklima-Barometer für Dezember ergab, stieg pünktlich zum Weihnachtsgeschäft erstmals seit fünf Monaten die Neigung zu größeren Anschaffungen wieder. Insgesamt wollen die Bundesbürger durchschnittlich 274 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Zwar sind das elf Euro weniger als zu Weihnachten 2014, allerdings spendeten die Menschen im laufenden Jahr deutlich mehr - etwa für Flüchtlinge.

Gold auf tiefstem Stand seit fast sechs Jahren

Der Euro verlor am Freitag weiter an Boden. Die Gemeinschaftswährung sackte auf 1,0592 Dollar ab. Der US-Dollar gewann zu fast allen Währungen. Die schwachen Konjunkturdaten aus China drückten die Rohstpoffpreise bach unten. Öl und Kupfer gingen auf Talfahrt. Der Goldpreis rutschte gar auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren. Eine Feinunze des gelben Edelmetalls verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 1.057 Dollar sowie 998 Euro.

Infineon auf 13-Jahres-Hoch

Im Dax setzte Infineon seinen gestrigen Höhenflug fort. Die Aktie kletterte um 3,6 Prozent nach oben und war erneut größter Gewinner im deutschen Leitindex. Mit 13,60 Euro notierte Infineon auf dem höchsten Stand seit über 13 Jahren. Nach den gestrigen Geschäftszahlen äußerten sich viele Analysten positiv zur Infineon-Aktie und hoben ihre Kursziele an. Die Zielmarken reichen bis zu 15,50 Euro. Die Baader Bank traut dem Wert das zu.

Merck will Allergie-Geschäft abstoßen

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck denkt laut einem Bericht von Bloomberg über den Verkauf seines Allergie-Geschäfts nach. Der Verkauf könnte dem Unternehmen demnach etwa 600 Millionen Euro einbringen. Interesse könne es von Pharmafirmen und institutionellen Investoren geben. Die Überlegungen befänden sich noch in einem frühen Stadium. Die Merck-Aktie schloss fast unverändert.

VW beendet Gewinnserie

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nach einer zehntägigen Erholungsrally ging es erstmals wieder für die VW-Aktien abwärts. Sie hatten in den letzten zehn Handelstagen gut 30 Prozent gewonnen. Nach Bekanntwerden des Abgasskandals Anfang Oktobver hatten die VW-Zitel allerdings fast die Hälfte an Wert eingebüßt.

Versorger sacken ab

Am Dax-Ende rangierten mal wieder die Versorger. Die Aktien von RWE verloren 3,4 Prozent, die Titel von Eon 2,5 Prozent. Ein Händler nannte als Grund, dass Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) weiter für einen raschen Kohleausstieg einsetzt. Zudem kündigte die niederändische Großbank ING an, künftig keine Kohlekraftwerke mehr finanzieren zu wollen. Schließlich belasteten auch noch negative Analystenkommentare die Versorger. HSBC empfahl Eon und RWE zum Verkauf und senkte das Kursziel für RWE.

Aareal Bank wird abgestuft

Schlusslicht im MDax war die Aareal Bank mit einem Minus von fast vier Prozent. Die Analysten der Privatbank Berenberg haben die Aktie zum Verkaufen empfohlen. Das Kursziel sieht Berenberg bei 30 Euro. Der Zinsüberschuss des Immobilienfinanzierers könnte 2016 unter Druck geraten, hieß es zur Begründung. Zudem dürften die Kreditausfälle langsamer als vom Markt erwartet sinken und die Ausschüttungen an die Aktionäre enttäuschen.

Goldman beflügelt Nordex

Im TecDax war dagegen Nordex der Favorit. Die Aktien des Windkraftanlagenbauers profitierten von einer positiven Analystenkommentar von Goldman Sachs und stiegen um 3,6 Prozent. Die Experten haben das Kursziel von 35 auf 38 Euro angehoben. Die Auftragseingänge, der Umsatz und die Gewinnmargen entwickelten sich besser als gedacht, hieß es.

Stabile Zahlen von Stabilus

Der Auto- und Industriezulieferer Stabilus aus dem SDax hat im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 seinen Umsatz um 21 Prozent auf 611 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern Ebit legte um 17 auf 76 Millionen Euro zu. Dem Konzern gelang damit eine Punktlandung. Im laufenden Jahr strebt Stabilus einen Umsatz von 660 Millionen Euro und eine Ebit-Marge von 12 bis 13 Prozent an. Die Aktie steigt um 1,5 Prozent.

Mögliche Indexänderungen im Dezember

Am 3. Dezember könnte sich im MDax, SDax und TecDax die Zusammensetzung ändern. Der Arbeitskreis Aktienindizes trifft sich, um über Änderungen zu beraten. Als mögliche MDax-Aufsteiger gelten die Bayer-Kunststofftochter Covestro und der Werbevermarkter Ströer. Der Autozulieferer Schaeffler und das Online-Portal Scout24 könnten in den SDax aufrücken. Im TecDax wetteifern der Wind- und Solarparkbetreiber Chorus Clean Energy sowie die Wacker-Chemie-Tochter Siltronic um einen Platz.

BHF-Bank wird wohl französisch

In der deutschen Bankenlandschaft tut sich wieder etwas: Die französische Privatbank Oddo & Cie hat am Freitag ein Angebot für die Traditionsbank BHF Kleinwort Benson abgegeben. Oddo bietet den Anteilseignern der in Belgien notierten Gruppe, zu der die BHF Bank gehört, 5,75 Euro je Aktie - 65 Cenbt mehr als die chinesische Fosun in Aussicht gestellt hatte. Die Franzosen können auf die Unterstützung von Großaktionären wie etwa dem BMW-Erben Stefan Quandt zählen.

LG hofft auf OLED-iPhones

Der südkoreanische Bildschirm-Hersteller LG Display investiert umgerechnet 8,2 Milliarden Euro in eine Fabrik für Displays mit der so genannten OLED-Technologie. Die Fertigungsstätte soll in Südkorea entstehen und die Produktion im ersten Halbjahr 2018 aufnehmen, teilte der Weltmarktführer bei Flüssigkristall-Bildschirmen mit. Laut der japanischen "Nikkei Asian Review" zufolge baut LG Display die neue Fabrik in der Erwartung, dass Apple für seine iPhones ab 2018 auf die OLED-Technologie setzt. Diese Hoffnungen beflügelten bereits gestern japanische Elektronik-Werte.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin