Vorübergehend auf Jahreshoch

Stand: 15.04.2010, 20:02 Uhr

Bis auf 6.310 Punkte ist der Dax heute geklettert und hat damit ein neues Jahreshoch markiert. Doch die Freude währte nur kurz. Bis zum Handelsschluss muss der Leitindex seine Gewinne weitgehend wieder abgeben.

Gedämpft wurde die Stimmung am Abend von der Lage an der Wall Street. Nach einem kurzen Anstieg büßte der Dow Jones-Index seine Gewinne wieder ein. Zum Handelsschluss in Frankfurt notiert der Leitindex 17 Punkte höher bei 11.140. Mit einem entsprechend bescheidenen Plus geht auch der Dax aus dem Abendhandel bei 6.294 Punkten, neun mehr als gestern.

Auslöser dieser Talfahrt waren die gemischt ausgefallenen amerikanischen Konjunkturdaten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in der vergangenen Woche überraschend stark auf 484.000 gestiegen. Experten hatten mit einem Anstieg auf 440.000 Erstanträge gerechnet. Daraufhin rutschten die Kurse ab. Gleichzeitig haben sich aber die wichtigen Frühindikatoren Empire State-Index und Philly Fed-Index deutlich aufgehellt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das genügte, um die Kurse an der Wall Street und an den europäischen Aktienmärkten kurzzeitig wieder ins Plus zu hieven.

Dass die Märkte nicht heftiger auf den Anstieg der US-Arbeitslosenzahlen reagierten, verdanken sie den guten Unternehmenszahlen. Vor allem die überraschend gute Geschäftsentwicklung beim weltgrößten Paketdienst UPS hat die Börsen am Donnerstag gestützt. Freude löste auch die Nachricht über die Wachstumszahlen der chinesischen Wirtschaft aus.

Positive Grundstimmung
Marktteilnehmer gehen deshalb davon aus, dass die Grundstimmung am Aktienmarkt positiv bleibt. Dafür dürften die Impulse von der Bilanzsaison sorgen. Ihnen werde größere Bedeutung zugemessen als Konjunkturdaten", sagte ein weiterer Händler. Neben UPS hatten gestern bereits der weltgrößte Chip-Hersteller Intel und die US-Großbank JP Morgan die Anleger mit ihren Zahlen überzeugt. Auch die Aussicht auf eine anhaltende Niedrigzinsphase in den USA nach den jüngsten Aussagen von Notenbankchef Ben Bernanke stützt die Aktienkurse.

Mit Spannung werden auch die Zahlen von Google erwartet, die am Abend nach Börsenschluss erwartet werden. Am morgigen Freitag stehen dann die Quartalszahlen des US-Elektronikkonzerns General Electric auf der Agenda. Auch die Bank of America wird ihre Zahlen veröffentlichen.

Moeller-Maersk im Asien-Rausch
In der Hoffnung auf steigende Gewinne haben Anleger die Aktien der weltgrößten Container-Reederei Moeller-Maersk heute kräftig zugekauft und auf den höchsten Stand seit Herbst 2008 getrieben. Grund sind Händlern zufolge die starken Wachstumsraten in China und anderen asiatischen Ländern, die zu einem steigenden Warenumschlag und entsprechenden Frachtraten führen dürften.

Davon können bis zum Handelsschluss auch die im MDax gelisteten Aktien des Hapag-Lloyd-Großaktionärs TUI profitieren. Sie notieren knapp drei Prozent höher.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,78
Differenz relativ
+1,31%

Deutsche Post profitiert von UPS
Größter Gewinner im Dax bleiben bis zum Schluss die Aktien der Deutschen Post. Die Papiere profitieren von den überraschend guten Zahlen des US-Paketdienstes UPS, die bei Anlegern Hoffnungen auf ähnlich positive Zahlen beim deutschen Logistik-Konzern nähren.

Syngenta schiebt K+S an
Die Aktien des Kali- und Düngemittelkonzerns K+S gehören ebenfalls zu den besten Werten im Dax. Händler begründeten den Anstieg mit den guten Vorgaben des Pflanzenschutz-Konzerns Syngenta. Die Schweizer hatten am Morgen zwar rückläufige Umsätze fürs erste Quartal vorgelegt, sorgten mit einem positiven Ausblick aber für Optimismus. Einem Börsianer zufolge befinden sich die Papiere von K+S zudem in einer charttechnisch günstigen Situation.

ProSiebenSat.1 an MDax-Spitze
Im Nebenwertesegment sind die Aktien der Senderkette ProSiebenSat.1 die größten Gewinner. Analysten der Barclays Bank sehen einen positiven Trend auf dem Werbemarkt und haben ihr Kursziel für die Medienaktie von 13 auf 16 Euro erhöht.

Gerresheimer haussieren erneut
Einen Tag nach Vorlage der Quartalszahlen legen auch die Papiere von Gerresheimer weiter zu und klettern auf ein 16-Monats-Hoch. Es gebe klare Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage, schrieb HSBC-Analyst Tobias Britsch. Positiv sei außerdem die Reduzierung der Schuldenlast. Britsch stufte die Titel auf "Overweight" hoch und hob sein Kursziel auf 31 von 25 Euro an. Auch die DZ Bank empfahl die Papiere zum Kauf.

Kaufspekulationen treiben Hugo Boss
Übernahmegerüchte haben die Stammaktien von Hugo Boss bei stark überdurchschnittlichen Umsätzen zeitweise um bis zu 6,5 Prozent auf ein 20-Monats Hoch von 26,10 Euro getrieben. Der Einzug der Brüder Luca und Gaetano Marzotto in den Aufsichtsrat von Hugo Boss hatte Spekulationen über einen Verkauf des schwäbischen Modehersteller ausgelöst. Haupteigner Permira hat jedoch Verkaufsgerüchte dementiert. daraufhin büßte die Aktie einen Teil ihrer Gewinne wieder ein.

Aareal im Sog der Immobilienkrise
Größter Verlierer im MDax ist die Aktie der Wiesbadener Aareal Bank. Grund sind alarmierende Berichte über drohende Milliardenverluste der Banken bei Gewerbeimmobilien. Der Markt sei spekulativ überhitzt, heißt es in den Berichten, die auf den Milliardenverlust eines Immobilienfonds der US-Bank Morgan Stanley verweisen.

Bilfinger überzeugt nicht
Nur mäßig voran kommt die Aktie des Baukonzerns Bilfinger Berger, der heute zur Hauptversammlung eingeladen hatte. "Wir blicken mit Zuversicht auf 2010", sagte Konzernchef Herbert Bodner vor den Aktionären. Er erwartet weiterhin eine Zunahme der Gesamtleistung und eine überproportionale Steigerung beim operativen Ergebnis. Die australischen Aktivitäten sollen weiterhin an die Börse gebracht werden.

GK Software überraschen
Die Aktien von GK Software, einem Entwickler von Software für den Einzelhandel, springen zeitweise um mehr als sechs Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hat 2009 das mit Abstand beste Geschäftsjahr seiner Geschichte absolviert. Mit einem Umsatzwachstum von über 50 Prozent wurde gleichzeitig die im vergangenen Herbst bereits angehobene Prognose noch einmal deutlich übertroffen.

Roche kommt voran
Beim Pharmakonzern Roche reagieren die Anleger auf überraschend gute Quartalszahlen. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2010 seinen Umsatz um neun Prozent auf 12,24 Milliarden Franken gesteigert. Vor allem die hohe Nachfrage nach Krebsmitteln hatte die Erlöse beflügelt.

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