Marktbericht 20:02

Fed macht Hoffnung Von wegen Verschnaufpause

Stand: 29.10.2013, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf weiterhin billiges Geld hat den Dax am Dienstag auf neue Höhen getrieben. Der Leitindex schloss erstmals in seiner Geschichte über der Schwelle von 9.000 Punkten. Noch freundlicher ist die Stimmung an der Wall Street.

Dort legt der Dow Jones-Index gleich zur Eröffnung um 0,3 Prozent zu und weitet seine Gewinne im Tagesverlauf immer weiter aus auf 15.671 Punkte, ein Plus von 0,6 Prozent. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der amerikanische Leitindex bei 15.668 Zählern, 99 Punkte oder 0,64 Prozent mehr als gestern.

Der Dax in Frankfurt war am Nachmittag ins Plus gedreht nach den enttäuschend ausgefallenen US-Konjunkturdaten. Der deutsche Leitindex weitete kurz vor Handelsschluss seine Gewinne noch aus und schloss 0,48 Prozent oder 43 Zähler höher bei 9.022 Punkten, so hoch wie nie zuvor in seinr 25jährigen Geschichte.

Keine guten Konjunkturdaten

Zuvor war bekannt geworden, dass die September-Umsätze des amerikanischen Einzelhandels erstmals seit sechs Monaten gesunken sind. Diese Daten waren nicht so gut, dass sie ein Rückfahren des Anleihenkaufprogramms der US-Notenbank Fed rechtfertigen würden, begründete Stratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co die Hoffnung der Anleger.

Zudem ist die Stimmung der amerikanischen Verbraucher wegen des jüngsten Haushaltsstreits in den Keller gerauscht. Das Barometer für die Konsumlaune sank im Oktober auf 71,2 Zähler von revidiert 80,2 Punkten im September, wie das Conference Board am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit April.

Die Fed kauft derzeit monatlich Anleihen und Immobilienpapiere über 85 Milliarden Dollar und entscheidet am morgigen Mittwoch über ihre weitere Strategie. Die meisten Experten gehen mittlerweile davon aus, dass die Fed frühestens im kommenden März ihre Geldschleusen ein Stück weit schließen wird.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Eurokurs ist am Dienstag Nachmittag zwar kurz über die Marke von 1,38 Dollar gestiegen, nachdem ein EZB-Ratsmitglied (der österreichische Notenbankchef Nowotny) die Erwartungen für eine weitere Leitzinssenkung gedämpft hatte. Bis zum Abend rutscht die europäische Gemeinschaftswährung aber wieder ab auf zuletzt 1,3745 Dollar.

Bei Nokia gehts wieder aufwärts

Nokia hat im dritten Quartal im operativen Geschäft wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Betriebsergebnis lag bei 118 Millionen Euro, wie der finnische Handykonzern und Netzwerkausrüster am Dienstag mitteilte. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Verlust von 564 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz fiel hingegen um 22 Prozent auf knapp 5,7 Milliarden Euro. Die Aktie legt deutlich zu.

Pfizer gefällt trotzdem

Im Dow waren die Pfizer-Aktien Spitzenwert mit plus 1,50 Prozent auf 31,20 US-Dollar und erreichten damit den höchsten Stand seit neun Jahren. Beim weltweit drittgrößten Pharmakonzern sank im dritten Quartal wegen harter Konkurrenz für ehemalige Kassenschlager zwar erneut der Gewinn, dennoch übertraf er die Erwartung der Wall Street. Der um zwei Prozent rückläufige Umsatz und die gesenkte Schätzung für den Jahresumsatz fanden dagegen kaum Beachtung.

Infineon und Commerzbank an Dax-Spitze

Im Dax gehören Infineon und Commerzbank zu den stärksten Werten. Unmittelbare Nachrichten zu den Unternehmen gibrt es zwar nicht, doch erwarten die Anleger, dass der Halbleiterhersteller solide Quartalszahlen veröffentlichen wird. Die Commerzbank-Aktie lebt ein Eigenleben und profitiert immer noch von Übernahmespekulationen.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Börse in den Miesen

Im Dax muss vor allem die Aktie der Deutschen Börse kräftig Federn lassen. Dem Börsenbetreiber droht eine Strafzahlung in dreistelliger Millionenhöhe wegen angeblicher Geschäfte mit iranischen Kunden. Im dritten Quartal 2013, dessen Bilanz am Abend vorgestellt wird, hat das Unternehmen eine entsprechende Rückstellung gebildet. Damit dürften im dritten Quartal keine Gewinne ausgewiesen werden.

Deutsche Bank-Aktie berappelt sich

Dagegen sind die Papiere der Deutschen Bank nach anfänglichen Verlusten ins Plus gedreht. Wie erwartet hat der heimische Branchenprimus im dritten Quartal einen gewaltigen Gewinneinbruch erlitten. Grund für die enttäuschende Entwicklung sind die inzwischen auf über vier Milliarden Euro aufgestockten Risiken für erwartete Rechtsstreitigkeiten. Gleichzeitig ist der Anleihehandel eingebrochen. Auch der Schweizer Konkurrenz UBS hat schon bessere Tage gesehen. Die Bank musste im dritten Quartal einen Gewinnrückgang auf 577 Millionen Franken verbuchen. Im Vorquartal hatte die größte eidgenössische Bank noch 690 Millionen Franken verdient.

Linde und der starke Euro

Leichte Einbußen verzeichnet die Linde-Aktie. Das Wachstumstempo des Industriegase-Spezialisten und Anlagenbauers hat sich im dritten Quartal wegen des starken Euro verlangsamt. Mit ihren Sparprogrammen konnten sich die Münchner noch etwas dagegen stemmen - bei der Ergebnisprognose treten sie dennoch auf die Bremse.

RWE lässt Anleger kalt

Leicht zulegen kann dagegen die RWE-Aktie. Dass Konzernchef Peter Terium vor dramatischen Verlusten warnt ist offenbar bereits im Kurs enthalten. "Die Erträge reichen nicht, um unsere Schulden zu bedienen. Um es klar zu sagen: eine gefährliche Situation", sagte der Manager mit ungewöhnlich drastischen Worten. Nun müsse der Konzern die Kosten weiter senken. Wegen der Energiewende werde das Ergebnis "dramatisch sinken".

Dialog enttäuscht ein wenig

Im TecDax gehört der Halbleiterhersteller Dialog zu den schwächsten Werten. Dabei hat das Unternehmen im dritten Quartal seinen Umsatz um 22 Prozent auf 219,5 Millionen Euro gesteigert. Wachstumstreibend war die Übernahme des unter dem Namen Power Conversion in den Konzern eingegliederten Halbleiterspezialist "iwatt". Allerdings sorgten die Verluste auch für einen deutlichen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 18,5 auf 9,5 Millionen Dollar.

LPKF schon zu teuer?

Schwächster Wert im TecDax ist allerdings die Aktie von LPKF. Der Laserspezialist leidet an einer Herabstufung durch die DZ Bank. Die hat ihre Kaufempfehlung zurückgezogen und das mit den starken Kursgewinnen der LPKF-Aktie im laufenden Jahr begründet. Das Kursziel wurde um einen auf 15,50 Euro zurückgenommen.

DMG Mori Seiki an MDax-Spitze

Einen Freudensprung um knapp zehn Prozent macht die Aktie des Werkzeugmaschinenbauers DMG Mori Seiki, früher Gildemeister. Das Unternehmen rechnet im Gesamtjahr mit Steigerungen bei Umsatz und Auftragseingang auf über jeweils zwei Milliarden Euro. Bislang waren lediglich stagnierende Erlöse erwartet worden. Im dritten Quartal schnitt das MDax-Mitglied ebenfalls besser als erwartet ab.

Bauer abgestraft

Zweistellig bergab geht es mit der Bauer-Aktie. Der Tiefbauspezialist aus dem SDax erwartet für das laufende Jahr einen Verlust von 20 Millionen Euro. Grund sind erneute Verzögerungen bei Großprojekten im Ausland, vor allem in Jordanien. Ursprünglich hatte das Unternehmen aus dem bayrischen Schrobenhausen einen Gewinnanstieg auf 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

DAB Bank und Sino laufen wieder besser

Die Online-Bank DAB hat die steigende Handelsaktivität ihrer Kunden im dritten Quartal geholfen. Der Gewinn vor Steuern sank nur noch um drei Prozent auf 5,3 Millionen Euro. Damit schwächte sich der Abwärtstrend der ersten zwei Quartale ab. Der Broker Sino ist im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Dank der Einbeziehung der Tochter tick-TS erzielte Sino einen Jahresüberschuss von 3,36 Millionen Euro.

BP-Aktie ködert Anleger

Gefragt ist die Aktie von BP. Dabei hat der Energiekonzern wegen eines schwachen Raffineriegeschäfts im dritten Quartal deutlich schlechter als im Vorjahr abgeschnitten. Das bereinigte Ergebnis brach um ein Viertel auf 3,7 Milliarden Euro ein. Trotz des Gewinneinbruchs kündigte BP an, die Quartalsdividende um 5,6 Prozent anzuheben. Das kommt gut an.

lg

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