Marktbericht 20:07

Dax schliesst erstmals über 8.700 Punkten Von Bilderbuchcharts und neuen Rekorden

Stand: 11.10.2013, 20:07 Uhr

Auf Basis der Schlusskurse hat der Dax es schon geschafft und ein neues historisches Allzeithoch markiert. Vor allem die Aussicht auf eine Annäherung im US-Etatstreit hat für viel neuen Schwung an der Börse gesorgt. Der Aufschwung ist dabei breit untermauert - da kann man schon mal ins Schwärmen kommen.

Der Dax beendet eine von Hoffen und Bangen gekennzeichnete Woche letztlich versöhnlich mit einem Wochenplus von 1,2 Prozent. Der heutige Tagesgewinn fiel allerdings mit einem Kursplus von 0,45 Prozent nicht so üppig aus wie am Vortag. Aber trotzdem, einen so hohen Schlusskurs hat es noch nie gegeben - rekordverdächtig. Nachbörslich ging die Party weiter, der L/E-Dax legte noch eine Schippe drauf und schloss bei 8.743 Zählern.

Absolut betrachtet steht der Dax damit hervorragend da und zeigt hohe relative Stärke. Von Ausverkaufsstimmung jedenfalls keine Spur, trotz des massiven Störfeuers aus Amerika. Im Gegenteil, das Allzeithoch auf Verlaufsbasis von 8.770 Punkten ist nur noch einen Wimpernschlag entfernt.

"Die rechtzeitig erwartete Einigung zwischen Demokraten und Republikanern, ein ordentlicher Start in die US-Quartalssaison und vor allem die Gewissheit über eine weiter expansive Geldpolitik unter der künftigen US-Notenbankchefin Janet Yellen trieben den Dax in Richtung eines neuen Rekordhochs", sagte Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research.

Deutscher Aktienmarkt in Topform - ein Desaster für die Bären

Auch der Index für die mittelgroßen Werte ließ sich heute nicht lumpen und erreichte mit 15.235 Zählern ebenfalls ein neues Allzeithoch. Nur ein Punkt fehlte am Ende, dann wäre der Schlussstand auch gleichzeitig ein neues Verlaufshoch gewesen. Beim Blick auf den Chart des Index dürften dabei nicht nur technische Analysten ins Schwärmen kommen. Der Aufwärtstrend in diesem Jahr 2013 ist geeignet, in jedes Lehrbuch aufgenommen zu werden.

Ein nahezu identisches Bild ergibt sich für den TecDax, den deutschen Technologieindex. Dieser schloss heute bei 1.088 Punkten und damit nur ganz knapp unter dem bisherigen Schlusskurshoch von 1.090 Punkten. Bis zum Verlaufshoch bei 1.097 Zählern ist es wahrlich nicht mehr weit.

Um das Aktienglück perfekt zu machen, auch der Kleinwerteindex SDax legte 0,3 Prozent zu auf 6.556 Zähler. Das sind nur drei Punkte weniger als beim bisherigen Rekordhoch von 2007. Auch das eine bemerkenswerte Entwicklung die zeigt, dass der Aktienaufschwung breit untermauert ist.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.700,89
Differenz relativ
-0,24%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.569,53
Differenz relativ
-0,08%
SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.567,50
Differenz relativ
-0,54%

US-Märkte setzen auf das Blockadeende

Auch an der Wall Street bauen die Indizes aktuell ihre Kursgewinne aus. Sie profitieren natürlich ebenfalls von den zahlreicher werden Signalen auf ein Ende der politischen Odyssee zwischen den beiden Parteien im Kongress. Diese Einsichten dürften zumindest auf republikanischer Seite durch neueste Umfragen beflügelt worden sein, nach denen mittlerweile 53 Prozent der Amerikaner die Republikaner für die Misere verantwortlich machen. Noch nie war das Ansehen der Partei auf einem niedrigerem Niveau als aktuell.

Grund genug also für John Boehner, den republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, das unwürdige Spiel mit der Haushaltsblockade endlich zu beenden - möglichst ohne dabei das Gesicht zu verlieren.

Die Anleger scheinen dafür ein feines Gespür zu haben. Die Börsenampeln stehen auf Grün, es scheint, als ob nur noch die Meldung über den endgültigen Vollzug fehlt. Für eine baldige Lösung sprechen auch Meldungen aus dem Umfeld der heute in Washington beginnenden Jahrestagung des IWF und der Weltbank.

Versorger unter Druck, defensive Werte gesucht

Am heimischen Markt verloren Eon 3,58 Prozent und waren damit Tagesverlierer, auch Branchenkonkurrent RWE gab nach und folgte direkt dahinter. Laut einem "Handelsblatt"-Bericht verlangt der russische Energiekonzern Gazprom nachträglich mehr Geld für eine Beteiligung, die er vor Jahren den beiden deutschen Partnern Eon und BASF am westsibirischen Gasfeld Juschnorusskoje eingeräumt hatte. Zu den Gewinnern zählten die defensiven Verlierer der Vortage, Fresenius und Merck.

Adidas mit großen Plänen

Auch die Adidas-Aktie gehörte zu den größten Tagesgewinnern im Dax. Der Sportartikelkonzern will unter anderem dank der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Jahr kräftig zulegen. Er rechne 2014 mit einem "deutlichen Umsatzsprung“, sagte Adidas-Chef Herbert Hainer dem "Handelsblatt".

Millionengeschacher bei der Commerzbank

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%

Am Montag will der Aufsichtsrat der Bank zusammentreten, um über das Schicksal der beiden Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber zu beraten. Nach Informationen informierter Kreise will Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller beide im Zuge der beschlossenen Verkleinerung des Vorstandes von neun auf sieben Personen abberufen. Verhandelt wird bereits seit rund zwei Monaten.

Es geht vor allem um die Höhe der Abfindungen, beide haben noch einen Vertrag bis zum Jahr 2017. Nach den Bestimmungen der Bank hätten sie Ansprüche auf zwei Jahresgehälter, rund 2,5 Millionen Euro. Bankintern wird aber mit mehr gerechnet. Aus der Politik kam die Forderung, nicht mehr als eine Million zu zahlen. Die Bank äußerte sich nicht. Die Aktie gab 1,6 Prozent nach.

K+S drehen ins Plus

Die Aktien des Salz- und Düngemittelherstellers K+S haben während des Handelstages ihr Vorzeichen gewechselt und schlossen unter Tageshoch 0,85 Prozent besser. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach sich der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko für eine Wiederbelebung des Kali-Kartells zwischen Belaruskali und Uralkali ausgesprochen haben soll. Eine Wiederherstellung des Kartells sollte sich positiv auf den Kali-Preis auswirken.

Zuvor litt das Papier unter der Gewinnwarnung des weltgrößten Düngemittelproduzenten Potash. Die Kandier haben ihre Prognose für das dritte Quartal gesenkt. Anstatt 45 bis 60 US-Cent je Aktie rechnet das Unternehmen nun nur noch mit 41 Cent

VW auf der Sonnenseite

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Es läuft und läuft im Wolfsburger Konzern. Zum ersten Mal verkaufte der Mehrmarkenkonzern in den ersten drei Vierteln des laufenden Jahres weltweit bereits 7,03 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, wie VW am Freitag mitteilte. Damit dürfte ein neuer Absatzrekord kaum noch zu verfehlen sein. Vor allem die internationale Ausrichtung macht sich positiv bemerkbar, betonte Vertriesbchef Christain Klingler.

Im Einzelmonat September kamen die Wolfsburger so wie bei ihrer Kernmarke VW-Pkw auch konzernweit auf einen starken Verkaufsmonat. 856.900 abgesetzte Fahrzeuge bedeuten 7 Prozent Zuwachs gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat. Die im Dax notierte Vorzugsaktie stieg 0,66 Prozent und damit etwas stärker als der Markt. Im Wochenvergleich legte das Papier 4,2 Prozent zu und gehörte damit zu den erfolgreichsten Dax-Werten.

Fraport auf Wachstumskurs

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat im September deutlich mehr Passagiere abgefertigt. Auf allein Konzern-Flughäfen zusammen genommen lag das Plus bei 5,8 Prozent auf 11,1 Millionen. Das Luftfrachtaufkommen stagnierte dagegen. Die Aktie baute im späten Geschäft ihre Gewinne aus und schloss 1,23 Prozent höher bei 54,95 Euro.

H&R mit vorläufigen Zahlen

Das Spezialchemieunternehmen aus dem SDax hat überraschend vorläufige Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Bei einem Umsatz nach neun Monaten von 941,1 Millionen Euro lag das um einen Einmaleffekt bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) zum 30. September bei 25 Millionen Euro und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 46,3 Millionen Euro.

Gleichzeitig wurde der Ausblick konkretisiert. Das Ebitda wird den Vorjahreswert von 49,4 Millionen Euro nicht erreichen, sondern sich zwischen 33 und 38 Millionen Euro einpendeln. Die Anleger entschlossen sich nach einigem Überlegen dann doch, zuzugreifgen. Das Papier gewann 3,21 Prozent und gehörte zu den größten Gewinnern im SDax. Endgültige Zahlen gibt es am 14. November.

BayWa setzt auf Expansion

Der Chef des Agrarhändlers BayWa, Klaus-Josef Lutz, hat in einem Interview die Zukunftsstrategie seines Unternehmens umrissen. Wachsen will man danach sowohl im Getreidehandel als auch in den Bereichen Obst und Technik. Lutz nannte Beispiel für globale Trends, etwa bei den veränderten Essgewohnheiten in Asien, wo mehr und mehr europäische Kost nachgefragt wird. Die Gedankenspiele des Managers kamen gut an, im SDax gehörte auch die BayWa-Aktie zu den größten Tagesgewinnern.

Cancom will Pironet kaufen

Der IT-Dienstleister Cancom hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für den Konkurrenten Pironet vorgelegt. Die Münchener bieten 4,50 Euro je Pironet-Aktie. Für die Transaktion will Cancom erneut das Kapital erhöhen.

Übernahmeofferte für KHD - Aktie haussiert

Der chinesische Großaktionär des Kölner Traditionskonzerns KHD will den Zementanlagenbauer für rund 320 Millionen Euro schlucken. Geboten werden 6,45 Euro je Anteilsschein. Der chinesische Staatskonzern Avic ist über eine Tochter bereits mit 20 Prozent beteiligt. Die Aktie schoss knapp 25 Prozent nach oben. Gut 63 Prozent der Aktien sind im Streubesitz.

Royal Mail ist an der Börse

Der Börsengang der britischen Post Royal Mail ist ein voller Erfolg geworden. Die zu 330 Pence am oberen Ende der Preisspanne herausgegeben Aktien lagen am Schluss bei an der Londoner Börse bei 455 Pence. Allerdings war der Handel am Freitag nur für institutionelle Anleger vorbehalten. Kleinanleger müssen bis Dienstag warten, bis sie zum Zuge kommen.

Milliarden-Rechtsrisiken bei JP Morgan

Im dritten Quartal ist die erfolgsverwöhnte amerikanische Großbank wegen Rückstellungen für Rechtsrisiken im Volumen von 9,2 Milliarden Dollar für Rechtsrisiken in die roten Zahlen gerutscht. Die Bank wies ein Minus von 380 Millionen Dollar aus nach einem Gewinn von 5,71 Milliarden Dollar vor Jahresfrist. Operativ wurden die Erwartungen der Analysten aber getroffen, so dass die Aktie aktuell an der New Yorker Börse leicht im Plus liegt.

Wells Fargo verdient prächtig

Wesentlich besser läuft es hingegen beim Konkurrenten Wells Fargo. Die Großbank hat im dritten Quartal das Nettoergebnis um 13 Prozent auf 5,58 Milliarden Dollar gesteigert. Allerdings belasteten die zuletzt gestiegenen Zinsen das Neugeschäft. Wells Fargo gilt als der größte Immobilienfinanzierer in Amerika. Die Aktie, die den größten Teil des Jahres sehr gut gelaufen war, hat mittlerweile ihre Verluste von immerhin zwei Prozent aus dem frühen Geschäft komplett aufgeholt und tendiert an der New Yorker Börse aktuell unverändert.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"