Vorsicht bleibt das oberste Gebot

Stand: 13.03.2009, 20:01 Uhr

Nur kurzzeitig schaffte der Dax heute den Sprung über die Marke von 4 000 Zählern. Doch dann verließ die Anleger der Mut und sie folgten dem negativen Trend an der Wall Street.

Auf Wochensicht schafft der Dax allerdings ein sattes Plus von knapp acht Prozent.
"Viele Anleger trauen dem Braten aber nicht", betonte ein Marktteilnehmer. Die Kurse seien von Anlegern getrieben worden, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hätten und sich dann eindecken mussten, weil sie angesichts des Anstiegs auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Andere Aktienhändler sprachen schlicht von Gewinnmitnahmen nach der Kurserholung der letzten Tage. Dennoch sehen sich einige Analysten in ihrer Vermutung bestärkt, dass an den Märkten eine Bodenbildung im Gange ist.

Dabei hatte es am Vormittag noch sehr gut ausgesehen. Zum ersten Mal seit über drei Wochen war der Dax über die Hürde von 4 000 Zählern geklettert. Doch wegen der schwächelnden Wall Street, die um den Vortageswert von 7180 Punkten, pendelt, musste auch der Dax im Tagesverlauf seine Gewinne wieder abgeben. Selbst positive Nachrichten von den US-Banken Citigroup und Bank of America, wonach sie keine weiteren staatlichen Hilfen mehr benötigen, konnten die Märkte nicht umstimmen. Denn noch immer ist unklar, was die US-Regierung tun wird, um die Bilanzen der Banken zu bereinigen. Für die moderate Entwicklung in New York sind vor allem die sinkenden Kurse der Technologiewerte verantwortlich.

Nachdem der Dax den elektronischen Handel mit einem hauchdünnen Verlust von 2,6 Zählern bei 3 953 beendete, schloss auch der Abendhandel knapp fünf Punkte tiefer bei 3976.

Bank of America erwartet Gewinn
Die vom US-Staat mit vielen Milliarden gestützte Bank of America dürfte nach Worten ihres Chefs keine weiteren Hilfen benötigen. Bankchef Kenneth Lewis sagte zudem, er rechne für dieses Jahr vor Steuern und Sonderbelastungen mit einem Gewinn von rund 50 Milliarden Dollar. Die US-Regierung hatte erst im Januar weitere 20 Milliarden Dollar in die Bank of America pumpen müssen, nachdem das Finanzloch bei der übernommenen Investmentbank Merrill Lynch drastisch größer ausfiel als erwartet.

T-Online-Aktionäre erhalten bescheidenen Nachschlag
Die Aktionäre der früheren Telekom-Tochter T-Online erhalten einen Nachschlag für ihre eingezogenen Aktien. Das Frankfurter Landgericht legte heute eine Quote von 1,15 Euro pro Aktie fest, den die Telekom zahlen muss. T-Online war im Jahr 2000 als eigenständige Aktiengesellschaft an die Börse gebracht und nach sechs Jahren gegen den Willen vieler Anleger wieder mit dem Mutterkonzern verschmolzen
worden. Die Mehrheitseigentümerin Telekom hatte den Aktionären pro T-Online-Aktie 8,99 Euro angeboten und später einen Aktientausch durchgesetzt.

HRE benötigt bis zu zehn Miliarden
Hypo-Real-Estate-Großaktionär J.C. Flowers hat erstmals konkrete Angaben zum Kapitalbedarf der angeschlagenen Immobilienbank gemacht. "Laut Markteinschätzung beziffert sich der Bedarf der HRE an neuem Kernkapital auf sechs bis zehn Milliarden Euro", heißt es in einer am Freitag im Internet veröffentlichten Stellungnahme des Investors für den Bundestag-Finanzausschuss. Vor diesem wird sich Flowers am Montag im Rahmen einer Anhörung zum geplanten Enteignungsgesetz äußern.

