Von der Hoffnung beflügelt

Stand: 15.06.2012, 20:02 Uhr

Die Aussicht auf eine konzertierte Aktion der wichtigsten Notenbanken hat die europäischen Aktienmärkte am Freitag beflügelt. Auch in den USA steigt die Fantasie.

Dort sind es gerade die sich immer weiter eintrübenden Konjunkturdaten, die viele Anleger auf ein Eingreifen der Notenbank Fed hoffen lassen. Deren Chef, ben Bernanke, hat in der vergangenen Woche seine grundsätzliche Handlungsbereitschaft signalisiert.

Folglich legt der Dow Jones-Index trotz sinkender Industrieproduktion und immer düsterer Stimmung der Verbraucher um gut ein halbes Prozent zu auf 12.724 Punkte.

In Frankfurt geht der Dax mit einem Plus von 1,5 Prozent bei 6.229 Zählern aus dem Handel. Auf Wochensicht gewinnt der deutsche Leitindex 1,6 Prozent. Hierzulande spekulieren die Anleger auf einen neuen Geldsegen der Europäischen Zentralbank, um eventuelle Marktturbulenzen nach den Parlamentswahlen in Griechenland abzufedern.

Hoffnung auf eine konzertierte Aktion
Spekulationen zufolge bereiteten sich die Währungshüter auf global konzertierte Notfallmaßnahmen vor, um im Fall eines Wahlsieges der radikalen Linken in Athen ein befürchtetes Chaos zu verhindern. Sollten sich die Reformgegner durchsetzen könnte das Experten zufolge das Ende des Euro in dem Land besiegeln.

EZB-Chef Mario Draghi sagte am Freitag: "Das Eurosystem wird weiter Liquidität an kreditwürdige Banken bereitstellen, wenn das notwendig ist." Sein japanischer Kollege Masaaki Shirakawa betonte, die Notenbanken stünden in engem Kontakt und beobachteten die Lage genau.

"Die schnelle Reaktion der Notenbanken zeige, dass die Welt sich auf ein Lehman-ähnliches Ereignis vorbereitet", sagte Marktanalystin Dafni Serdari von Intertrader und spielte damit auf den Bankrott der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 an, der in der Finanzkrise wie ein Brandbeschleuniger gewirkt hat.

Euro über 1,26 Dollar
Auch der Euro kann sich bis zum Handelsschluss deutlich erholen. Die Gemeinschaftswährung klettert auf 1,264 Dollar, rutscht aber am Nachmittag wieder auf 1,2602 Dollar ab. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Anleihen liegt knapp unter der kritischen Sieben-Prozent-Marke, die sie am Donnerstag erstmals seit Einführung des Euro übersprungen hatten.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,13
Differenz relativ
-1,12%
Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,33
Differenz relativ
-1,78%

Cobank probt den Aufstand
Die Hoffnung auf Euro-Hilfen beflügelt die Aktie der Commerzbank, die um über fünf Prozent zulegt und damit zu den Favoriten im Dax zählt. Auch das Papier von ThyssenKrupp klettert nach einer positiven Analystenstudie um über drei Prozent. Damit erholt sich das Papier etwas vom katastrophalen Kursverlauf im Mai.

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,02
Differenz relativ
+0,12%
Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
65,00
Differenz relativ
+0,03%

Fresenius kommt bei Rhön kaum voran
Verlierer im deutschen Leitindex ist die Aktie von Fresenius Mecical Care. Derweil kommt der Mutterkonzern Fresenius SE, bei der geplanten Übernahme von Rhön-Klinikum nur langsam voran. Bis Freitagmittag seien dem Konzern 3,53 Millionen Rhön-Aktien angedient worden, erklärte Fresenius auf seiner Internet-Seite. Dies entspricht 2,55 Prozent des Grundkapitals. Rechnet man die Rhön-Anteile von Personen aus dem Umfeld von Fresenius hinzu sowie die 12,45 Prozent, die Rhön-Gründer Eugen Münch und seine Frau an Fresenius verkaufen wollen, kommt der hessische Konzern auf rund 15 Prozent des Grundkapitals von Rhön

