Von Freude keine Spur

Stand: 29.07.2010, 20:02 Uhr

Die Unternehmen haben im zweiten Quartal die Krise abgehakt und wieder hohe Gewinne erwirtschaftet. Zuversichtlich blicken sie in die zweite Jahreshälfte. Doch die Anleger trauen dem Frieden nicht und machen erstmal Kasse.

In der Folge hat der Dax heute erneut tiefer geschlossen. Am Abend verliert der Leitindex knapp 40 Punkte, 0,6 Prozent, und schließt bei 6.145. Dabei hatte es bis zum späten Nachmittag noch ganz anders ausgesehen. Dank teilweise hervorragender Quartalsberichte war der Leitindex bis auf 6.243 Zähler geklettert.

Doch eine Stunde vor Handelsschluss setzten plötzlich Gewinnmitnahmen ein und die Märkte gaben nach. "Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage in den USA ziehen es viele Investoren vor, Gewinne mitzunehmen und ein bisschen Kassen zu machen", erklärte ein Marktteilnehmer den plötzlichen Kursrutsch.

Verluste auch an der Wall Street
Auch an den US-Börsen kommt es zu Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte kann bis zum Börsenschluss in Deutschland seine Verluste aber begrenzen und steht 0,2 Prozent tiefer bei 10.471 Punkten. Belastend wirkten sich vor allem Kursverluste bei Chipherstellern aus, nachdem Nvidia seine Umsatzprognose für das zweite Quartal zusammenstrich und dies mit schleppenden Geschäften in Europa und China begründete.

Auch der am gestern veröffentlichte Konjunkturbericht der Notenbank Fed zur wirtschaftlichen Entwicklung in den USA wirkt offenbar nach. Nach Einschätzung der Notenbank machen der weltgrößten Volkswirtschaft weiter eine hohe Arbeitslosenquote und Probleme am Immobilienmarkt zu schaffen.

Auf Höhenflug ist dagegen der Euro. Die Währung hat im Tagesverlauf einen wichtigen Widerstand bei 1,3040 Dollar übersprungen und ist kurzzeitig sogar über die Hürde von 1,31 Dollar geklettert.

Merck macht Lust auf mehr
Stärkster Wert im Dax bleibt bis zum Börsenschluss die Merck-Aktie. Die Darmstädter haben ihre Jahresprognose angehoben und wollen ihr operatives Ergebnis in diesem Jahr fast verdoppeln. Bislang hatte man vorsichtiger mit 30 bis 40 Prozent Ergebniswachstum kalkuliert. Auch der kräftige Gewinnsprung von 70 Prozent im zweiten Quartal hat die Anleger überzeugt. Merck profitiert von der starken Nachfrage nach Flüssigkristallen, die für Flachbildschirm-Fernseher benötigt werden.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW im Turbogang
Hinter Merck drängelt sich die VW-Aktie. Grund für die Hausse sind auch hier die hervorragenden Quartalszahlen. VW konnte sein operatives Ergebnis verdoppeln auf 1,99 Milliarden Euro. Analysten sagten, die Aktie verdiene es, weiter zu steigen. Auch beim Umsatz konnten die Wolfsburger die Erwartungen übertreffen. Die Erlöse legten um 22 Prozent zu auf 33 Milliarden Euro. Analysten hatten nur mit 29,4 Milliarden Umsatz und einem operativen Ergebnis von 1,17 Milliarden Euro gerechnet.

BASF trotz Zahlen im Minus
Die Aktie von BASF ist nach anfänglichen Gewinnen kräftig ins Minus gerutscht. Dabei hat der weltgrößte Chemiekonzern seinen Gewinn im zweiten Quartal verdoppelt auf 2,2 Milliarden Euro und damit die Erwartungen überrascht. Allerdings bleibt BASF bei seiner schwammigen Jahresprognose, wonach der Gewinn deutlich steigen soll.

Bayer-Ausblick beruhigt
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer musste im zweiten Quartal einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen. Im Agrochemiegeschäft und in der Gesundheitssparte setzte Bayer seine Ziele herab. Weil das Unternehmen für das laufende Jahr seine Prognose aber bestätigte und sich für das zweite Halbjahr zuversichtlich zeigt, greifen die Anleger zunächst zu. Erst später kommt es zu Gewinnmitnahmen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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MAN enttäuscht
Einen Spitzenplatz nimmt auch die Aktie von MAN ein, allerdings auf der Verliererseite. Das operative Ergebnis konnte im zweiten Quartal zwar fast verdoppelt werden auf 276 Millionen Euro. Und Umsatz stieg um 16 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Doch Analysten hatten mit mehr gerechnet.

Lufthansa-Aktie auf Sinkflug
Unter den größten Verlierern im Dax ist auch die Aktie von Lufthansa. Nach den Zugewinnen gestern, sind die Anleger wohl doch überrascht, dass die Airline im ersten Halbjahr weiter rote Zahlen schreibt, doch einer spektakulären Wende zum Bessern im zweiten Quartal. Händler vermuten auch Gewinnmitnahmen.

Siemens-Aktie gibt ab
Mit Gewinnmitnahmen reagieren die Anleger auch auf die Quartalszahlen von Siemens. Das operative Ergebnis stieg zwar im vergangenen Quartal um 40 Prozent auf 2,33 Milliarden Euro, der Umsatz um vier Prozent auf 19,17 Milliarden. Beides war besser als erwartet. Selbst der Ausblick wurde optimistischer. Doch laut Analysten waren die Erwartungen bereits sehr hoch und es gab auch kleinere Enttäuschungen.

Gildemeister ganz schwach
Trotz guter Quartalszahlen ist die Aktie von Gildemeister einer der schwächsten Werte im MDax. Börsianer werteten das Quartalsergebnis einhellig positiv. Vor allem der 15-prozentige Anstieg des Auftragseingangs habe angenehm überrascht. Holger Schmidt von Equinet wies darauf hin, dass das Unternehmen zu den Profiteuren der Euro-Kursverluste in diesem Jahre gehöre.

Conergy gerettet
Die Aktie des Solarunternehmens Conergy ist am Abend um knapp acht Prozent in die Höhe geschnellt. Firmenchef Dieter Ammer konnte sich auf eine Verlängerung der Kredite bis Ende 2011 geeinigt. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr die Rückkehr in die operative Gewinnzone.

Boss und Puma überzeugen nicht
Ebenso wenig können Hugo Boss und Puma punkten. Der Sportartikelhersteller hat trotz Fußballweltmeisterschaft nur einen kleinen Umsatzsprung im zweiten Quartal gemacht - gegenüber Konkurrent Adidas sieht man dagegen schlapp aus. Die Aktie bricht um mehr als sechs Prozent ein und ist damit der schwächste Wert im MDax.

Hugo Boss ist dank des Online-Geschäfts auf Wachstumskurs. Die Umsätze des Modekonzerns stiegen im zweiten Jahresviertel um sieben Prozent auf 325 Millionen Euro. Die Aktie verliert dennoch. Ein Händler erklärte die Schwäche damit, dass bereits ein großer Teil der positiven Erwartungen im Kurs enthalten sei.

Smartrac zuversichtlicher
Der Funktechnik-Anbieter Smartrac hat dank erstarkender Nachfrage einen Umsatz- und Gewinnschub verzeichnet und die Erwartungen teilweise übertroffen. Zudem erhöhte das TecDax-Unternehmen seine Jahresumsatzprognose von 140 bis 150 Millionen Euro auf 165 Millionen Euro. "Es war schon immer unser Ziel, auf Basis unserer führenden Position schneller als der RFID Markt zu wachsen", sagte Unternehmenschef Christian Fischer. Im vierten Quartal 2010 will das Unternehmen auch wieder zu alter Stärke bei der Profitabilität zurückzukehren." Kein Wunder, dass die Aktie zu den stärksten Werten im Technologieindex zählt.

Aixtron bricht ein
Nach anfänglichen Zugewinnen ist die Aixtron-Aktie bis zum Börsenschluss einer der schwächsten Werte im TecDax. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen, nachdem das Unternehmen im zweiten Quartal seinen Umsatz verdreifachte und der Gewinn des Maschinenbauers explodierte von 3,3 auf 42,3 Millionen Euro. Außerdem schraubte der Anlagenbauer seine Jahresziele hoch.

Software AG und die Lizenzen
Einer der schwächsten Werte im TecDax ist auch die Aktie der Software AG. Deutschlands zweitgrößter Softwareanbieter hat im zweiten Quartal dank der Übernahme von IDS Scheer Umsatz und Gewinn zwar kräftig erhöht und die Jahresprognose aufgestockt. Dich die guten Ergebnisse fanden unter den Anlegern keine Gnade, weil der Umsatz mit Lizenzen stockte und deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.

Solarworld am TecDax-Ende
Schwächster Wert im TecDax gehören ist das Papier von Solarworld, mit einem Minus von mehr als sechs Prozent. Gar nicht gefallen hat den Anlegern, dass Solarworldchef Frank Asbeck seine Jahresprognose nicht nach oben geschraubt hat. Im dritten Quartal hat das Photovoltaik-Unternehmen dank des Solarbooms in Deutschland allerdings den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte erwirtschaftet. Der Gewinn erholte sich ebenfalls deutlich. Händlern zufolge sind die guten Zahlen keineswegs überraschend.

Takkt an SDax-Spitze
Stärkster Wert im SDax ist der Versandhändler für Büroausstattung Takkt. Ein starkes Quartalsergebnis und angehobene Gesamtjahresziele beflügeln. Dank überraschend niedriger Kosten habe der Netto-Gewinn über seinen Erwartungen gelegen, schrieb LBBW-Analyst Tim Burkhardt. Er halte an seiner Kaufempfehlung und dem Kursziel von zehn Euro fest.

Loewe schockt
Dagegen schockt der TV-Hersteller Loewe gleich mehrfach. Firmenchef Frieder Löhrer schmeißt seinen Job hin und im zweiten Quartal rutschte der Konzern überraschend in die roten Zahlen. Auch für das Gesamtjahr 2010 wird ein Verlust nicht mehr ausgeschlossen. Es kann also nicht überraschen, dass die Loewe-Aktie im SDax die rote Laterne hält.

Grenkeleasing dreht ab
Auch die Aktie von Grenkeleasing verliert, trotz guter Nachrichten. Der Spezialist für Finanzdienstleistungen konnte im zweiten Quartal seinen Reingewinn auf 6,5 Millionen Euro steigern, nach 5,9 Millionen vor einem Jahr. Stolz ist Grenke auch auf sein Neugeschäft. Man habe sogar das Geschäftsvolumen des Vorkrisenjahres 2008 deutlich übertreffen können. Händler erklären das Minus der Aktie mit Gewinnmitnahmen.

Mühlbauer auf Rekordkurs
Ein Rekord-Quartalsergebnis und eine angehobene Prognose haben die Aktie des Spezialmaschinenbauers Mühlbauer beflügelt. Die Papiere steigen zeitweise um mehr als sechs Prozent und sind damit so teuer wie seit August 2008 nicht mehr. Offenbar verdanke der Spezialist für Maschinen zur Herstellung von Chip-Karten und elektronisch lesbaren Reisepässen diese starke Zwischenbilanz staatlichen Aufträgen, schrieb DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp. Die Prognoseanhebung sei eine positive Überraschung und der neue Ausblick optimistischer als seine bisherige Erwartung.

Motorola schafft die Wende
Motorola hat in seinem lange verlustreichen Handygeschäft die Wende geschafft. Vor allem die Smartphones verkauften sich bestens und sorgten für einen ordentlichen Gewinn in der Sparte wie im gesamten Unternehmen. "Wir sind in einer guten Position, unseren Marktanteil im schnell wachsenden Smartphone-Markt auszubauen", sagte Co-Konzernchef Sanjay Jha. Motorola konnte seinen Konzerngewinn im zweiten Quartal auf 162 Millionen Euro versechsfachen. Alle Sparten arbeiteten profitabel. Der Umsatz ging leicht auf 5,4 Milliarden Dollar zurück. Die Aktie legt zu.

Sanofi setzt auf Bio
Der französische Pharma-Konzern Sanofi-Aventis will seine Expansion im Bereich Biotechnologie vorantreiben. Das Unternehmen plant Branchenkreisen zufolge ein formelles Gebot für den US-Konzern Genzyme. Sanofi-Aventis sei bereit, 18,7 Milliarden Dollar für den Entwickler neuer Wirkmittel auf den Tisch zu legen. Im zweiten Quartal steigerten die Franzosen dank der Umsatzschlager Plavix und Eloxatin ihre Erlöse um 4,6 Prozent auf knapp 7,8 Milliarden Euro. Die Aktie fällt dennoch.

Dividendenfreuden bei France Telecom
France Telecom kündigte eine stabile Dividende bis 2012 an, was die Aktie in die Höhe schnellen lässt. Händler zeigten sich euphorisch: "Wenn das nicht für ein Engagement in der Aktie spricht", freute sich einer. France Telecom haben allerdings kräftigen Aufholbedarf.

Telefonica überrascht ebenfalls
Der spanische Telekomkonzern hat im zweiten Quartal dank Zukäufen und eines starken Wachstums in Lateinamerika Umsatz und Gewinn steigern können. Analysten sprechen von starken Zahlen. Positiv entwickelt hat sich auch das Geschäft in Großbritannien und Deutschland. Die Aktie legt um mehr als vier Prozent zu.

Santander überzeugt nicht
Dagegen kann die spanische Banco Santander, das nach Erlösen größte Bankhaus der Eurozone, nicht überzeugen. Die Bank hat im zweiten Quartal unter höheren Kreditausfällen gelitten als gedacht. Der Nettogewinn sank deshalb zwischen April und Juni um acht Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Die Aktie verliert.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.