Marktbericht 20:02 Uhr

Dax unter 9.500 Punkte Von wegen verkraftbar!

Stand: 05.01.2015, 20:02 Uhr

Die am Wochenende von Berlin losgetretene Debatte um ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurokrise hat die Anleger weltweit in Angst und Schrecken versetzt. Doch das ist nicht der einzige Grund für den Absturz.

Nachdem der Dax am Vormittag sogar leicht ins Plus gedreht war folgt im weiteren Verlauf ein ungeahnter Absturz. Der Leitindex rauscht im Zuge mehrerer Verkaufswellen in der Spitze um mehr als drei Prozent in die Tiefe, bis auf ein Tagestief von 9.468 Punkten.

Am Ende geht der Leitindex bei 9.473 Zählern aus dem Handel, ein Minus von 2,99 Prozent oder 291 Punkten. Ähnlich panisch reagieren auch die Anleger in Paris wo der Leitindex CAC 40 gut drei Prozent verliert.

Angst vor Dominoeffekt

"Wachsende Sorgen um ein Ausscheiden von Griechenland aus der Euro-Währungsgemeinschaft - den sogenannten 'Grexit' - könnten ein erhebliches Risiko für die Konjunktur in der Eurozone in diesem Jahr bedeuten", erklärt der Chefvolkswirt für Europa, Jonathan Loynes, von Capital Economics. Die letzte europäische Krise habe auch mit einem isolierten Problem in Griechenland begonnen und sich dann auf andere Länder ausgeweitet. Dass Berlin einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für verkraftbar hält, glauben die Anleger offensichtlich nicht. Auch der Versuch von Rehgierungssprecher Steffen Seibert, die Grexit-Debatte zu beenden, blieb wirkungslos.

Nur kurz konnte der Dax am Nachmittag seine Verluste auf 0,4 Prozent verringern. Grund für die Beruhigung war die im Dezember im Jahresvergleich auf 0,2 Prozent gesunkene Inflationsrate in Deutschland. Insgesamt sind die Preise 2014 um 0,9 Prozent gestiegen. Das nährt die Hoffnung auf eine baldige Intervention der Europäischen Zentralbank. Die Experten der Commerzbank gehen dehalb davon aus, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 22. Januar den Kauf von Staatsanleihen in großem Stil ankündigen wird.

Auch Dow Jones im Minus

Die Erwartung weiterer Geldspritzen der Notenbank vermochte die Anleger jedoch nicht beruhigen. Für Verunsicherung sorgt inzwischen auch der rapide Verfall der Ölpreise sowie die weitere Abschwächung des Euro. Als Belastung erwies sich auch die sich rapide verschlechternde Lage in Russland, wo die Kurse in der Spitze um fast sechs Prozent eingebrochen sind. Zudem hat der Dax weitere charttechnische Unterstützungsmarken gerissen, was weitere Verkäufe nach sich zog.

Der fallende Ölpreis hat auch den Dow Jones-Index in New York in die Knie gezwungen. Wegen der Kursverluste der beiden Erdölkonzerne ExxonMobil und Chevron sowie einer Herabstufung von Caterpillar eröffnete der Dow gleich zu Beginn schwächer und weitete im weiteren Verlauf seine Verluste aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow gut 1,7 Prozent tiefer bei 17.529 Punkten.

WTI-Öl unter 50 Dollar

Neben Griechenland erweist sich auch der weiter sinkende Ölpreis als Belastung. Viele Ansleger irritierte vor allem das Tempo des Preisverfalls. Nordseeöl der Sorte Brent rutschte in der Spitze um 4,7 Prozent auf 53,75 Dollar je Barrel (159 Liter), US-Leichtöl der Sorte WTI fällt sogar auf 49,95 Dollar, 5,2 Prozent weniger. Beide Sorten notierten damit auf dem Niveau vom Mai 2009, als die Finanzkrise in vollem Gange war.