Rheinmetall: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,82
Differenz relativ
+1,76%

Analysten mögen Rheinmetall
Die Aktie des Rüstungsherstellers hat sich nach positiven Kommentaren mehrerer Analysten an die Spitze des MDax gesetzt und legt um mehr als sechs Prozent zu. Die Equinet-Analyst Adrian Pehl stufte die Aktie herauf auf "buy" von "accumulate", senkte das Kursziel aber auf 42 von 52 Euro. Auch Berenberg-Analyst Stephan Klepp empfiehlt die Aktie zum Kauf.

Auch die in den letzten Wochen arg geschundene Aktie des Stahlhändlers Kloeckner & Co. gewinnt über fünf Prozent.

Hochtief: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,30
Differenz relativ
-1,98%

Bilfinger auf Einkaufstour
Bilfinger-Aktien legen ebenfalls überdurchschnittlich zu. Der Bau- und Dienstleistungskonzern will sich durch Zukäufe im Ausland breiter aufstellen. Wie Firmenchef Roland Koch in einem Interview mit dem "Handelsblatt" ankündigte, wollen die Mannheimer vor allem in Indien, Südostasien und Nordamerika zukaufen. "Bis zum kommenden Frühjahr werden sie Akquisitionen in den USA und Asien sehen", kündigte Koch an.

Auch Hochtief blickt ins Ausland
Ähnliche Überlegungen wie Roland Koch hat auch Konkurrent Hochtief. Das Unternehmen hat nach einem Pressebericht dabei vor allem den kanadischen Markt im Visier. Die kanadische Tochter Turner sieht im heimischen Markt deutlich mehr Wachstum als in den USA, sagte Lars Leitner, Strategiechef von Turner. Die Aktie legt ebenfalls deutlich zu.

Fortschritte bei Wilex
Wilex-Aktien steigen um gut drei Prozent. Das Münchener Unternehmen hat Fortschritte bei der Entwicklung eines neuen Medikaments erzielt. Der Einsatz von Mesupron in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Capecitabine von Roche habe sich positiv ausgewirkt. Mesupron ist gedacht für Patienten mit metastasiertem Brustkrebs.

Nokia nur noch Ramsch
Bitteres Urteil für Nokia. Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des angeschlagenen Handyherstellers auf Ramschniveau herabgestuft. Wegen seines teuren Sanierungsprogramms billigen die Analysten der Agentur dem finnischen Unternehmen nur noch die Bonitätsnote "Ba1" zu, wie sie am Nachmittag mitteilten. Zuvor hatten sie Nokia noch eine Stufe höher mit "Baa3" bewertet. Gleichzeitig hat die Schweizer Großbank UBS das Kursziel für Nokia nach der erneuten Gewinnwarnung von 3,00 auf 2,00 (Kurs: 1,891) Euro gesenkt.

H&M über Erwartungen
Wie bereits zu Beginn der Woche der Zara-Mutterkonzern Inditex hat auch der schwedische Konkurrent H&M im ersten Quartal mehr umgesetzt als erwartet Die Erlöse stiegen auf vergleichbarer Basis um drei Prozent, Analysten hatten hingegen einen Rückgang von einem Prozent erwartet. Absolut, also inklusive aller neu eröffneten Läden, stiegen die Erlöse um 15 Prozent auf 31,7 Milliarden schwedische Kronen. Endgültige Zahlen gibt es am 20. Juni.

Dell legt eins drauf
PC-Hersteller Dell meldet sich nach Angaben aus beteiligten Kreisen im Übernahmekampf um die Softwarefirma Quest zurück. Mit einer Offerte von 2,15 Milliarden Dollar überbietet Dell das Angebot der Beteiligungsgesellschaft Insight Venture Partners. Damit ist das Rennen wieder offen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.