Vorsichtiger Optimismus

Stand: 04.07.2011, 20:02 Uhr

In der vergangenen Woche hatte die Aussicht auf eine Abwendung der Staatspleite Griechenlands dem Leitindex bereits einen Kurszuwachs von mehr als vier Prozent beschert. Diese Zuversicht hat dem Dax auch am ersten Handelstag der neuen Woche weitere Kursgewinne beschert.

Der Dax schließt auch im Abendhandel 0,2 Prozent höher bei 7437 Zählern und legt damit den fünften Börsentag in Folge zu. "Europas Märkte präsentieren sich sehr viel freundlicher als noch vor einer Woche", sagte Händler Darren Sinden von Silverwind Securities. "Die Bären sind an die Seitenlinie verbannt worden." Gestützt wird der Markt von der anhaltenden Erleichterung über die vorläufige Entschärfung der Griechenland-Krise.

Die Finanzminister der Euro-Zone haben am Wochenende die nächste Milliarden-Hilfstranche für das hoch verschuldete Land freigegeben. Hinzu kommen positive Analystenkommentare, die einzelnen Aktien zu teils kräftigen Kursgewinnen verhelfen. Die Drohung der Ratingagentur S&P, die Verlängerung von Laufzeiten griechischer Staatsanleihen könnten als teilweiser Zahlungsausfall gewertet werden, hatten nur kurzfristig für Irritationen gesorgt.

Ausblick positiv
Für Optimismus sorgten auch die Einschätzungen der Großbanken. So nahm die Deutsche Bank ihren taktischen Ausblick für Aktien auf "positiv" herauf. Auch die Analysten von JP Morgan empfahlen Aktienanlegern, sich infolge abnehmender Risiken im Juli wieder stärker hervorzuwagen. Insgesamt mangelte es den Anlegern aber an Impulsen, da die sonst viel beachteten US-Börsen wegen dem heutigen Independance Day geschlossen blieben. Entsprechend gering waren die Umsätze in Europa.

Der Euro klettert am Abend deutlich über die Marke von 1,45 Dollar. Die Ölpreise haben sich kaum verändert. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August kostete gegen Abend 111,62 US-Dollar. Das waren 15 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg indes um 32 Cent auf 95,26 Dollar.

Goldman hievt K+S an Dax-Spitze
Die Papiere von K+S sind heute der stärkste Wert im Dax. Die Titel des Salz- und Düngemittelherstellers legen bis zum Xetra-Schluss um 2,5 Prozent auf 54,80 Euro zu. Grund ist eine Kaufempfehlung von Goldman Sachs. Deren Analysten fügten die Aktien zur "conviction buy list" hinzu und erhöhten das Kursziel auf 83 von 75 Euro. Die steigenden Kalipreise infolge einer starken Nachfrage lägen über den Markterwartungen, zitierten Händler aus der Goldman-Studie.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Anleger bejubeln VW
Die Nachricht, dass VW nun 55,9 Prozent der MAN-Anteile hält, wird von den Anlegern mit einem kräftigen Kursplus begrüßt. Während die MAN-Aktien um zwei Prozent fallen und damit ans Dax-Ende rutschen, gehören die Vorzüge der Wolfsburger zu den größten Gewinnern im Dax. VW will zusammen mit MAN und Scania eine Dreier-Allianz im Lkw-Markt schmieden. Sollte VW weiter zukaufen und der Streubesitz bei MAN unter 10 Prozent fallen, könnte MAN sogar aus dem Dax fallen.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
Differenz relativ
-1,45%
Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,64
Differenz relativ
+2,24%

Bayer hofft auf Xarelto
Zu den stärksten Werten im Dax gehört auch die Aktie von Bayer. Nachdem das Papier in der vergangenen Woche wegen der Meldung über ein Konkurrenzprodukt des Thrombosemittels Xarelto tief abgerutscht war, sorgt die Zulassung für das Medikament Xarelto durch die US-Gesundheitsbehörde FDA heute für Freude. Geld verdienen konnten die Bayer-Aktionäre in den vergangenen Jahren aber nur dank der Dividende.

Auch das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck vermeldet Fortschritte. Dabei geht es das Medikament Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs. Einer neuen Analyse zufolge kann das Präparat bei bestimmten Patienten lebensverlängernd wirken. Merck hatte im März bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA einen neuen Anlauf für die Zulassung des Mittels bei dieser schwer zu behandelnden Krebsart genommen. Die Aktie legt zu.

Stada hochgelobt
Die Aktie des Generika-Herstellers Stada legt mehr als fünf Prozent zu und ist damit der stärkste Wert im MDax. Der Titel reagiert damit auf eine Hochstufung durch die Analysten von JP Morgan, die das Papier nun mit "übergewichten" nach zuvor "neutral" einstufen. Den fairen Wert sehen sie bei 37 Euro. Die Aktie notiert heute bei 28,50.

Praktiker schockt, Hornbach lockt
Am anderen Ende des MDax rauscht dagegen die Aktie der Baumarktkette Praktiker zweistellig in den Keller. Damit reagieren die Anleger auf eine Gewinnwarnung, die Praktiker bereits am Freitag herausgegeben hatte. Die Commerzbank hat Praktiker inzwischen zum Verkauf empfohlen. Die Analysten von Cheuvreux senkten das Kursziel auf vier von 7,40 Euro und bekräftigten ihre Bewertung "Underperform".

Dagegen verhelfen die letzte Woche vom Konkurrenten Hornbach verkündeten guten Zahlen der im SDax gelisteten Aktie zu einem kräftigen Auftrieb. Die Papiere der Pfälzer Baumarktkette klettern um 4,8 Prozent und gehören damit zu den stärksten Werten im Kleinwertesegment.

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,04
Differenz relativ
-0,03%

Merrill mag Fraport
Dank einer positiven Analystenstimme gehören auch Fraport mit plus 2,5 Prozent zu den größeren MDax-Gewinnern. Laut Merrill Lynch könnte der Flughafenbetreiber demnächst seine Gewinnerwartungen anheben. Das Anlageurteil wurde gleich um zwei Stufen von "underperform" auf "buy" nach oben justiert.

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2,74
Differenz relativ
+12,96%

"Gratisaktien" heiß begehrt
Bei Gerry Weber, Neumitglied im MDax, greifen die Anleger zu, nachdem das Unternehmen für jeden Anteilsschein eine "Gratisaktie" ausgegeben hat. Die optische verschlankte Aktie liegt mehr als drei Prozent im Plus.

Den gleichen Schritt will der Mietwagen-Konzern Sixt heute nach Handelsschluss vollziehen. Die Berichtigungsaktien im Verhältnis eins zu eins aus einer Kapitalerhöhung werden am Dienstag zugeteilt. Damit verringert sich auch der optische Wert der Sixt-Aktie ab morgen um die Hälfte.

ProSieben ohne Dividende
Zu den Verlierern im MDax gehören auch die Aktien von ProSiebenSat.1. Sie werden heute ex Dividende gehandelt. Die Ausschüttung beträgt 1,14 Euro je Aktie. Der Schlusskurs am Freitag hatte bei 20,66 Euro gelegen.

Zynga 20 Milliarden Dollar wert
Der "FarmVille"-Anbieter Zynga will bei seinem Börsengang mindestens eine Milliarde Dollar einnehmen. Der 45 Jahre alte Zynga-Gründer Mark Pincus wird dabei zumindest auf dem Papier zum Milliardär, wie aus den eingereichten Unterlagen hervorgeht. Nach Informationen der New York Times könnte Zynga letztlich zwei Milliarden Dollar einsammeln - 10 Prozent der Anteile bei einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"