Auch der Euro bleibt auf Talfahrt. Am Mittag fiel der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung bis auf 1,1864 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit März 2006. Im späteren Verlauf kommt es zu einer leichten Erholung. Bei Börsenschluss am abend notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,1925 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,72
Differenz relativ
+0,39%

Deutsche Börse im Aufwind

Im Dax gehörte die Aktie der Deutschen Börse die meiste Zeit des Tages zu den stärksten Werten, drehte am Schluss aber doch leicht ins Minus. Die kräftig anziehenden Handelsaktivitäten auf dem Computersystem Xetra, im Parketthandel in Frankfurt und bei der Berliner Börse Tradegate – im Dezember plus 27 Prozent auf 109 Milliarden Euro – bestätigt Händlern zufolge den positiven Trend bei dem Frankfurter Börsenbetreiber.

FMC und Merck einzige Gewinner

Einzig Fresenius Medical Care (FMC) und die der Darmstädter Pharmakonzern Merck können bis zum Handelsende leicht zulegen.

Lanxess abgestuft

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,30
Differenz relativ
-1,30%

Dagegen sind die Papiere von Lanxess mit einem Verlust von 6,57 Prozent die mit Abstand schwächsten Werte im Dax. Analyst Ronald Köhler von Mainfirst hatte Lanxess auf "Underperform" von "Trading Buy" herabgestuft, das Kursziel sah der Experte bei 31 Euro. Der Chemiekonzern werde im synthetischen Kautschukmarkt weiter mit heftigem Gegenwind zu kämpfen haben.

BMW hat Ärger in China

Auch Autowerte stehen unter Druck. Der Autobauer BMW will seinen chinesischen Vertriebspartnern umgerechnet 691 Millionen Euro auszahlen. Das verunsichert und drückt die Aktie ins Minus. Kräftig abgeben müssen auch die Vorzüge von Volkswagen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,20
Differenz relativ
-0,62%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,64
Differenz relativ
-1,11%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,06
Differenz relativ
-2,35%

Allianz: Neue Kapitalflucht bei Pimco

Lange Gesichter bei der Allianz-Tochter Pimco: Anleger haben den 20. Monat in Folge Mittel aus dem Vorzeigefonds des Fondsanbieters abgezogen. Im Dezember belief sich der Geldabfluss auf 19,4 Milliarden Dollar. Der "Total Return Fund" verwaltete damit Ende 2014 noch 143,4 Milliarden Dollar – weniger als halb so viel wie zu Spitzenzeiten 2013.

Dialog Semiconductor und…

Im TecDax profitiert die Aktie von Dialog Semiconductor bis zum Handelsende von einer Analystenempfehlung. Das kanadische Investmenthaus RBC Capital Markets hat sein Kursziel für Dialog Semiconductor von 30 auf 34 Euro angehoben und die Kaufempfehlung "Outperform" bekräftigt. Man bleibe optimistisch für den Zulieferer von Mobilfunkchips.

… Morphosys von Analysten befeuert

Zu den wenigen Gewinnern im TecDax gehört auch die Morphosys-Aktie. Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel von 85 auf 87 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Die Aktie von Morphosys sollte sich 2015 weiterhin überdurchschnittlich entwickeln. Grund seien die sich verbessernden Produktperspektiven.

Carl Zeiss Meditec gut gestartet

Ins Minus gerutscht ist dagegen die Aktie des ebenfalls im TecDax notierten Medizintechnik-Herstellers Carl Zeiss Meditec. Dabei ist das Unternehmen mit mehr Umsatz und Gewinn in sein Geschäftsjahr 2014/15 gestartet. Auch erwartet das Unternehmen für das erste Quartal ein über dem Vorjahreswert liegendes Ebit.

Ryanair fliegt auf Rekordhoch

Extrem positiv reagieren die Aktien von Ryanair auf das zuletzt sehr gut laufende Geschäft des Billigfliegers. Die irische Fluggesellschaft hatte zuvor ein Passagierwachstum von 20 Prozent für Dezember gemeldet. Seit Mitte Oktober hat sich die Aktie dank des Ölpreisverfalls um mehr als 50 Prozent verteuert.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr