Von Hoch zu Hoch

Stand: 14.03.2012, 20:02 Uhr

Der Dax ist nicht zu stoppen. Er steigt und steigt. Am Donnerstag überwand der deutsche Leitindex die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten. Eon und die Hoffnung auf eine wieder anziehende Weltkonjunktur beflügelten den Dax.

Krise? Welche Krise? Unter den Anlegern macht sich immer mehr Euphorie breit. Der Dax stieg bereits den sechsten Handelstag in Folge und erreichte mit 7.079 Punkten den höchsten Stand seit sieben Monaten. Der L/E-Dax schloss bei 7.069 Zählern. "Wir haben eine positive Grundstimmung am Markt", meinte ein Händler. In den letzten sechs Handelstagen hat der Dax knapp sieben Prozent zugelegt.

Ähnlich gut lief es an der Wall Street. Der Dow Jones hatte in den letzten fünf Handelstagen gut 400 Zähler gewonnen. Am Donnerstag legten die Anleger eine Verschnaufpause ein. Dow und Nasdaq notieren eine Stunde vor Handelsschluss nahezu unverändert.

Geht es jetzt Richtung 7.500?

Experten sehen noch weiter Potenzial nach oben. "Wenn sich an der Wall Street der Dow Jones über 13.000 und der Nasdaq über 3.000 Punkten etablieren, ist im Dax der Weg frei bis 7.500 Punkte", meint Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die jüngste Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt ein wichtiger Schmierstoff für den Kursaufschwung. Zudem hellen sich immer mehr die Konjunkturaussichten auf, die Angst vor einem Flächenbrand in Europa scheint verflogen.

Fed verbreitet Zuversicht
Die US-Notenbank nährte die Konjunkturzuversicht. Die Fed wies am Dienstagabend auf eine Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt hin. Die Zinsen beließ die Notenbank auf dem historisch niedrigen Stand. Wegen der gesunkenen Arbeitslosenquote verzichtet die Notenbank vorerst auf weitere Geldspritzen zur Konjunkturankurblung.

Dass sich das US-Leistungsbilanzdefizit überraschend deutlich auf rund 124 Milliarden Dollar ausweitete, ließ die Anleger relativ kalt. Volkswirte hatten lediglich ein Defizit von 115 Milliarden Dollar erwartet.

Inflationssorgen in Europa
Derweil schwebt das Inflationsgespenst über Europa. Die Inflation verharrte im Februar wie in den beiden Vormonaten bei 2,7 Prozent. Vor allem die hohen Öl- und Benzinpreise waren für den Anstieg verantwortlich. Die Europäische Zentralbank rechnet jetzt für das Gesamtjahr mit einer Teuerungsrate von 2,1 bis 2,7 Prozent. Noch im Dezember hatte sie einen Rückgang auf 1,5 Prozent vorausgesagt. Der Euro hielt sich bei knapp über 1,30 Dollar.

Griechischer Finanzminister vor Rücktritt
Dagegen rückt die Hellas-Krise zunehmend in den Hintergrund. Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands heraufgestuft - auf "B-". Am Donnerstagabend kündigte der Finanzminister Evangelos Venizelos seinen Rücktritt ein, sobald er zum Vorsitzenden der sozialistischen Partei ernannt wird. Seine Wahl am Sonntag gilt als sicher.

Eon hat Talsohle erreicht
Unter den deutschen Aktien stand vor allem ein Wert im Blickpunkt: Eon. Der Versorger flößte dem Dax neue Energie ein. Die Aktie war mit einem Plus von sieben Prozent absoluter Dax-Spitzenreiter. Der Versorger fuhr zwar wegen der Energiewende erstmals in seiner Geschichte einen Verlust von 2,22 Milliarden Euro ein, der für die Dividende entscheidende nachhaltzige Überschuss schrumpfte aber weniger stark als befürchtet. "Die Talsohle ist erreicht", verkündete Eon-Chef Johannes Teyssen und versprach künftig bessere Zeiten. 2012 peilt Eon wieder eine Steigerung beim operativen Ergebnis an. Das Geschäfgft mit erneuerbaren Energien wird ausgebaut. Zudem einigte sich Eon mit seinem norwegischen Gaslieferanten Statoil auf günstigere Preise.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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(Banken-)Stress lass nach
Der gut ausgefallene Stresstest für die US-Großbanken gab auch den deutschen Finanzwerten Auftrieb. Die Papiere der Commerzbank und Deutschen Bank legten rund drei Prozent zu. Laut den Ergebnissen des Stresstests der US-Notenbank würden 15 der 19 wichtigsten Finanzkonzerne des Landes einen neuerlichen katastrophalen Wirtschaftsabschwung überstehen. Nur wenige Banken wie zum Beispiel die Citigroup fielen beim Test durch. Nun darf die Citi ihre Dividende nicht erhöhen. Die Aktien der Citibank gaben um über drei Prozent nach. Die Titel der Bank of America hingegen stiegen um vier Prozent.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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K+S holt neuen Finanzvorstand
Am Dax-Ende rangierte K+S mit einem Minus von 0,8 Prozent. Am Donnerstag legt der Kasseler Düngemittel- und Salzproduzent seine Jahreszahlen vor. K+S ging Ende Dezember von einem Jahresumsatz von 5,0 bis 5,25 Milliarden Euro aus. Das operative Ergebnis (EBIT) soll auf 0,95 bis 1,00 Milliarden Euro steigen. Am Abend wurde Ex-Hochtief-Manager Burkhard Lohr zum neuen Finanzvorstand berufen. Ralf Bethke soll Aufsichtsratschef bleiben.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Plant Bayer einen Milliarden-Deal?
Zu den Dax-Verlierern zählte auch Bayer. Händler verwiesen auf wieder aufgeflammte Sorgen um eine mögliche Kapitalerhöhung von Bayer. Denn der Konzern dürfte laut Analysten Interesse an einem milliardenschweren Kauf des Tiermedizin-Geschäfts von Pfizer haben. Da half es auch nicht, dass der Chemie- und Pharmakonzern auf einer Investorenkonferenz einen Ausblick bis 2014 gab. Demnach soll der Umsatz im Health Care-Geschäft deutlich auf 20 Milliarden Euro, das Pharmageschäft zweistellig auf 11,5 Milliarden Euro steigen.

Hannover Rück trotzt Katastrophenjahr
Mehrere Firmen aus der zweiten Reihe haben am Mittwoch ihre Jahreszahlen vorgelegt. So hat die Hannover Rück das Katastrophenjahr 2011 besser hinter sich gebracht als der große Konkurrent, die Münchener Rück. Während beim Dax-Konzern der Gewinn um 70 Prozent einbrach, ging er bei der Hannoveraner Konkurrenz nur um 19 Prozent auf 606 Millionen Euro zurück. Die Aktie wurde mit einem Kursplus von knapp zwei Prozent belohnt. Der drittgrößte Rückversicherer der Welt denkt über einen Umzug von Hannover ins europäische Ausland nach.

Hugo Boss setzt auf sportliche Männer
Neue Rekorde stellte derweil der Modekonzern Hugo Boss in Aussicht. 2012 sei eine Umsatzsteigerung ohne Währungseffekte um bis zu zehn Prozent möglich. Auch beim operativen Ergebnis will Boss den Rekord von 469 Millionen aus dem Vorjahr übertrumpfen. Dabei wollen die Schwaben vom Trend zum Anzug und wachsenden Geschäft mit sportlicher Freizeitkleidung profitieren. "Luxus kommt an", meinte Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs. Der Modekonzern will außerdem alle Vorzugsaktien in Stammaktien tauschen. Damit will Hugo Boss sein Gewicht im MDax steigern. Wegen Gewinnmitnahmen schloss die Aktie von Hugo Boss gut zwei Prozent tiefer.

Symrise-Dividende nicht dufte
MDax-Schlusslicht war Symrise. Die Aktie brach fast sechs Prozent ein. Der Duft- und Aromenhersteller enttäuschte mit einem vorsichtigen Ausblick und seinem Dividenden-Vorschlag von 62 Cent je Aktie. Wegen der hohen Rohstoffkosten sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fünf Prozent auf 316 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um zwei Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr stellte Symrise ein Umsatzplus von zwei bis vier Prozent in Aussicht.

Wacker Chemie: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wacker Chemie halbiert Dividende
Neben Symrise gaben auch die Aktien von Wacker Chemie deutlich nach. Der Chemiekonzern litt im vergangenen Jahr unter der Krise im Solargeschäft und verzeichnete einen deutlichen Gewinnschwund auf 356 Millionen Euro. Die Dividende soll deshalb deutlich von 2,20 Euro auf einen Euro je Aktie gekürzt werden. Für 2012 geht Wacker wegen hoher Rohstoffkosten von einem deutlich sinkenden operativen Ergebnis aus.

Amadeus im Jobboom
Ein Rekordjahr erlebte dagegen die Zeitarbeitsfirma Amadeus Fire. Sie steigerte den Umsatz um zwölf Prozent auf 130 Millionen Euro und verdiente 14,8 Millionen Euro - 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn soll vollständig ausgeschüttet werden. Den Aktionären winkt eine 70 Cent höhere Dividende von 2,84 Euro je Aktie. Für 2012 ist Amadeus aber pessimistischer. Wegen der verhaltenen Konjunkturprognosen rechnet die Zeitarbeitsfirma für 2012 nur noch mit stagnierenden Umsätzen. Die Anleger waren dennoch zufrieden. Die Aktie machte einen Sprung von acht Prozent und war größter SDax-Gewinner.

Drägerwerk VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Magerkost von Drägerwerk
Mit einem trüben Dividenden-Ausblick enttäuschte der Medizintechnik-Hersteller die Anleger. Die TecDax-Aktien sackten um 0,7 Prozent ab. Mittelfristig wird Drägerwerk weniger Dividende ausschütten. Es werde mindestens zwei bis drei Jahre dauern, bis wieder eine höhere Dividende ausgeschüttet werde, sagte Finanzchef Gert-Hartwig Lescow. Im abgelaufenen Jahr stieg der Gewinn um gut ein Drittel auf 120,7 Millionen. Der Auftragseingang legte 2011 um 7,6 Prozent auf 2,29 Milliarden Euro zu.

Nordex im Übernahmefantasiesog
Aktien des Windspezialisten im TecDax legten 0,7 Prozent zu. Die Nachricht, dass der französische Mischkonzern Alstom Interesse an einem Kauf des deutschen Konkurrenten Repower habe, löste Übernahmespekulationen im Sektor aus. Laut der "Financial Times Deutschland" hat Alstom bereits Kontakt mit der Repower-Muttergesellschaft Suzlon aufgenommen. Die Preisvorstellung soll bei 1,5 Milliarden Euro liegen.

Init gut unterwegs
Der Verkehrstelematik-Spezialist hat im abgelaufenen Jahr seinen Gewinn um gut die Hälfte auf 15,1 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz verbesserte sich um um zehn Prozent auf 88,7 Millionen Euro. Den Aktionären winkt eine Dividende von 0,80 Euro je Anteilsschein - 20 Cent mehr als im Vorjahr. Die Init-Aktie legte um zwei Prozent zu.

Jubiläumsdividende von Ludwig Beck
In Sachen Dividende zeigt sich auch das Münchner Kaufhaus Ludwig Beck spendabel. Passend zum 1509-jährigen Firmenjubiläum schüttet das Unternehmen zusätzlich zur regulären Dividende von 35 Cent je Aktie nochmals zehn Cent pro Anteilsschein aus. 2010 gab es nur 35 Cent je Aktie. Dank positiver Steuerreffekte und einer Übernahme stieg der Gewinn von Ludwig Beck um über ein Drittel auf 8,8 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte leicht auf 103,3 Millionen Euro.

CA Immo zahlt erste Dividende
Aus Österreich gab es ebenfalls frohe Dividenden-Nachrichten. Der Immobilienkonzern CA Immo schüttet erstmals in seiner Geschichte 38 Cent je Aktie an Dividende aus. Im vergangenen Jahr hat die österreichische Immobilienfirma dank höherer Mietnahmen und dem Verkauf von Immobilien den Gewinn um 387 Prozent auf rund 63 Millionen Euro verbessert. Die Aktien von CA Immo zogen um fünf Prozent an.

Neuer Großaktionär bei Conwert
Mit Conwert stand eine weitere österreichische Immobilienfirma stand im Blickpunkt. Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner wird neuer Großaktionär von Conwert. Er übernimmt ein Aktienpaket von fast 20 Prozent, das bisher der Finanzinvestor Petrus Advisers hielt. Die Conwert-Aktie stieg knapp drei Prozent.

Katar steigt bei Total ein
Für Furore sorgte in Frankreich der Wüstenstaat Katar. Still und leise haben sich die Scheichs beim französischen Ölriesen Total eingekauft. Wie die französische Regierung gegenüber der Wirtschaftszeitung "Les Echos" bestätigte, hat die Katar Holdingeinen Anteil von zwei Prozent an Total erworben. Katar ist in Deutschland an VW und an Hochtief beteiligt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.