K+S-Aktie profitiert von Kaufstopp
Die Entscheidung des Düngemittelkonzerns K+S, die Übernahme des amerikanischen Salzunternehmens Compass Minerals zu verschieben, hat der Aktie mächtig Auftrieb gegeben. Die Papiere kletterten zeitweise um mehr als sechs Prozent. Laut FTD soll das Projekt zunächst einmal auf Eis zu legen. Gestern hatte K+S auch seine Jahresbilanz veröffentlicht. Vor allem der schwache Ausblick stieß bei den Aktionären nicht auf Gegenliebe, die Aktie verlor daher deutlich.

Rheinmetall und MAN
Die Titel des Rüstungsunternehmens profitieren von Aussagen seines Vorstandschefs, Klaus Eberhardt zu "gemeinsamen Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der militärischen Radfahrzeuge". In der Branche wird spekuliert, dass aus einer Kooperation von Rheinmetall-Landfahrzeuge mit den Militär-Lkw von MAN mittelfristig ein Gemeinschaftsunternehmen entstehen könnte. Ein solches Bündnis wäre ein Brückenschlag zwischen dem klassischen Rüstungsgeschäft mit gepanzerten Fahrzeugen sowie dem umkämpften Markt für Militärtransporter.

MLP größter MDax-Gewinner
Die Aktien des Finanzberaters MLP legen um mehr als 18 Prozent zu. Grund ist das Interesse des drittgrößten deutschen Versicherungskonzerns Talanx an einem Einstieg bei MLP und dessen Schweizer Konkurrenten Swiss Life. "Die Gespräche sind in einem frühen Stadium, Entscheidungen sind noch nicht gefallen", sagte ein Talanx-Sprecher. Die Financial Times Deutschland berichtet, dass Talanx einen Teil der MLP-Aktien von Swiss Life kaufen und sich mit rund zehn Prozent an dem größten Schweizer Lebensversicherer beteiligen wolle.

Qiagen unter Konkurrenzdruck
Die Aktien des Biotechzulieferers Qiagen sind nach der Zulassung eines Konkurrenzproduktes in den USA unter Druck geraten. Qiagen-Aktien fallen in einem festeren Gesamtmarkt ins Minus und geben mehr als sieben Prozent nach. Zuvor hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA zwei Tests des US-Wettbewerbers Hologic zum Nachweis des Humanen Papillomavirus genehmigt, das Gebärmutterhalskrebs verursacht. Für Qiagen ist sein HPV-Test ein wichtiger Wachstumstreiber. er generiert ein Viertel des Umsatzes.

Dyckerhoff sieht schwarz
Der im SDax notierte Baustoff-Spezialist Dyckerhoff hebt seine Dividende für 2008 deutlich an. Wie das Unternehmen am Nachmittag mitteilte, sollen 2,0 (2007: 1,32) Euro je Stamm- und Vorzugsaktie gezahlt werden. Dabei ist das operative Ergebnis 2008 im Vergleich zum Vorjahr von 434,1 Millionen Euro auf 414,7 Millionen Euro gesunken. Nur dank eines deutlich geringeren Steueraufwandes stieg der Überschuss um sieben Prozent auf 306,7 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen wegen der Wirtschaftskrise einen sehr deutlichen Rückgang des Ergebnisses. Die Aktie sinkt.

United Internet von Kaufgerüchten getrieben
Die Aktien von United Internet haben am Freitag mit einem Kurssprung von zeitweise rund 19 Prozent auf einen Bericht über ein Kaufinteresse der spanischen Telefonica reagiert. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, der spanische Telekommunikationskonzern interessiere sich sowohl für das Unternehmen aus Montabaur als auch für die Hamburger Telecom-Italia-Tochter Hansenet. Telefonica und United Internet wollten sich nicht äußern.

Q-Cells will mit Chinesen arbeiten
Der deutsche Solarkonzern Q-Cells und der chinesische Waferhersteller LDK Solar wollen ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Die beiden Firmen hätten ein Joint Venture beim Bundeskartellamt zur Prüfung angemeldet, teilte die Behörde mit. Q-Cells und LDK arbeiten seit längerem zusammen, kürzlich hat sich das TecDax-Unternehmen über einen Liefervertrag weitere Mengen an Siliziumwafern bei LDK gesichert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen